Seth (Ägyptische Mythologie)

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Set / Seth / Setech / Sutech in Hieroglyphen
Frühzeit
E21
O11
[1]
Altes Reich
E21
[1]
Mittleres Reich
S29X1
N37
A40
[1]
S29X1
F32
A40
[1]
E21
[1]
Neues Reich
M23G43X1
Z4
A40
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S29G43X1
Aa1
C7
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S29G43Aa1 X1
E21
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Spätzeit
S29X1
Aa1
R8
[1]
Griechisch-römische Zeit
O34
X1 O1
T31
E21
[1]
Set / Seth / Setech / Sutech
St / Stẖ / Stḫ / Swtḫ[1]
Anstifter der Verwirrung
Variante: Wedja
Der Gerichtete /
Der Getrennte[1]
griechisch Σεθ (Seth)
Koptisch Sēt
ⲥⲏⲧ (Σητ)
In keilschriftlicher Überlieferung šuta
Set.svg
Seth mit Was-Zepter und Anch-Zeichen

Seth (auch Set, Setech, Sutech; Variante Wedja) ist eine sehr ambivalente altägyptische Gottheit, deren Bedeutung nicht völlig geklärt ist. Seth ist ein Wüstengott und wird mit den Stürmen und Unwettern in Verbindung gebracht, weshalb er als Gott des Chaos und des Verderbens gilt. Andererseits war er auch Schutzgott der Oasen und Gefährte des Horus. Er ist der Sohn der Himmelsgöttin Nut und des Erdgottes Geb, sein Sternbild war der große Wagen, sein Planet der Merkur (Sebeg oder Sebgu). In den Pyramidentexten galt Seth als „Gott des Südens“.[2] An seiner Seite beschützt er den König, spendet Segen und führt Reinigungsriten durch.

Seth und Osiris

Die bekanntesten Geschichten über Seth sind die Ermordung seines Bruders Osiris und der gewalttätige Kampf um den Thron zwischen Seth und Horus.

Nach Rudolf Steiner steht Seth mit Ahriman im Zusammenhang.

„Dieses Isismysterium hat zum Hauptinhalt den Tod des Osiris, das Suchen des toten Osiris durch Isis. Wir wissen, daß Osiris, der Repräsentant des Sonnenwesens, der Repräsentant der geistigen Sonne, getötet wird durch Typhon, der ja nichts anderes ist als, ägyptisch ausgedrückt, der Ahriman. Wir wissen, daß Osiris von Ahriman getötet wird, in den Nil geworfen wird, daß er hinausgeschwemmt wird, daß Isis, die Gemahlin, sich auf die Suche begibt, daß sie ihn drüben in Asien findet, daß sie ihn zurückbringt nach Ägypten, daß dann Osiris zerstückelt wird von dem Feinde Ahriman, und daß Isis die vierzehn Stücke an verschiedenen Orten begräbt, so daß sie fortan der Erde angehören.

Man kann aus dieser Anschauung entnehmen, wie sich in einer tief sinnvollen Weise die ägyptische Weisheit vorgestellt hat den Zusammenhang zwischen den Mächten des Himmels und den Machten der Erde. Osiris ist auf der einen Seite der Repräsentant der Sonnengewalten. Er ist, indem er durch den Tod gegangen ist, an verschiedenen Orten zu gleicher Zeit jene Kraft, welche alles dasjenige, was aus der Erde heraus fruchtet, eben zu diesem Fruchten bringt. In geistvoller Weise denkt sich ja der alte ägyptische Weise, wie die Gewalten, welche hereinscheinen von der Sonne, sich mitteilen der Erde, wie sie dann der Erde angehören, und wie sie als Sonnengewalten, die in der Erde begraben sind, das aus der Erde heraus Fruchtende dem Menschen wiederum übergeben. Was der ägyptischen Anschauung zugrunde liegt, ist das, daß Osiris getötet worden ist, daß sich seine Gemahlin Isis auf die Suche nach Osiris begeben mußte, daß sie ihn erst wieder zurück nach Ägypten bringen mußte, daß er dann in anderer Form, nämlich aus der Erde heraus wirkte.“ (Lit.:GA 202, S. 233)

„Solange Licht allein war, solange kannte der Mensch nicht Geburt und Tod. Früher verwandelte sich die lichtdurchglühte Wolke, und der Mensch fühlte das etwa wie das Wechseln eines Rockes, er fühlte nicht, daß er geboren wurde, nicht, daß er starb, er fühlte sich ewig, Geburt und Tod nur wie Ereignisse. Mit dem ersten Atemzuge trat das Bewußtsein von Geburt und Tod ein: Die Luft, der Lufthauch, der sich abgespaltet hat von seinem Bruder, dem Lichtstrahl - so empfand der damalige Mensch - , der abgespaltet hat dadurch auch die Wesen, die früher mit dem Lichte eingeflossen sind, der hat mir den Tod gebracht.

Wer war es denn, der da machte, daß das Bewußtsein: Zwar habe ich eine finstere Gestalt, doch bin ich verbunden mit dem ewigen Wesen - wer war es denn, der dieses Bewußtsein vertrieb, tötete? Der Lufthauch, der in den Menschen einströmte - Typhon. Typhon heißt der Lufthauch. Und indem die ägyptische Seele in sich das erlebte, was sich so abgespielt hatte, daß sich der früher gemeinsame Strahl spaltete in den Lichtstrahl und den Lufthauch, wurde für diese Seele das kosmische Ereignis ein symbolisches Bild, das sich darstellte als Ermordung des Osiris durch Typhon oder Set, den Windhauch. Ein großes kosmisches Ereignis ist verborgen im ägyptischen Mythos, der den Osiris getötet sein läßt durch Typhon. Der Ägypter fühlte den Gott, der von der Sonne kam und der sich noch vertrug mit seinem Bruder, als Osiris. Typhon war die Atemluft, die dem Menschen die Sterblichkeit gebracht hat.“ (Lit.:GA 106, S. 74f)

Einige Könige, z. B. Sethos I. und Sethos II. sowie Sethnacht, führten den Namen Seth als Eigennamen. Außerhalb der königlichen Familie trugen zumeist Beamte mit militärischer Funktion diesen Namen und unterstellten sich so seinen körperlichen und magischen Kräften.

Seth hatte mehrere Kultstätten, besonders in Oasen, die jedoch alle nicht sehr beständig waren. In der Spätzeit wurde er umso stärker mit dem Fremdland in Verbindung gebracht und als unerwünschter Gott angesehen. Seine negativen Aspekte haben schon vorher möglicherweise verhaltenes Misstrauen hervorgerufen, die unter mehreren Fremdherrschern schließlich eskalierte. Seth wird überwiegend als schädlicher Gott gesehen.

Die späthellenistischen Griechen setzten Seth mit Typhon gleich, dem Sohn der Gaia und des Tartaros.

Siehe auch

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Seth - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 Christian Leitz u.a.: Lexikon der ägyptischen Götter und Götterbezeichnungen, Bd. 6: H̱-s. Peeters, Leuven 2002, ISBN 90-429-1151-4, S. 691.
  2. Jan Assmann: Tod und Jenseits im Alten Ägypten. Beck, München 2003, ISBN 3-406-49707-1, S. 164.


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