Weltgegenden

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Rekonstruktion der Weltkarte von Hekataios von Milet (ca. 560 bis 480 v. Chr.), der die Erde noch als eine von einem ringförmigen Ozean begrenzte Scheibe darstellte, wie sie auch in den Epen Homers beschrieben wird. Pythagoras (um 570 bis 510 v. Chr) und die Pythagoräer sprachen hingegen schon von einer kugelförmigen Erde im Mittelpunkt der Welt.

Vier Weltgegenden (lat. plagae mundi) oder Himmelsgegenden wurden seit der Antike unterschieden, die sich an den vier Haupthimmelsrichtungen bzw. am täglichen Sonnenlauf orientieren. Schon die Römer teilten die ihnen bekannte Welt zunächst in vier Bereiche auf, die sie nach der römischen Sonnenuhr bestimmten (→ siehe unten).

Aristoteles

Aristoteles leitete die Weltgegenden von den primären klimatischen Qualitäten Trocken (Osten, entsprechend der riesigen kontinentalen Landmasse Asiens), Feucht (Westen, entsprechend dem Atlantik), Warm (Süden) und Kalt (Norden) ab und stellte auch eine Verbindung zu den vier Elementen her, in denen je zwei dieser Qualitäten zusammenwirken: Erde = kalt/trocken, Wasser = kalt/feucht, Luft = warm/feucht und Feuer = warm/trocken[1].

Nach Rudolf Steiner wurde Alexander der Große für seinen zehnjährigen Alexanderzug (334 bis 324 v. Chr.), durch den die griechische Kultur in der ganzen damals bekannten Welt verbreitet wurde, von Aristoteles in dieser Lehre unterwiesen, die ihren Ursprung in den Mysterien hatte:

„Alexander lernte durch Aristoteles gut kennen, daß dasjenige, was draußen in der Welt lebt als das irdische, das wäßrige, das luftige, das feurige Element, auch im Menschen drinnen lebt, daß der Mensch in dieser Beziehung ein wirklicher Mikrokosmos ist, daß in ihm, in seinen Knochen, das irdische Element lebt, daß in seiner Blutzirkulation und in alle dem, was Säfte in ihm sind, Lebenssäfte sind, das wäßrige Element lebt; daß in ihm das luftige Element in der Atmung und Atmungserregung wirkt, in der Sprache wirkt, daß das feurige Element in den Gedanken lebt. Alexander wußte sich noch in den Elementen der Welt lebend. Aber indem man sich in den Elementen der Welt lebend fühlte, fühlte man auch noch seine innige Verwandtschaft mit der Erde. Heute reist der Mensch nach Ost, nach West, nach Nord, nach Süd: er empfindet nicht, was da eigentlich alles auf ihn einstürmt, denn er sieht ja nur dasjenige, was seine äußeren Sinne wahrnehmen, und er sieht ja nur, was die irdischen Substanzen in ihm wahrnehmen, nicht was die Elemente in ihm wahrnehmen. Aber Aristoteles konnte den Alexander lehren: Wenn du auf der Erde nach dem Osten ziehst, ziehst du immer mehr und mehr hinein in ein dich austrocknendes Element. Du ziehst in das Trockene hinein (siehe Zeichnung).

Sie müssen sich das nicht so vorstellen, daß, wenn man nach Asien hinüberzieht, man ganz austrocknet. Es ist natürlich das so, daß es feine Wirkungen sind, aber Wirkungen, die durchaus nach den Anleitungen des Aristoteles Alexander in sich empfand. Er konnte sich in Makedonien sagen: Ich habe einen gewissen Grad von Feuchtigkeit in mir; der vermindert seine Feuchtigkeit, indem ich nach Osten hinüberziehe. - So fühlte er mit der Wanderung auf der Erde die Konfiguration der Erde, wie man fühlt, sagen wir, wenn man einen Menschen berührt, über irgendeinen Teil seines Körpers streichelnd fährt, wie der Unterschied ist zwischen Nase und Augen und Mund. So nahm eine solche Persönlichkeit, wie die geschilderte, noch wahr, wie der Unterschied ist, wenn man sich erlebt, indem man immer mehr und mehr in das Trockene hineinkommt, und wie man sich erlebt, wenn man nach der anderen Seite, nach dem Westen, in das Feuchte hineinkommt.

Zeichnung aus GA 233, S. 79 (Tafel 6)

Die anderen Differenzierungen, die erleben die Menschen, wenn auch grob, noch heute. Gegen Norden erleben sie ja das Kalte, gegen Süden das Warme, das Feurige. Aber jenes Zusammenspiel von feucht-kalt, wenn man nach dem Nordwesten hinüberkam, das fühlen die Menschen nicht mehr. Aristoteles machte rege in Alexander, was Gilgamesch erlebt hat, als er den Zug nach dem Westen hinüber unternommen hatte. Und die Folge davon war, daß im unmittelbaren inneren Erleben der Schüler das wahrnehmen konnte, was nun eben erlebt wird in der Zwischenzone zwischen feucht und kalt nach Nordwesten hin: Wasser. Und es war durchaus nicht nur eine mögliche, sondern eine sehr wirkliche Redensart für einen solchen Menschen wie Alexander, daß er nicht sagte: Dahin geht der Zug, nach Nordwesten -, sondern: Dahin geht der Zug, wo das Element des Wassers die Oberherrschaft führt. - In der Zwischenzone zwischen feucht und warm liegt das Element, wo die Luft die Oberherrschaft führt. So war es in den alten griechisch-chthonischen Mysterien gelehrt, so war es in den alten samothrakischen Mysterien gelehrt, so war es von Aristoteles seinem unmittelbaren Schüler gelehrt. Und in der Zwischenzone zwischen kalt und trocken, also gegen Sibirien zu von Makedonien aus, wurde die Region der Erde erlebt, wo die Erde selbst, das Irdische die Oberherrschaft führte, das Element Erde, das Feste. In der Zwischenzone zwischen warm und trocken, also gegen Indien hin, wurde jene Region der Erde erlebt, wo vorherrschte das Feuerelement. Und so war es, daß der Schüler des Aristoteles nach Nordwesten zeigte und sagte: Da empfinde ich herwirkend auf der Erde die Wassergeister. - Daß er nach Südwesten zeigte und sagte: Da her empfinde ich die Luftgeister. - Daß er nach Nordosten zeigte, und da die Geister der Erde vorzugsweise heranschweben sah. Daß er nach Südosten zeigte, gegen Indien zu, und die Geister des Feuers heranschweben oder in ihrem Elemente sah.

Und Sie empfinden jene tiefe Verwandtschaft gegenüber dem Natürlichen und gegenüber dem Moralischen, wenn ich jetzt am Schlusse sage, es entstand in Alexander die Redensart: Ich muß aus dem kaltfeuchten Elemente heraus mich ins Feuer stürzen, den Zug nach Indien unternehmen! - Das war eine Redensart, die ebenso an Natürliches anknüpfte, wie sie anknüpfte an Moralisches, wovon wir dann morgen sprechen wollen. Aber ich wollte Sie hineinführen anschaulich in dasjenige, was da lebte. Denn in dem, was da verhandelt wurde zwischen Alexander und Aristoteles, sehen Sie zu gleicher Zeit sich spiegeln den ganzen Umschwung in der weltgeschichtlichen Entwickelung. Man konnte noch im intimen Unterricht in der damaligen Zeit sprechen von den großen Mysterien der vergangenen Zeit. Dann nahm die Menschheit nur mehr das Logische, das Abstrakte, die Kategorien auf, während sie das andere zurückstieß. Daher deuten wir damit zugleich auf einen ungeheuren Umschwung in der weltgeschichtlichen Entwickelung der Menschheit, auf einen allerwichtigsten Punkt in dem ganzen Hergang der europäischen Zivilisation in ihrem Zusammenhange mit dem Orient.“ (Lit.:GA 233, S. 78ff)

Der Feldzug Alexanders des Großen von Frühjahr 334 bis März 324 v. Chr.

Die römischen Weltgegenden

Das Römische Reich und seine Provinzen zur Zeit seiner größten Ausdehnung unter Kaiser Trajan in den Jahren 115–117

Die Römer bestimmten, wie bereits eingangs erwähnt, die vier Hauptweltgegenden (lat. plagae cardinales) nach den vier Haupthimmelsrichtungen, die sie mittels der Sonnenuhr leicht ermitteln konnten:

Eine noch feinere Unterteilung, die auch die vier Nebengegenden (plagae intermediae) einbezog, orientierte sich an den acht hauptsächlichen römischen Winden, den Venti:

Siehe auch

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Weltgeschichte in anthroposophischer Beleuchtung und als Grundlage der Erkenntnis des Menschengeistes, GA 233 (1991), ISBN 3-7274-2331-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Einzelnachweise

  1. vgl. dazu Aristoteles: Über Entstehen und Vergehen, II pdf