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Seligkeit

Aus AnthroWiki

Seligkeit (von idg. salin „Glück, Heil“) bedeutet einen Zustand des Heils, des Glücks und der Erlösung, wie er nach christlicher Vorstellung in vollkommenster Form als ewige Seligkeit durch den Einzug in das Reich des Himmels erreicht wird, der möglich wird, wenn sich der Mensch bereits im Erdenleben innig mit dem Christus verbunden hat, der durch das Mysterium von Golgatha gegangen und dadurch zum führenden Geist der Erde geworden ist. Die Seligpreisungen der Bergpredigt deuten nach Rudolf Steiner darauf hin, welche Veränderungen durch dieses Ereignis in den Wesensgliedern des Menschen bewirkt wurden, die ihm den Weg zur Seligkeit eröffnen. Den theologischen Gegenbegriff zur ewigen Seligkeit bilden die ewigen Höllenstrafen.

In den mittelalterlichen Dichtungen des 12., 13. und 14. Jahrhunderts, insbesondere im «Parzival», ist die «Saelde» die dritte und höchste auf dem Einweihungsweg zu erreichende seelische Entwicklungsstufe.

„Man unterschied bei der Einführung in die Mysterien drei Stufen, durch die der Mensch hindurchgehen mußte. Die erste Stufe war die Dumpfheit, die zweite Stufe war der «Zwifel», die dritte Stufe war die «Saelde». Die erste Stufe war die, auf welcher der Mensch von allem Vorurteil der Welt hinweggeführt wurde, hingewiesen wurde auf die Kraft seiner eigenen Seele, seine eigene Liebeskraft, damit er das innere Licht leuchten sehen konnte. Die zweite Stufe war der Zwifel, Zweifel. Dieser Zweifel an allem kommt auf der zweiten Stufe der Einweihung, und er wird auf einer höheren Stufe hinaufgehoben in die innere Seligkeit = Saelde. Dies war die dritte Stufe, das bewußte Zusammenführen mit den Göttern.

Perceval - dringe durch das Tal! -, so wurden im Mittelalter solche Einzuweihende genannt.“ (Lit.: GA 97, S. 266)

Voraussetzung dafür, dass der Mensch diese dritte und höchste Stufe erreichen kann, ist, dass er jene egoistische Seligkeit überwindet, die mit seinem luziferisch geprägten Eigendenken verbunden ist. Er muss das «Opfer des Intellekts» darbringen, wie es in künstlerischer Form besonders deutlich wird in dem Gelöbnis der Maria im 3. Bild des dritten Mysteriendrama Rudolf Steiners «Der Hüter der Schwelle», das sie in Gegenwart ihres Geisteslehrers Benedictus vor Luzifer leistet:

Doch wisse, in dem Herzen, das Maria
In dieser Stunde dir entgegenstellt,
Hat Geistesschülerschaft die Kraft belebt,
Von allem Wissen stets die Eigenliebe
Entfernt zu halten. Niemals will ich künftig
Von jener Seligkeit mich finden lassen,
Die Menschen fühlen, wenn Gedanken reifen.
Zum Opferdienst will ich das Herz mir rüsten,
Daß stets mein Geist nur denken kann, um denkend
Des Wissens Früchte Göttern hinzuopfern.
Erkenntnis wird mir dann zum Weihedienst.
                           (Lit.: GA 14, S. 330f)

Literatur

Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.