Unordnung im Karma

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Unordnung im Karma entstand dadurch, dass im Lauf der Menschheitsentwicklung die kosmische Intelligenz auf die Erde herabgestiegen ist und hier zur Grundlage des menschlichen Intellekts wurde, der immer mehr zum Raub Ahrimans zu werden droht.

Die Gesamtheit der kosmischen Intelligenz stand unter der Verwaltung des Erzengels Michael. Doch seit dem Herabstieg des Christus auf die Erde sah Michael, wie ihm die Herrschaft über die kosmische Intelligenz allmählich entfiel. Dass die kosmische Intelligenz aus dem Sonnenreich auf die Erde herabgestiegen ist, blieb nicht ohne Folgen für die höheren Hierarchien. (Lit.:GA 130, S. 202ff) Es kam zu einer Scheidung der Geister im Reich der Hierarchien, von der insbesondere auch die Engel betroffen waren, die unsere unmittelbaren geistigen Führer sind. Die eine Schar blieb der Michael-Sphäre treu. Eine andere Schar wandte sich der Erdenintelligenz und damit zugleich der planetarischen Intelligenz zu. Das Erschütternde daran ist aber, dass das nicht eine so ganze freie Entscheidung des einzelnen Engels ist, sondern dass das sehr wesentlich vom Verhalten des Menschen abhängt. Menschen, die ganz im Irdischen verhaftet sind und keine zeitgemäße geistige Entwicklung anstreben, zwingen auch den sie leitenden Engel in ein viel stärker erdgebundenes Dasein hinein, während geistig Strebende ihren Engel entlasten, indem sie mehr und mehr geistige Aufgaben übernehmen, die früher ihr leitender Engel zu verwalten hatte.

Wandtafelzeichnung aus GA 237, Vortrag vom 3. August 1924 (Tafel 7)

„Nehmen wir den Fall, daß das Karma so liegt, daß irgendeine Persönlichkeit nun im allereminentesten Sinne von den anthroposophischen Impulsen ergriffen wird, mit Herz und Sinn, ich möchte sagen, mit Geist und Seele ergriffen wird. Dann, ja dann ist etwas notwendig, was ausgesprochen sonderbar, paradox klingt; aber es ist notwendig: dann muß sein Engel etwas lernen. Und das, sehen Sie, ist etwas ungeheuer Bedeutsames. Das Anthroposophenschicksal, das sich abspielt zwischen Anthroposophen und Nichtanthroposophen, das wirft seine Wellen hinein in die Welt der Angeloi. Das führt bis zu einer Scheidung der Geister in der Welt der Angeloi. Der Angelos, der den Anthroposophen begleitet zu den nächsten Inkarnationen, er lernt tiefer noch sich hineinfinden in die geistigen Reiche, als er das früher konnte. Und der Angelos, der dem anderen angehört, der gar nicht hinein kann, sinkt herunter. Und es zeigt sich zuerst an dem Schicksal der Angeloi, wie die große Scheidung geschieht. Es ist jetzt so - und das ist etwas, meine lieben Freunde, worauf ich Ihre Herzen hinweisen möchte -, daß aus einem verhältnismäßig einheitlichen Reich der Angeloi ein zweigeteiltes Reich der Angeloi entsteht, ein Reich der Angeloi mit einem Zug hinauf in höhere Welten und mit einem Zug hinunter in tiefere Welten. Während sich hier auf der Erde die Bildung der Michael-Gemeinschaft vollzieht, können wir schauen über dem, was sich hier als Michael-Gemeinschaft vollzieht, aufsteigende Angeloi (siehe Zeichnung, gelb), absteigende Angeloi (grün).“ (Lit.:GA 237, S. 143f)

Unser Engel überblickt die ganze Kette unserer aufeinanderfolgenden irdischen Verkörperungen, solange wir selbst noch nicht dazu fähig sind. Er leitet, zwar mithilfe noch viel höherer Hierarchien, aber doch in letzter Instanz, unseren Schicksalsweg gemeinsam mit den anderen leitenden Engeln unserer Mitmenschen. Wenn es nun zu einer immer stärkeren Scheidung der Geister im Reiche der Angeloi kommt, so kann das nicht ohne Folgen für das Karma bleiben. Der karmische Ausgleich gerät in Unordnung. Namentlich zwischen ganz materiell verhafteten Menschen einerseits, und geistig Strebenden anderseits. Wir können aber als Menschheit insgesamt und auch als einzelnes Individuum unsere Erdenaufgabe nur in rechter Weise erfüllen, wenn bis zum Ende unserer irdischen Verkörperungen, das nicht mehr gar so ferne liegt, unsere karmische Schuld ausgeglichen ist. Es wird wesentlicher Impulse geistig strebenden Menschen bedürfen, um dieses Ziel zu erreichen. Anthroposophie soll uns helfen, uns in rechter Weise geistig voll bewusst mit dem Christus zu verbinden, der uns allein durch seine freie Liebestat aus dieser Unordnung des Karmas erlösen kann. Aus anthroposophischer Sicht ist der Karmagedanke daher untrennbar mit dem christlichen Gedanken der Erlösung durch göttliche Gnade verbunden.

Literatur