Skeptizismus

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Skeptizismus oder kurz Skepsis (von griech. σκέψις sképsis „Betrachtung, Untersuchung, Prüfung“) ist eine zusammenfassende Bezeichnung für philosophische Denkrichtungen, die sich gegen jede Art von Dogmatismus wenden, auf einer immer weitergehenden Prüfung der Tatsachen und ihrer Zusammenhänge bestehen und letztlich die Möglichkeit einer sicheren Erkenntnis verneinen oder zumindest in Frage stellen. Damit wird zuletzt der (methodische) Zweifel zum obersten Denkprinzip erhoben, der ein wesentliches Grundelement aller modernen Wissenschaften ist. Ziel der skeptischen Argumentation ist, die Gleichwertigkeit einander widersprechender Aussagen (→ Isosthenie) zu betonen und dadurch eine Situation der Unentscheidbarkeit herbeizuführen, die zur völligen Urteilsenthaltung führt (→ skeptische Epoché). Die älteste skeptische Schule, heute als Pyrrhonismus bekannt, wurde von Pyrrhon von Elis begründet.

„Das Gedankenwahrnehmen führt die menschliche Seele zur Anerkennung ihrer selbst. Es kann aber auch eintreten, daß die Seele sich ohnmächtig fühlt, das Gedankenerleben so zu vertiefen, daß sie in ihm einen Zusammenhang findet mit den Gründen der Welt. Dann fühlt sich die Seele losgerissen von dem Zusammenhang mit diesen Gründen durch das Denken; sie fühlt, daß in dem Denken ihr Wesen liegt; aber sie findet keinen Weg, um im Gedankenleben etwas anderes als nur ihre eigene Behauptung zu finden. Dann kann sie sich nur dem Verzicht auf jede wahre Erkenntnis ergeben. In solchem Falle waren Pyrrho (360—270 v. Chr.) und seine Anhänger, deren Bekenntnis man als Skeptizismus bezeichnet. Der Skeptizismus, die Weltanschauung des Zweifels, schreibt dem Gedankenerleben keine andere Fähigkeit zu, als menschliche Meinungen sich über die Welt zu machen; ob diese Meinungen für die Welt außerhalb des Menschen eine Bedeutung haben, darüber will er nichts entscheiden.“ (Lit.:GA 18, S. 79)

Grundsätzlich alles bezweifeln zu können, ist eine wesentliche Fähigkeit, die sich der Mensch im gegenwärtigen Bewusstseinsseelenzeitalter erringen muss, um dann zu einer höheren, ganz individuellen Erkenntnis vordringen zu können.

„Eigentlich kann es eine tiefere moderne Seele gar nicht geben, die nicht durch den nagenden Zweifel durchgeht. Kennengelernt sollte die moderne Seele diesen nagenden Zweifel haben! Dann wird sie erst mit starken Kräften einmünden in jenes spirituelle Wissen, das für die Bewußtseinsseele das eigentlich ist, und das sich erst aus der Bewußtseinsseele ergießen muß in die Verstandes- oder Gemütsseele, um dort Herr zu werden. Daher müssen wir in vernünftiger Weise zu durchdringen suchen, was unserer Bewußtseinsseele dargereicht wird aus dem okkulten Wissen. Dadurch werden wir in unserem Innern ein solches Selbst heranziehen, das innerhalb des Innern ein wirklicher Herr und Herrscher ist. Dann stehen wir, wenn wir das moderne Mysterienwesen kennenlernen, uns selbst gegenüber.“ (Lit.:GA 144, S. 80)

Siehe auch

Literatur

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