Wasserluft

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Wasserluft nennt Rudolf Steiner einen Substanz-Zustand, der seinen Ursprung auf der Entwicklungsstufe der alten Sonne hat, aber auch noch in den frühen Stadien der Erdentwicklung bedeutsam war. In der Wasserluft wirken die Sirenen als Elementarwesen. Die zweite Substanz, aus der das alte Sonnendasein aufgebaut war, bezeichnet Steiner als Feuererde, die heute die sechtes Schicht des Erdinneren bildet und das materielle Reich Ahrimans ist. Der heutige Vulkanismus hat hier seinen Ursprung. In der Feuererde wirkt Seismos als Elementarwesen, unterstützt von den Pygmäen, wie es Goethe in Faust II in den Szenen der klassischen Walpurgisnacht schildert.

Vereinfachend bezeichnet Rudolf Steiner diese beiden Elemente, auf die sich das alte Sonnendasein gründete, zumeist nur als Luft und Feuer. Dabei ist aber zu bedenken, dass dieses beiden Elemente damals noch nicht so geartet waren wie unsere heutigen Elemente gleichen Namens. Die damalige „Luft“ enthielt noch das Wasserelement in sich und das damalige Feuer das Erdelement.

Rudolf Steiner erwähnt den Begriff «Wasserluft» fast ausschließlich in seinen „Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust»“ und bringt ihn hier auch in Beziehung zu dem hebräischen Begriff «Ruach» (hebr. רוח, Luft, Wind; sprachlich verwandt mit „Rauch“, aber auch mit „Ruch, ruchbar, Geruch“), mit dem die Hebräer die Verstandes- oder Gemütsseele bezeichneten. In vielen anderen Vorträgen brachte Steiner «Ruach» allerdings mit der sog. Feuerluft in Zusammenhang, die die Alchemisten vielfach als den Urstoff schlechthin angesehen hatten. Auch die Feuerluft soll auf der alten Sonne enstanden sein, als sich das ursprüngliche Wärmeelement des alten Saturns, der der alten Sonnenentwicklung vorangegangen war, in Licht und Luft bzw. Feuerluft spaltete.

"Nehmen Sie nur einmal die gewöhnlichen Elemente, so wie sie früher genannt wurden; heute nennt man das Aggregatzustände und bezeichnet sie etwas anders, aber wir können uns verstehen, wenn wir die alten Ausdrücke gebrauchen. Man sagte: Erde, Wasser, Luft, Feuer oder Wärme. Wir kennen diese Dinge aus der «Geheimwissenschaft». Wir können dasjenige, was fest ist, festen Aggregatzustand hat, das Erdartige nennen; dasjenige, was den flüssigen Aggregatzustand hat, das Wasser nennen; dasjenige, was den Aggregatzustand so hat, daß, wenn es nicht eingeschlossen ist, es sich stark ausdehnt, Luft nennen, und dasjenige, was diese drei Substanzen durchdringt, Wärme oder Feuer. Ja, das können wir, wenn wir hier vom Gesichtspunkte des tagwachen Bewußtseins aus über unsere Umgebung sprechen, weil die Dinge da sind, wenn ich mich so ausdrücken darf, die mit diesen Worten: Erde, Wasser, Luft, Feuer bezeichnet werden. Aber tauchen wir unter in diejenige Welt, aus der die Traume heraufwirken, dann gibt es da nicht Erde, Wasser, Luft, Feuer. Das gibt es da nicht; da hat es keinen Sinn mehr, diese Worte in derselben Weise anzuwenden, wie hier für die Welt, in der wir mit unserem tagwachen Bewußtsein sind. Daraus sehen Sie schon die Relativität dieser Dinge, sobald man in ein anderes Gebiet des Daseins eintritt, das durch ein anderes Bewußtsein aufgefaßt werden muß. Da sind diese Dinge gar nicht mehr vorhanden, die das gewöhnliche materialistische Bewußtsein für absolute Dinge halt. Erde ist da nicht Erde. Überhaupt hat es keinen Sinn, davon zu reden, wenn man in die Welt untertaucht, die nun auch eine Wirklichkeit ist, aber die mit einem andern Bewußtsein aufgefaßt werden muß. Wohl aber ist da unten etwas, wovon man sagen kann, es ist ein Mittelding zwischen Luft und Wasser. Man erlebt es in diesem andern Bewußtsein durch ganz andere Gedankenformen, als man sonst erlebt. Luft ist nicht Luft, und Wasser ist nicht Wasser, aber ein gewisses Mittelding von Luft und Wasser, man möchte sagen eine Art wässeriger Rauch, wie es noch die alte hebräische Sprache «Ruach» nannte. Aber es ist damit nicht der jetzige physische Rauch, es ist schon dieses Mittelding zwischen Wasser und Luft gemeint.

Und ein anderes Mittelding ist da zwischen Erde und Feuer, das, mochte ich sagen, was Sie sich so vorstellen müßten, daß unsere Metalle allmählich glühend und so feurig würden, daß sie eigentlich schon nichts mehr sind als Feuer, daß sie durch und durch Feuer sind. Und dieses Mittelding zwischen Erde und Feuer und zwischen Luft und Wasser, das ist da unten, das ist unten in einer Welt, aus der die Träume heraufwirbeln. Wir könnten, wie Sie es leicht begreiflich finden werden, in dieser Welt mit unserem physischen Leib nicht sein. Wir müssen mit unserer Seele vom Einschlafen bis zum Aufwachen hineingehen, denn mit unserem physischen Leib konnten wir in dieser Welt nicht atmen, denn darinnen gibt es keine Luft. Ich habe ein Wesen geschildert, das in dieser Welt atmen kann, aber das ist ein Wesen - Sie kennen es aus meinen Mysterien -, das nicht Luft zum Einatmen braucht, sondern das Licht atmet. Also solche Wesen kann man, wenn man sie kennt, wohl schildern. Aber der Mensch darf seinen physischen Leib nicht in diese Welt hineintragen, denn er könnte nicht atmen und würde verbrennen darinnen. Dennoch ist der Mensch vom Einschlafen bis zum Aufwachen mit dieser Welt verbunden, und die Träume sprudeln aus dieser Welt herauf.

Diese Welt, die da der Mensch antrifft, von der man sagen kann, sie liegt unter der Schwelle seines Bewußtseins, ist zwar recht unähnlich derjenigen Welt, die wir heute sehen vom Aufwachen bis zum Einschlafen, aber sie ist nicht so unähnlich den früheren Welten, aus denen sich die jetzige herausentwickelt hat. Frühere Welten, schon die Sonnenwelt - Sie können das entnehmen aus meiner Darstellung in der «Geheimwissenschaft» - ist auch als physische Welt so gestaltet, daß in ihr, wenn ich sagen darf, Feuererde, Erdfeuer und Wasserluft miteinander brodeln, nicht dasjenige, was heute so hübsch getrennt ist. So daß wir also, wenn wir historisch, kosmisch-historisch die Weltenentwickelung auffassen, das schon so tun müssen, daß wir uns vorstellen; Gehen wir zu früheren Entwickelungszuständen unseres Daseins zurück, dann müssen wir uns diese früheren Entwickelungszustände ähnlich dem vorstellen, was wir erreichen heute, wenn wir in die Welt untertauchen, zu der wir gehören zwischen dem Einschlafen und Aufwachen.

Aber an diese Welten, die heute nur schlafend erlebt werden, früher so physisch da waren, wie jetzt unsere Welt physisch da ist, kann man nicht herankommen, ohne daß man das, was in unserer heutigen Welt nicht mehr sichtbar ist, als sichtbar, als offenbar sich denkt. Sie können sich nicht vorstellen die Wasserluft in derselben Weise, wie Sie sich vorstellen müssen heute nebeneinander Wasser und Luft. Heute stellen Sie sich nebeneinander Wasser und Luft vor. Das ist entstanden dadurch, daß sich differenziert hat die Wasserluft, die früher substantiell einheitlich war. Die Wasserluft hat sich in diese zwei polarischen Gegensätze Wasser und Luft auseinandergelegt. Sie war früher eine Einheit, die Wasserluft, dafür aber war sie mit einem andern Pol durchsetzt. Heute ist der Mensch gewissermaßen heruntergestiegen und hat den andern Pol, den die Wasserluft hatte, ganz verloren. Dafür ist die Wasserluft selbst in die zwei Pole Wasser und Luft auseinandergetreten. Will man eine Vorstellung gewinnen über dasjenige, was der andere Pol zur Wasserlurt war, so muß man sich gewisses Wesenhaftes vorstellen, das man auch in der Welt erlebt, in welcher der Mensch ist zwischen dem Einschlafen und Aufwachen, aus der die Träume heraufspielen. Man muß sich aber auch, wenn man zum alten Sonnendasein zurückgeht, vorstellen, daß die Wasserluft neben sich etwas hatte, was geistig wesenhaft war, was von der Wesenheit der Elementargeister war. Und die Elementargeister, die zu der Wasserluft gehören, haben sich in der Mythe noch erhalten, wie sich in der Mythe, der Mythologie Anklänge an alte Wahrheiten noch erhalten haben. Und zu den Wesenheiten, die zu der Wasserluft gehören, gehört dasjenige, was die griechische Mythologie oder überhaupt die alte Mythologie Sirenen genannt hat. So daß man von der Welt, auf die wir jetzt hinweisen, ebenso spricht, wenn man sagt: Es sind in ihr Wasserluft und Sirenen. - Wie man von unserer Welt äußerlich sachgemäß spricht, wenn man sagt: Es ist Wasser und Luft. - Es ist Wasserluft und sind Sirenen. Die Sirenen gehören also zu denjenigen Elementarwesen, welche der andere Pol der Wasserluft sind.

Das andere, wofür wir heute Erde haben, das ganz herabgerückt ist unter das Wasser, und droben Feuer oder Wärme, das war wiederum eines: das war Erdfeuer oder Feuererde. Wiederum gehört zu denjenigen Wesenheiten, welche sich so wie die heutige Wärme und das heutige Feuer zu der Erde polarisch entgegengesetzt verhalten, unter andern Elementargeistern derjenige, den Goethe mit den Griechen Seismos nennt. Indem Goethe auftreten läßt in der Szene, um die es sich da handelt, die Sirenen, deutet er zu gleicher Zeit, ich möchte sagen recht handgreiflich darauf, wie sie mit dem Wasser zusammenhängen, aber nicht eigentlich mit dem Wasser von heute, denn das ist schon dichter geworden, das ist nur ein Pol der alten Wasserluft. Die Sirenen fühlen sich auch nur geistig zum Wasser gehörig, sie sind, wenn man das Wasser so denkt wie die alte Wasserluft, dasjenige, was zu diesem Wasser gehört wie die Luft zum heutigen Wasser. Und wie die Luft im Winde ihre Klänge entwickelt in chaotischer Weise, so entwickelt das geistige Element in den Sirenen dasjenige, was zum Wasser gehört, respektive der Wasserluft, das geistige Element, das mit dieser Wasserluft so zusammenhängt wie die Luft mit unserem Wasser. Und die Tätigkeit des Seismos, als kosmische Kraft gedacht, ist dasjenige, was als Feuer wirtschaftet im Haushalte der Natur. Darauf deutet die griechische Mythe, darauf deutet Goethe." (Lit.: GA 273, S. 133ff)

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Geisteswissenschaftliche Erläuterungen zu Goethes «Faust», Band II: Das Faust-Problem, GA 273 (1981), ISBN 3-7274-2730-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
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