Bodhisattva

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Bodhisattva (Sanskrit, m., बोधिसत्त्व, bodhisattva „Erleuchtungswesen“, von Bodhi „Erleuchtung“ bzw. „Erwachen“ und Sattva „Wesen“) nennt man in der östlichen Lehre eine Persönlichkeit, die bis in ihren physischen Leib, oft auch nur bis in ihren Ätherleib hinein von einem Erzengel beseelt ist.

„Einer, der die ganzen irdischen Erfahrungen aufgenommen hat, so daß er von einem jeglichen Dinge weiß, wie es verwertet werden kann und so ein Schöpfer geworden ist, wird ein Bodhisattva genannt, das heißt ein Mensch, der Bodhi, die Buddhi der Erde, genugsam in sich aufgenommen hat. Dann ist er reif, aus den innersten Impulsen heraus zu wirken. Die Weisen der Erde sind noch nicht Bodhisattvas. Auch für einen Weisen gibt es immer noch Dinge, in denen er noch nicht vermag sich zurechtzufinden. Erst wenn man das gesamte Wissen der Erde in sich aufgenommen hat, um schaffen zu können, ist man ein Bodhisattva. Buddha, Zarathustra zum Beispiel, waren Bodhisattvas.“ (Lit.:GA 93a, S. 54)

Im Mahayana-Buddhismus werden „Acht Große Bodhisattvas“ besonders verehrt. Insgesamt gibt es laut Rudolf Steiner zwölf Bodhisattvas, von denen jeder eine ganz bestimmte Mission im Laufe der Erdenentwicklung zu erfüllen hat. Alles, was sie dazu brauchen, strömt ihnen als substanzielle Weisheit von einem Dreizehnten zu: dem Christus.

"Nehmen wir unser hellsichtiges Auge zu Hilfe, so sehen wir, daß ein Bodhisattva ein menschliches Wesen ist, welches beständig mit der geistigen Welt verbunden ist und nicht ganz in der physischen Welt lebt. Seine Wesenheit ist gleichsam zu groß, um in einem menschlichen Körper Platz zu finden, nur ein Teil reicht bis in die irdische Hülle herab, der größere Teil bleibt in den höheren Welten. Der Bodhisattva ist infolgedessen stets im Zustande der Inspiration." (Lit.: GA 118, S. 219)

Bodhisattvas ragen mit ihrem Bewusstsein bis auf den Buddhiplan, d.h. bis in die Welt der Vorsehung hinauf. Der Leib, durch den ein Bodhisattva auf Erden wirkt, wird als Dharmakaya (Gesetzeskörper) bezeichnet. Ein Bodhisattva sorgt sich nich nur um die eigene Erleuchtung, um dadurch endgültig ins Nirvana einzugehen, sondern er hilft mit allen seinen Kräften anderen Wesenheiten, sich aus dem Rad der Wiedergeburten zu befreien, wie es auch das Bodhisattva-Gelübde ausdrückt, das in vielen Schulen des Mahayana-Buddhismus rezitiert wird:

„Die Zahl der Wesen ist unendlich; ich gelobe, sie alle zu erlösen.
Gier, Hass und Unwissenheit entstehen unaufhörlich; ich gelobe, sie zu überwinden.
Die Tore des Dharmas sind zahllos; ich gelobe, sie alle zu durchschreiten.
Der Weg des Buddha ist unvergleichlich; ich gelobe, ihn zu verwirklichen.“

Die Vier Großen Gelübde

Die Mission eines Bodhisattvas ist erfüllt, wenn das, was er zu geben hat, restlos zur eigenen menschlichen Fähigkeit geworden ist. Von da an braucht er sich nicht mehr in einem physischen Leib zu verkörpern. Er ist zum Buddha geworden, dessen Bewusstsein nun bis zum Nirvanaplan hinauf reicht und dessen Leib zum Sambhoakaya (Leib der Vollendung) verwandelt wurde. Nach dem Tod in diesem letzten Erdenleben wirkt ein Buddha nur mehr in ätherischer oder astralischer Gestalt durch den sog. Nirmanakaya in das Erdengeschehen herein:

"Ein solcher ätherischer Leib aber, in dem sich eine Individualität wie der Buddha verkörpert, ist nicht eine geschlossene Raumeinheit. Er ist eine Vielheit von nicht zusammenhängenden Gliedern." (Lit.: GA 117, S. 18)

Dass der Nirmanakaya eines Buddha als eine Vielzahl von Gliedern erscheint, beruht auf einer Steigerung jener Spaltung der Persönlichkeit, die sich auf dem Einweihungsweg ergibt, durch die Denken, Fühlen und Wollen immer mehr als eigenständige Wesenheiten auftreten.

In den Schulen der Rosenkreuzer gilt Skythianos als der große Bodhisattva des Westens:

„Daher ist es in aller Geistesschulung des Rosenkreuzes so, daß man hinaufblickt mit tiefster Verehrung zu jenen alten Eingeweihten, die die uralte Weisheit der Atlantis bewahrten: zu dem wiederverkörperten Skythianos, in ihm sah man den großen verehrten Bodhisattva des Westens; zu dem jeweilig verkörperten Abglanz des Buddha, den man ebenfalls verehrte als einen der Bodhisattvas, und endlich zu Zarathas, dem wiederverkörperten Zarathustra.“ (Lit.:GA 113, S. 192)

Da hier Individualitäten genannt werden, die Rudolf Steiner an anderern Stellen auch als Meister bezeichnet, darf man wohl davon ausgehen, dass es sich bei den zwölf Meistern der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen um denselben Kreis von Eingeweihten handelt[1].

Von den Weisen der Erde unterscheiden sich die Bodhisattvas dadurch, dass sie die ganzen irdischen Erfahrungen und damit die Buddhi der Erde in sich aufgenommen haben. Solche Bodhisattvas seien etwa Buddha oder Zarathustra gewesen:

„Einer, der die ganzen irdischen Erfahrungen aufgenommen hat, so daß er von einem jeglichen Dinge weiß, wie es verwertet werden kann und so ein Schöpfer geworden ist, wird ein Bodhisattva genannt, das heißt ein Mensch, der Bodhi, die Buddhi der Erde, genugsam in sich aufgenommen hat. Dann ist er reif, aus den innersten Impulsen heraus zu wirken. Die Weisen der Erde sind noch nicht Bodhisattvas. Auch für einen Weisen gibt es immer noch Dinge, in denen er noch nicht vermag sich zurechtzufinden. Erst wenn man das gesamte Wissen der Erde in sich aufgenommen hat, um schaffen zu können, ist man ein Bodhisattva. Buddha, Zarathustra zum Beispiel, waren Bodhisattvas.“ (Lit.:GA 93a, S. 54)

In einem in Lugano am 17. September 1911 gehaltenen Vortrag wird auch die Meister- und Buddhaschaft gleichsetzt und zugleich festgehalten, dass dieses Ziel nur eine höhere Stufe dessen darstellt, was jeder Mensch - zumindest prinzipiell - durch eine entsprechende geistige Entwicklung erreichen kann:

„Der Bodhisattva, welcher der Buddha wurde, war in das Königshaus des Suddhodana hineingeboren und wurde im neunundzwanzigsten Jahre seines Lebens Buddha, das heißt, daß er dann nachher nicht mehr inkarniert zu werden brauchte. Wenn eine solche Wesenheit, ein Bodhisattva, Buddha oder Meister wird, so bedeutet das eine innere Entwickelung, nur eine höhere, die jeder Mensch durchmachen kann. Eine esoterische Schulung des Menschen ist nur ein Anfang dessen, was zum Buddha-Werden führt. Das hat nichts zu tun mit dem, was um die Menschen herum geschieht. Solche Menschen treten zu gewissen Zeiten auf, um die Welt weiterzubringen. Es sind das aber andere Ereignisse als das Christus-Ereignis. Christus war nicht etwa herübergekommen von einer anderen menschlichen Individualität, sondern Christus war aus dem Makrokosmos herübergekommen, während alle Bodhisattvas immer mit der Erde verbunden gewesen sind.“ (Lit.:GA 130, S. 22)

Siehe auch

Literatur

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Einzelnachweise

  1. vgl. dazu auch die Ausführungen von Hella Wiesberger in (Lit.:GA 264, S. 251)