Zenon von Elea

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Zenon zeigt der Jugend die Tore der Wahrheit und Falschheit, Fresko in der Bibliothek des Escorial 1588-1595, Madrid

Zenon von Elea (griech. Ζήνων Zḗnōn, latinisiert Zeno, auch Zeno der Ältere; * um 490 v. Chr. in Elea; † um 430 v. Chr. vermutlich in Elea oder Syrakus) war ein griechischer Philosoph aus der Zeit der Vorsokratiker und ein Freund und Schüler des Parmenides.

Zenons Paradoxien

Wie alle Eleaten ging Zenon von der Einheit und Unveränderlichkeit des Seins aus, wonach es in Wahrheit weder Bewegung, noch Werden und Vergehen in der Welt geben sollte. Als Beweis dafür, dass es auch keine Vielheit gibt, führt er in dem Fragment "Über die Natur" das Paradoxon der Vielheit an, das in eine Reductio ad absurdum mündet:

„Wenn es Vieles gibt, so muß es notwendig gerade soviel Dinge geben als wirklich vorhanden sind, nicht mehr, nicht minder. Gibt es aber soviel Dinge als es eben gibt, so sind sie [der Zahl nach] begrenzt.
Wenn es Vieles gibt, so ist das Seiende [der Zahl nach] unbegrenzt. Denn zwischen den einzelnen Dingen liegen stets andere und zwischen jenen wieder andere. Und somit ist das Seiende unbegrenzt.“

Zenon von Elea: Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und Deutsch von Hermann Diels. 1. Band, Berlin 1922, S 175 [1]

Zenon beschäftigte sich vor allem mit den Verhältnissen von Raum, Zeit und Bewegung und stieß dabei auf eine Reihe von Paradoxien. Am bekanntesten ist das Paradoxon von Achilles und der Schildkröte, wonach der schnelle Achilles bei einem Wettrennen eine langsame Schildkröte niemals einholen könne, wenn er ihr einen Vorsprung gewähre, denn bevor er sie erreichen könne, wäre sie schon wieder um ein kleines Stück weiter vorangekommen - und so gehe das immer weiter. Weitere ähnlich gelagerte Paradoxa sind das Teilungsparadoxon, das Pfeil-Paradoxon und das Stadion-Paradoxon.

"Zenon sucht mit dem Gedanken-Erleben in der Art sich auseinanderzusetzen, daß er auf die Widersprüche hinweist, welche sich einer Weltbetrachtung ergeben, die in dem Wandel der Dinge, in dem Werden, in dem Vielen, welches die äußere Welt zeigt, eine Wahrheit sieht. Von den Widersprüchen, auf die er verweist, sei nur einer angeführt. Es könne, meint er, der schnellste Läufer (Achilles) die Schildkröte nicht erreichen; denn so langsam sie auch krieche, wenn Achilles den Ort erreicht habe, den sie noch eben inne hatte, so sei sie ja doch schon etwas weiter. Durch solche Widersprüche deutet Zenon an, wie ein Vorstellen, das sich an die Außenwelt halte, nicht mit sich zurecht komme; er deutet auf die Schwierigkeit hin, welcher der Gedanke begegnet, wenn er es versucht, die "Wahrheit zu finden. Man wird die Bedeutung dieser Weltanschauung, die man die eleatische nennt (Parmenides und Zenon sind aus Elea), erkennen, wenn man den Blick darauf lenkt, daß ihre Träger mit der Ausbildung des Gedanken-Erlebens so weit fortgeschritten sind, daß sie dieses Erleben zu einer besonderen Kunst, zur sogenannten Dialektik gestaltet haben. In dieser «Gedanken-Kunst» lernt sich die Seele in ihrer Selbständigkeit und inneren Geschlossenheit erfühlen. Damit wird die Realität der Seele als das empfunden, was sie durch ihr eigenes Wesen ist, und als was sie sich dadurch fühlt, daß sie nicht mehr, wie in der Vorzeit, das allgemeine Welt-Erleben mitlebt, sondern in sich ein Leben - das Gedanken-Erleben - entfaltet, das in ihr wurzelt, und durch das sie sieb eingepflanzt fühlen kann in einen rein geistigen Weltengrund. Zunächst kommt diese Empfindung noch nicht in einem deutlich ausgesprochenen Gedanken zum Ausdruck; man kann sie aber als Empfindung lebendig in diesem Zeitalter fühlen an der Schätzung, welche ihr zuteil wird. Nach einem «Gespräche» Platos wurde von Parmenides dem jungen Sokrates gesagt: er solle von Zenon die Gedankenkunst lernen, sonst müßte ihm die Wahrheit ferne bleiben. Man empfand diese «Gedankenkunst » als eine Notwendigkeit für die Menschenseele, die an die geistigen Urgründe des Daseins herantreten will." (Lit.: GA 018, S. 57f)

Das Problem bei allen Paradoxien des Zenon liegt daran, dass er den Begriff der Unendlichkeit noch nicht recht zu fassen wusste. Im Grunde geht es immer um das Problem der Teilbarkeit: ist die Welt ein unendlich teilbares Kontinuum oder sind Raum und Zeit in endlich viele diskrete Einheiten zerlegbar? Dazu wird auch die Vorstellung des leeren Raumes abgelehnt, denn wenn dieser nichts enthält, so ist er ein Nichts und kann folglich nicht existieren. Leukipp und Demokrit vertraten etwa zur selben Zeit mit ihrem Atomismus genau die gegenteilige Meinung. Schon seit Platon und Aristoteles gelten die Argumente Zenons als widerlegt. So unterschied etwa Aristoteles zwischen unendlicher Ausdehnung und unendlicher Teilbarkeit und folgerte daraus, dass eine endliche, aber unendlich teilbare Strecke sehr wohl in endlicher Zeit durchlaufen werden könne[1].

Paradoxerweise neigt sich durch die moderene Quantentheorie die Waage in der Praxis wieder zu Gunsten Zenons. So gibt es tatsächlich keinen wirklich leeren Raum, da sich dieser innerhalb der Grenzen der Heisenbergschen Unschärferelation mit Vakuumfluktuationen erfüllt, die aus Teilchen-Antiteilchen-Paaren gebildet werden, die rasch entstehen und sofort wieder zerfallen. Darüber hinaus wurde 1994 an der Ludwig-Maximilians-Universität München der sogenannte Quanten-Zeno-Effekt experimentell bestätigt, der an das Pfeil-Paradoxon gemahnt und darauf beruht, dass die Lichtaussendung eines angeregten Atoms, durch eine dichte Folge von Messungen aufgehalten werden kann.

Literatur

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Weblinks

Einzelnachweise

  1. siehe dazu etwa: Otfried Höffe: Kleine Geschichte der Philosophie. 2. Auflage. Beck, München 2008, S. 29