Pranayama

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Pranayama (skrt., m., प्राणायाम, prāṇāyāma) ist die vierte Stufe des Raja Yoga (bzw. Ashtanga Yoga oder Kriya Yoga) nach Patanjali und bezeichnet die Zusammenführung von Körper und Geist durch Atemübungen. Die weiteren sieben Stufen des Raja Yoga sind Yama, Niyama, Asana, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.

Prana (Sanskrit, m., प्राण, prāṇa „Lebensatem, Lebenshauch, Lebensodem“) wird in der hinduistischen Lehre, als Leben, Lebenskraft oder die universelle Lebensenergie angesehen. Prana ist vergleichbar mit Qi im alten China oder Ki in Japan und auch mit dem Hauch des Lebens (hebr. נִשְׁמַ֣ת חַיִּ֑ים nisch'mat chaj'jim), der dem Adam nach seiner Erschaffung aus dem "Erdenstaub" eingeblasen wird (1 Mos 2,7 LUT). Prana entspricht in der anthroposophischen Terminologie auf erster Stufe dem Lebensäther, im höheren Sinn aber dem strömenden geistigen Urbild alles Lebens, das sich in der zweiten Region des Devachans befindet, das Steiner auch als das «Meeresgebiet» oder «Ozeangebiet» der Himmlischen Welt bezeichnet hat, und damit auch dem vergeistigten Lebensleib (Ätherleib) des Menschen, den Steiner Lebensgeist (Buddhi) genannt hat.

Yama (skrt., m., यम yama „Enthaltung, Selbstkontrolle“) ist die erste Stufe des spirituellen Yoga-Schulungswegs, des Raja Yoga, und bildet auch das Grundprinzip aller weiteren Stufen. Knapp zusammenfassen lässt es sich durch die Gebote: «Nicht lügen - Nicht töten - Nicht stehlen - Nicht ausschweifen - Nicht begehren.», die sehr streng zu nehmen sind. So nimmt etwa der Mensch durch die Atmung belebenden Sauerstoff auf und atmet Kohlenstoffdioxid aus, das für Mensch und Tier letztlich tödlich ist, da es die Atmung nicht unterhalten kann. Dazu kommt heute, dass der Mensch durch die rasch fortschreitende Industrialisierung die Atmosphäre noch zusätzlich mit vielfachen Mengen an Kohlenstoffdioxid belastet, die mittlerweile auch als bedrohlich für das Klima der ganzen Erde angesehen werden. Dass das Leben auf Erden in der uns gewohnten Form überhaupt möglich ist, verdanken wir der Pflanzenwelt, die aus dem Kohlenstoffdioxid durch Photosynthese mithilfe des Sonnenlichts den lebensspendenden Sauerstoff wieder abspaltet und ihren begierdefreien Leib aus dem Kohlenstoff aufbaut.

Pranayama bedeutet nun, dass der Mensch seinen Atmungsprozess so reguliert, dass er durch diesen immer weniger tödliches Kohlenstoffdioxid freisetzt. Rudolf Steiner verweist darüber hinaus auf eine ferne Zukunft, in der der Mensch selbst befähigt sein wird, das Kohlenstoffdioxid so wie die Pflanzen zu Sauerstoff zu verwandeln. Dann wird er auch seinen Leib aus dem reinen, von Sonnenkräften erfüllten Kohlenstoff aufbauen, den die Rosenkreuzer als „Stein der Weisen“ bezeichnen. Die Lymphdrüsen und die Zirbeldrüse werden dabei laut Rudolf Steiner eine wichtige Rolle spielen.

„Pranayama. Das ist die Lehre vom richtigen Atmen. Der Mensch tötet eigentlich fortwährend durch seinen Atmungsprozeß. Wir atmen Sauerstoff ein, vermengen ihn mit Blut und atmen Kohlensäure aus, die für Menschen und Tiere giftig ist. Wir würden sterben, wenn nicht die Pflanzen die Kohlensäure atmeten, den Kohlenstoff behielten und den Sauerstoff wieder ausatmeten. Dieser Kreislauf ist von eminenter Bedeutung und macht die Existenz der Menschen und Tiere erst möglich.

Mensch Pflanze
Tier atmet aus Sauerstoff, atmet ein
atmet aus Kohlensäure Kohlensäure, und baut sich aus
atmet ein Sauerstoff. Kohlenstoff ihren Körper auf.

Pranayama, der rhythmisierte Atmungsprozeß, soll nach und nach den Tötungsprozeß überwinden. Der Mensch wird nicht nur sein Bewußtsein, sondern sein ganzes Leben erweitern. Im Blut ist Kohlenstoff, der mit dem eingeatmeten Sauerstoff zu Kohlensäure verbrennt, diese wird ausgeschieden; die Pflanze trennt die Bestandteile, sie atmet Sauerstoff aus, und der Mensch nimmt ihn auf. So beginnt der Kreislauf von neuem. In der Zukunft wird der Mensch den Kreislauf in sich selbst vollziehen. Wenn der Mensch imstande sein wird, aus Kohlenstoff seinen eigenen Leib aufzubauen, dann hat er seinen Zukunftszustand erreicht. Der Kohlenstoff, die Kohle entspricht dem, was die okkulte Literatur den Stein der Weisen, lapis philosophorum, nannte. Wer die Rosenkreuzerei kennt, der weiß, was der Ausspruch bedeutet, daß der Mensch sich aus Kohlenstoff einen durchsichtigen Körper aufbauen wird, gleich dem aus der Kohle sich bildenden Diamanten. Das wird geschehen.

In der Zukunft wird der Mensch imstande sein, sein blaues Blut durch die Lymphdrüsen, die dann eine sehr wichtige Rolle spielen werden, umzubilden, und sich damit, wie jetzt mit dem brauchbaren roten Blut, seinen Körper zu gestalten. Die Zirbeldrüse wird in der Zukunft ein innerlicher Apparat sein für den Prozeß der Umwandlung des verbrauchten Blutes in brauchbares Blut.

Eng damit verknüpft ist die Rhythmisierung des Atmens. Der Atmungsprozeß birgt daher die zukünftige Umgestaltung des menschlichen Organismus. In dem Augenblick, wo der Mensch hinunterarbeitet in seine niederen Leiber, steigt er auf zu höheren Planen.“ (Lit.:GA 94, S. 279f)

Siehe auch

Literatur

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