gemeinsam neue Wege der Erkenntnis gehen
Eine freie Initiative von Menschen bei anthrowiki.at anthrowiki.at, anthro.world anthro.world, biodyn.wiki biodyn.wiki und steiner.wiki steiner.wiki
mit online Lesekreisen, Übungsgruppen, Vorträgen ...
Wie Sie die Entwicklung von AnthroWiki durch Ihre Spende unterstützen können, erfahren Sie hier.

Use Google Translate for a raw translation of our pages into more than 100 languages.
Please note that some mistranslations can occur due to machine translation.
Alle Banner auf einen Klick

Euthydemos: Unterschied zwischen den Versionen

Aus AnthroWiki
imported>Joachim Stiller
(Die Seite wurde neu angelegt: „Datei:Euthydemos beginning. Clarke Plato.jpg|mini|Der Anfang des ''Euthydemos'' in der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Handschrift, dem 895 geschriebe…“)
 
(→‎Literatur: Literatur von Joachim Stiller entfernt)
 
(2 dazwischenliegende Versionen von einem anderen Benutzer werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
[[Datei:Euthydemos beginning. Clarke Plato.jpg|mini|Der Anfang des ''Euthydemos'' in der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Handschrift, dem 895 geschriebenen ''Codex Clarkianus'' (Oxford, [[Bodleian Library]], Clarke 39)]]
[[Datei:Euthydemos beginning. Clarke Plato.jpg|mini|Der Anfang des ''Euthydemos'' in der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Handschrift, dem 895 geschriebenen ''Codex Clarkianus'' (Oxford, Bodleian Library, Clarke 39)]]


Der '''''Euthydemos''''' ({{ELSalt|Εὐθύδημος}} ''Euthýdēmos'') ist ein in [[Platonischer Dialog|Dialogform]] verfasstes frühes Werk des griechischen Philosophen [[Platon]]. Den Inhalt bildet ein fiktives Gespräch von Platons Lehrer [[Sokrates]] mit dem [[Sophisten]] [[Euthydemos (Sophist)|Euthydemos]], nach dem der Dialog benannt ist, dessen Bruder Dionysodoros, Sokrates’ Freund Ktesippos und dem Jugendlichen Kleinias.
Der '''''Euthydemos''''' ({{ELSalt|Εὐθύδημος}} ''Euthýdēmos'') ist ein in [[Platonischer Dialog|Dialogform]] verfasstes frühes Werk des griechischen Philosophen [[Platon]]. Den Inhalt bildet ein fiktives Gespräch von Platons Lehrer [[Sokrates]] mit dem [[Sophisten]] [[w:Euthydemos (Sophist)|Euthydemos]], nach dem der Dialog benannt ist, dessen Bruder Dionysodoros, Sokrates’ Freund Ktesippos und dem Jugendlichen Kleinias.


== Allgemeines ==
== Allgemeines ==


Das Thema ist die von den Sophisten praktizierte und gelehrte Kunst des Streitgesprächs ([[Eristik]]) und ihr Verhältnis zur Philosophie. Auf Wunsch des Sokrates führen Euthydemos und Dionysodoros die auf [[Fehlschluss|Trugschlüssen]] basierende eristische Debattierkunst vor. Angestrebt wird dabei nicht Wahrheitsfindung, sondern nur der Sieg über den Gegner, dessen Ansichten mit allen Mitteln widerlegt werden sollen. Der eristische Diskurs bedeutet Kampf; er kontrastiert mit der philosophischen Wahrheitssuche des Sokrates, die ein gemeinsames, freundschaftliches Bemühen um Erkenntnis ist.
Das Thema ist die von den Sophisten praktizierte und gelehrte Kunst des Streitgesprächs ([[w:Eristik|Eristik]]) und ihr Verhältnis zur Philosophie. Auf Wunsch des Sokrates führen Euthydemos und Dionysodoros die auf [[Fehlschluss|Trugschlüssen]] basierende eristische Debattierkunst vor. Angestrebt wird dabei nicht Wahrheitsfindung, sondern nur der Sieg über den Gegner, dessen Ansichten mit allen Mitteln widerlegt werden sollen. Der eristische Diskurs bedeutet Kampf; er kontrastiert mit der philosophischen Wahrheitssuche des Sokrates, die ein gemeinsames, freundschaftliches Bemühen um Erkenntnis ist.


Der Dialog führt zu einer [[Aporie]], einer anscheinend ausweglosen Lage: Die Eristik wird zwar als untauglich entlarvt, doch es gelingt vorerst nicht, eine schlüssige philosophische Alternative zu erarbeiten. Nur der Weg zu einer solchen Alternative wird deutlicher erkennbar.
Der Dialog führt zu einer [[Aporie]], einer anscheinend ausweglosen Lage: Die Eristik wird zwar als untauglich entlarvt, doch es gelingt vorerst nicht, eine schlüssige philosophische Alternative zu erarbeiten. Nur der Weg zu einer solchen Alternative wird deutlicher erkennbar.


In der modernen Forschung wird der spielerische, humoristische und komödienhafte Aspekt des Werks betont und die literarische Brillanz gewürdigt. Die Frage, inwieweit Platon darüber hinaus auch ein ernsthaftes philosophisches Anliegen zur Geltung bringen wollte, wird unterschiedlich beantwortet. Philosophiegeschichtlich ist der ''Euthydemos'' als Quelle für die Frühgeschichte der antiken [[Logik]] bedeutsam. Außerdem ist er das älteste überlieferte Werk, in dem die [[Protreptik]], die Hinführung zur Philosophie, ein Hauptthema darstellt.
In der modernen Forschung wird der spielerische, humoristische und komödienhafte Aspekt des Werks betont und die literarische Brillanz gewürdigt. Die Frage, inwieweit Platon darüber hinaus auch ein ernsthaftes philosophisches Anliegen zur Geltung bringen wollte, wird unterschiedlich beantwortet. Philosophiegeschichtlich ist der ''Euthydemos'' als Quelle für die Frühgeschichte der antiken [[Logik]] bedeutsam. Außerdem ist er das älteste überlieferte Werk, in dem die [[w:Protreptik|Protreptik]], die Hinführung zur Philosophie, ein Hauptthema darstellt.


== Zu vielen weiteren Themen siehe auch ==
== Zu vielen weiteren Themen siehe auch ==
Zeile 37: Zeile 37:
* Lucia Palpacelli: ''L’„Eutidemo“ di Platone. Una commedia straordinariamente seria.'' Vita e Pensiero, Milano 2009, ISBN 978-88-343-1828-7
* Lucia Palpacelli: ''L’„Eutidemo“ di Platone. Una commedia straordinariamente seria.'' Vita e Pensiero, Milano 2009, ISBN 978-88-343-1828-7
* Thomas M. Robinson, Luc Brisson (Hrsg.): ''Plato: Euthydemus, Lysis, Charmides. Proceedings of the V Symposium Platonicum. Selected Papers''. Academia Verlag, Sankt Augustin 2000, ISBN 3-89665-143-9
* Thomas M. Robinson, Luc Brisson (Hrsg.): ''Plato: Euthydemus, Lysis, Charmides. Proceedings of the V Symposium Platonicum. Selected Papers''. Academia Verlag, Sankt Augustin 2000, ISBN 3-89665-143-9
* [[Joachim Stiller]]: [http://joachimstiller.de/download/philosophie_platon_euthydemos.pdf Euthydemos - Eine Besprechung des Euthydemos] PDF


== Weblinks ==
== Weblinks ==
* [http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0177 ''Euthydemos''], griechischer Text nach der Ausgabe von John Burnet, 1903
* [http://www.perseus.tufts.edu/hopper/text?doc=Perseus:text:1999.01.0177 ''Euthydemos''], griechischer Text nach der Ausgabe von John Burnet, 1903
* [http://www.opera-platonis.de/Euthydemos.pdf ''Euthydemos''], deutsche Übersetzung nach Friedrich Schleiermacher
* [http://www.opera-platonis.de/Euthydemos.pdf ''Euthydemos''], deutsche Übersetzung nach Friedrich Schleiermacher
== Anmerkungen ==
<references />


{{Navigationsleiste Platon}}
{{Navigationsleiste Platon}}

Aktuelle Version vom 17. Januar 2024, 23:42 Uhr

Der Anfang des Euthydemos in der ältesten erhaltenen mittelalterlichen Handschrift, dem 895 geschriebenen Codex Clarkianus (Oxford, Bodleian Library, Clarke 39)

Der Euthydemos (griech. Εὐθύδημος Euthýdēmos) ist ein in Dialogform verfasstes frühes Werk des griechischen Philosophen Platon. Den Inhalt bildet ein fiktives Gespräch von Platons Lehrer Sokrates mit dem Sophisten Euthydemos, nach dem der Dialog benannt ist, dessen Bruder Dionysodoros, Sokrates’ Freund Ktesippos und dem Jugendlichen Kleinias.

Allgemeines

Das Thema ist die von den Sophisten praktizierte und gelehrte Kunst des Streitgesprächs (Eristik) und ihr Verhältnis zur Philosophie. Auf Wunsch des Sokrates führen Euthydemos und Dionysodoros die auf Trugschlüssen basierende eristische Debattierkunst vor. Angestrebt wird dabei nicht Wahrheitsfindung, sondern nur der Sieg über den Gegner, dessen Ansichten mit allen Mitteln widerlegt werden sollen. Der eristische Diskurs bedeutet Kampf; er kontrastiert mit der philosophischen Wahrheitssuche des Sokrates, die ein gemeinsames, freundschaftliches Bemühen um Erkenntnis ist.

Der Dialog führt zu einer Aporie, einer anscheinend ausweglosen Lage: Die Eristik wird zwar als untauglich entlarvt, doch es gelingt vorerst nicht, eine schlüssige philosophische Alternative zu erarbeiten. Nur der Weg zu einer solchen Alternative wird deutlicher erkennbar.

In der modernen Forschung wird der spielerische, humoristische und komödienhafte Aspekt des Werks betont und die literarische Brillanz gewürdigt. Die Frage, inwieweit Platon darüber hinaus auch ein ernsthaftes philosophisches Anliegen zur Geltung bringen wollte, wird unterschiedlich beantwortet. Philosophiegeschichtlich ist der Euthydemos als Quelle für die Frühgeschichte der antiken Logik bedeutsam. Außerdem ist er das älteste überlieferte Werk, in dem die Protreptik, die Hinführung zur Philosophie, ein Hauptthema darstellt.

Zu vielen weiteren Themen siehe auch

Ausgaben und Übersetzungen

  • Otto Apelt (Übersetzer): Platons Dialog Euthydemos. In: Otto Apelt (Hrsg.): Platon: Sämtliche Dialoge, Bd. 3, Meiner, Hamburg 2004, ISBN 3-7873-1156-4 (Übersetzung mit Einleitung und Erläuterungen; Nachdruck der 2., durchgesehenen Auflage, Leipzig 1922)
  • Gunther Eigler (Hrsg.): Platon: Werke in acht Bänden, Band 2, 5. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-19095-5, S. 109–219 (Abdruck der kritischen Ausgabe von Louis Méridier, 4. Auflage, Paris 1964, mit der deutschen Übersetzung von Friedrich Schleiermacher, 2., verbesserte Auflage, Berlin 1818)
  • Michael Erler (Übersetzer): Platon: Euthydemos (= Platon: Werke, hrsg. von Ernst Heitsch u. a., Band VI 1). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, ISBN 978-3-525-30413-6 (Übersetzung und Kommentar)
  • Rudolf Rufener (Übersetzer): Platon: Frühdialoge (= Jubiläumsausgabe sämtlicher Werke, Bd. 1). Artemis, Zürich und München 1974, ISBN 3-7608-3640-2, S. 267–329 (mit Einleitung von Olof Gigon)
  • Franz Susemihl (Übersetzer): Euthydemos. In: Erich Loewenthal (Hrsg.): Platon: Sämtliche Werke in drei Bänden, Bd. 1, unveränderter Nachdruck der 8., durchgesehenen Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17918-8, S. 481–539 (nur Übersetzung)

Siehe auch

Literatur

Übersichtsdarstellungen

Untersuchungen und Kommentare

  • Thomas H. Chance: Plato's Euthydemus. Analysis of What Is and Is Not Philosophy. University of California Press, Berkeley 1992, ISBN 0-520-07754-7 (online)
  • Michael Erler: Platon: Euthydemos. Übersetzung und Kommentar (= Platon: Werke, hrsg. von Ernst Heitsch u. a., Band VI 1). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2017, ISBN 978-3-525-30413-6
  • Ralph S. W. Hawtrey: Commentary on Plato’s Euthydemus. American Philosophical Society, Philadelphia 1981, ISBN 0-87169-147-7
  • Vittorio Hösle: Platons ‚Protreptikos‘. Gesprächsgeschehen und Gesprächsgegenstand in Platons Euthydemos. In: Rheinisches Museum für Philologie 147, 2004, S. 247–275
  • Hermann Keulen: Untersuchungen zu Platons „Euthydem“. Harrassowitz, Wiesbaden 1971, ISBN 3-447-01239-0
  • Lucia Palpacelli: L’„Eutidemo“ di Platone. Una commedia straordinariamente seria. Vita e Pensiero, Milano 2009, ISBN 978-88-343-1828-7
  • Thomas M. Robinson, Luc Brisson (Hrsg.): Plato: Euthydemus, Lysis, Charmides. Proceedings of the V Symposium Platonicum. Selected Papers. Academia Verlag, Sankt Augustin 2000, ISBN 3-89665-143-9

Weblinks

  • Euthydemos, griechischer Text nach der Ausgabe von John Burnet, 1903
  • Euthydemos, deutsche Übersetzung nach Friedrich Schleiermacher
Dieser Artikel basiert auf einer für AnthroWiki adaptierten Fassung des Artikels Euthydemos aus der freien Enzyklopädie de.wikipedia.org und steht unter der Lizenz Creative Commons Attribution/Share Alike. In Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.