Radioaktivität

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Die drei Arten radioaktiver Strahlung unterscheiden sich sehr charakteristisch durch ihre Geschwindigkeit.

Unter Radioaktivität (von lat. radius, Strahl; frz.: radioactivité - der Name wurde 1898 von Marie Curie geprägt.) oder radioaktivem Zerfall (Kernzerfall) versteht man die spontane, unter hoher Energieabgabe verlaufende Umwandlung instabiler Isotope chemischer Elemente. In der Regel findet dabei eine Transmutation zu einem anderen chemischen Element statt; in seltenen Fällen ändert sich durch reinen Neutronenaustoß nur die Massenzahl, wodurch ein anderes Isotop des selben chemischen Elements gebildet wird. Die hohe Strahlungsenergie entsteht dabei - wegen der Äquivalenz von Masse und Energie - durch Umwandlung von Masse in reine Energie gemäß der bekannten Einsteinschen Gleichung E = mc2. Mit der Radioaktivität ist also eine Auflösung bzw. eine Metamorphose in eine andere, strahlungsartige Erscheinungsform der Materie verbunden.

Das Zerfallsgesetz

Das Zerfallsgesetz beschreibt ganz allgemein die exponentielle Abnahme einer Größe vom anfängliches Wert N mit der Zeit t. Das gilt z. B. auch für die Anzahl radioaktiver Atomkerne in einer gegebenen Substanzprobe.

Der radioaktive Zerfall folgt dem exponentiellen Zerfallsgesetz: LaTeX: N(t)= N_0 \cdot \mathrm e^{-\lambda t}.

LaTeX: N_0 ist dabei die Anzahl der anfangs (LaTeX: t = 0) vorhandenen Atomkerne. Die Zerfallswahrscheinlichkeit wird durch die Zerfallskonstante LaTeX: \lambda bestimmt und meist in der Einheit 1/Sekunde angegeben. Der Kehrwert der Zerfallskonstante ist die Lebensdauer LaTeX:  \tau= \frac{1}{\lambda}  . Anstatt der Lebensdauer wird häufig die Halbwertszeit LaTeX: T_{1/2} angegeben, also die Zeit, in der die Hälfte des radioaktiven Materials zerfällt:

LaTeX:  T_{1/2}=\tau  \ln 2=\frac{\ln 2}{ \lambda}

Für das natürliche Uranisotop 238U beträgt beispielsweise die Halbwertszeit etwa 4,468 Milliarden Jahre, also knapp weniger als das aus geophysikalischen Daten geschätzte Alter der Erde. Das natürliche Radiumisotop 226Ra hat hingegen eine Halbwertszeit von „nur“ 1602 Jahren und mithin eine viel größere Zerfallsrate oder Aktivität, die in Kernzerfällen/Sekunde in der Einheit Bequerel (Bq) angegeben wird. Die Aktivität zu einem bestimmten Zeitpunkt LaTeX: t errechnet sich aus dem Zerfallsgesetz durch Multiplikation mit der Zerfallskonstanten, d.h.:

LaTeX: A(t) = \lambda \cdot N(t) = \lambda \cdot N_0 \cdot e^{-\lambda t} = A_0 \cdot e^{-\lambda t}.

Strahlungs- und Zerfallsarten

Abschirmung von α-Strahlen durch ein Blatt Papier, von β-Strahlen durch ein dünnes Aluminiumblech und von γ-Strahlen durch einen dicken Blei-Block.

Durch den radioaktiven Zerfall entsteht aus dem ursprünglichen Atomkern ein leichterer Tochterkern. Die freigesetzte Energie wird in Form von Strahlung freigesetzt. Die häufigsten und am längsten bekannten Strahlungsarten wurden 1903 von Ernest Rutherford (1871-1937) als Alpha-, Beta- und Gamma-Strahlung bezeichnet.

Alpha-Zerfall

Emission eines Alphateilchens (Protonen rot, Neutronen blau)

Beim Alpha-Zerfall (α) werden doppelt positiv elektrisch geladene Alphateilchen als Alphastrahlung augesendet. Sie bestehen aus zwei Protonen und zwei Neutronen und sind damit identisch mit dem Kern des Heliumatoms, der eine ganz besonders stabile Kernkonfiguration aufweist. Alphastrahler entwickeln daher in ihrer Umgebung stets Heliumgas. Aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Masse hat die Alphastrahlung nur eine relativ geringe Geschwindigkeit von durchschnittlich 1/10 der Lichtgeschwindigkeit und kann schon durch ein Blatt Papier abgeschirmmt werden. α-Strahlung mit einer kinetischen Energie von 5 MeV hat in der Luft eine Reichweite von 3,6 cm; bei 10 MeV sind es rund 10 cm. Im lebenden Gewebe beträgt die Reichweite nur 0,04 mm und wird durch die absorbierte Energie schwer geschädigt.[1][2]

Ein typisches Beispiel ist der α-Zerfall von Uran-238 in Thorium-234:

LaTeX: {}^{238}_{\ 92} \mathrm U \to {}^{234}_{\ 90} \mathrm{Th} + \alpha

Beta-Zerfall

Der Beta-Zerfall beruht auf der schwachen Wechselwirkung und kann in mehreren Varianten auftreten.

Beta-Minus-Zerfall

β-Strahlung (Protonen rot, Neutronen blau)

Beim Beim Beta-Minus-Zerfall (β) werden einfach negativ elektrisch geladenene Elektronen, die aus dem Atomkern und nicht aus der Elektronenhülle des Atoms stammen, als Betastrahlung ausgesendet. Dabei wird ein Neutron in ein Proton umgewandelt. Die leichten Elektronen erreichen dabei Geschwindigkeiten bis zu gut 9/10 der Lichtgeschwindigkeit. Außerdem wird auch ein Antineutrino ausgesendet, das einen Teil der Strahlungsenergie trägt:
LaTeX: {}^{1}_{0} \mathrm {n} \to {}^{1}_{1} \mathrm {p} + \mathrm{e}^{-} + \overline{{\nu}}_e
Auch freie Neutronen unterliegen dem Beta-Minus-Zerfall. Die Massenzahl des Kerns bleibt dabei erhalten, die Ordnungszahl, d.h. die Anzahl der Protonen im Kern, wird um 1 erhöht.

Ein Beispiel ist der Zerfall von Kohlenstoff-14 in das stabile Isotop Stickstoff-14:

LaTeX: {}^{14}_{\ 6} \mathrm C \to {}^{14}_{\ 7}\mathrm N + e^- + \overline\nu_\mathrm{e}

Beta-Plus-Zerfall

β+-Strahlung

Beim Beta-Plus-Zerfall (β+) wird hingegen ein Proton in ein Neutron umgewandelt. Dabei wird ein Positron und ein Neutrino abgestrahlt:
LaTeX: {}^{1}_{1} \mathrm {p} \to {}^{1}_{0} \mathrm {n} + \mathrm{e}^{+} + \nu_e
Auch hier bleibt die Massenzahl unverändert, die Ordnungszahl jedoch um 1 verringert.

Ein Beispiel ist der Zerfall von Stickstoff-13 in das stabile Isotop Kohlenstoff-13:

LaTeX: {}^{13}_{\ 7} \mathrm N \to {}^{13}_{\ 6} \mathrm C + e^+ + \nu_e

Elektroneneinfang

Der Elektroneneinfang oder Epsilonzerfall (ε) beruht darauf, dass ein Elektron aus einer inneren Schale der Elektronenhülle von einem Proton des Kerns eingefangen und dadurch unter gleichzeitiger Abstrahlung eines Elektron-Neutrinos zu einem Neutron umgewandelt wird:

LaTeX: {}^{1}_{1} \mathrm {p} + \mathrm{e}^- \rightarrow {}^{1}_{0} \mathrm {n} + {\nu}_e

Wie beim Beta-Plus-Zerfall bleibt die Massenzahl unverändert, die Ordnungszahl jedoch um 1 verringert.

Ein Beispiel ist der Zerfall von Nickel-59 zu Kobalt-59:

LaTeX: {}^{59}_{28} \mathrm {Ni} + e^- \to {}^{59}_{27} \mathrm {Co} + \nu_e

Da die eingefangenen Elektronen aus der Elektronenhülle stammen, ist die Halbwertszeit hier im Gegensatz zu anderen Zerfallsarten bis in den Prozentbereich von äußeren Einflüssen wie dem Aggregatzustand, eventuellen chemischen Bindungen oder dem Druck abhängig. Für den durch Elektroneneinfang bedingten Zerfall von 7Be zu 7Li vermutete bereits 1949 Emilio Segrè eine Abhängigkeit der Zerfallsrate von der Elektronendichte im kernnahen Bereich[3]. 1999 berichtete Chih-An Huh von bis zu 1,5 % unterschiedlichen Halbwertszeiten für Be2+(OH2)4, Be(OH)2 und BeO (T½ = 53,69 d, 53,42 d und 54.23 d)[4]. T. Ohtsuki et al. zeigten, dass in C60-Käfigen (Buckminster-Fulleren) gefangene 7Be-Atome eine um etwa 0,83 % längere Halbwertszeit haben (53.12 d) als in metallischem Beryllium (52.68 d) [5].

Doppelter Elektroneneinfang

Ein doppelter Elektroneneinfang () kann in seltenen Fällen stattfinden, bei denen ein einfacher Elektroneneinfang energetisch nicht möglich ist. Bedingt durch die geringe Wahrscheinlichkeit dieses Prozesses sind die Halbwertszeiten entsprechend lang. Beispielsweise hat der Zerfall von 124Xe eine Halbwertszeit von 18 Trilliarden (1,8·1022) Jahren und ist damit der seltenste jemals bobachtete Zerfall:

LaTeX: \mathrm{{}^{124}_{\ 54}Xe}+2\mathrm{e}^- \rightarrow\mathrm{{}^{124}_{\ 52}Te}+2\,\nu_e

Gamma-Zerfall

Emission von Gammastrahlung (schematisch)

Der Gamma-Zerfall (γ) begleitet beide vorangehend genannte Strahlungsarten. Er tritt auf, wenn ein bei einem vorangegangenen Zerfall gebildeter Atomkern zunächst in einem angeregten Zustand verblieben ist und meist rasch in den Grundzustand zurückfällt. Die dabei freigesetzte Gammastrahlung besteht aus Photonen, hat also lichtartigen Charakter und bewegt sich demnach auch mit Lichtgeschwindigkeit, ist aber noch deutlich energiereicher als die Röntgenstrahlung. Zur Abschirmung sind Elemente mit hoher Ordnungszahl am effektivsten, weshalb meist Blei verwendet wird, da noch schwerere Elemente selbst radioaktiv sind.

Ein Beispiel für den γ-Zerfall ist etwa ein angeregter Nickel-60-Kern, der (meist) durch den Beta-Zerfall eines Cobalt-60-Kerns enstanden ist: LaTeX: {}^{60}_{28} \mathrm {Ni}^{*} \to {}^{60}_{28} \mathrm {Ni} + {\gamma}

Innere Konversion

Eine innere Konversion (eng. internal conversion, kurz: IC) findet statt, wenn ein angeregter Zustand nicht durch Aussendung eines γ-Quants zerfällt, sondern seine Energie direkt auf ein Elektron der Elektronenhülle überträgt. Aufgrund des Schalenaufbaus der Elektronenhülle zeigt die dadurch ausgesendete β-Strahlung (anders als der herkömmliche β-Zerfall) ein diskontinuierliches Energiespektrum.

So zerfällt etwa 203Hg durch regulären β-Zerfall zunächst zu einem angeregten 203Tl-Kern. Dieser kann im zweiten Schritt entweder durch Gamma-Zerfall oder durch innere Konversion in den Grundzustand übergehen. Die beiden letzteren Prozesse sind energetisch gleichwertig und liefern eine Energie von 279 keV, die der Energiedifferenz zwischen dem angeregten Zustand und dem Grundzustand entspricht:

LaTeX: {}^{203}_{80} \mathrm {Hg}   & \to & {}^{203}_{81} \mathrm {Tl}^{*+} + \mathrm{e}^- \mathrm + \ \overline{\nu}_e    (β-Zerfall)
LaTeX: {}^{203}_{81} \mathrm {Tl}^* & \to & {}^{203}_{81} \mathrm {Tl}\ \ + \gamma    (γ-Zerfall)     oder    LaTeX: {}^{203}_{81} \mathrm {Tl}^* & \to & {}^{203}_{81} \mathrm {Tl}^+ + \mathrm{e}^-    (Innere Konversion)

Spontane Spaltung

Eine spontane Spaltung (eng. spontaneous fission, kurz: SF) kann bei schweren Atomkernen ab Thorium (Ordnungszahl 90) auftreten. Der Kern zerfällt dabei spontan ohne äußere Einwirkung in zwei, seltener auch in mehr mittelschwere Tochterkerne. Meist werden dabei auch zwei oder drei Neutronen abgestrahlt, z.B.:

LaTeX: {}^{235}_{\ 92} \mathrm {U} \rightarrow {}^{142}_{\ 56} \mathrm {Ba} + {} {}^{90}_{36} \mathrm {Kr} + 3 ~ {}^{1}_{0} \mathrm {n}

oder

LaTeX: {}^{238}_{\ 92} \mathrm{U} \rightarrow  {}^{96}_{38} \mathrm{Sr} + {} {}^{140}_{\ 54} {\rm Xe} + 2 \ {} ^{1}_{0} \mathrm{n}

Spontane Nukleonenemission

Eine spontane Nukleonenemission (p, n, 2p, 2n) kann bei Kernen auftreten, die einen hohen Überschuss an Protonen oder Neutronen haben, z.B.:

LaTeX: {}^9 \mathrm{B } \to {}^8 \mathrm{Be} + {}^1_1 \mathrm{p} (p)
LaTeX: {}^5 \mathrm{He} \to {}^4 \mathrm{He} + {}^1_0 \mathrm{n} (n)
LaTeX: {}^{26}_{16} \mathrm {S} \to {}^{24}_{14} \mathrm {Si} + 2 ~ {}^{1}_{1} \mathrm {p} (2p)
LaTeX: {}^{16}_{4} \mathrm {Be} \to {}^{14}_{4} \mathrm {Be} + 2 ~ {}^{1}_{0} \mathrm {n} (2n)

Zerfallsreihen

Durch den radioaktiven Zerfall entstehen häufig Nuklide, die ihrerseits radioaktiv sind. So bildet sich eine ganze Kette aufeinanderfolgender Zerfallsreaktionen, eine sogenannte Zerfallsreihe oder Zerfallskette, die zuletzt bei einem stabilen Nuklid endet. Innerhalb einer Zerfallsreihe wechseln Alpha-Zerfälle und Beta-Zerfälle mehr oder weniger regelmäßig ab. Beim Alphazerfall verringert sich die Massenzahl LaTeX: A um LaTeX: 4, beim Betazerfall bleibt sie konstant. Schreibt man die Massenzahl in der Form LaTeX: A = 4 n + m \qquad n,m \in \mathbb N mit LaTeX: m = 0,\ 1,\ 2,\ 3 an, so bleibt LaTeX: m innerhalb einer Zerfallsreihe konstant. Damit ergeben sich folgende vier Zerfallsreihen:

m Zerfallsreihe Endprodukt
0 Thorium-Reihe 208Pb
1 Neptunium-Reihe 205Tl
2 Uran-Radium-Reihe 206Pb
3 Uran-Actinium-Reihe 207Pb

Die Endprodukte von drei der vier natürlichen radioaktiven Zerfallsreihen sind die stabilen Bleiisotope 206Pb, 207Pb und 208Pb. Sie haben die schwersten stabilen Atomkerne, was dadurch erklärt wird, dass sie die magischen Protonenzahl 82 haben, was einer voll aufgefüllten Kernschale entspricht. Von der vierten Zerfallsreihe kommt natürlicherweise nur mehr das extrem langlebige Bismutisotop 209Bi vor. Sie endet beim Thaliumisotop 205Tl. Die kurzlebigen Anfangsglieder dieser Reihe, wie etwa das namensgebende Neptuniumisotop 237Np, können heute nur mehr in Kernreaktoren künstlich erzeugt werden.

Nach Rudolf Steiner hat Blei als typisches Saturnmetall außertellurischen Charakter. Über seine Rolle als Endprodukt des radioaktiven Zerfalls sagt Steiner:

„Aber da habe ich Ihnen ja sagen müssen, daß man da zu einem Einfluß kommt, der außertellurisch ist und den wir identifizieren mußten mit dem Blei. Sie erinnern sich, wie wir Blei, Zinn und Eisen als Kräfte bezeichneten, die mit dem oberen Menschen zu tun haben. Die Neigung ist heute noch keine sehr große, so etwas anzuerkennen. Es wird die Neigung noch keine sehr große sein, vom Menschen nach außen zu gehen und in der Bleiwirkung etwas Besonderes zu sehen, was wiederum zusammenhängt mit dem, daß der Mensch durch das Herz sich seinen Wasserstoff bereiten läßt, der dann der Träger ist für die Zubereitung des Denkapparates. Aber das unbewußte Forttreiben der menschlichen Entwickelung bändigt — ich meine jetzt nicht durch irgendeine Agitation, aber das unbewußte Forttreiben der menschlichen Entwickelung bändigt — die Menschheit zur Anerkennung dieser Tatsache heran. Denn daß das Blei irgendwie in der außermenschlichen Natur eine Rolle spielt, wenn wir es auch nur seinen Funktionen nach betrachten, das kann ja der heutige Mensch nicht mehr ableugnen, da er unter den Umwandelungsprodukten des Radiums, die die Wissenschaft festgestellt hat, neben der Abspaltung des Heliums das Blei nun wirklich gefunden hat. Geradeso, wie da das Blei gefunden worden ist, wenn es auch heute noch nicht ganz genau nach seinem sogenannten Atomgewicht stimmt, aber es wird ja schon als Blei angesprochen, so wird das Zinn gefunden werden, so wird von dem, was außermenschlich ist, aber zugleich von der außermenschlichen Natur als Einziges in die menschliche Natur eingreift, das Eisen gefunden werden. Ich meine, es ist notwendig, daß man sich heute nicht nur durch solche Dinge heranbändigen läßt, wie die Röntgenwissenschaft ist, die ja einen wunderbaren Fingerzeig eigentlich abgibt für dieses Herausgehen ins Außermenschliche und das Kommen nicht bloß zu den grobklotzigen Metallen, die uns in der Erde gegeben sind, sondern zu den Metallkräften, die von dem Außertellurischen hereinwirken. Das ist etwas, was heute schon gesagt werden muß. Denn man wird gerade beim Auftreten, ich möchte sagen, der heutigen neuartigen Krankheiten bemerken, daß man auf solche Dinge durchaus Rücksicht zu nehmen hat.“ (Lit.:GA 312, S. 234f)

„Nehmen Sie den Fall, daß die alten Initiierten überall im irdischen ätherischen Dasein vorausgesetzt haben Blei. Denn der Strahlung des Bleies haben sie zugeschrieben, was in der Menschengestalt von dem äußersten Ende, von oben nach unten wirkt. Sie haben in dem auf der Erde vielfach verbreiteten Blei etwas gesehen, was mit der inneren Formbildung des Menschen zusammenhängt, namentlich auch mit dem menschlichen Selbstbewußtsein. Nun wird natürlich der heutige materialistische Denker sagen:

Aber das Blei spielt ja im Menschenorganismus keine Rolle. - Da würde ihm der alte Initiierte gesagt haben: An so grob vorhandenes Blei, wie du denkst, haben wir allerdings nicht gedacht, sondern an ganz feines, nur in Kraftwirkung vorhandenes Blei. Und solches Blei ist sehr verbreitet. - So würde der alte Initiierte gesagt haben.

Was sagt der moderne Naturforscher? Er sagt: Es gibt Mineralien, welche Ausstrahlungen haben. Zu diesen Ausstrahlungen rechnet man ja die sogenannten radioaktiven Ausstrahlungen. Nicht wahr, man kennt die Ausstrahlungen des Urans, man weiß, wenn gewisse Strahlen - Alphastrahlen nennt man sie - ausstrahlen, dann ist zunächst eben das Ausgestrahlte da; dasjenige, was dann weiter noch ausstrahlen kann, verändert sich in einer gewissen Weise, bekommt sogar, wie man in der Chemie sagt, ein anderes Atomgewicht, kurz, es entstehen auch innerhalb desjenigen, was da als strahlende Materie vorhanden ist, Verwandlungen. Es sprechen ja sogar heute manche schon von einer Art Wiederaufleben der alchimistischen Stoffverwandlung. Nun aber sagen diejenigen, die solche Dinge untersucht haben: Dabei entsteht innerhalb dieses Strahlens etwas, was dann als ein Produkt auftritt, das nicht mehr radioaktiv ist, das sogenannte Radium G, und das hat die Eigenschaften des Bleies. Sie können also rein aus dem modernen Naturwissenschaftlichen heraus finden: Da sind radioaktive Substanzen; innerhalb dieser ganzen radioaktiven Strahlungen ist etwas, was seiner Kraft nach in Bildung begriffen ist. Da ist überall Blei auf dem Untergrunde enthalten.

Sie sehen, die moderne Naturforschung nähert sich in ganz bedenklicher Weise der alten Initiationswissenschaft. Und ebenso, wie sie heute schon - ich möchte sagen mit der Nase, wenigstens mit der Nase der physikalischen Instrumente - auf das Blei gestoßen wird, wird sie auch auf die anderen Metalle gestoßen. Und dann wird sie nach und nach schon darauf kommen, was damit gemeint war, wenn man sagte, daß man in dem Saturnhaften überall das Blei findet. Sie sehen, nur mit geisteswissenschaftlichem Blick läßt sich in seiner Bedeutung auch das durchschauen, was heute selbst naturwissenschaftlich auftritt und mit dem man ja in dem breiteren Wesen des Erkennens nicht viel anzufangen weiß.“ (Lit.:GA 213, S. 93f)

Die Frage nach Beginn und Ursprung der Radioaktivität

Entgegen der vorherrschenden naturwissenschaftlichen Auffassung trat nach Ansicht Rudolf Steiners das Phänomen des radioaktiven Zerfalls erst verhältnismäßig spät in der Erdentwicklung auf:

„Sieben Formzustände bilden zusammen eine Runde. Die Erde macht jetzt ihre vierte Runde durch, und diese ist die mineralische. Die Aufgabe des Menschen ist es, während dieser Zeit das Mineralreich zu verarbeiten. Es ist schon Arbeit am Mineralreich, wenn der Mensch einen Feuerstein nimmt und einen Keil zurechthämmert, mit dem er andere Dinge bearbeitet. Wenn er Felsen abträgt und aus den Steinen Pyramiden baut, wenn er aus Metallen Werkzeuge macht, wenn er den elektrischen Strom in einem Netz über die Erde führt, bearbeitet der Mensch das Mineralreich. So verwendet der Mensch das ganze Mineralreich in seinem Dienst. Er macht die Erde vollständig zu einem Kunstwerk. Wenn der Maler Farben nach seinem Manas kombiniert, bearbeitet er auch das Mineralreich. Wir sind jetzt in der Mitte dieser Tätigkeit und in den nächsten Rassen (Hauptzeitaltern) wird es ganz umgearbeitet werden, so daß zuletzt kein Atom mehr auf der Erde sein wird, das nicht vom Menschen bearbeitet worden ist. Früher haben sich diese Atome immer mehr verfestigt; jetzt aber treten sie wieder immer mehr auseinander. Die Radioaktivität hat es früher gar nicht gegeben, daher konnte man sie früher gar nicht entdecken. Die gibt es erst seit einigen Jahrtausenden, weil jetzt die Atome sich immer mehr zersplittern.“ (Lit.:GA 93a, S. 76)

Bei einem Besuch Dr. Steiners auf dem Gut Tannbach bei Gutau, unteres Mühlviertel, das Graf Polzer gehörte, wurde eine nachweislich radioaktive Quelle aufgesucht und geschmacklich gekostet. Im anschließenden Gespräch sagte Rudolf Steiner, dass die Radioaktivität erst seit dem Mysterium von Golgatha in der Erde sei (Lit.: Polzer-Hoditz, 8. Juni 1918).

Bedeutsam erschien es Steiner, dass sich die drei Arten radioaktiver Strahlung sehr charakteristisch durch ihre Geschwindigkeit unterscheiden:

„320“ (Lit.:GA 157ff)

„Wenn auch die wenigsten Menschen das heute noch beachten, so muß man doch sagen: die letzten zwanzig Jahre haben eigentlich gerade auf dem Gebiete der Physik die denkbar größte Revolution hervorgerufen. Vorstellungen, die vor dreißig Jahren noch als unerschütterlich galten, sind heute durchaus revolutioniert. Man braucht nur den Namen Einstein zu nennen oder den Namen Lorentz, des holländischen Physikers, und man kann, indem man diese Namen nennt, hinweisen auf eine ganze Fülle von Tatsachen und Auseinandersetzungen, welche die Physik, wie sie noch vor dreißig Jahren war, durchaus revolutioniert, erschüttert haben. Es kann das, was hier vorliegt, natürlich von mir nicht in den Einzelheiten ausgeführt werden. Aber auf diese Tatsache der Revolutionierung der Physik, die ja in gewissen Kreisen schon bekannt genug ist, muß doch hingewiesen werden. Nun aber kann man sagen: Während zum Beispiel etwas so Bedeutsames vorliegt wie die Revolutionierung des alten Masse- und Materiebegriffes durch die neuere Strahlungstheorie der Elektrizität, finden unsere wissenschaftlichen Vorstellungsarten keine Möglichkeit, zurechtzukommen mit dem, was da eigentlich durch die Fülle der Experimente dem Menschen entgegengetreten ist. Aus der Anschauung der strahlenden Materie im Glasvakuum konnte man sehen, daß dieselben Eigenschaften, die man früher der Materie beigelegt hat, zum Beispiel eine gewisse Geschwindigkeit und Beschleunigung, man nunmehr genötigt ist, der strahlenden Elektrizität beizulegen; man hat also sozusagen den Materiebegriff unter den Fingern verloren. Das stellte sich aus der Anschauung der Fülle von Experimenten heraus, daß nicht irgend etwas hätte gesetzt werden können an die Stelle des alten Materiebegriffes; und aus der Einsteinschen Relativitätstheorie mit ihren furchtbar kalten Abstraktionen läßt sich auch so etwas nicht herausgewinnen wie eine wirkliche Anschauung desjenigen, mit dem man es eigentlich in der äußeren Natur zu tun hat.“ (Lit.:GA 73a, S. 30)

Siehe auch

Literatur

Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1.  Hans Albrecht Bethe, Julius Ashkin: Passage of radiations through matter. In: Experimental Nuclear Physics. Volume 1, Part II, John Wiley & Sons, New York 1953.
  2. M.J. Berger, J.S. Coursey, M.A. Zucker, J. Chang: ESTAR, PSTAR, and ASTAR: computer programs for calculating stopping-power and range tables for electrons, protons, and Helium ions (version 1.2.3). National Institute of Standards and Technology, Gaithersburg 2005.
  3. E. Segrè, C.E. Wiegand: Experiments on the Effect of Atomic Electrons on the Decay Constant of Be-7, Physical Review, vol. 75, Issue 1, pp. 39-43 (1949)
  4. Chih-An Huh: Dependence of the decay rate of 7Be on chemical forms, in: Earth and Planetary Science Letters 171 (1999), pp. 325–328 pdf
  5. T. Ohtsuki et al.: Enhanced Electron-Capture Decay Rate of 7Be Encapsulated in C60 Cages, Physical Review Letters, vol. 93, Issue 11, id. 112501 (2004) pdf