Tageshimmel

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Der blaue Himmel, durchhellt von der Sonne, die hinter einer Wolke steht.
Bewölkter nebeliger Morgenhimmel.

Der Tageshimmel erscheint hell, weil durch die vielfältige Streuung des Sonnenlichts an der Luft und an den Staubteilchen das Licht nicht nur aus der Richtung der Sonne, sondern aus allen Richtungen in das Auge des Beobachters fällt. Hätte die Erde keine Atmosphäre, würde der Himmel tief schwarz erscheinen. Die abgestufte blaue Färbung des Tageshimmels, das Himmelsblau oder Azur, ist ebenfalls eine Folge der Streuung. Physikalisch wird das dadurch erklärt, dass das kurzwellige blaue Licht stärker gestreut wird als das langwellige rote Licht. Nach Goethes Farbenlehre offenbart sich darin eines der beiden Urphänomene der Farbentstehung: blickt man durch eine durchhellte Trübe, hier also durch die sonnendurchflutete Erdatmosphäre, auf einen dunklen Hintergrund, so wird dieser je nach Stärke der Trübung zu violetten und blauen Farbtönen aufgehellt. Am Horizont, wo das Licht den weitesten Weg durch die Atmosphäre nimmt und dadurch am stärksten gestreut wird, ist der Himmel am hellsten und von fast weißlicher Farbe. Am Zenit erscheint das tiefste Blau. Im Hochgebirge, wo das Licht einen noch kürzeren Weg durch die Atmosphäre zurücklegt und die Luft auch viel reiner ist, zeigt sich der Himmel durch die geringere Streuung sogar in violetten Farbtönen. Wegen dieser unterschiedlichen Streuung erscheint uns das Himmelsgewölbe bei Tag auch nicht wie eine Halbkugel, sondern eher wie eine flache Schale, die am Horizont zwei- bis dreimal weiter entfernt scheint als im Zenit.

Von den Griechen wurde der vom Sonnenlicht durchhellte blaue Himmel Aither (griech. ΑἰθήρÄther“) genannt. In ihm sahen sie den Übergang zu einer höheren, nichtmateriellen Welt. In den orphischen Hymnen ist der Aither die Seele der Welt und das Urelement allen Lebens.[1] Bis in die Archaik waren die Griechen überzeugt, dass die Seele nach dem Tod in den Aither aufsteigt und nur der tote Körper in den Schoß der Gaia, der Erde, hinabsinke.[2] Später wurde der Äther als fünftes Element (Quintessenz) von Aristoteles der Vier-Elemente-Lehre hinzugefügt. Für die als Nomaden umherziehenden Mongolen und Turkvölker Zentralasiens ist es der überpersönliche Himmelsgott Tengri, der den „ewigen blauen Himmel“ (mongol. Mönkh khökh Tengeri), die obere Welt, die Himmelswelt, repräsentiert.

Auch Rudolf Steiner hat in dem am 4. Juni 1924 in Dornach gehaltenen Pfingsvortrag ausführlich beschrieben, wie sich durch das Himmelsblau unmittelbar der Äther offenbart.

Wandtafelzeichnung aus GA 236, S 239

"Natürlich, an sich ist auch der Äther für physische Sinne zunächst unwahrnehmbar. Wenn Sie, wenn ich mich so ausdrücken darf, ein kleines Stück Äther anschauen, so sehen Sie mit den physischen Sinnen nichts, Sie sehen einfach durch; es ist der Äther wie nichts. Wenn Sie aber den gesamten Umkreis des Äthers ins Auge fassen, so ist der Grund, warum Sie den blauen Himmel sehen, der eigentlich ja auch nicht da ist, der, daß Sie da das Ende des Äthers wahrnehmen. Sie nehmen also den Äther wahr als Blau des Himmels. Die Wahrnehmung der Bläue des Himmels ist richtig die Wahrnehmung des Äthers. So daß wir schon sagen können: Indem wir die Bläue des Himmels wahrnehmen (siehe Zeichnung, blau), nehmen wir den Äther um uns herum wahr. Wir sehen zunächst durch den Äther durch. Das läßt er sich gefallen zunächst, aber er macht sich doch selber wahrnehmbar in der Bläue des Himmels. Das Dasein der Bläue des Himmels wird daher für die Wahrnehmung des Menschen in der richtigen Weise ausgedrückt, wenn man sagt: Der Äther ist zwar nicht wahrnehmbar, aber er erhebt sich zur Wahrnehmbarkeit wegen der großen Majestät, mit der er sich im Weltenall hinstellt, indem er sich kundgibt, offenbart in der Himmelsbläue. In der physischen Wissenschaft denkt man materialistisch über die Himmelsbläue nach. Nun ist es für die physische Wissenschaft schwer, über die Himmelsbläue in vernünftiger Weise nachzudenken, einfach aus dem Grunde, weil ja die physische Wissenschaft sich klar sein muß: Dort ist nichts vom Physischen, wo die Bläue des Himmels ist. Aber immerhin, man renkt sich den Verstand aus, um zu erklären, wie Lichtstrahlen auf eine besondere Weise gebrochen werden und reflektiert werden, um diese Bläue des Himmels hervorzurufen. Aber hier beginnt eben bereits das Walten des Übersinnlichen. Und im Kosmos ist es so, daß schon das Übersinnliche wahrnehmbar wird, nur muß man ausfindig machen, wo es wahrnehmbar wird.

Der Äther wird also durch die Himmelsbläue wahrnehmbar. Nun ist irgendwo das Astralische des Kosmos. Der Äther guckt durch die Himmelsbläue in die Sinnlichkeit herein. Wo guckt denn das Astralische des Kosmos in die Sichtbarkeit, in die Wahrnehmbarkeit herein? Sehen Sie, in Wirklichkeit ist jeder Stern, den wir am Himmel glänzen sehen, ein Einlaßtor für das Astralische, so daß überall, wo Sterne hereinglänzen, das Astralische hereinglänzt. Sehen Sie also den gestirnten Himmel in seiner Mannigfaltigkeit - da die Sterne in Gruppen gehäuft, dort mehr zerstreut, voneinandergestellt -, dann müssen Sie sich sagen: In dieser wunderbaren Leuchtekonfiguration macht sich der unsichtbare, der übersinnliche Astralleib des Kosmos sichtbar. Daher darf man auch nicht die Sternenwelt ungeistig ansehen." (Lit.: GA 236, S. 238ff)

"Angrenzend an diese Erde, die wir bewohnen, die ihre physischen Stoffe und ihre physischen Kräfte hat, ist der allgemeine Weltenäther. Dieser allgemeine Weltenäther wird uns sichtbar dadurch, daß, wenn wir einfach so hineinschauen in den Äther, unser Sehraum begrenzt ist; er scheint dann blau umgrenzt. Aber jetzt überhaupt noch zu glauben, daß da im Kosmos physische Substanzen herumbummeln, so wie man im materialistischen Denken es sich vorstellt, das ist eine kindische Vorstellung. Da bummeln gar nicht physische Substanzen herum, sondern wo ein Stern ist, ist etwas ganz anderes. Man kommt überhaupt allmählich, wenn man im Ätherischen immer weiter geht, aus dem Raum ganz hinaus in jene Sphären, wo die Götter leben. Und jetzt stellen Sie sich ganz lebhaft vor eine seelische Beziehung von Mensch zu Mensch, die sich körperlich auslebt. Drastisch ausgedrückt, stellen Sie sich vor, Sie werden von einem Menschen geliebt; der streichelt Sie, Sie spüren das Streicheln. Es wäre kindisch, wenn Sie sich vorstellen würden, an der Stelle, wo die Streichelströme gehen, da sei, wenn Sie nicht hinschauen, physische Materie. Sie werden gar nicht angestrichen mit physischer Materie, es ist ein Vorgang da, und das, was das Wesentliche ist, ist eine Seelenempfindung, die des Streicheins. So ist es, wenn wir hinausschauen in die Äthersphären. Die Götter in ihrer Liebe streicheln gewissermaßen die Welt. Es ist ein ganz ordentlicher Vergleich: sie liebkosen die Welt, sie berühren sie an gewissen Stellen; nur dauert dieses Berühren sehr lange, weil die Götter dauernd sind. Aber dieser Ausdruck der Liebe im Äther, das sind die Sterne. Das sind sie wirklich; da ist gar nichts Physisches. Und einen Stern sehen heißt kosmisch dasselbe, wie eine Berührung, die aus der Liebe der Menschen hervorgegangen ist, verspüren. So verspüren wir die Liebe der göttlich-geistigen Wesenheiten, indem wir zu den Sternen aufsehen. Wir müssen uns damit bekanntmachen, daß die Sterne nur Zeichen sind für die Anwesenheit der Götter im Weltenall." (Lit.: GA 239, S. 144f)

"Wie wir den Menschen okkult daraufhin anschauen können, ob er hinter seinem physischen Leib noch etwas anderes hat und wie wir dann finden den Ätherleib, den Lebenskörper, so können wir auch die Natur draußen in ihren Farben, in ihren Formen, in ihren Tönen, in ihren Reichen, im mineralischen, pflanzlichen, tierischen, menschlichen Reich, sofern sie uns physisch entgegentreten, anschauen mit dem okkulten Blick, und wir finden dann: So wie wir hinter dem physischen Leib des Menschen den Äther- oder Lebenskörper haben, so finden wir auch eine Art von Äther- oder Lebenskörper hinter der ganzen physischen Natur. Nur ist ein gewaltiger Unterschied zwischen diesem Äther- oder Lebenskörper der ganzen physischen Natur und dem des Menschen. Wenn der okkulte Blick sich auf den Äther- oder Lebenskörper des Menschen richtet, dann sieht er ihn als eine Einheit, als ein zusammenhängendes Gebilde, als eine zusammenhängende Form oder Gestalt. Wenn der okkulte Blick das durchdringt, was sich in der Natur draußen darstellt als Farbe, als Form, als mineralische, pflanzliche, tierische Gebilde, wenn der okkulte Blick das alles durchdringt, dann findet er den Äther- oder Lebenskörper der physischen Natur als eine Vielheit, als eine unendliche Mannigfaltigkeit. Das ist der große Unterschied: ein einziges einheitliches Wesen als Äther- oder Lebenskörper beim Menschen, viele verschiedene, differenzierte Wesen hinter der physischen Natur.

Nun muß ich Ihnen den Weg zeigen, durch den man zu einer solchen Behauptung, wie sie eben getan worden ist, kommen kann; zu der Behauptung, daß sich ein Äther- oder Lebensleib — eigentlich eine Äther- oder Lebenswelt —, eine Vielheit, eine Mannigfaltigkeit differenzierter Wesen hinter unserer physischen Natur findet. Wenn ich sagen will, wie man dazu kommen kann, dann kann ich das in die einfachen Worte kleiden: man gelangt immer mehr zu der Anerkennung dieser Äther- oder Lebenswelt hinter der physischen Natur dadurch, daß man beginnt, die ganze Welt, die um einen herum ist, moralisch zu empfinden. Was heißt das: die Welt moralisch empfinden? Wir richten zunächst einmal unseren Blick, von der Erde aufschauend, in die Weiten des Weltenraums, aus denen uns entgegenkommt das Blau des Himmels. Wir nehmen an, wir tun das an einem Tag, an dem kein Wölkchen, nicht das leiseste weiße Silberwölkchen die Himmelsbläue unterbricht. Wir nehmen an, wir blicken überall hin in das sich über uns ausspannende Blau des Himmels. Ob wir das im physischen Sinne anerkennen als etwas Reales oder nicht, darauf kommt es nicht an, auf den Eindruck kommt es zunächst an, den dieses sich ausspannende Blau des Himmels auf uns macht. Nehmen wir an, wir können dieses Sich-Hingeben an das Blaue des Himmels intensiv, lange, lange machen, und wir können es so machen, daß wir vergessen alles dasjenige, was uns sonst aus dem Leben bekannt ist oder was sonst im Leben um uns herum ist. Nehmen wir an, wir könnten alle äußeren Eindrücke, alle Erinnerungen, alle Sorgen des Lebens, alle Bekümmernisse des Lebens für einen Augenblick vergessen und ganz hingegeben sein dem einzigen Eindrucke des blauen Himmels. Ja, das, was ich Ihnen jetzt sage, kann jede menschliche Seele erfahren, wenn sie nur die entsprechenden Veranstaltungen unternimmt; eine allgemein menschliche Erfahrung kann das werden, was ich Ihnen jetzt sage. Nehmen Sie an, eine menschliche Seele blickt so auf nichts als auf das Blau des Himmels schauend: Dann tritt ein gewisser Moment ein, ein Moment, wo aufhört das Blau des Himmels, wo wir nicht mehr Blau sehen, nicht mehr etwas sehen, was wir in irgendeiner menschlichen Sprache mit Blau bezeichnen. Wenn wir aber uns auf unsere eigene Seele besinnen in dem Moment, wo das Blau aufhört für uns blau zu sein, dann werden wir in unserer Seele eine ganz bestimmte Stimmung bemerken: Das Blau verschwindet gleichsam, eine Unendlichkeit tut sich vor uns auf, und in diese Unendlichkeit hinein will eine ganz bestimmte Stimmung unserer Seele, ein ganz bestimmtes Gefühl, eine ganz bestimmte Empfindung unserer Seele sich ergießen in die Leerheit, die da entsteht, wo vorher Blau war. Und wollen wir diese Seelenempfindung, wollen wir das, was da hinaus will in alle unendlichen Fernen, wollen wir das benennen, dann haben wir dafür nur ein Wort: fromm fühlt unsere Seele, fromm gegenüber einer Unendlichkeit, hingegeben fromm. Alle religiösen Gefühle der Menschheitsentwickelung haben im Grunde genommen eine Nuance, welche das in sich schließt, was ich jetzt hier fromm nenne. Fromm hingegeben, religiös gestimmt, moralisch ist der Eindruck des blauen Himmelsgewölbes geworden. Eine moralische Empfindung hat das Blau, das weithin sich dehnt, in unserer Seele hervorgerufen: indem es als Blau verschwunden ist, lebte auf in unserer Seele eine moralische Empfindung gegenüber der äußeren Welt." (Lit.: GA 136, S. 21ff)

Rudolf Steiner bringt das Blau des Himmels aber auch mit dem Ich des ganzen Planetensystems in Zusammenhang:

„Wenn ein Geist so groß ist, daß er ein Sonnensystem baut, dann ist sein Ego nicht in der Sonne, sondern am äußersten Rand des Systems zu suchen. Das Sonnensystem ist dadurch scheinbar ein unlebendiges, weil es das Ich schon hinausgestellt hat. Wenn wir an die Grenze des Sonnensystems kommen könnten, würden wir das Ego dort auffinden. Das ist der esoterische Grund der Himmelsbläue. Der Weltenraum erscheint deshalb blau, weil er nichts anderes darstellt als die schwarze Hülle draußen, durch die - verschieden hell gefärbt - der Geist hindurchscheint, so, wie wenn Sie eine schwarze Fläche durch ein Glas, das erhellt ist, sehen. Da erscheint sie Ihnen blau. Es erscheint zum Beispiel auch die Mitte einer Flamme blau. Da, wo die Flamme blau ist, ist ein dunkler Raum, da brennt nichts. In einer Kerzenflamme ist das gut zu sehen. In Wahrheit ist es schwarz. Jede Flamme ist hell. Das Blau des Himmels ist wirklich anzusprechen als eine «Feste», wie die Genesis sagt (l.Buch Mose, l.Kap., Vers 6-8). Es ist dies möglichst wörtlich zu verstehen, genauso, wie außerhalb des Ich der allgemeine Geist ist. Nichts in der Welt ist ohne Geist. Der allgemeine Geist ist der, der noch nicht zum Ich geworden ist und innerhalb ist der Geist, mit dem das Ich sich bereits erfüllt hat.

Das Ich ist die Grenze zwischen dem Geist von außen und dem Geist, der im Menschen lebt. Die «Feste» der Genesis ist das Ich des betreffenden Sonnensystems. Die Genesis ist ein inspiriertes Buch, nicht etwas, was von Menschen ausgedacht ist.“ (Lit.:GA 291a, S. 186)

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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Einzelnachweise

  1. Orphischer Hymnus 5.
  2. Radcliffe Guest Edmonds: Myths of the underworld journey. S. 211.