Thymos

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Lage und grobes Schema des Thymus

Als Thymos (griech. θυμός „Lebenskraft“) wurde in der griechischen Philosophie die leiblich bedingte und darum sterbliche Gemütsanlage des Menschen bezeichnet, deren organischer Sitz im Thymus vermutet wurde. Das Gemüt (mhd. gemüete, abgeleitet von der idg. Verbalwurzel *me-, *mo-, "nach etwas trachten, heftig verlangen, erregt sein", die auch dem Wort Mut zugrunde liegt) ist der zweite, dem auf das physische Gehirn gestützten Verstand ausgleichend gegenübergestellte Pol der Verstandes- oder Gemütsseele, die ihre wesentliche Entwicklung in der griechisch-lateinischen Zeit erfahren hat. Das Gemüt schwankt dabei zwischen dem bereits durch das Ich geführten, urteilsfähigen Gefühl und blinder emotionaler Leidenschaft.

Davon abgleitet ist die Enthymesis (griech. ἐνθύμησις „Hineinfühlung“), wörtlich die Einfühlung in den eigenen Thymos (griech. θυμός „Lebenskraft“), d.h. in die eigene leiblich mitbedingte Gemütsverfassung, im weiteren Sinn die Erwägung oder Überlegung als Ergebnis einer gefühlsgetragenen Urteilsbildung. Der römischer Kaiser Konstantin der Große hat Enthymesis als „zur Materie gehörender begreifender Gedanke“ gedeutet.[1] In der spätmittelalterlichen Mystik wir der Begriff Enthymesis auch verwendet, um das Wesen der Begierde zu bezeichnen. Die Enthymesis bezieht sich also auf den zwischen urteilsfähigem Gefühl und blinder Emotion schwankenden Gemütsanteil der Verstandes- und Gemütsseele.

Platon unterschied den irdisch-vergänglichen Thymos von der unsterblichen Psyche (griech. ψυχή) und dem Nous (griech. νους), dem unvergänglichen göttlichen Geist im Menschen.

Der Thymus (die latinisierte Form von griech. θυμός, thymos), auch Bries genannt, ist ein zweilappiges Organ des zum Immunsystem gehörigen lymphatischen Systems und liegt beim Menschen oberhalb des Herzens im Mittelfellraum der Brusthöhle. Mit der Geschlechtsreife, wenn die Reifung des Ätherleibs abgeschlossen und der Astralleib geboren wird, bildet sich der Thymus zurück und wird zunehmend durch Fettgewebe ersetzt. Die mit dem Thymus verbundenen Ätherkräfte werden dadurch für die Gemütsbildung frei, die insbesondere auch bei der Urteilsbildung eine wesentliche Rolle spielen, während logische Schlüsse das Gehirn als Werkzeug benötigen.

Einzelnachweise

  1. Heinrich Kraft: Kaiser Konstantins religiöse Entwicklung. Mohr, Tübingen 1955, S. 110 ISBN 978-3161016912 (Google books).