Mumie

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Mumie in Hieroglyphen
O34
D36
V28A53

sach
sˁḥ
Binde (um den ganzen Körper) / Mumie
mit Determinativ für Mumie
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Sarkophag und Mumie, Nationalmuseum von Alexandria

Mumien (von pers. mumia = "Bitumen, Erdpech"[1]) sind Überreste tierischer oder menschlicher Körper, also Leichen, die durch besondere chemisch-physikalische Bedingungen vor der Verwesung bewahrt und dadurch in ihrer grundlegenden Form erhalten wurden. Die Mumifikation kann durch natürliche Prozesse oder durch künstliche Mumifizierung bewirkt werden.

Mumifizierung im Alten Ägypten

Die Mumifizierung im Alten Ägypten wurde besonders kunstvoll und sorgfältig betrieben. Wesentliche Arbeitsschritte waren die mehrmalige Waschung des Leichnams, die Entnahme des Gehirns und der Eingeweide, nicht aber des Herzens, das als Organ des Fühlens und der Weisheit in der Leiche belassen wurde, die Trocknung des Leichnams, die Einbalsamierung, die Bandagierung und schließlich die Sarglegung. Idealerweise dauerte die Mumifizierungsprozedur 70 Tage, was ursprünglich während der 1. und 2. Dynastie der Unsichtbarkeitsdauer des Sirus in der Region um Memphis (Nildelta) entsprach.

Im Detail umfasste die Mumifizierung folgende Arbeitsgänge:

  1. Erste Waschung der Leiche.
  2. Entfernung des Gehirns mit einem Haken durch die Nasenlöcher, wobei das Siebbein durchstoßen, die Hirnhaut aufgeschnitten und das bereits in Verwesung befindliche Gehirn verquirrlt wurde.
  3. Eingießen des hochschmelzenden Salböls in den Schädel, das dort erstarrte.
  4. Öffnung des Körpers entlang der linken Flanke mit einer Obsidianklinge und Entfernung der Eingeweide; anschließend Reinigung der Bauchhöhle mit Palmwein und aromatischen Essenzen; Auffüllung der Hohlräume mit Myrrhepulver.
  5. Zweite Waschung der Leiche.
  6. Entwässerung der Leiche und der Eingeweide mit Natron oder Nitron (35-40 Tage).
  7. Dritte Waschung der Leiche.
  8. Einbalsamierung der Leiche und der Organe nach vollzogener Entwässerung und Aufbewahrung von Leber, Lunge, Magen und Gedärm in Kanopenkrügen.
  9. Ausstopfung der Körperhöhlen mit Sägespänen oder Leinensäckchen mit Natron, vermischt mit wohlriechenden Spezereien, Harzen oder Bienenwachs, um die volle Körpergestalt zu bewahren.
  10. Besondere Behandlung bestimmter Körperteile (z. B. Nägel), oft mit Goldauflagen oder Goldhülsen.
  11. Verschluss des Einschnitts mit Leinen, Wachsplatten oder Goldplatten, vereinzelt auch durch Zunähen.
  12. Letzte Vorbereitungen vor dem Bandagieren.
  13. Sorgfältige systematische Bandagierung der Mumie (15 Tage).
  14. Sarglegung.

Durch die Mumifizierung und die damit verbundene Erhaltung der menschlichen Gestalt wurde eine stärkere Bindung des Menschen an das physische Dasein in späteren Inkarnationen erreicht, verbunden mit einem stärkeren Persönlichkeitsgefühl, aber auch mit einer Neigung zum Materialismus.

Folgen der Mumifizierung für spätere Inkarnationen

Liebe zur physischen Welt

„Wir erinnern uns, wie der Ägypter seine Toten behandelte, wir erinnern uns an die Mumien, wie der Ägypter etwas darauf gab, daß die äußere physische Form lange konserviert werde, und wir wissen, daß der Ägypter seine Gräber anfüllte mit solchen Mumien, in denen er die äußere Form erhalten hatte, und daß er dem Verstorbenen in das Grab mitgab gewisse Gerätschaften, Besitztümer, als Erinnerungen an das verflossene physische Leben, Gerätschaften, die den Bedürfnissen des physischen Lebens entsprachen. So sollte das, was der Mensch im Physischen gehabt hat, erhalten bleiben. So verband der Ägypter seine Toten mit dem physischen Plan. Dieser Brauch bildete sich immer mehr heraus. Gerade das zeichnete die alte ägyptische Kultur aus.

So etwas ist aber nicht ohne Folgen für die Seele. Denken wir daran, daß unsere Seelen in ägyptischen Körpern waren. Das ist durchaus richtig, daß unsere Seelen in diesen zu Mumien gewordenen Leibern verkörpert waren. Wir wissen aus den Darstellungen, die früher gegeben worden sind, daß dann, wenn der Mensch von seinem physischen Leib und seinem Ätherleib nach dem Tode befreit ist, daß er dann ein anderes Bewußtsein hat, daß er dann keineswegs in einem bewußtlosen Zustande in der astralischen Welt lebt. Er kann hinunterschauen aus der geistigen Welt, wenn er auch heute nicht hinaufschauen kann, er kann aber dann hinunterschauen auf die physische Erde. Da ist es nicht gleichgültig, ob der Leib als Mumie konserviert ist, oder ob dieser Leib verbrannt ist oder verwest. Es entsteht dadurch eine bestimmte Art von Zusammenhang. Wir werden den geheimnisvollen Zusammenhang sehen. Dadurch, daß im alten Ägypten eine lange Zeit die Leiber konserviert geblieben sind, haben die Seelen in der Zwischenzeit nach dem Tode etwas ganz Bestimmtes erlebt. Sie wußten, wenn sie herabschauten: das ist mein Leib. Sie waren an ihn gebunden, an diesen physischen Leib, sie hatten vor sich die Form ihres Leibes; wichtig wurde den Seelen dieser Leib, denn die Seele ist eindrucksfähig nach dem Tode. Der Eindruck, den der mumifizierte Leib gemacht hat, prägte sich tief ein, und die Seele wurde nach diesem Eindruck geformt.

Nun ging diese Seele durch Verkörperungen in der griechisch-lateinischen Kultur hindurch, und sie lebt heute in unserer Zeit in uns. Es ist nicht wirkungslos, daß diese Seelen nach dem Tode ihren mumifizierten Leib gesehen haben, daß sie dadurch immer wieder hingelenkt wurden auf diesen Leib; gar nicht unwesentlich ist das. Sie haben ihn in ihre Sympathie aufgenommen, und die Frucht dieses Hinunterblickens tritt heute auf, im fünften Zeitraum in der Neigung, die heute die Seelen haben, großen Wert auf das äußere physische Leben zu legen. Alles das, was wir heute das Hängen an der Materie nennen, das kommt davon, daß die Seelen anschauen konnten damals aus der geistigen Welt ihre eigene Verkörperung. Dadurch hat der Mensch die physische Welt lieben gelernt, dadurch wird heute so oft gesagt, daß nur wichtig ist dieser physische Leib zwischen Geburt und Tod.“ (Lit.:GA 106, S. 19f)

Materialismus

„Denken Sie sich Ihre Seele zurückversetzt in den alten ägyptischen Leib. Denken Sie Ihre Seele nach dem Tode zurückgeleitet durch den Gang der Pyramide in höhere Sphären, aber Ihren Leib als Mumie festgehalten. Das hatte eine okkulte Folge. Die Seele mußte immer herunterschauen, wenn da unten der Mumienleib lag. Da wurden die Gedanken verfestigt, verknöchert, verhärtet, da wurden die Gedanken hereingebannt in die physische Welt. Weil aus den Regionen des Geistes die alte ägyptische Seele nach dem Tode herunterschauen mußte auf ihren konservierten physischen Leib, deshalb ist der Gedanke in ihr eingewurzelt, daß dieser physische Leib eine höhere Realität ist, als er es in Wirklichkeit ist. Denken Sie sich hinein in Ihre Seele von damals; Sie schauten hinunter auf die Mumie. Der Gedanke an die physische Form hat sich verhärtet, er hat sich herübergetragen durch die Inkarnationen hindurch: heute erscheint dieser Gedanke so, daß die Menschen sich nicht losreißen können von der physischen Körperform. Der Materialismus als Gedanke ist vielfach eine aufgehende Frucht der Einbalsamierung der Leichname.“ (Lit.:GA 105, S. 31f)

Entwicklung des Persönlichkeitsgefühls

„Was war denn aber geschehen, daß der Mensch so viel auf seine Persönlichkeit gibt, wodurch fühlt er sich gar so sehr als Einzelpersönlichkeit, und wodurch ist denn das vorbereitet worden, daß der Mensch sich heute gegenüber der geistigen Welt so stark fühlt in seinem Dasein, das eingeschlossen ist zwischen Geburt und Tod? Präpariert worden ist das Wichtigste dazu in der dritten Kulturepoche, wo man über den Tod hinaus in der Mumie die Form des einen physischen Körpers erhalten wollte, in einem einbalsamierten Körper die Form durchaus nicht zerrinnen lassen wollte. Da prägt sich das Festhalten an der Einzelpersönlichkeit so ein, daß es heute bei der Wiederverkörperung wieder herauskommt als das Persönlichkeitsgefühl.

Daß dieses Persönlichkeitsgefühl heute so stark ist, ist eine Folge davon, daß man die Körper in der ägyptischen Zeit mumifiziert hat. So hängt alles in der menschlichen Entwickelung zusammen. Die Ägypter balsamierten die Körper der Verstorbenen ein, damit die Menschen in der fünften Epoche ein möglichst großes Persönlichkeitsbewußtsein haben sollten. Es gibt tiefe Mysterien innerhalb der Menschheitsentwickelung!“ (Lit.:GA 103, S. 149f)

Mumien und ägyptische Naturkunde

„Die Ägypter hielten darauf, in ihren Einatmungsrhythmus dasjenige hereinzubekommen, was ihnen dadurch werden konnte, daß sie eben sich den Behausungen gewisser geistiger Wesenheiten gegenüberstellten, denen sie in den Mumien Gestalt zu geben in der Lage waren. Wir müssen uns einmal ein möglichst sprechendes Bild machen von dem, was in der Blütezeit der ägyptischen Einweihungskultur die Mumie bedeutete.

Die Mumie war der Mensch in seiner Form, in seiner Gestaltung, nachdem das Geistig-Seelische von dieser Gestaltung, von dieser Form weggenommen war. Während der Mensch lebt, ist das, was in seinem ätherischen Organismus, in seinem astralischen Organismus, in seiner Ich-Wesenheit tätig ist, wirksam in der Form. Die Form wird durchleuchtet von dem, was aus dem Blute und der übrigen Organisation heraus die Form als die Menschenfarbe durchdringt. An der Mumie hatte man die bloße Form, die nur durch den Menschen auf der Erde da sein kann, die nicht entstehen könnte, wenn der Mensch nicht auf der Erde wäre. Ohne daß unmittelbar das Seelische und Geistige dabei war, brauchte der ägyptische Eingeweihte diese Form, um etwas haben zu können, was er, wenn er nicht zur Mumienkultur geschritten wäre, nicht hätte haben können.

Wir müssen versuchen, uns von diesen Zeiten, die in ganz andern Seelenverfassungen als den heutigen lebten, ein Bild zu machen, das allerdings unserem heutigen Weltbilde sehr unähnlich ist. Wir müssen uns klar darüber sein, daß alles, was bis zur ägyptischen Zeit der Mensch innerlich an Ideen, an Gedanken hatte, was er innerlich im Seelischen erlebte, ihm unmittelbar aus der geistigen Welt gegeben war, daß er also in Offenbarungen der geistigen Welt lebte, auch wenn er sich seinen Gedanken hingab. In der Zeit der urindischen und der urpersischen Kultur hatte der Mensch eben nur solche, ihm vom Geistigen aus geofTenbarte Gedanken. An der äußeren Welt, an Pflanzen, Tieren, Mineralien machte sich der Mensch keine Gedanken. Er hatte sein Seelenleben voll ausgefüllt mit den aus dem Geistigen heraus kommenden Gedanken; die klärten ihn hinlänglich über die Welt auf. Er lebte mit den Pflanzen, mit den Tieren, er gab ihnen auch Namen. Aber auch diese Namen empfand er so, daß sie ihm von den Göttern geoffenbart waren. Wenn in der urindischen, in der urpersischen Kultur ein Mensch einer Blume einen Namen gab, so hatte das für ihn die Bedeutung, daß ihm eine göttliche Stimme gesagt hatte, so daß er es deutlich vernahm: so solle er zu der Blume sagen. Wenn er einem Tiere den Namen gab, dann hatte er das Bewußtsein, in seinem Innern zu hören: so solle er zu dem Tiere sagen. Alle Namen für das, was er bezeichnete, kamen den Angehörigen der urindischen, der urpersischen Zivilisation von innen heraus.

In der ägyptischen Zivilisation wurde es anders. Da kamen die inneren Erlebnisse immer mehr in die Dämmerung, Der Mensch konnte nicht mehr so deutlich überschauen, was sich ihm da aus der geistigen Welt offenbarte. Daher fühlte er immer mehr die Notwendigkeit, mit der äußeren Natur, mit dem Tier-, Pflanzen- und Mineralreich zu leben; aber das konnte er auch noch nicht, denn die Zeit war noch nicht gekommen. Diese Zeit kam eigentlich erst nach dem Mysterium von Golgatha. Der Mensch war nicht so weit, daß er mit der Außenwelt hätte leben können. Dadurch war er genötigt, den Menschen zu mumifizieren. Denn aus dem, was jetzt in dem nicht mehr beseelten Menschen wohnte, aus dem gerade konnte er Aufschlüsse gewinnen über die ihn umgebende Natur, über Pflanzen, Tiere, Mineralien. Die ersten Kenntnisse über Pflanzen, Tiere, Mineralien sind dem Menschen dadurch geworden, daß jene Geistwesen aus den Mumien zu ihnen sprachen, denen er auf der Erde durch die Mumien Wohnsitze verschafft hatte. Man möchte sagen, in der Zeit, als aus den übersinnlichen Welten die Götter immer mehr aufhörten für die Menschen zu reden, nahm der Mensch seine Zuflucht zu den Helfern, die nun auf der Erde dadurch leben konnten, daß der Mensch die Menschenform konservierte durch die Mumien. Der Vorgang war eigentlich ein ziemlich komplizierter. Für die Eingeweihten wäre es wohl möglich gewesen, unmittelbar durch jene mondgeistigen Wesenheiten, die in den Mumien wohnten, Aufschlüsse darüber zu bekommen, was im Menschenleben vor sich gehen sollte, Direktionslinien zum Lenken und Leiten und Erziehen der Menschen zu erhalten. Aber nicht ohne weiteres wäre es auch für die Eingeweihten möglich gewesen - denn dazu waren zunächst keine Fähigkeiten in den menschlichen Seelen vorhanden -, durch die die Mumien bewohnenden Wesen Aufschlüsse über die Natur zu bekommen, über das Pflanzen-, Tier- und Mineralreich. Und dennoch, gerade darin waren die Ägypter groß. Sie haben zum Beispiel schon eine wunderbare Medizin gerade mit Hilfe der Mumienkultur begründet.

Natürlich, wenn ein heutiger gescheiter Mensch diese Dinge auslegt, so sagt er: Die Ägypter haben die Mumien konserviert, dabei haben sie die verschiedenen Organe kennengelernt, die sie konserviert haben, und dadurch eine Anatomie begründet, nicht bloß eine Medizin. - Aber das ist bloß eine Scheinansicht, das ist keine wahre Ansicht. Die Wahrheit ist, daß in der damaligen Zeit durch solche logische Erwägungen, durch solche reine Beobachtungsforschungen den Ägyptern gar nicht gedient gewesen wäre; denn in dieser Weise verkehrten sie überhaupt nicht mit der Außenwelt. Ihr Verkehr mit der Außenwelt war ein viel feinerer. Aber eines ist dadurch bewirkt worden, daß in einer so sorgfältigen Weise die Mumienform erhalten wurde: die Seelen der Menschen, die gestorben waren, sind eine Zeitlang an ihre Mumie gefesselt worden.

Das ist das Bedenkliche der ägyptischen Kultur, was uns immer darauf hinweisen muß, daß diese ägyptische Kultur eigentlich doch eine absteigende war, eine Dekadenzkultur, von der man nicht als von einer Blütekultur innerhalb der Gesamtmenschheit sprechen darf, denn sie griff auch in die übersinnlichen Schicksale der Menschen ein. Sie fesselte in einer gewissen Weise die Menschenseelen nach dem Tode an ihre konservierte Form, an die Mumie. Und während man durch die die Mumie bewohnenden geistigen Wesenheiten über Direktionslinien für die Menschheit Aufschluß gewann, konnte man über die Natur, über das Tier-, Pflanzen- und Mineralreich, solche Aufschlüsse nicht unmittelbar gewinnen, wohl aber mittelbar dadurch, daß diese mondgeistigen Wesenheiten den Menschenseelen, die sich noch bei den Mumien aufhielten, wiederum die Naturgeheimnisse mitteilten. Und von diesen noch bei den Mumien verweilenden Menschenseelen bekamen dann wiederum die Initiierten Ägyptens Aufschlüsse über das Tier-, Pflanzen- und Mineralreich. So war also innerhalb der ägyptischen Kultur eine merkwürdige Stimmung da. Die ägyptischen Eingeweihten sagten sich: Unsere Menschenleiber sind bis zum Tode nicht geeignet, Aufschlüsse über die Natur zu bekommen. Eine Naturwissenschaft können wir nicht erringen, dazu sind unsere Leiber noch nicht geeignet, das wird erst später, nach dem Mysterium von Golgatha möglich sein. Aber wir müssen doch einen Aufschluß gewinnen. So wie unsere jetzigen Leiber sind, so werden die Menschen erst nach dem Tode geeignet sein, etwas über die Natur zu wissen. Sie leben hier zwar in der Natur, aber sie können ihren Leib noch nicht gebrauchen, um sich Begriffe über die Natur zu machen. Erst nach dem Tode gehen ihnen diese Begriffe über die Natur auf. Daher halten wir die Toten eine Weile fest, daß sie uns Aufschlüsse über die Natur geben. - Es trat also im Grunde genommen etwas recht Bedenkliches in die geschichtliche Entwickelung der Menschheit gerade durch die ägyptische Kultur ein. Die chaldäische hielt sich in dieser Zeit fern und ist, man möchte sagen, eine reinere Kultur.“ (Lit.:GA 216, S. 71ff)

„Und so führten die Eingeweihten dieses ägyptischen Zeitalters ihren Schülern die Mumie vor, lehrten sie auch, den menschlichen Organismus zu mumifizieren, und lehrten sie durch diese Anschauung das, was früher auf eine innerliche Weise durch das Verfolgen des Atmungsprozesses gelernt worden war.

Aber ich habe Ihnen auch gesagt, wenn diese ägyptischen Schüler der Eingeweihten auch nicht mehr die geistigen Vorgänge innerlich verfolgen konnten - denn auf die kam es an - , die sich als Taten des Gehirnes am menschlichen Organismus enthüllen, so kamen den alten ägyptischen Eingeweihten, wenn sie mit ihren Schülern sprachen, die geistigen Wesenheiten zu Hilfe, die mit dem Monde, mit der Mondensphäre zusammenhängen. Und diese geistigen Wesenheiten, die eben sonst obdachlos herumgeirrt wären auf Erden, die fanden ihr Obdach, ihr Haus, ihre Wohnung in den Mumien. Die waren es dann, welche man noch beobachten konnte, deren Sprache man sogar noch verstand in diesem Zeitalter der ägyptischen Entwickelung und von denen man die erste Naturwissenschaft lernte, indem man das, was der Jogaschüler noch auf innere Weise durch den kultivierten Atmungsprozeß wahrgenommen hat, so lehrte, daß man sagte: Sieh dir das menschliche Haupt an! Es ist eigentüch in einem fortwährenden Vergehen. - Das menschliche Haupt ist im Grunde genommen in einem fortwährenden Sterben, und in jeder Nacht muß sich der menschliche Organismus bemühen, gegen dieses Sterben des menschlichen Kopfes zu arbeiten. Aber was er während dieses Sterbens zwischen Geburt und Tod ausführt, das ist ein Neubeleben der übrigen Körperorgane, so daß diese, indem sie ihre Kräfte - natürlich nicht ihre Materie, sondern ihre Kräfte - durch die Zwischenzeit zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in die Zukunft hineinschicken, Haupt werden, Kopf werden in der nächsten Erdenorganisation. Aber - so sagte der Eingeweihte zu seinen Schülern - ihr müßt verstehen, was in den Formen der Organe liegt. - Deshalb suchte man so sorgfältig die Mumie zu bewahren, damit einem an den Formen der Organe der Mumie die eben angeführten Mondengeister erzählen konnten, welches die Geheimnisse dieser Organe sind, wie sie im Zusammenhange stehen mit dem menschlichen Haupte, wie sie in sich die Keimkräfte tragen, um selbst im nächsten Erdenleben Haupt zu werden. Diesen Unterricht gab der ägyptische Eingeweihte seinen Schülern an der Mumie.

So hatte man in einem bestimmten Zeitalter auf äußerliche Weise zu lehren, was in den Blütezeiten der Jogaphilosophie und der Jogareligion auf eine innerliche Weise gelehrt worden war. Das war der ungeheure große Übergang, der stattfand von der urindischen und urpersischen Kultur zur ägyptischen Kultur hinüber, daß das, was früher auf innerliche Weise gelehrt worden war, nun auf äußerliche Weise gelehrt wurde. Und so etwa schloß mit einer, ich möchte sagen, grandiosen Pointe der ägyptische Eingeweihte diesen Unterricht, indem er sagte: Und nun versetzt euch ganz in das, was ihr in der Plastik der Mumie vor euch habt. Ihr habt in der Plastik der Mumie ganz undeutlich vor euch, was im Leben des Menschen auf der Erde in fortwährendem Vergehen ist: das Innere des menschlichen Hauptes. Ihr habt aber mit einer großen Deutlichkeit vor euch, was im übrigen Organismus in der Form ist. Nicht die Lebensprozesse, nicht die Empfindungsprozesse, das alles könnt ihr nicht studieren an der Mumie, aber ihr könnt studieren, was die plastische Form von Herz, von Leber, von Niere, von Magen, von alledem ist, was der menschliche Leib in seinem Inneren trägt. Und jetzt stellt euch vor: wenn ihr während des Lebens den Atem zurückgezogen habt in eurem Kopfe und ihn wiederum zurückstrahlt in den Organismus, so liegt in diesem Atem die plastizierende Kraft, Mumie zu werden.

Der Atemstoß, der vom Kopfe nach dem Körper geht, will sich zur Mumie formen (siehe Zeichnung S. 92). Und nur dadurch, daß der Körper entgegenwirkt und wiederum die Ausatmung bewirkt, wird diese Mumie zurückverwandelt. Was man da vom menschlichen Haupte gegen den übrigen menschlichen Organismus zu sich bilden sieht, indem der Atem vorstößt, diese schnell wie eine Mumie sich bildende Gestalt, die sich aber sogleich wiederum auflöst, indem der Atem ausgeatmet wird (weiß), das bleibt nur zurück in einem fast fortwährend, namentlich während des Wachens, bleibenden Schein des ätherischen Leibes (rot). Wenn man den ätherischen Leib betrachtet, bekommt man das Gefühl: vom Kopf aus will er sich fortwährend zur Mumie formen und wiederum auflösen in eine Art von Ähnlichkeit mit dem menschlichen physischen Organismus (blau). Das ist die innere bewegliche Plastik, diese Tendenz des menschlichen ätherischen Leibes, die Mumiengestalt anzunehmen und wiederum zurückzukehren, so daß er wieder ähnlich wird dem menschlichen physischen Organismus.

Diese Eigentümlichkeit des Menschen wurde zuerst gelehrt, wie ich sagte, als die grandiose Pointe von all den einzelnen vielgestaltigen Lehren, die der ägyptische Eingeweihte mit Hilfe übersinnlicher, elementarischer Wesenheiten, die man als Mondengeister ansprechen kann, seinen Schülern gab.“ (Lit.:GA 216, S. 90ff)

Literatur

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Weblinks

Einzelnachweise

  1. Wolfgang Helck, Eberhard Otto: Kleines Lexikon der Ägyptologie. Harrassowitz, Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04027-0, S. 192.