Kopernikanisches Weltbild

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Das kopernikanische Weltbild bezeichnet die astronomisch-mathematischen und philosophischen Inhalte im Hauptwerk des Astronomen Nikolaus Kopernikus "De Revolutionibus Orbium Coelestium" (1543), das u. a. durch Georg Joachim Rheticus Verbreitung fand. Damit wurde die kopernikanischen Wende bzw. die kopernikanische Revolution eingeleitet. Die Erde wurde aus ihrer zentralen Stellung im Kosmos verdrängt und in den Naturwissenschaften lernte man über die unmittelbare sinnliche Anschauung hinauszugehen und auf die konstruktiven Fähigkeiten der eigenen Vernunft zu vertrauen[1][2]. Daran anknüpfend formulierte Hermann Bondi (1919-2005), ein britischer Mathematiker und Kosmologe österreichischer Abstammung, 1960 das kopernikanische Prinzip, wonach dem Menschen keine besonders ausgezeichnete, zentrale Stellung im Kosmos zukomme, was allerdings mit einigen Interpretationen des anthropischen Prinzips in Konflikt steht.

Zur Ausgangsbasis des Weltbildes im Hauptwerk von Kopernikus

  1. Nicht alle Himmelskreise besitzen denselben Mittelpunkt.
  2. Der Erdmittelpunkt ist lediglich Mittelpunkt der Mondbahn, nicht aber Mittelpunkt des Weltalls.
  3. Im Mittelpunkt des Weltalls steht die Sonne. Um sie bewegen sich die Planeten einschließlich der Erde.
  4. Die Bewegung des Himmelsgewölbes findet nur scheinbar statt; sie ist nur eine Folge der Bewegung der Erde um ihre Achse.
  5. Die Bewegung der Sonne unter den Sternen findet nur scheinbar statt; sie ist eine Folge der Bewegung der Erde um die Sonne.
  6. Das Verhältnis der Entfernung Erde-Sonne ist verschwindend klein im Verhältnis zur Entfernung der Fixsternsphäre, dies hat zur Folge, dass sich die Fixsterne scheinbar nicht bewegen.

Zur Anknüpfung an antike Vorstellungen

Mit der Einführung der Erd- und Planetenbewegung konnte Kopernikus die zweite Ungleichung der Planetenbewegung erklären, indem die rückläufige Bewegung der äußeren Planeten (Mars, Jupiter, Saturn) nun als Widerspiegelung der Bewegung der Erde um die Sonne erscheint. Da Kopernikus in Anlehnung an die antiken Vorurteile den Kreis als die einzig mögliche Form für die Planetenbahnen ansah, gelang ihm die Beschreibung der ersten Ungleichung nicht ohne eine Reihe von Zusatzhypothesen (u. a. der Einführung von Epizykeln, so dass er in dieser Hinsicht wieder an die ptolemäische Astronomie anknüpfte).

In dieser Beziehung war Kopernikus in seiner wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Umwelt zu sehr befangen, um sich von deren Traditionen und Dogmen völlig befreien zu können. Das drückt sich z. B. auch darin aus, dass er die Abschaffung der exzentrischen Bewegung, die Ptolemäus zur "Rettung der Erscheinungen" einführen musste, als einen wesentlichen Verdienst seines Werkes ansah.

Dass es im 16. Jahrhundert zur Entstehung des heliozentrischen Weltbilds kommen konnte, ist u.a. aus den ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen der Renaissance zu erklären. Die objektive Bedeutung des kopernikanischen Weltbildes bestand darin, dass es einen qualitativen Fortschritt in der Erkenntnis der wahren Struktur des Planetensystems bedeutete und mit der Kühnheit seiner Konzeption die Richtung für die astronomische Forschung der kommenden Jahrhunderte bestimmte.

Im Streit um das kopernikanische Weltbild sind zwei Komponenten zu unterscheiden: die Wissenschaft und die Philosophie. Der wissenschaftliche Streit hat sich für die Entwicklung der neueren Astronomie als äußerst fruchtbar erwiesen. Die Überzeugung von der Richtigkeit des kopernikanischen Weltbildes stimulierte die Astronomen, im Kampf mit den wissenschaftlichen Gegnern der kopernikanischen Hypothese zunehmend feinere Verfahren und Messgeräte zu entwickeln. Indem Kopernikus darauf verwies, dass das ptolemäische Weltbild nicht zwischen Schein und Realität unterscheide, vertrat er in dieser Hinsicht einen materialistischen Standpunkt.

Die Reaktion der Kirche auf die Veröffentlichung von "De revolutionibus"

Bis heute hält sich hartnäckig die Meinung, Kopernikus habe aus Angst vor der Kirche die Veröffentlichung seines Hauptwerks bis an sein Lebensende hinausgeschoben. Tatsächlich aber brauchte er die Reaktion zumindest der katholischen Kirche keineswegs zu fürchten. Da der alte julianische Kalender im 16. Jahrhundert bereits um ganze 10 Tage von der natürlichen Jahreslänge abwich und damit die großen kultischen Feierlichkeiten wie z.B. Ostern und Weihnachten immer weniger mit dem tatsächlichen Sonnenstand übereinstimmten, bestand vonseiten der Kurie in Rom das größte Interesse an einer Kalenderreform. Aus diesem Grunde schrieb eine päpstliche Komission alle damals bekannten Astronomen an, darunter auch Kopernikus, und bat um Mitwirkung durch möglichst genaue Bestimmung der tatsächlichen Jahreslänge. Diese Forschungsarbeiten sollten aber noch einige Jahrzehnte in Anspruch nehmen. Vor diesem Hintergrund ist verständlich, dass Kopernikus sein Hauptwerk "De revolutionibus" im Vorwort gerade Papst Paul III. widmete. Die von Kopernikus errechnete Länge des tropischen Jahres floss in die Prutensischen Tafeln ein, die schließlich als Grundlage der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahre 1582 dienten. Erst in den nachfolgenden Jahrzehnten ging die Kirche immer stärker in Opposition zur heliozentrischen Lehre, was schließlich zur bekannten Verfolgung von Galileo Galilei und der Verbrennung von Giordano Bruno führte. Erst im Jahre 1616, 73 Jahre nach dem Tode von Kopernikus, wurde "De revolutionibus" in den Index der verbotenen Bücher aufgenommen. Allerdings konnte man das Buch nicht vollständig verbieten, weil es dem Papst gewidmet war und die Kurie selbst mehrfach auf die Veröffentlichung gedrungen hatte. Es sollte daher nur solange verboten bleiben, bis jene Textstellen aus ihm entfernt seien, die so verstanden werden konnten, dass Kopernikus das heliozentrische Weltbild nicht nur als Hypothese, d.h. als Rechenmodell, sondern als Wirklichkeit ansah.

Die im 16. Jahrhundert gerade erst entstandene protestantische Kirche war ebenfalls stark an einer Veröffentlichung von "De revolutionibus" interessiert. Man brauchte dringend genauere Berechnungsmöglichkeiten der Planetenstände, um bessere astrologische Vorhersagen machen zu können. So wurde von Wittenberg aus der junge Mathematiker Georg Joachim Rheticus nach Frauenburg gesandt, mit der Absicht, Kopernikus endlich zur Veröffentlichung seines Hauptwerkes zu bewegen, was schließlich auch gelang. Die Protestanten wollten aber die heliozentrische Lehre nur als reines Rechenmodell anerkennen. Zu diesem Zweck fügte ein Drucker in Nürnberg ohne Befugnis und ohne Wissen von Kopernikus dem Werk "De revolutionibus" eine Vorrede hinzu, die alle Aussagen in dem Buch als rein mathematische Hypothesen erklärte. Von Luther selbst ist uns überliefert, dass er gegen Kopernikus wetterte: "Der Narr will die ganze Kunst Astronomiae umkehren! Aber wie die heilige Schrift anzeigt, so hieß Josua die Sonne still stehen und nicht das Erdreich." (aus Luthers Tischreden). Dies wurde als biblischer Beweis angeführt, dass die Sonne sich bewegt haben müsse und die Erde still stünde ganz im Sinne des alten geozentrischen Weltbildes.

Zur Entdeckung der Keplerschen Gesetze als Folge des Werkes von Kopernikus

Als Beispiel seien die Keplerschen Gesetze genannt, deren Entdeckung nur auf Grund der tiefen Überzeugung von der Richtigkeit der kopernikanischen Grundgedanken möglich war, während dadurch zugleich das kopernikanische Weltbild in einem entscheidenden Punkt, nämlich der Form der Planetenbahnen, korrigiert und insofern bereichert wurde.

Einige wissenschaftliche Folgewirkungen des Werkes des Kopernikus'

Sie führten nicht nur zum wissenschaftlichen Beweis der Richtigkeit des kopernikanischen Weltbildes (in der Messung der ersten Fixsternparallaxe 1838 durch Friedrich Wilhelm Bessel und etwa gleichzeitig durch Friedrich Georg Wilhelm Struve, sondern brachten auch eine Fülle anderer Fakten und Entdeckungen hervor (z. B. die Entdeckung der Aberration durch James Bradley, 1726), die zur Ausgestaltung des modernen astronomischen Weltbildes wesentlich beigetragen haben.

Der philosophische Streit hingegen, der sich vornehmlich in der Verfolgung der Anhänger des Kopernikus äußerte (Kopernikus' Werk stand noch bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts auf dem Index der verbotenen Bücher der katholischen Kirche), stellte den vergeblichen Versuch dar, den wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Fortschritt aufzuhalten. Später, nachdem dieses Unterfangen gescheitert war, wurde versucht, die Bedeutung des kopernikanischen Werkes zu verfälschen und herabzumindern. Diese Entwicklung begann schon mit dem von Kopernikus nicht autorisierten Vorwort des Herausgebers Andreas Osiander zu "De revolutionibus orbium coelestium".

Zu den Versuchen, den Gehalt des Werkes von Kopernikus herabzumindern

Osiander stellte das Werk als eine rein mathematische Hypothese hin, deren Wahrheitsgehalt überhaupt nicht zur Debatte stehe. Vor allem Kopernikus' Schüler Georg Joachim Rheticus hat überliefert, dass Kopernikus selbst das astronomische Naturgesetz als den legitimen Richter über verschiedene mögliche Darstellungsformen des Systems von Sonne und Planeten ansah. Neuere Kopernikus-Interpreten behaupteten, es bestünden keinerlei Gemeinsamkeiten zwischen dem Werk des Kopernikus und der antiken Astronomie (bei Oswald Spengler). Auf diese Weise wollte man den "rein abendländischen Charakter" der Ideen des Kopernikus "herausarbeiten".

Solche Darstellungen zeugten von der ungenügenden Einsicht in das Wesen der geschichtlichen Prozesse, vor allem in die historischen Züge der Wissenschaftsentwicklung. Übrigens hat Kopernikus selbst die Verdienste seiner antiken Vorgänger nachdrücklich gewürdigt; schließlich zeigt sich diese Verbindung auch in den Elementen der platonisch-pythagoreischen Astronomie, die später freilich durch die weitere wissenschaftliche Entwicklung wegen ihrer Unhaltbarkeit aus dem kopernikanischen System eliminiert wurde. Andere Interpreten behaupteten, im Werk des Kopernikus sei eigentlich nichts oder nur wenig zu finden, was nicht auch schon bei Hipparch (Hipparchos von Nicäa) und Ptolemäus vorhanden gewesen wäre.

Damit wird versucht, die widersprüchlichen und antiken Elemente im Werk des Kopernikus zu verabsolutieren und zum entscheidenden Punkt seines Weltbildes zu erheben. Die historische Entwicklung hat aber gezeigt, dass das Wesentliche im Werk des Kopernikus die Annahme der Zentralstellung der Sonne ist und nicht das Zurückgreifen auf Kreisbahnen und ähnliches.

Die moderne Wissenschaftsgeschichtsschreibung sieht im kopernikanischen Weltbild einen Vorstoß zu einer höheren Qualität in der Erkenntnis der wissenschaftlichen Wahrheit über den Kosmos. Es stellt eine wesentliche Weiterentwicklung des antiken Weltbildes dar, indem es auf dessen positiver Basis, vor allem dem reichhaltigen Beobachtungsmaterial, fußt und es gleichzeitig überwindet.

Aussagen Rudolf Steiners zum Kopernikanischen Weltbild

Über den Gültigkeitsbereich des Kopernikanischen und des Ptolemäischen Systems: Kopernikus zum Beispiel hat die Menschheit von dem alten Irrtum abgebracht, dass die Erde stillstehe. Er lehrte, es sei ein Irrtum, anzunehmen, dass die Erde stillstehe. Kepler und Galilei bildeten diese Lehre weiter aus. ... Und doch haben beide, Kopernikus und Ptolemäus recht; es kommt nur auf den Standpunkt an, von dem aus man die Sonne und die Erde betrachtet. ... Das Ptolemäische System gilt also für den astralen, das Kopernikanische für den physischen Plan.“ (GA 95, Vor dem Tore der Theosophie, Vortrag vom 01.09.1906, Stuttgart)

Über das reine Denken bei Kopernikus: „So klar, so durchsichtig hell etwas zu durchschauen, wie das im Denken der Fall ist, wenn das Denken sich aufschwingt zu klar erfassten, mathematisch formulierten Naturgesetzen, etwas so klar zu fassen, zu ergreifen, dass man mit seiner ganzen Wesenheit darinnensteckt, ist dem Menschen erst möglich geworden in der Zeit, als er sich zu dem reinen Denken erhoben hat, das Kopernikus, Galilei und ihre Nachfolger zu der neueren naturwissenschaftlichen Forschung inspiriert hat.“ (GA 83, „Westliche und östliche Weltgegensätzlichkeit“, Vortrag vom 07.06.1922)

„In diese Zeit hinein fiel das Leben des Faust des sechzehnten Jahrhunderts, in eine Zeit, die in manchem die Abendröte einer alten Geistesströmung sah, die aber zugleich auch die Morgenröte war einer ganz neuen Zeit, einer Zeit, die dann solche Sterne hervorbrachte wie Giordano Bruno, Galilei, Kopernikus und so weiter. Man nennt mancherlei Zeiten die Zeiten des Überganges. Von allen Zeiten aber verdient keine so sehr diesen Namen wie die Zeit des Faust.“ (GA 57, "Wo und wie findet man den Geist", Vortrag vom 11.03.1909, Berlin)

Über die Vorherverkündigung der Tat des Kopernikus durch Alanus ab Insulis und ihre Bedeutung für die spätere Spiritualisierung des Denkens durch Michael: „Da sagte Alanus ab Insulis zu einem engen Kreise seiner eingeweihten Schüler: Wir schauen heute die Welt so an, dass wir noch die Mittelpunktstellung der Erde erkennen, dass wir von der Erde aus alles beurteilen. Wenn man mit dieser irdischen Anschauung, die uns zu unseren Bildern, zu unseren Imaginationen befähigt, die folgenden Jahrhunderte allein befruchten würde, dann würde die Menschheit nicht fortschreiten können. Wir müssen ein Bündnis eingehen mit den Aristotelikern, die in die Menschheit den Intellekt hereinbringen, der dann spiritualisiert werden soll und im 20. Jahrhundert in einer neuen spirituellen Weise unter den Menschen aufleuchten soll. Wenn wir jetzt die Erde als den Mittelpunkt des Kosmos anschauen, wenn wir die Planeten als um die Erde kreisend, wenn wir den ganzen Sternenhimmel, wie er sich zunächst auch für das physische Auge darbietet, so beschreiben, als wenn er sich drehen würde um die Erde, so wird aber doch einer kommen und wird sagen: Stellen wir einmal die Sonne räumlich in den Mittelpunkt des Weltensystems! Dann aber, wenn dieser kommt, der die Sonne räumlich in den Mittelpunkt des Weltalls stellt, dann wird die Weltanschauung veröden. Die Menschen werden dann nur noch die Bahnen der Planeten ausrechnen, werden nur noch die Orte der Himmelskörper angeben. Die Menschen werden von den Himmelskörpern nur sprechen wie von Gasen oder physischen Körpern, die da brennen und brennend leuchten; sie werden nur ganz mathematisch-mechanisch etwas von dem Sternenhimmel wissen. Aber das, was da als öde Weltanschauung sich ausbreiten wird, das hat doch eines - ein Armseliges , aber eines hat es: Wir schauen von der Erde aus die Welt an; der, der da kommen wird, wird von der Sonne aus die Welt anschauen. Er wird sein wie einer, der nur die "Richtung" angibt, die Richtung auf einen großartig bedeutsamen, mit den wunderbarsten Ereignissen und wunderbarsten Wesenheiten ausgestalteten Weg. Aber er gibt nur die abstrakte Richtung an; damit war auf die kopernikanische Weltanschauung hingedeutet, in ihrer Öde, in ihrer Abstraktheit, aber als Richtung, denn alles das muss zuerst fort, was wir mit unseren Imaginationen vertreten, so sagte Alanus ab Insulis; das muss fort, und gewissermaßen ganz abstrakt muss das Weltbild werden, fast nur wie ein Meilenzeiger auf einem Wege mit wunderbaren Denkmälern. Denn da wird in der geistigen Welt einer sein, der diesen Meilenzeiger, der für die Erneuerung der Welt nichts anderes haben wird als Richtung, nehmen wird, damit er dann, mit dem Intellektualismus zusammen, die neue Spiritualität begründen kann, einer, der nichts wird brauchen können als diesen Meilenzeiger. Das aber wird sein, wie Alanus ab Insulis sagte, Sankt Michael! Für ihn muss das Feld frei werden; er muss den Weg mit neuen Saaten besäen. Dazu muss nichts anderes da sein als Linie, mathematische Linie.“ (GA 240, 6. Karmaband, Vortrag vom 18.07.1924)

Über das Wirken des Christusimpulses und der neueren Esoterik in Kopernikus: "Und im wahrsten Sinne des Wortes ging das, was für den Raum als Überwindung des Sinnenscheins durch Kopernikus und Giordano Bruno ausgeführt worden ist, schon hervor aus den Inspirationen derjenigen geistigen Strömung, welcher auch die neuere Geisteswissenschaft oder Theosophie folgt. Was man die neuere Esoterik nennen kann, das wirkte in geheimnisvoller Art auf Kopernikus, Bruno, Kepler und andere. Und die, welche heute auf dem Boden des Giordano Bruno und Kopernikus stehen und nicht die Theosophie annehmen wollen, sie werden ihren eigenen Traditionen untreu, indem sie an dem Sinnenschein festhalten wollen.“ ... „Dann hat derselbe Impuls durch die Inspiration der neueren Esoterik so gewirkt, dass inspiriert werden konnten Geister wie Nikolaus Cusanus, Kopernikus, Galilei, so dass z.B. Kopernikus den Satz geltend machen konnte: Der Sinnenschein kann nicht die Wahrheit über die Sonnensysteme lehren; will man die Wahrheit lehren, so muss man hinter dem Sinnenschein forschen. Damals waren die Menschen noch nicht reif, selbst Giordano Bruno nicht, sich der neueren esoterischen Strömung bewusst einzugliedern; sie mussten unbewusst in sich wirksam haben den Geist dieser Strömung.“ (GA 15, „Die geistige Führung des Menschen und der Menschheit“, Vortrag vom 08.06.1911)

Über die hierarchischen Inspirationen in Kopernikus und Galilei: „Heute glaubt man, wenn der Mensch nur nachdenkt, dann kann er über alles denken, wenn ihm nur die Dinge zugänglich sind, über die er denken will. Das ist aber ein Unsinn. Die Wahrheit ist vielmehr, dass das Menschengeschlecht in einer Entwicklung ist und dass z.B. die Gedanken, die Kopernikus gefasst hat, die Galilei gefasst hat in einer bestimmten Zeit, nicht vorher durch bloßes Nachdenken gefunden werden konnten. Warum? Weil durch Nachdenken der Mensch die Gedanken fabriziert, die im Kopfe walten. Wenn aber solch ein Gedanke weltgeschichtlich auftaucht, wenn er so auftaucht, dass er als Einschlag kommt in die ganze menschliche Entwicklung hinein, dann wird er von den Göttern gegeben durch den ganzen Menschen hindurch. Dann wallt er zuerst, indem er das Luziferische überwindet, durch den ganzen Menschen und vom ganzen Menschen aus erst in den Kopf. Ich glaube, es ist das schon zu verstehen. Deshalb können bestimmte Gedanken in bestimmten Zeitaltern nur erwartet werden, wenn der Mensch nicht bloß nachdenkt, wenn dem Menschen nicht bloß durch seine Augen, seine Ohren etwas vermittelt wird, sondern wenn ihm durch sein ganzes Wesen, das ein Abbild der Hierarchien ist, etwas hereininspiriert wird aus der hierarchischen Welt.“ (GA 177, „Die spirituellen Hintergründe der äußeren Welt“, Vortrag vom 08.10.1917)

Über die Grundprinzipien der Planetenbewegung: Rudolf Steiner erklärt die Planetenbewegung auf eine völlig andersartige Weise als wir es vom kopernikanischen Weltbild her gewohnt sind. So beschreibt er in verschiedenen Vortragszyklen ganz unterschiedliche Bewegungsformen wie z.B. Schraubenbewegungen, "künstlerische" Bewegungen, aber vor allem Lemniskatenbahnen der Planeten.

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.


Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Kopernikanisches Weltbild aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
  1.  Hans Blumenberg: Die kopernikanische Wende. Suhrkamp, 1965.
  2.  Hans Blumenberg: Die Genesis der kopernikanischen Welt. Suhrkamp, 1975, ISBN 978-3518279526.