Innenweltkosmos

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Beispiel einer konkaven Hohlwelt, in dessen Inneren der ganze Kosmos liegt

Die Vorstellung vom Innenweltkosmos, welche auch Innenwelttheorie, Innenweltbild oder Hohlwelttheorie genannt wird, ist eine Vorstellung, der zufolge die Menschheit auf der Innenseite einer hohlen Erde mit dem Durchmesser von 12.740 km lebt. Eng verwandt damit ist die allerdings etwas anders konzipierte Theorie der hohlen Erde.

Die Planeten, die Sonne und die Sterne befinden sich nach dieser Theorie im Inneren dieser Kugel. Der Mond kreist als nächster Himmelskörper ca. 3000 km hoch über der Erdoberfläche mit der größten Bahn um die Innenweltachse der feststehenden Erdschale, dann kommt die Sonne in ca. 4500 km Höhe über der Erdoberfläche.

Dieses Weltbild wurde erstmals 1870 von dem Amerikaner Cyrus Reed Teed (1839–1908) entwickelt.[1][2] In Deutschland trat als erster Karl Neupert 1901 für diese Idee ein. In den 1930er Jahren wurde die Hohlwelttheorie u. a. von Johannes Lang als „neues Weltbild“ der Öffentlichkeit präsentiert.[3] 1963 bemühte sich der Österreicher Johann Dolanski, diese Interpretation des Kosmos auf ein wissenschaftliches Fundament zu stellen.[4]

Beschreibung

Die Innenwelttheorie basiert auf folgenden Axiomen:

  1. Alle Längen verkürzen sich umso mehr, je näher sich etwas dem Mittelpunkt der Hohlwelt zubewegt.
  2. Nur die Lichtstrahlen, die sich exakt auf den Mittelpunkt zubewegen, sind geradlinig, alle anderen sind kreisförmig und gehen durch den Mittelpunkt (alle Lichtstrahlen sind also verallgemeinerte Kreise durch den Mittelpunkt).
  3. Die Lichtgeschwindigkeit nimmt ab, je näher sich das Licht dem Mittelpunkt zubewegt. Da die Strecken zum Zentrum immer kürzer werden, folgt aus Axiom 1, dass sich alles verlangsamt, je näher man zum Zentrum der Kugel gelangt, auch das Licht. Die Lichtgeschwindigkeit ist also nicht konstant. Das Zentrum selbst kann nicht erreicht werden.

Die Auswirkungen dieser Axiome kann der Betrachter innerhalb der Welt jedoch nicht wahrnehmen. Mathematisch können diese Axiome so formuliert werden, dass sie in keinem Punkt dem gängigen Verständnis der Physik widersprechen. Es handelt sich dann rein mathematisch um eine Inversion bezüglich der Erdoberfläche. Die Formeln zur Berechnung von Planetenbahnen werden dabei allerdings kompliziert und wenig anschaulich.

Vergleichbar mit dem geozentrischen Weltbild kommt der Erde eine herausragende Stellung im Universum zu, nur nicht als Zentrum, sondern als Rand. Die Innenwelttheorie und das geozentrische Weltbild verzichten also zugunsten einer speziellen Stellung der Erde, und damit des Menschen, auf eine einfache mathematische Darstellung physikalischer Zusammenhänge.

Vergleich mit dem gängigen modernen Weltbild

Rein mathematisch steht die Theorie mit keiner klassischen physikalischen Theorie im Widerspruch, da jedes Koordinatensystem entsprechend umgerechnet werden kann. Allerdings verlieren durch die Innenwelttheorie einige der Prinzipien (Symmetrien), aus denen die Theorie hergeleitet wurde, ihre Gültigkeit. So widerspricht die Theorie dem Noether-Theorem, womit die fundamentalen Erhaltungssätze der Physik nicht mehr gelten würden, oder auch der Annahme Galileis und Newtons, dass die physikalischen Gesetze in allen Punkten des Raums dieselben sind. In der allgemeinen Relativitätstheorie ist es dagegen im Allgemeinen nicht möglich, ein das Universum umspannendes Koordinatensystem anzugeben, so dass eine Umformulierung im Sinne der Hohlwelttheorie unmöglich wird. Um relativistische Effekte zu erklären, sind die obigen Axiome also nicht ausreichend, und es müssten weitere Regeln eingeführt werden, um die Hohlwelttheorie zu stützen.

Geometrisch lässt die Annahme der Hohlwelttheorie die neue Frage aufkommen, was denn außerhalb der Kugel sei, in der wir uns befinden. Aus den Axiomen und der wissenschaftlichen Erforschung des „Erdinneren“ folgt allerdings, dass sich dort die Erde gegen unendlich erstreckt. Wenn man ein gerades Loch nach außen, vom Weltmittelpunkt fortweisend, bohren würde, würde der Tunnel sich immer weiter ausdehnen, bis er sich im Unendlichen auf die andere Seite der Welt umstülpt und sich dort wieder dem Weltmittelpunkt nähert, bis er die Erdoberfläche durchbricht. Nur der eine unendlich dünne Strahl, der ganz genau vom Weltmittelpunkt fortweist, würde ins Unendliche verschwinden. Dadurch könnte man ein Objekt durch den Tunnel schicken, das dann in endlicher Zeit praktisch vollständig an der gegenüberliegenden Seite der Erde anlangt, was auch der üblichen Welttheorie entspricht. Mit mathematisch ähnlichen Methoden kann man allerdings in jedem beliebigen kugelförmigen Objekt, in jedem Stein und sogar in jedem Atomkern ein unendlich großes Universum postulieren.

Die Spiegelung der kosmischen Sphären im Erdinneren

Aus äußerer wissenschaftlicher Sicht erscheint die Innenwelttheorie wenig überzeugend. Tatsächlich handelt es sich dabei um sinnlich-materialistische Zerrbilder jener geistigen Anschauung, nach der das Erdinnere ein untersinnliches Spiegelbild des gesamten geistig-übersinnlichen Kosmos ist, wie es Rudolf Steiner an verschiedenen Stellen beschrieben hat.

„Sie finden in der Tat alles, was Sie im Kosmos finden, auch in der Erde selbst. Sie brauchen nur auf das Folgende hinzublicken. Sie wissen, wenn wir hinausschauen in die Sternenwelt, so ist der Mond zunächst unser Erdennachbar unter den Himmelsgebilden. Wenn wir uns das als Erde vorstellen, hier den Mond kreisend um die Erde (siehe Zeichnung), so können wir uns die Bahn vorstellen, in der sich der Mond herumbewegt um die Erde, und wir können dann das, was sich zwischen der Erde und der Mondesbahn befindet, etwa mit dieser roten Fläche bezeichnen.

Wer nun richtig die Erscheinungen zu deuten versteht, die ihm da entgegentreten, wenn er in die Erde hineingräbt, der muß in der Tat

Zeichnung aus GA 216, S 87

sich sagen: Das, was da in der Umgebung ist, findet sich abgespiegelt, aber nur verdichtet, in einer äußeren Schicht der Erde selbst.

Gehen wir jetzt zu dem nächsten Planeten, der mit der Erde um die Sonne kreist, so können wir uns schematisch - es ist natürlich hier ungenau - diesen Planeten, die Venus, in ihrer Bahn vorstellen und können das, was in dem Raum auf eine luftförmige, ätherische, feinere Art eingeschlossen ist, wiederum in dieser Weise bezeichnen (gelb), und wir müßten, wenn wir die nächste Schicht der Erde zeichnen, diese Schicht wieder als eine Spiegelung dessen zeichnen, was da draußen ist (gelb). Und so würden wir die ganze Erde bekommen als ein Spiegelbild des Universums, nur daß wir immer das, was draußen in ätherischer Verdünnung, in ätherischer Flüchtigkeit ist, zusammengedrückt, verdichtet finden würden, wenn wir in die Erde hineingraben. Und wenn wir dann zu dem äußersten Umkreis des Weltenalls kämen, so würde dieser äußerste Umkreis des Weltenalls im Mittelpunkte der Erde ganz verdichtet in einem einzigen Punkte sein.“ (Lit.:GA 216, S. 86f)

Die ersten sieben Schichten des Erdinneren korrespondieren den 7 Planetensphären, die 8. Schicht dem Fixsternhimmel mit dem Tierkreis und die 9. Schicht, der Erdkern, dem Kristallhimmel. Zugleich spiegeln sich damit die Herrschaftsgebiete der Hierarchien, von den Engeln bis zu den Seraphim, im Inneren der Erde und kehren deren Kräfte ins Gegenteil um.

Weiters umfasst das Erdinnere damit auch die drei Bereiche der untersinnlichen Welt. Die untersinnliche Astralwelt umspannt die 3 obersten Schichten des Erdinneren, die nächsten 3 Schichten das untersinnliche niedere Devachan und die drei innersten Schichten das untersinnliche obere Devachan.

Die äußerste Himmelssphäre, der Kristallhimmel, hängt mit der Erkenntnis des Mineralreichs zusammen, das seine gestaltenden Kräfte von dort empfängt. Damit hängt aber auch unser Ich-Bewusstsein zusammen, das sich dadurch ausbildet, dass sich das Ich am physisch-mineralischen Körper spiegelt.

„Wir werden geführt in bezug auf dasjenige, was als Ursache zugrunde liegt für unsere Erkenntnis, auf den ganzen Umfang der Sphäre, die wir zunächst also als Sphäre auffassen; und wir werden auf der anderen Seite gewiesen, indem wir da alle diejenigen Radien, die von der Sphäre ausgehen, verfolgen, wie sie nach dem Mittelpunkt der Erde hingehen, wir werden gewiesen nach dem Mittelpunkt der Erde als dem polarischen Gegensatz. Wenn wir uns das im einzelnen, im speziellen denken, so könnten wir geradezu so denken, wie das ptolemäische Weltensystem gedacht hat: da draußen die blaue Sphäre, hier (auf der Sphäre) einen Punkt (Fig. 5). Dazu müßten wir uns in einem gewissen Sinne einen

Fig. 5 und 6 aus GA 323, S. 194

Gegenpunkt im Mittelpunkt der Erde denken. So einfach gedacht, würde für jeden Punkt ein Gegenpunkt im Mittelpunkt der Erde sein. Aber Sie wissen ja - ich werde darauf noch näher zu sprechen kommen; das kommt für uns jetzt nicht in Frage, inwieweit die Dinge genau der Realität entsprechen -, wir haben es nicht so aufzufassen, sondern wir haben zum Beispiel hier die Sterne (Fig. 6, äußere Punkte a, b, c). Wenn wir uns die Sphäre selbst im Mittelpunkt der Erde konzentriert denken müssen, so müssen wir uns natürlich die Gegenpole so konstruieren, daß wir sagen: Der Gegenpol dieses Sternes ist hier, der Gegenpol dieses Sternes ist da und so weiter. Wir kommen dadurch zu einem vollständigen Gegenbild desjenigen, was draußen ist, im Erdinnern selber.

Wir kommen gewissermaßen nun, wenn wir das für irgendeinen Planeten auffassen, zum Jupiter und zu einem Gegenjupiter im Innern der Erde. Wir kommen zu etwas, was vom Innern der Erde nach außen so wirkt, wie der Jupiter draußen wirkt. Wir kommen zu einer Spiegelung - in Wirklichkeit ist die Sache umgekehrt, aber ich will jetzt so sagen -, zu einer Spiegelung desjenigen, was draußen ist, im Innern der Erde. Und wenn wir uns nun die Wirksamkeit denken dieser Spiegelung in den Gestalten unserer Mineralien, dann müssen wir uns denken die Wirksamkeit desjenigen, was in der Sphäre draußen wirkt, in der Gestaltung unseres Erkenntnisvermögens für das Mineralische. Mit anderen Worten: Wir können uns denken die ganze Himmelssphäre in der Erde gespiegelt; wir können uns denken das Mineralreich der Erde als ein Ergebnis dieser Spiegelung, und wir können uns denken, daß dasjenige, was in uns lebt zur Auffassung dieses Mineralreiches, von dem, was draußen im Räume uns umgibt, herrührt. Und die Realien, die wir begreifen dadurch, die rühren vom Innern der Erde her.“ (Lit.:GA 323, S. 193ff)

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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Weblinks

Einzelnachweise

  1. SPIEGEL Wissenschaft – Kuriose Theorie: Verkehrte Welt
  2. Turning the Universe Inside-Out (Memento vom 21. November 2007 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft (bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis)
  3. Die Hohlwelttheorie
  4. Johann Dolanski: Das Weltall, wie es wirklich ist – kommentierte Ausgabe im EVOLVER
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