Väinämöinen

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Akseli Gallen-Kallela: Die Verteidigung des Sampo (1895). Väinämöinen im Kampf gegen Louhi.
Rudolf Åkerblom: Väinämöinen spielt (1885)
R. W. Ekman: Väinämöinen

Väinämöinen (auch Wäinämöinen) ist ein Held aus der finnischen Mythologie und die Hauptfigur im finnischen Nationalepos Kalevala.

Geistiger Hintergrund

In den drei großen Helden der finnischen Mythologie wird der wesenhafte Ursprung der drei seelischen Wesensglieder dargestellt. Väinämöinen ist der Schöpfer der Empfindungsseele. Ilmarinen, der für Louhi, die Herrscherin des Nordlandes, den Sampo schmiedet ist der Schöpfer der Verstandes- oder Gemütsseele und Lemminkäinen, der ähnlich wie Osiris getötet, zerstückelt und von seiner Mutter wiederbelebt wird, erschuf die Bewusstseinsseele.

„Nun treten uns in dem finnischen Nationalepos drei Helden entgegen. Zunächst sind sie höchst merkwürdig, diese drei sonderbaren Geschöpfe, die etwas Übermenschliches haben und die wieder stufenweise etwas echt Menschliches haben. Geht man aber näher und untersucht man namentlich mit okkulten Mitteln die Sache, so zeigt sich, daß in diesen drei heldenhaften Gestalten die Schöpfer, die letzten Schöpfer und Inspiratoren der menschlichen Seelenkräfte gegeben sind. Der Schöpfer der Empfindungsseele entspricht dem, was in der Kalewala geschildert ist mit dem Namen Wäinämöinen; der Schöpfer der Verstandes- oder Gemütsseele ist geschildert als Ilmarinen und der Schöpfer der Bewußtseinsseele als Lemminkäinen. Es tritt uns also hier bei diesem so merkwürdigen Volke in seiner Nationaldichtung in einer Imaginationsform aus dem ursprünglichen menschlichen Hellsehen das entgegen, was die moderne okkulte Forschung wiederfindet.“ (Lit.:GA 133, S. 66f)

Mythologie

Väinämöinen ist 730 Jahre lang im Leib seiner Mutter, der Lüftetochter Ilmatar, herangewachsen und besitzt seit seiner Geburt die Weisheit. Er ist ebenfalls im Besitz der magischen Stimme. Dies zeigte er unter anderem, indem er den ungestümen Joukahainen durch sein Singen in einem Sumpf versinken ließ. Der flehte Väinämöinen an, ihn leben zu lassen, und versprach ihm dafür seine Schwester Aino. Doch Aino lehnte Väinämöinen wegen seines hohen Alters ab und ging lieber ins Wasser, um ihrem Leben ein Ende zu setzen.

Im Kalevala wird berichtet, dass Väinämöinen einen großen Hecht getötet und aus dessen Kieferknochen eine Kantele gemacht hat. Dass damit selbstverständlich kein physisches, sondern ein geistig-seelisches Instrument gemeint ist, wird deutlich ausgesprochen.

„In diesem Sinne war es mir interessant, daß eine der Runen, der Kantelen unmittelbar, ich möchte sagen, Protest erhebt gegen eine Ausdeutung dessen, was in Kalewala vorkommt, in einem materialistischen Sinn. Jenes Instrument, jenes harfenartige, mit dem die alten Sänger von den alten Zeiten sangen, im Bild wird es angedeutet so, wie wenn es aus Materialien der physischen Welt gebildet wäre. Die alten Runen aber protestierten dagegen, protestierten im geisteswissenschaftlichen Sinne, möchte man sagen, dagegen, daß aus Naturprodukten, welche die Sinne schauen können, das Saiteninstrument für Wäinämöinen zusammengefügt war. In Wahrheit, so sagt die alte Rune, stammt aus Geistig-Seelischem das Instrument, worauf der Mensch die Weisen spielt, die ihm unmittelbar aus der geistigen Welt hereinkommen. In diesem Sinn ist die alte Rune ganz im geisteswissenschaftlichen Sinn zu deuten, ein lebendiger Protest gegen die Ausdeutung dessen, wozu der Mensch imstande ist im materialistischen Sinn, eine Hindeutung darauf, daß das, was der Mensch besitzt, was sein Wesen ist und was nur symbolisch ausgedrückt wird in einem solchen Instrument, wie jenes, welches dem Wäinämöinen zugeschrieben wird, daß ein solches Instrument aus dem Geist heraus und damit überhaupt das ganze Wesen des Menschen aus dem Geist heraus stammt. Wie ein Motto für die Gesinnung der Geisteswissenschaft kann sie gelten, die alte finnische Volksrune, die uns in die deutsche Sprache in folgender Weise übersetzt ist, und in welcher ich den Grundton, die Grundnuance dessen, was der Vortrag erläutern wollte an dem Wesen der Volksepen, zusammenfassen kann:

Falsches sagen die gewißlich
Und befinden sich im Irrtum,
Die da glauben, Wäinämöinen
Hab gezimmert die Kantele,
Unsere schönen Saitenspiele,
Aus den Kinnbacken des Hechtes,
Und daß Saiten er gesponnen
Aus dem Schweif des Hiisi-Rosses.
Sie ist aus der Not gezimmert,
Kummer band dann ihre Teile,
Bittere Sehnsuchtstränen spannen
Und die Leiden ihre Saiten.

So ist alles Wesen nicht aus Materiellem, sondern aus Geistig-Seelischem herausgeboren, so diese alte Volksrune, so wiederum die Geisteswissenschaft, welche sich hineinstellen will in den lebendigen Kulturprozeß unserer Zeit.“ (Lit.:GA 158, S. 37ff)

Später versuchte Väinämöinen zusammen mit Lemminkäinen und Ilmarinen, den Sampo von Louhi zu rauben. Bei dem Versuch wurde der Sampo allerdings zerstört.

Im letzten Lied der Kalevala endet die Geschichte von Väinämöinen. Die jungfräuliche Marjatta wird durch das Essen einer Preiselbeere schwanger. Sie gebiert einen Sohn und zeigt ihn Väinämöinen. Dieser entscheidet, dass das vaterlose Kind getötet werden müsse. Aber das gerade zwei Wochen alte Kind beweist, dass es ebenfalls die Weisheit besitzt und sogar mächtiger als Väinämöinen ist. Daher ernennt Väinämöinen ihn zum König von Karelien.

Väinämöinen geht daraufhin an das Ufer des Meeres, singt sich mit seiner magischen Stimme ein Boot aus Kupfer herbei und verlässt das Reich der Sterblichen. In seinen letzten Worten sagt er, dass er irgendwann noch einmal gebraucht werden und dann zurückkehren werde.[1]

„Was mich ganz besonders merkwürdig berührt an Kalewala, ist der Schluß. Ich habe gehört, daß es Menschen gibt, welche glauben, daß dieser Schluß vielleicht eine spätere Hinzufügung sei. Für mein Gefühl gehört gerade dieser Schluß von Mariata und ihrem Sohn, dieses Hereinspielen eines ganz merkwürdigen Christentums - ich sage ausdrücklich eines ganz merkwürdigen Christentums - zu dem Ganzen. Es bekommt Kalewala dadurch, daß dieser Schluß da ist, eine ganz besondere Nuance, eine Färbung, die uns die Sache sozusagen erst recht verständlich machen kann. Ich darf sagen, daß für mein Gefühl eine so zarte, wunderbar unpersönliche Darstellung des Christentums überhaupt sich nirgends findet als am Schluß von Kalewala. Losgelöst ist das christliche Prinzip von allem örtlichen. Das Hinkommen von Mariata zu Herodes, der uns in Kalewala als Rotus entgegentritt, ist so unpersönlich gefaßt, daß man kaum an irgendeine örtlichkeit oder Persönlichkeit in Palästina erinnert wird. Ja, man wird, darf man sagen, nicht einmal im allergeringsten an den historischen Christus Jesus erinnert. Als eine intimste Herzenssache der Menschheit finden wir am Schlüsse von Kalewala das Eindringen der edelsten Kulturperle der Menschheit in die finnische Kultur zart angedeutet. Und damit verknüpft ist der tragische Zug, der so unendlich tief wiederum auf unsere Seele wirken kann, daß Wäinämöinen in dem Augenblick, da das Christentum einzieht, wo der Sohn der Mariata getauft wird, Abschied nimmt von seinem Volk, um in eine unbestimmte örtlichkeit zu gehen, zurücklassend seinem Volk nur den Inhalt und die Macht dessen, was er aus seiner Sangeskunst heraus zu erzählen wußte über die uralten Geschehnisse, welche das Historische dieses Volkes einschließt. Dieses Zurückziehen des Wäinämöinen gegenüber dem Sohn von Mariata erscheint mir so bedeutsam, daß man darin das lebendige Zusamraenspiel von alldem sehen möchte, was auf dem Grund des finnischen Volkes, der finnischen Volksseele waltete, waltete von uralten Zeiten her in dem Moment, als das Christentum in Finnland Einlaß fand. Wie dieses uralt Waltende sich verhielt zu dem Christentum, ist so, daß man alles, was da in den Seelen spielte, mit einer wunderbaren Intimität fühlen kann. Das sage ich als etwas, von dessen Objektivität ich mir bewußt bin, das ich niemand zur Freude, niemand zur Schmeichelei sagen möchte. Wir Westeuropäer haben durch dieses Volksepos gerade eines der wunderbarsten Beispiele, wie in unmittelbarer Gegenwart die Glieder eines Volkes mit ihrer ganzen Seele leibhaftig vor uns stehen, so daß man durch Kalewala die finnische Seele in Westeuropa in einer Weise kennenlernt, daß man mit ihr völlig vertraut werden kann.“ (Lit.:GA 158, S. 19f)

Estnische Parallele

Im estnischen Nationalepos Kalevipoeg entspricht Väinämöinen dem Gott Vanemuine.[2]

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Väinämöinen - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1. Kalevala. Das finnische Epos des Elias Lönnrot. Aus dem finnischen Urtext übertragen von Lore Fromm und Hans Fromm. Mit einem Nachwort von Hans Fromm. Marix Verlag, Wiesbaden 2005, ISBN 3-86539-013-7.
  2. Peter Petersen (Hrsg.): Kalevipoeg. Das estnische Nationalepos. Neudruck in der Übersetzung von Ferdinand Löwe. Mayer, Stuttgart 2004, ISBN 3-932386-74-4.
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