Paul Henri Thiry d’Holbach

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Paul-Henri Thiry d’Holbach um 1785, Ölgemälde von Alexander Roslin

Paul-Henri Thiry d’Holbach, Baron d’Holbach, (geboren bzw. getauft am 8. Dezember 1723 in Edesheim bei Landau − gestorben am 21. Januar 1789 in Paris)[1] war ein Philosoph der französischen Aufklärung, der vor allem für seine religionskritischen und atheistischen Thesen bekannt ist.

Holbach war ein Mitarbeiter der Encyclopédie, für die er zahlreiche Artikel über Metallurgie, Chemie und verwandte Themen verfasste. Berühmtheit erlangte sein Buch System der Natur (Système de la Nature ou Des Loix du Monde Physique et du Monde Moral), das er 1770 unter dem Namen des zu der Zeit bereits seit zehn Jahren verstorbenen Jean-Baptiste de Mirabaud veröffentlichte. In diesem Werk trat er ausdrücklich für den Atheismus ein und betrachtete die Natur als materialistisch-deterministisch wirkende Kette von Prozessen. Die Moralgesetze lassen sich ebenso als wahr erkennen wie die Naturgesetze und bilden mit diesen ein gemeinsames System, das dem Menschen ein glückliches und zufriedenes Leben ermöglicht. Die Irrtümer der Menschen darüber, was ihr Glück ausmacht, sind die wirkliche Quelle ihrer Leiden. Einen göttlichen Schöpfer gebe es nicht. Die Ursache allen Geschehens sei in der Bewegung der Atome zu suchen - eine deutliche Anlehnung an den epikureischen Atomismus. In der „Vorerinnerung des Verfassers“ heißt es:

„Der Mensch ist nur darum unglücklich, weil er die Natur verkennt. Sein Geist ist so sehr von Vorurteilen angesteckt, dass man glauben sollte, er sei für immer zum Irrtume verdammt. Die Binde dieses Wahnes, welche man ihm, von seiner frühesten Kindheit an, über die Augen zieht, hängt denselben so fest an, dass man sie ihm nur mit der äußersten Mühe wieder entreißen kann. Ein gefährlicher Gärungsstoff mischt sich allen seinen Kenntnissen ein; und macht sie notwendiger Weise dunkel, unsicher, betrüglich. Zu seinem Unglücke wollte der Mensch aus den Grenzen seiner Sphäre treten. Er versuchte es, sich über die sichtbare Welt heraus zu schwingen, und unaufhörlich wiederholte schmerzliche Rückfälle haben ihm vergebens die Torheit seines Unternehmens vorgehalten. Er wollte Metaphysiker sein, ehe er Physiker war; er verachtete das Wirkliche, um über Chimären zu brüten; er verachtete die Erfahrung, um sich an Lehrgebäude und Mutmaßungen zu hängen. Er wagte es nicht, seine Vernunft auszubauen, gegen die man ihn frühzeitig einzunehmen bedacht gewesen war. Er gab vor sein Schicksal, in den Luftgefilden eines künftigen Lebens zu kennen, ehe er noch bekümmert war, sich in seinem gegenwärtigen Aufenthalte glücklich zu machen. Mit einem Worte, der Mensch verachtete die Beobachtung der Natur, um Phantomen nachzulaufen, welche, gleich jenen täuschenden Lichtern, die der Wanderer bisweilen bei Nacht erblickt, ihn erschrecken, blenden, und von dem einfachen Wege der Wahrheit abbringen, auf welchem er allein zur Glückseligkeit gelangen kann.“ (Lit.: System der Natur, Erster Teil, XI)

Später schrieb Holbach vor allem moralphilosophische und politische Werke. Wegen der heftigen Kritik am bestehenden absolutistischen Regime und an der Kirche publizierte dieser Aufklärer anonym oder pseudonym, weshalb seine Autorschaft bei mehreren ihm zugeschriebenen Werken nicht eindeutig geklärt ist. Sein Pariser Haus war ein Treffpunkt und ein wichtiges Zentrum des Gedankenaustauschs unter den Aufklärungsphilosophen, den »philosophes«.

„Der Materialismus oder eigentlich Mechanismus des 18. Jahrhunderts wie etwa im «Systeme de la nature» von Holbach, das Goethe in seiner Jugend so furchtbar gehaßt hat, er ist die Ohnmacht, an das Wesen des Menschen heranzukommen mit demjenigen, was in der äußeren Natur in der damaligen Zeit schon und später so wirksam geworden ist. Und noch das 19. Jahrhundert nagte an diesem Unvermögen: An den Menschen konnte man nicht herankommen.“ (Lit.:GA 326, S. 131)

Siehe auch

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Der 8. Dezember 1723 ist das Taufdatum laut Kirchenregister; die Tafel am Geburtshaus nennt es als Geburtsdatum. In amtlichen und kirchlichen Dokumenten wird der Familienname mit Tiry, Tirry, Thiry oder Tyerry angegeben (Tierry ist eine französische Entsprechung von „Dietrich“); seit 1754 unterschrieb er in Papieren mit Notariatscharakter stets mit Paul Thiry d’Holbach. Vgl. Sauter, Loos: Paul Thiry Baron d’Holbach: Die gesamte erhaltene Korrespondenz. S. 7.


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