Thron Gottes

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Der Thronwagen des HERRN in der Vision des Ezechiel.
William Blake: The Whirlwind: Ezekiel's Vision of the Cherubim and Eyed Wheels (ca. 1803 - 1805)

Der Thron Gottes bzw. der Thron des Herrn, in der Apokalypse des Johannes auch als Thron im Himmel bezeichnet, wird mehrfach im Alten und Neuen Testament der Bibel erwähnt. Im Koran wird er im Thronvers der 2. Sure (Surah Al-Baqara) beschrieben.

Altes Testament

Jessaja

Siehe auch: Jesaja

Jesaja, der im 8. Jahrundert v. Chr. in den Judäischen Bergen um Jerusalem lebte und wirkte und auch als erster Prophet auf den kommenden Immanuel (hebr. עִמָּנוּ אֵל Gott mit uns), den Messias, hinwies, beschrieb ihn wie folgt:

„1 In dem Jahr, als der König Usija starb, sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. 2 Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. 3 Und einer rief zum andern und sprach: Heilig, heilig, heilig ist der HERR Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! 4 Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward voll Rauch.“

Jes 6,1-4 LUT

Ezechiel

Hauptartikel: Thronwagen Gottes

Von großer Bedeutung war auch die Darstellung des Ezechiel (auch Hesekiel, hebr. יחזקאל Yeḥezķel, Jechezkel), der um das 6. Jahrhundert v. Chr. lebte. In seiner berühmten Thronwagenvision beschrieb er den Thronwagen Gottes, die Merkaba (hebr. מרכבה, „Wagen“):

„1 Im dreißigsten Jahr am fünften Tage des vierten Monats, als ich unter den Weggeführten am Fluss Kebar war, tat sich der Himmel auf, und Gott zeigte mir Gesichte. 2 Am fünften Tag des Monats - es war das fünfte Jahr, nachdem der König Jojachin gefangen weggeführt war -, 3 da geschah das Wort des HERRN zu Hesekiel, dem Sohn des Busi, dem Priester, im Lande der Chaldäer am Fluss Kebar. Dort kam die Hand des HERRN über ihn. 4 Und ich sah, und siehe, es kam ein ungestümer Wind von Norden her, eine mächtige Wolke und loderndes Feuer, und Glanz war rings um sie her, und mitten im Feuer war es wie blinkendes Kupfer. 5 Und mitten darin war etwas wie vier Gestalten; die waren anzusehen wie Menschen. 6 Und jede von ihnen hatte vier Angesichter und vier Flügel. 7 Und ihre Beine standen gerade, und ihre Füße waren wie Stierfüße und glänzten wie blinkendes, glattes Kupfer. 8 Und sie hatten Menschenhände unter ihren Flügeln an ihren vier Seiten; die vier hatten Angesichter und Flügel. 9 Ihre Flügel berührten einer den andern. Und wenn sie gingen, brauchten sie sich nicht umzuwenden; immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter. 10 Ihre Angesichter waren vorn gleich einem Menschen und zur rechten Seite gleich einem Löwen bei allen vieren und zur linken Seite gleich einem Stier bei allen vieren und hinten gleich einem Adler bei allen vieren. 11 Und ihre Flügel waren nach oben hin ausgebreitet; je zwei Flügel berührten einander und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. 12 Immer gingen sie in der Richtung eines ihrer Angesichter; wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. 13 Und in der Mitte zwischen den Gestalten sah es aus, wie wenn feurige Kohlen brennen, und wie Fackeln, die zwischen den Gestalten hin und her fuhren. Das Feuer leuchtete und aus dem Feuer kamen Blitze. 14 Und die Gestalten liefen hin und her, dass es aussah wie Blitze. 15 Als ich die Gestalten sah, siehe, da stand je ein Rad auf der Erde bei den vier Gestalten, bei ihren vier Angesichtern. 16 Die Räder waren anzuschauen wie ein Türkis und waren alle vier gleich, und sie waren so gemacht, dass ein Rad im andern war. 17 Nach allen vier Seiten konnten sie gehen; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden. 18 Und sie hatten Felgen, und ich sah, ihre Felgen waren voller Augen ringsum bei allen vier Rädern. 19 Und wenn die Gestalten gingen, so gingen auch die Räder mit, und wenn die Gestalten sich von der Erde emporhoben, so hoben die Räder sich auch empor. 20 Wohin der Geist sie trieb, dahin gingen sie, und die Räder hoben sich mit ihnen empor; denn es war der Geist der Gestalten in den Rädern. 21 Wenn sie gingen, so gingen diese auch; wenn sie standen, so standen diese auch; und wenn sie sich emporhoben von der Erde, so hoben sich auch die Räder mit ihnen empor; denn es war der Geist der Gestalten in den Rädern. 22 Aber über den Häuptern der Gestalten war es wie eine Himmelsfeste, wie ein Kristall, unheimlich anzusehen, oben über ihren Häuptern ausgebreitet, 23 dass unter der Feste ihre Flügel gerade ausgestreckt waren, einer an dem andern; und mit zwei Flügeln bedeckten sie ihren Leib. 24 Und wenn sie gingen, hörte ich ihre Flügel rauschen wie große Wasser, wie die Stimme des Allmächtigen, ein Getöse wie in einem Heerlager. Wenn sie aber stillstanden, ließen sie die Flügel herabhängen 25 und es donnerte im Himmel über ihnen. Wenn sie stillstanden, ließen sie die Flügel herabhängen. 26 Und über der Feste, die über ihrem Haupt war, sah es aus wie ein Saphir, einem Thron gleich, und auf dem Thron saß einer, der aussah wie ein Mensch. 27 Und ich sah, und es war wie blinkendes Kupfer aufwärts von dem, was aussah wie seine Hüften; und abwärts von dem, was wie seine Hüften aussah, erblickte ich etwas wie Feuer und Glanz ringsumher. 28 Wie der Regenbogen steht in den Wolken, wenn es geregnet hat, so glänzte es ringsumher. So war die Herrlichkeit des HERRN anzusehen. Und als ich sie gesehen hatte, fiel ich auf mein Angesicht und hörte einen reden.“

Hes 1,1-28 LUT

Im 1. Jahrhundert v. Chr. ging aus dieser Vision die Merkabamystik hervor, welche die erste Epoche der jüdischen Mystik prägte und noch vor der Kabbala entwickelt wurde. Sie war der Erforschung der himmlischen Thronwelt gewidmet, die in etwa dem Pleroma der Gnostiker entspricht. Hier sind die geistigen Urbilder der gesamten Schöpfung zu schauen. Der Einweihungsweg, auf dem manche Prüfungen bestanden und manche Schwellen überwunden werden mussten, führte den Mystiker durch die sieben Planetensphären und die sieben himmlischen Paläste oder Tempel bis vor den Thron Gottes, weshalb man auch von Hechalotmystik (hebr. היכלות Hechaloth, von היכל Hechal, „Halle, Tempel, Palast“) spricht. In der Saturnsphäre herrschen die Throne (hebr. גלגלים Galgalim „Räder“), die wohl mit den von Ezechiel berschriebenen Ophanim (hebr. אוֹפַנִּים „Räder“) gleichzusetzen sind. Darüber erhebt sich der Tierkreis mit den Cherubim.

In der Fragenbeantwortung zu einem in Leipzig am 12. Januar 1908 gehaltenen Vortrag erläutert Rudolf Steiner die Bedeutung der „Räder“ und bringt sie in Zusammenhang mit den zehn Sephiroth der Kabbala und der Entwicklung der Wesensglieder des Menschen:

„Die Räder des Wagens, Merkabah, deuten die Umschwünge an, durch welche der Mensch sich weiter vorausbewegt, und es sind damit Runden gemeint. Mit den zehn Sephirot sind Zeitabschnitte, Entwicklungsstufen bezeichnet, die der Mensch durchmachte. Vier Entwicklungsstufen machte der physische Leib durch: Saturn, Sonne, Mond, Erde. Drei Stufen der Ätherleib: Sonne, Mond, Erde. Zwei Stufen der Astralleib: Mond, Erde. Das Ich steht auf der ersten Stufe: zusammen sind es zehn.“ (Lit.: Beiträge 32, S. 31))

Neues Testament

Siehe auch: Apokalypse des Johannes

Sehr eindrücklich wird der Thron im Himmel im 4. Kapitel der Apokalypse des Johannes beschrieben. Hier ist der Thron von vierundzwanzig weiteren Thronen umgeben, auf denen die 24 Ältesten sitzen, die dem heutigen Menschen in ihrer Menschheitsentwicklung während der planetarischen Weltentwicklungsstufen vorangegangen sind: 7 auf dem alten Saturn, 7 auf der alten Sonne, 7 auf dem alten Mond und 3 während der Erdentwicklung. Vor dem Thron stehen die sieben göttlichen schöpferischen Geister und die vier führenden Tierkreiswesenheiten mit dem Kopf eines Löwen, eines Stiers, eines Menschen und eines Adlers. Ihnen entsprechen auch die vier Evangelistensymbole. Vor dem Thron breitet sich das gläserne Meer aus, ein Bild für das irdische Mineralreich:

„1 Danach sah ich und siehe, eine Tür war geöffnet am Himmel; und die erste Stimme, die ich gleich einer Posaune mit mir reden gehört hatte, sagte: Komm herauf und ich werde dir zeigen, was dann geschehen muss. 2 Sogleich wurde ich vom Geist ergriffen. Und siehe, ein Thron stand im Himmel; auf dem Thron saß einer, 3 der wie ein Jaspis und ein Karneol aussah. Und über dem Thron wölbte sich ein Regenbogen, der wie ein Smaragd aussah. 4 Und rings um den Thron standen vierundzwanzig Throne und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste, in weiße Gewänder gekleidet und mit goldenen Kränzen auf dem Haupt. 5 Von dem Thron gingen Blitze, Stimmen und Donner aus. Und sieben lodernde Fackeln brannten vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes. 6 Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall. Und in der Mitte des Thrones und rings um den Thron waren vier Lebewesen voller Augen, vorn und hinten. 7 Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler. 8 Und jedes der vier Lebewesen hatte sechs Flügel, außen und innen voller Augen. Sie ruhen nicht, bei Tag und Nacht, und rufen: Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott, der Herrscher über die ganze Schöpfung; er war und er ist und er kommt.“

Off 4,1-8 LUT

Koran

Hauptartikel: Thronvers

Im Hadith, in dem die Aussprüche und Handlungen des Propheten Mohammed überliefert sind, wird dem Thronvers eine besondere Bedeutung als „Herrscher aller Verse des Korans“ zugesprochen. Er beginnt mit dem strengen Bekenntnis zum Monotheismus. Darüber hinaus wird auch seine Schutzfunktion betont („Rezitiere ihn in deinem Haus, dann wird sich weder ein Satan noch sonst jemand anderes dir nähern“).[1]

„Allah - kein Gott ist da außer Ihm, dem Ewiglebenden, dem Einzigerhaltenden. Ihn ergreift weder Schlummer noch Schlaf. Ihm gehört, was in den Himmeln und was auf der Erde ist. Wer ist es, der bei Ihm Fürsprache einlegen könnte außer mit Seiner Erlaubnis? Er weiß, was vor ihnen und was hinter ihnen liegt; sie aber begreifen nichts von Seinem Wissen, es sei denn das, was Er will. Weit reicht Sein Thron über die Himmel und die Erde, und es fällt Ihm nicht schwer, sie (beide) zu bewahren. Und Er ist der Hohe, der Allmächtige.“

(Koran 2,255)

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Siehe A. Th. Khoury, Der Koran, Bd. 1, S. 165 f. (Nr. 4 - 7). Siehe dazu auch http://www.al-islaam.de/pdf/bedeutung_thronvers.pdf.