Aggregatzustand

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Halit (Steinsalz) ist ein typischer kristalliner Feststoff.
Wasser ist bei Zimmertemperatur eine typische Flüssigkeit.
Plasma der Sonnenatmosphäre während der totalen Sonnenfinsternis vom 11. August 1999
Polarlicht über dem Bear Lake bei dem US Luftwaffenstützpunkt Eielson in Alaska

Aggregatzustände sind phänomenologisch deutlich unterscheidbare, von Druck und Temperatur abhängige physikalische Zustandsformen der Materie. Es gibt die drei klassischen Aggregatzustände fest, flüssig und gasförmig und darüber hinaus weitere nichtklassiche Zustandsformen, insbesondere das Plasma, das oft als vierter Aggregatzustand gezählt wird. Bezüglich ihrer physikalischen Eigenschaften korrespondieren diese vier Aggregatzustände mit den klassischen vier Elementen Erde, Wasser, Luft und Feuer. Zu Beginn der Erdentwicklung hat es sie allerdings in der heutigen Form noch nicht gegeben - und noch weniger auf den früheren Weltentwicklungsstufen, die unserer Erde vorangegangen sind.

Physikalische Grundlagen

  • Flüssigkeiten behalten ihr Volumen auch bei hoher Krafteinwirkung bei, ihre Form ist aber fließend unbeständig und passt sich dem umgebenden Raum an. Ohne Gefäß gehen nicht benetzende Flüssigkeit wie etwa Quecksilber in die Tropfengestalt über, die im Idealfall, bei Abwesenheit äußerer Kräfte wie etwa der Schwerkraft, kugelförmig ist.
  • Gase (von griech. χάος Chaos[1]) haben keine eigenständige Form und verteilen sich gleichmäßig über den ihnen zur Verfügung stehenden Raum.

Der feste und flüssige Aggregatzustand werden zusammenfassend auch als kondensierte Materie bezeichnet. Die sog. weiche kondensierte Materie lässt sich nicht eindeutig dem festen oder flüssigen Zustand zuordnen. Dazu zählen u.a. Flüssigkristalle, Gele, kolloidale Suspensionen wie beispielsweise Blut, Elastomere, Polymerschmelzen, Polymerlösungen und Polyelektrolyte, zu denen auch viele Biopolymere wie etwa die DNA gehören, und auch Tenside. Viele dieser Substanzen zeigen nichtlineare Materialeigenschaften und neigen zur Bildung komplexer dynamischer Strukturen durch Selbstorganisation - ein Zeichen dafür, dass sie gestaltende Ätherkräfte weit besser aufnehmen können als Stoffe, die in den klassischen Aggregatzuständen vorliegen.

Gase und Flüssigkeiten besitzen eine endliche Viskosität („Zähflüssigkeit“) und werden gemeinsam als Fluide (von lat. fluidus „fließend“) bezeichnet.

Geisteswissenschaftliche Hintergründe

Aus einer goetheanistischen Betrachtung, die sich unbelastet von Theorien an der Anschauung orientiert, erkennt man ein wesentliches Urphänomen, das mit den wechselnden Aggregatzuständen verbunden ist. Der Gaszustand drängt nach einer Vermischung und Vereinheitlichung aller irdischen Substanzen, während der feste Zustand zur Individualisierung drängt, z.B. in Form einzelner Kristalle. Flüssigkeiten halten die Mitte zwischen diesen beiden Polen.

"Wir müssen es vermeiden, abzusehen von dem Anschaulichen, wir müssen durchaus den Versuch machen, im Anschaulichen, das heißt, in dem mit der Anschauung Konstatierbaren zu verbleiben. Daher werden wir uns immer streng an das Anschauliche halten und versuchen, aus dem Anschaulichen heraus eine Erklärung für die Erscheinungen zu finden. Und besonders solche Dinge, die einfach in der Anschauung sich ergeben, wie die Ausdehnung und eine solche Unregelmäßigkeit in der Ausdehnung, wie sie uns beim Wasser, also bei einer Flüssigkeit entgegentritt, solche tatsächlichen Dinge wollen wir uns vor Augen stellen und innerhalb der Tatsachenwelt verbleiben. Das ist auf dem physikalischen Gebiet wirklicher Goetheanismus.

Halten wir also dasjenige, was nun nicht eine Theorie ist, sondern was eine in der Außenwelt konstatierbare Tatsache ist, fest: Mit dem Übergang in den gasigen Zustand tritt eine Vereinheitlichung sämtlicher Substanzen auf der Erde ein. Und mit dem Übergang in den festen Zustand nach unten tritt ein Individualisieren, eine Differenzierung nach Individuen ein." (Lit.: GA 321, S. 41)

Die Aggregatzustände als von den Ätherkräften verlassene Substanzen

Aus geisteswissenschaftlicher Sicht sind die heutigen Aggregatzustände die zurückgelassenen Leichname früherer physisch-ätherischer Substanzzustände, die weitgehend von den damals in ihnen wirkenden Ätherkräften verlassen wurden.

Zeichnung aus GA 321, S. 193

"Dasjenige, was also der Leichnam Ihnen darbietet, das zwingt Sie zu sagen: Der ist so, wie er da ist, von etwas verlassen worden. - Das ist nichts anderes, als wenn Sie sagen: Das Irdisch-Feste ist vom Leben, das Irdisch-Flüssige von den Emanationen chemischer Effekte, das Irdisch-Gasförmige von den emanenten Lichteffekten verlassen worden. - Und wie wir vom Leichnam zurückblicken auf das Leben, wo der Leichnam mit dem Seelisch-Geistigen verbunden war, so blicken wir von den festen Körpern der Erde zurück, indem wir diese festen Körper zurückführen auf frühere Zustände physischer Art, wo das Feste mit dem Leben verbunden war, wo die ganze Erde nicht ein Festes in unserem jetzigen Zustande war, geradesowenig wie der Leichnam vor fünf Tagen ein Leichnam war, wo das Feste nicht überall im Irdischen war, wo das Feste nur gebunden an das Leben auftreten kann; wo Flüssiges nur auftreten kann gebunden an chemische Effekte; wo Gasförmiges nur auftreten kann gebunden an die Lichteffekte. Wo, mit anderen Worten, kein Gas war, das nicht innerlich erglänzt, innerlich leuchtet, das nicht gleichzeitig durch seine Verdichtungen und Verdünnungen innerlich leuchtet, verdunkelt, wellenartig phosphoresziert; wo nicht nur Flüssigkeit war, sondern ein lebendiges, fortwährendes chemisches Wirken; wo dem allem zugrunde lag Leben, das sich verfestigte, wie sich Leben verfestigt zum Beispiel in der Hornbildung der Rinder, wo es sich wiederum verflüchtigte, verflüssigte und so weiter - kurz, wir werden hier durch die Physik selber aus unserer Zeit herausgetrieben in eine Vorzeit, wo die Erde andere solcher Gebiete gehabt hat, wo dasjenige, was jetzt auseinandergerissen ist: das Gebiet des Gasförmigen, des Flüssigen und des Festen auf der einen Seite und das Gebiet des Lichtes, der chemischen Effekte, des Lebens auf der anderen Seite, ineinander war, nur eben nicht direkt ineinander geschoben, sondern umgeklappt (siehe die Pfeile im Schema Seite 193). Und die Wärme ist dazwischen. Die nimmt scheinbar nicht teil an diesem Zusammengehörigsein von etwas mehr Materiellem, etwas mehr Ätherischem. Aber da sie dazwischen drinnen ist, so ergibt sich mit einer Selbstverständlichkeit, die nicht größer sein könnte, daß sie teilnimmt an beiden Naturen. Bezeichnen wir die oberen Gebiete als die Äthergebiete, die unteren als die ponderablen Gebiete, so ist es selbstverständlich, daß wir die Wärme auffassen als dasjenige, was nun besteht schon in seiner Wesenheit als Gleichgewichtszustand zwischen beiden, und wir haben in der Wärme gefunden dasjenige, was der Gleichgewichtszustand zwischen Ätherischem und Ponderabel-Materiellem ist, was also Äther ist und zu gleicher Zeit Materie, was von vorneherein deshalb, weil es ein Duales ist, auf das hinweist, was wir überall in der Wärme finden: die Niveauunterschiede, ohne die wir überhaupt im Gebiete der Wärmeerscheinungen nichts machen können, gar nichts betrachten können." (Lit.: GA 321, S. 195ff)

Die Aggregatzustände als Ergebnis kosmischer Kräfte

Nur das feste Erdelement ist ein Ergebnis rein irdischer Kräfte; Flüssigkeiten werden durch das ganze Planetensystem gebildet und Gase stehen unter dem vereinheitlichenden Einfluss der Sonne.

"Das alte Griechenland hat noch nicht gesagt: fest, flüssig, gasförmig -, sondern dasjenige, was das alte Griechenland gesagt hat, können wir in unserer Sprache übersetzen damit, daß wir sagen: Was fest war, bezeichnete das alte Griechenland mit Erde. Was flüssig war, bezeichnete das alte Griechenland mit Wasser. Was gasförmig war, bezeichnete das alte Griechenland mit Luft. Und es ist ganz unrichtig, zu glauben, daß, wenn wir unsere Wortbedeutungen Erde, Wasser, Luft haben, und dann irgendwo in älteren Schriften, die noch von der griechischen physikalischen Anschauung beeinflußt sind, die entsprechenden Worte wiederfinden, daß sie dann dasselbe bedeuten. Wir müßten, wenn wir irgendwo in alten Schriften den Ausdruck «Wasser» sehen, ihn übersetzen mit Flüssigkeit, wenn wir den Ausdruck «Erde» sehen, mit festen Körpern. Nur dadurch würden wir richtig die alten Schriften übersetzen. Aber darin liegt etwas sehr Bedeutsames. Dadurch, daß der feste Zustand - wie gesagt, wir wollen das in den nächsten Tagen aus der Sache selbst heraus finden, ich will heute nur durch diesen historischen Exkurs zu ihrem Verständnis den Zugang gewinnen -, dadurch, daß der feste Zustand mit Erde bezeichnet wurde, drückte man insbesondere aus, daß dieser feste Zustand allein gebunden ist an die Gesetzmäßigkeit unseres irdischen Planeten. Man bezeichnete das Feste deshalb als Erde, weil man dadurch ausdrücken wollte: Wenn ein Körper fest wird, so gerät er ganz und gar unter den Einfluß der irdischen Gesetzmäßigkeit. Wenn dagegen ein Körper Wasser wird, dann steht er nicht mehr bloß unter dem Einfluß der irdischen Gesetzmäßigkeit, sondern unter dem Einfluß des ganzen Planetensystems. Die Kräfte, die sich geltend machen in einem flüssigen Körper, in dem Wasser, die sind nicht bloß von der Erde herrührend, sondern von dem Planetensystem. Da wirken hinein die Kräfte von Merkur, Mars und so weiter in das, was flüssig ist. Aber sie wirken so, daß sie gewissermaßen von den Richtungen her, in denen diese Planeten stehen, eben wirken, und eine Art Resultierende in jeder Flüssigkeit werden.

Man hatte also das Gefühl, indem man nur die festen Körper als Erde bezeichnete, daß nur diese unter dem Einfluß der irdischen Gesetzmäßigkeit stehen; daß, indem ein Körper schmilzt, er unter Gesetzmäßigkeiten gerät, die außerirdische sind. Und indem man gar die gasförmigen Körper Luft nannte, da hatte man - wie gesagt, ich stelle es Ihnen jetzt historisch dar - die Empfindung: Ein solcher Körper steht unter dem Einfluß des vereinheitlichenden Sonnenwesens. Er wird hinausgehoben aus dem Irdischen und aus dem bloß Planetarischen und steht unter dem Einfluß des vereinheitlichenden Sonnenwesens. Und man hatte von dem irdischen Luftwesen auch die Anschauung, daß an seiner Konfiguration, seiner inneren Beschaffenheit und Substantialität die Kräfte der Sonne im wesentlichen tätig sind. Die alte Physik hatte einen kosmischen Charakter." (Lit.: GA 321, S. 42ff)

Dieses Bewusstsein für die kosmischen Ursachen der Aggregatzustände ging im anbrechenden Bewusstseinsseelenzeitalter verloren und man suchte daher nach rein irdischen, atomistischen Erklärungen.

"Da man abgesehen hat davon, die Kräfte zu suchen, die vom Planetensystem ausgehen müssen, wenn ein fester Körper, zum Beispiel Eis, flüssig wird, zu Wasser wird, indem man abgesehen hat, sie im Planetensystem zu suchen, mußte man sie hineinverlegen in das Innere des Körpers selber. Man mußte nachdenken, nachspintisieren darüber, wie ein solcher Körper aus Molekülen und Atomen zusammengesetzt ist. Und man mußte diesen unglückseligen Molekülen und Atomen die Fähigkeiten zuschreiben, die von innen heraus nun bewirken sollten, daß ein Festes in Flüssiges, ein Flüssiges in Gasförmiges übergeführt wird, die Fähigkeiten, die man früher hergeleitet hatte von dem, was tatsächlich im Raum gegeben war, aber allerdings im außerirdischen Kosmos." (Lit.: GA 321, S. 44f)

"Wir können verfolgen - an dem Experiment, das wir ausführen wollten und demnächst ausführen werden, wird sich das klar zeigen -, daß wir eben ein Gas oder einen Dampf allseitig einschließen müssen, wenn es seine Form haben soll, wie aber auch dieses Gas oder dieser Dampf allseitig drückt auf die Umgebung, allseitig sich zu zerstreuen strebt, und wie wir ihm nur dadurch eine Form beibringen, daß wir diesem Druck einen Gegendruck entgegensetzen, also nur dadurch, daß wir sie ihm von außen beibringen. In dem Augenblick, wo wir durch Temperaturerniedrigung den Übergang zum festen Körper finden, besorgt er es für sich selbst, sich die Form zu geben. Wir erleben, indem wir rein Temperatursteigerung und Temperaturgefälle

Zeichnung aus GA 312, S. 87

erleben, äußerlich ein Formen, ein Bilden. Wir erleben ein Sich-Gestalten und eine Auflösung der Gestalt. Das Gas löst uns die Gestalt auf, der feste Körper bildet uns die Gestalt. Wir erleben auch den Übergang zwischen beiden und gerade diesen Übergang in außerordentlich interessanter Weise. Denn denken Sie einmal, wenn Sie den zwischen dem festen Körper und dem Gas in der Mitte stehenden Zustand ins Auge fassen, das Wasser, den flüssigen Körper, so müssen Sie ihn nicht in einem allseitig geschlossenen Gefäß aufbewahren, sondern in einem Gefäß, das nur von unten und von den Seiten geschlossen ist. Oben bildet er die Niveaufläche, auf der die Schwerlinie, die Verbindungslinie eines Teilchens mit dem Mittelpunkt der Erde, immer senkrecht steht, so daß wir sagen können, wir haben hier einen Übergangszustand zwischen Gas und festem Körper. Beim Gas haben wir nirgends eine solche Niveaufläche. Beim Wasser haben wir noch die eine Niveaufläche. Beim festen Körper haben wir dasjenige, was wir beim Wasser nur nach oben haben, rundherum.

Sehen Sie, das ist ein außerordentlich interessanter und bedeutungsvoller Zusammenhang. Denn der weist uns darauf hin, daß der feste Körper eigentlich überall so etwas wie eine Niveaufläche hat, aber sie sich durch seine eigene Wesenheit besorgt. Wodurch besorgt denn das Wasser sich diese Niveaufläche? Es steht eben auf ihr senkrecht die Schwerlinie der Erde, Es besorgt sich diese Niveaufläche durch die ganze Erde. So daß wir sagen können: Wenn wir Wasser haben, so nimmt ein Punkt dieses Wassers zu der ganzen Erde dasjenige Verhältnis an, das ein Punkt eines festen Körpers zu irgend etwas in seinem Inneren hat. Dadurch ist der feste Körper etwas Abgeschlossenes, was das Wasser nur darstellt in seinem Verhältnis zur Erde. Und das Gas streikt. Das geht dieses Verhältnis zur Erde gar nicht mehr ein. Das entzieht sich diesem Verhältnis zur Erde. Das hat nirgends eine solche Niveaufläche. Sie sehen aber daraus, daß wir in die Notwendigkeit versetzt sind, zu einem alten Begriff wiederum zurückzugehen. Ich habe Sie aufmerksam gemacht in einer der vorigen Stunden, daß man noch in der alten griechischen Physik den festen Körper die Erde genannt hat. Das hat man nicht getan aus jenen oberflächlichen Vorstellungen heraus, die man heute oftmals mit solchen Dingen verbindet, sondern das hat man deshalb getan, weil man sich bewußt war: Der feste Körper besorgt für sich selbst etwas, was beim Wasser durch die Erde besorgt wird. Er übernimmt für sich selber die Rolle des Erdigen. Man hat bloß ein Recht zu sagen: Das Erdige sitzt in einem festen Körper. Im Wasser sitzt es nicht ganz drinnen, sondern die Erde behält sich die Rolle, eine Niveaufläche zu bilden, selber vor.

Sie sehen also, schon indem man vom festen Körper zum Wasser vorschreitet, macht sich die Notwendigkeit geltend, unsere Betrachtungen nicht nur auszudehnen auf das, was wir vor uns haben, sondern wir können gar nicht über das Wasser eine Auskunft bekommen, wenn wir nicht das ganze, über die Erde verbreitete Wasser als Einheit auffassen und diese seine Einheit zum Mittelpunkt der Erde in Beziehung bringen. Ein Stück Wasser ebenso physikalisch zu betrachten wie ein Stück festen Körpers, ist ein Unsinn, ein ebensolcher Unsinn, wie ein Stück meines kleinen Fingers, das ich abschneiden würde, für sich als Organismus zu betrachten. Es stirbt ja sogleich ab. Es hat als Organismus nur eine Bedeutung mit dem ganzen Organismus zusammen. Die Bedeutung, die der feste Körper für sich hat, hat das Wasser für sich nicht. Es hat sie erst im Zusammenhang mit der ganzen Erde. Und so ist es für alles auf der Erde befindliche Flüssige überhaupt.

Und wiederum, wenn wir vom Flüssigen zum Gasförmigen übergehen, kommen wir dazu, daß sich das Gasförmige dem irdischen Gebiet entzieht. Es bildet keine gewöhnliche Niveaufläche. Es nimmt teil an all dem, was nicht irdisch ist. Das heißt: Wir müssen das, was im Gas wirkt, nicht bloß auf der Erde suchen, sondern wir müssen die Umgebung der Erde zu Hilfe nehmen, müssen in weite Räume gehen, und da die Kräfte suchen. Es gibt, wenn wir die Gesetze des Gasigen kennenlernen wollen, nichts anderes als eine astronomische Betrachtungsweise. So sehen Sie, wie das hineingestellt wird in den ganzen Erdenzusammenhang, wenn wir diese Erscheinungen betrachten, die wir bisher nur aufgeführt haben. Und wenn wir an solch einen Punkt kommen, wie der Schmelz- oder Siedepunkt ist, da treten Dinge ein, die uns jetzt ganz merkwürdig werden müssen. Denn, geraten wir zum Schmelzpunkt, so kommen wir von dem Erdigen eines festen Körpers, wo er für sich selbst die Gestalt, den Zusammenhang besorgt, hinein in dasjenige, was allirdisch ist. Die Erde fängt an, den festen Körper zu kapern, indem er in den flüssigen Zustand übergeht. Aus seinem eigenen Bereich geht der feste Körper in den Wirkungsbereich der ganzen Erde über, wenn wir beim Schmelzpunkt ankommen. Er hört auf, eine Individualität zu sein. Und wenn wir den flüssigen Körper in den gasförmigen Zustand überführen, dann kommen wir dazu, daß auch jenes Verhältnis zur Erde, das durch die Bildung der Niveaufläche sich äußert, gelöst wird, daß in dem Augenblick, wo wir zum Gas übergehen, der Körper in den Bereich des Außerirdischen kommt, sich gewissermaßen abhebt vom Irdischen. Wenn wir einem Gas gegenüberstehen, haben wir in den Wirkungskräften des Gases das, was sich der Erde schon entzogen hat. Wir können also, gerade wenn wir diese Erscheinungen betrachten, gar nicht umhin, von dem gewöhnlichen Physikalisch-Irdischen in das Kosmische überzutreten. Denn wir stehen nicht mehr in der Realität drinnen, wenn wir auf das, was wirklich wirkt in den Dingen, nicht aufmerksam werden." (Lit.: GA 321, S. 87ff)

Aggregatzustände in früheren Entwicklungsstadien der Erde

Siehe auch: Wasserluft, Feuererde und Feuerluft

Die Aggregatzustände, die man heute beobachten kann, hat es nicht immer gegeben. Sie haben sich erst im Lauf der späteren Erdentwicklung herausgebildet. Für die frühen Phasen der Erdentwicklung hat man noch mit ganz anderen Zustandsformen der Materie zu rechnen - und in noch höherem Maß gilt das für jene Weltentwicklungsstufen, die der gegenwärtigen Erde vorangegangen sind. So habe es laut Rudolf Steiner etwa auf der alten Sonne zwei solche Zustände gegeben, die man als Wasserluft und Feuererde bezeichnen kann (in den meisten Vorträgen und Schriften bezeichnet Steiner allerdings diese beiden Zustände vereinfachend als Luft und Feuer). Man kann diese Zustände auch heute noch bis zu einem gewissen Grad erleben, wenn man vom wachen Tagesbewusstsein zum Traum-Bewusstsein übergeht.

"Nehmen Sie nur einmal die gewöhnlichen Elemente, so wie sie früher genannt wurden; heute nennt man das Aggregatzustände und bezeichnet sie etwas anders, aber wir können uns verstehen, wenn wir die alten Ausdrücke gebrauchen. Man sagte: Erde, Wasser, Luft, Feuer oder Wärme. Wir kennen diese Dinge aus der «Geheimwissenschaft». Wir können dasjenige, was fest ist, festen Aggregatzustand hat, das Erdartige nennen; dasjenige, was den flüssigen Aggregatzustand hat, das Wasser nennen; dasjenige, was den Aggregatzustand so hat, daß, wenn es nicht eingeschlossen ist, es sich stark ausdehnt, Luft nennen, und dasjenige, was diese drei Substanzen durchdringt, Wärme oder Feuer. Ja, das können wir, wenn wir hier vom Gesichtspunkte des tagwachen Bewußtseins aus über unsere Umgebung sprechen, weil die Dinge da sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, die mit diesen Worten: Erde, Wasser, Luft, Feuer bezeichnet werden. Aber tauchen wir unter in diejenige Welt, aus der die Träume heraufwirken, dann gibt es da nicht Erde, Wasser, Luft, Feuer. Das gibt es da nicht; da hat es keinen Sinn mehr, diese Worte in derselben Weise anzuwenden, wie hier für die Welt, in der wir mit unserem tagwachen Bewußtsein sind. Daraus sehen Sie schon die Relativität dieser Dinge, sobald man in ein anderes Gebiet des Daseins eintritt, das durch ein anderes Bewußtsein aufgefaßt werden muß. Da sind diese Dinge gar nicht mehr vorhanden, die das gewöhnliche materialistische Bewußtsein für absolute Dinge halt. Erde ist da nicht Erde. Überhaupt hat es keinen Sinn, davon zu reden, wenn man in die Welt untertaucht, die nun auch eine Wirklichkeit ist, aber die mit einem andern Bewußtsein aufgefaßt werden muß. Wohl aber ist da unten etwas, wovon man sagen kann, es ist ein Mittelding zwischen Luft und Wasser. Man erlebt es in diesem andern Bewußtsein durch ganz andere Gedankenformen, als man sonst erlebt. Luft ist nicht Luft, und Wasser ist nicht Wasser, aber ein gewisses Mittelding von Luft und Wasser, man möchte sagen eine Art wässeriger Rauch, wie es noch die alte hebräische Sprache «Ruach» nannte. Aber es ist damit nicht der jetzige physische Rauch, es ist schon dieses Mittelding zwischen Wasser und Luft gemeint.

Und ein anderes Mittelding ist da zwischen Erde und Feuer, das, mochte ich sagen, was Sie sich so vorstellen müßten, daß unsere Metalle allmählich glühend und so feurig würden, daß sie eigentlich schon nichts mehr sind als Feuer, daß sie durch und durch Feuer sind. Und dieses Mittelding zwischen Erde und Feuer und zwischen Luft und Wasser, das ist da unten, das ist unten in einer Welt, aus der die Träume heraufwirbeln." (Lit.: GA 273, S. 133f)

Auf dem alten Mond bildete sich ein Stoffzustand, der als Feuernebel oder Feuerluft (hebr. רוח Ruach „Rauch“) bezeichnet wird und nach okkulter Ansicht die Urmaterie ist, die allem heutigen materiellen Dasein zugrunde liegt. Die alten Alchemisten vermochten unter geeigneten Bedingungen diese Feuerluft herzustellen und konnten dadurch gewisse Elementarwesen zu ihren Dienern machen.

"Diese Feuerluft, in der hebräischen Tradition «Ruach» genannt, kann tatsächlich in einer gewissen Weise dargestellt werden. Diese Ruach ist den heutigen Menschen verlorengegangen, die alten Alchimisten aber konnten die Bedingung dafür herstellen; sie konnten dadurch Elementarwesen zu ihren Dienern machen. Dieser Feuernebel war also in den alchimistischen Zeiten etwas durchaus Bekanntes, und je weiter wir zurückgehen, desto mehr hatten die Menschen die Möglichkeit, ihn herzustellen. Diesen Feuernebel atmeten unsere Vorfahren auf dem Monde. Er hat sich weiterentwickelt und hat sich differenziert in die heutige Luft und in das, was sonst auf der Erde unter der Einwirkung des Feuers entstanden ist." (Lit.: GA 099, S. 109)

Anmerkungen

  1. Der Begriff wurde von Johan Baptista van Helmont (1580-1644) geprägt. Er wollte dadurch insbesondere den durch die Kälte gebildeten Wasserdunst charakterisieren: „ideo paradoxi licentia, in nominis egestate, halitum illum gas vocavi, non longe a chao veterum secretum“ („In Ermangelung eines Namens habe ich mir die Freiheit zum Ungewöhnlichen genommen, diesen Hauch Gas zu nennen, da er sich vom Chaos der Alten nur wenig unterscheidet.“)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Die Theosophie des Rosenkreuzers, GA 99 (1985), ISBN 3-7274-0990-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust», Band II: Das Faust-Problem, GA 273 (1981), ISBN 3-7274-2730-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  3. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Impulse zur Entwickelung der Physik, II, GA 321 (2000), ISBN 3-7274-3210-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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