Zentrifugal (Neurologie)

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Zentrifugal (abgeleitet von griech. τὸ κέντρον to kentron „Stachel“, dann „Stachelstab“ bzw. der Punkt, an dem der Zirkel angesetzt wird, und lat. fugere fliehen) bezeichnet in der Neurologie und Neurophysiologie den Verlauf einer Erregung oder des Wachstums von Nervenfasern, die vom zentralen Nervensystem (ZNS) peripheriewärts wegführt. Durch zentrifugale Nervenbahnen werden auch höhere Zentren mit niedrigeren innerhalb des ZNS verbunden. Als synonym mit zentrifugalen Nervenbahnen gilt die Bezeichnung Efferenz. Eine solche Efferenz ist beispielsweise die Pyramidenbahn (Tractus corticospinalis). Zentrifugale Nerven erfüllen laut gängiger Ansicht motorische und sekretorische Aufgaben. Die zentrifugale Richtung von Erregungsabläufen steht im Gegensatz zu ihrem zentripetalen bzw. afferenten Verlauf.[1][2][3] In der Biologie bezieht sich der Verlauf der Erregung bei noch nicht zentralisierten Formen des Nervensystems auf den Bezug zu bestimmten Ganglien.

Rudolf Steiner hat die Unterscheidung motorischer und sensorischer Nerven entschieden abgelehnt. Sie sei anatomisch und funktionell trotz unterschiedlicher Leitungsrichtung nicht zu rechtfertigen. In Wahrheit seien alle Nerven sensorisch. Die sogenannten „motorischen Nerven“ würden keineswegs der Steuerung oder Auslösung von Bewegungen dienen, sondern diese nur wahrnehmen. Der Wille, der durch den Astralleib die Bewegung hervorrufe, greife unmittelbar in das Stoffwechsel-System ein. Steiner hat aber deshalb keineswegs geleugnet, dass es zentripetale und zentrifugale Nerven gibt. Vielmehr beginne jeder ganze Nerv an der Peripherie des Menschen und führe auch wieder zu dieser zurück, sei dabei aber einfach oder mehrfach unterbrochen. Gerade an den Unterbrechungsstellen (d.h. an den Synapsen) könne sich das Geistig-Seelische mit dem Organismus verbinden.

„Nun, über diesen Unsinn, daß es sensitive und motorische Nerven gäbe, habe ich ja des öfteren schon gesprochen. Aber das Wichtige ist, daß eigentlich jede ganze Nervenbahn an dem Umfang des Menschen entspringt und wiederum zum Umfang zurückgeht, aber irgendwo unterbrochen ist; wie ein elektrischer Draht, wenn er einen Funken überspringen läßt, so ist eine Art Überspringen, ein sensitives Fluidum von dem sogenannten sensitiven bis zu dem sogenannten motorischen Nervenanfang. Und an der Stelle - also solche Stellen sind unzählige, wenigstens sehr viele, in unserem Rückenmark zum Beispiel, in anderen Partien unseres Leibes - an diesen Stellen sind auch die Raumesstellen, wo der Mensch sich nicht allein selber angehört, wo er dem Weltenall angehört. Wenn Sie alle diese Orte miteinander verbinden, dazu auch die Ganglien des Sympathikus nehmen, dann bekommen Sie diese Grenze, auch leiblich-physiologisch diese Grenze.“ (Lit.:GA 194, S. 144f)

„Nun entsteht aber die Frage: Warum ist der Nervenstrang unterbrochen? — Er ist unterbrochen aus dem Grunde, weil wir, wenn er nicht unterbrochen wäre, nicht eingeschaltet wären in den ganzen Vorgang...

Würde man im Menschen alle diejenigen Stellen sammeln, wo Nervenunterbrechungen sind, und würde man das aufzeichnen, dann würde man zeichnungsgemäß die Grenze bekommen zwischen dem Erleben in der physischen Welt und dem Erleben aus einer höheren Welt heraus.“ (Lit.:GA 179, S. 14ff)

Literatur

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Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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Einzelnachweise

  1. zentrifugal. In: Norbert Boss (Hrsg.): Roche Lexikon Medizin. 2. Auflage. Hoffmann-La Roche AG und Urban & Schwarzenberg, München 1987, ISBN 3-541-13191-8, S. 1851, gesundheit.de/roche
  2. centrum. In: Hermann Triepel: Die Anatomischen Namen. Ihre Ableitung und Aussprache. 26. Auflage. Verlag von J. F. Bergmann, München 1962, bearbeitet von Robert Herrlinger, S. 21
  3. Zentralnervensystem. In: Wilhelm Karl Arnold et al. (Hrsg.): Lexikon der Psychologie. Bechtermünz, Augsburg 1996, ISBN 3-86047-508-8, Sp. 2686 f.
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