Geruchssinn

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Eine menschliche Nase
Die Nase eines Hundes

Der Geruchssinn ist einer der zwölf physischen Sinne, von denen Rudolf Steiner in seiner Sinneslehre gesprochen hat und vermittelt die olfaktorische Wahrnehmung, die Wahrnehmung der Gerüche mit Hilfe der Nase. Der spezifische Geruch bestimmter Stoffe bzw. Stoffgemische wird auch als Aroma (griech. ἄρωμα ároma Gewürz, Duft, Parfüm) bezeichnet. Gleich den Tönen und Farben haben die Gerüche, auch als Odor (lat. „Geruch, Gestank, Duft“) genannt, ihre seelische Realität in der Seelenwelt in der sog. Region der flutenden Reizbarkeit und in ihnen leben und wirken geistige Wesenheiten. Das Weltenaroma ist eine Offenbarung des ersten Logos.

„Der erste Logos strömt als Weltenaroma hin, als deutlich wahrnehmbarer Geruch. In jedem Geruch wohnt ein geistiges Wesen höherer oder niederer Natur. Sehr hohe gute Wesenheiten wohnen im Weihrauch; sie ziehen uns direkt in die Höhe zu Gott. Wesen der niedersten Art sind im Moschus-Geruch inkarniert. In früheren Zeiten, als man noch mehr von diesen Dingen verstand, da gebrauchte man den Moschus zur niederen sinnlichen Anreizung.“ (Lit.:GA 266a, S. 198)

Auch das Patschuli gilt als Geruch, in dem sich niedere Geister inkarnieren [1].

„Diejenige erhabene Wesenheit, die schöpferisch ist für unsere Welt als der zweite Logos, das ist das schöpferische Licht. Dasjenige, was durch das Weltall geht als höchste Offenbarung, das ist das Weltenaroma. Das ist ein noch höheres Prinzip des Schaffens als Weltenton und Weltenlicht. Weltenton ist der dritte Logos. Weltenlicht ist der zweite Logos, und das Weltenaroma ist der erste Logos. Das ist das Höchste. Wenn das höchste Schaffende sich in das Gegenteil verwandelt, dann ist es das Zerstörende. Da haben wir das Gegenteil von dem Weltenaroma; wenn in der Volkssage dem Teufel der schlechte Geruch beigegeben wird, das will andeuten, daß da auf das zerstörende Wesen der Welt hingedeutet wird.“ (Lit.:GA 266a, S. 210)

Die „teuflischen“ Gerüche bringt Rudolf Steiner insbesondere mit den Asuras in Zusammenhang, die auf dem alten Saturn nicht ihr volles Entwicklungsziel erreicht haben und dadurch zu gefährlichen Widersachern wurden. Sie sind auch die Ursache für die heutigen Sonnenflecken.

„Während nun alle Wesenheiten, die auf der Sonne waren, leuchtend waren, wie heute alles, was Fixstern ist, wirkte das alte Saturnreich derjenigen Wesenheiten, die zurückgeblieben waren, wie ein dunkler Einschluß, wie finstere Stellen dem Licht gegenüber, wie dumpfe Höhlen innerhalb des Sonnenleibes, die seine Harmonie störten. Namentlich in bezug auf das Weltenaroma mischten sich von den zurückgebliebenen Wesenheiten Empfindungen ein, die allerlei Mißgerüche verbreiteten. Das hat unsere Mythe behalten, indem sie sagt, daß der Teufel stinkt und einen bösen Geruch zurückläßt. Bei dem Fortschritt der Sonne ist wirklich auch ein dunkler Einschluß zurückgeblieben, und die heutigen Sonnenflecken sind wirklich die Nachzügler des alten Saturnreiches auf der Sonne. Deshalb sind sie aber hypothetisch genau doch so zu erklären, wie es heute geschieht; das gilt alles.“ (Lit.:GA 100, S. 115)

In engem Zusammenhang steht der Geruchssinn mit der Bewusstseinsseele:

„Was geschieht nun aber beim Geruchssinn? Da ergreift den menschlichen Organismus etwas, das unserem Bewußtsein schon näher liegt, nämlich die Bewußtseinsseele selber. Was in der Geisteswissenschaft Bewußtseinsseele genannt wird, tritt in Aktion, wenn gerochen wird. Sie bewirkt an einer bestimmten Stelle des Organismus, daß nicht bloß Ausdehnung, Verdünnung eintritt, sondern daß hier der astralische Leib seine Wirkung nach außen sendet und diese Wirkung also über den Organismus hinaustritt. Während beim Riechen die luftförmige Substanz in die Schleimhaut der Nase dringt, drängt sich in dem gleichen Maße die astralische Substanz nach außen. Immer verläßt diese astralische Substanz beim Riechen den Organismus, taucht hinein in das Ding und erlebt etwas nicht nur in sich, sondern in diesem Dinge, das wir als Wohlgeruch, Duft, Gestank oder dergleichen benennen und erleben. Es ist wie ein Fühler des astralischen Leibes, was durch die Bewußtseinsseele entsteht.

Der Geschmackssinn wirkt in seiner Weise, weil in ihm der Ätherleib von der Verstandes- oder Gemütsseele bearbeitet wird. Diese ergießt die astralischen Strömungen durch das Geschmacksorgan nach außen und schickt sie den Substanzen auf der Zunge entgegen. - Was im Astralleib beim Riechen vor sich geht, ist von ganz besonderer Natur. Was strömt denn da aus dem astralischen Leibe heraus, wenn gerochen wird? Das ist nichts anderes als willensartiger Natur. Was wir innerlich als Willensimpuls fühlen, das quillt beim Riechen der einströmenden Materie entgegen. Der Vorgang des Riechens ist ein Sich-Wehren, ein Zurückdrängen-Wollen von einströmender Substanz. Die geistige Forschung kann sagen, daß jene einströmende Substanz nicht nur eine luftartige Substanz ist - das ist nur Maja, Täuschung - , sondern das ist von außen einströmender Wille. Es vollzieht sich ein Spiel von Willenskräften beim Riechen. Die Folge davon ist, wie einmal jemand geahnt hat, daß hier Wille von innen und Wille von außen sich gegenseitig bekämpfen und hemmen. Auf dieser Ahnung hat jener - es ist Schopenhauer - eine Willensphilosophie begründet. Das ist aber eine falsche Metaphysik. Was Schopenhauer da sagt über jene Willenskräfte, trifft eigentlich nur zu für das Riechen; alles andere ist einfach hineininterpretiert.“ (Lit.:GA 115, S. 41f)

Das Riechhirn weist zwei Besonderheiten auf. Erstens werden hier wie im Hippocampus beständig neue Nervenzellen gebildet. Zweitens zählen auch Teile der Amygdala (des sog. Mandelkerns) einerseits zum Riechhirn und andererseits zum limbischen System, das maßgeblich an der Verarbeitung der Gefühle und Emotionen beteiligt ist. Im Gegensatz zu anderen Sinneswahrnehmungen ist das Riechen daher stets von einer Gefühlstönung begleitet. (Lit.: H. Beck, S. 89f.)

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
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Einzelnachweise

  1. Vgl. Weltenäther - Elementarwesen - Naturreiche, Texte aus der Geisteswissenschaft Rudolf Steiners, bearbeitet von Dr. Ernst Hagemann, Oratio Vlg., Schaffhausen 2000, S. 159