Akasha

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Akasha (skrt. आकाश ākāśa, von kash „leuchten, strahlen, glänzen, sichtbar sein“) bedeutet nach alter indischer Anschauung soviel wie Himmel, Äther oder Raum; insbesonders nach der indischen Elementenlehre des Vaisheshika wird Akasha dem Äther gleichgesetzt und entspricht damit zugleich der Quintessenz des Aristoteles. Aber nicht ohne Grund sagt schon H.P. Blavatsky:

„Das Astrallicht der Kabbalisten wird von Einigen sehr unrichtig mit „Ether“ übersetzt, der letztere wird mit dem hypothetischen Ether der Wissenschaft vermengt und beide von einigen Theosophen als synonym mit Âkâsha bezeichnet. Das ist ein großes Missverständnis.“

Blavatsky: Die Geheimlehre, Band I, S 315

Auf die Frage: "Ist der Akasha-Stoff ätherischer oder astralischer Stoff?" antwortete Rudolf Steiner:

"Der astralische Stoff ist der höhere Stoff. Der Akasha-Stoff steht zwischen der physischen und astralen Materie. Er ist die feinste physische Materie, die allerfeinste Materie, in welcher der Gedanke sich unmittelbar ausprägen kann." (Lit.: GA 53, S. 230)

An anderer Stelle heißt es:

"Die ganze Erde war früher in einem viel feineren, dünneren ätherischen Zustande da. Akasha ist die feinste Form, in der vor Urzeiten sich alles im Ätherzustand befand, was jetzt als Festes, Flüssiges und so weiter auf der Erde uns entgegentritt. Der feste Granit unserer Urgebirge, alle Metalle, alle Salze, alle Kalkarten, alles was heute auf unserer Erde ist - auch alle pflanzlichen und tierischen Formen -, waren damals vorhanden in diesem feinen Akasha. Akasha ist die feinste Form der Materie.

Der Menschenleib, den der Mensch heute hat, ist ja zusammengesetzt aus allen Stoffen der Erde. Alle Arten der Materie finden sich in irgendeiner chemischen Zusammensetzung im Menschenleibe. Damals waren alle diese Stoffe im Akasha-Zustande und in diese Akasha-Materie inkarnierte sich nun die geistig-seelische Wesenheit des Menschen. Eine ganz andere Gestalt war das als die heutige des Menschen. In dieser Akasha-Materie war noch alles undifferenziert, was sich später differenziert hat. Es war alles das darin, was später zu Mineral, Pflanze, Tierformen geworden ist. In dem, worin sich der reine göttliche Mensch inkarnierte, in dieser Akasha-Materie waren alle Tierformen noch mitenthalten, ebenso wie alles, was später Menschenform geworden ist." (Lit.: GA 53, S. 217)

Der Raum oder Äther, ja sogar der Himmel, ist das, worin Bewegung stattfindet. Mit dem Raum ist aber nicht nur der äußere sinnlich erfahrbare dreidimensionale Raum gemeint, sondern eine Folge multidimensionaler unendlicher Bewusstseinsräume, von denen der sinnlich erfahrbare Raum nur die unterste Stufe ist, und auch die Bewegung ist nicht bloß eine äußere, sondern umfasst auch alle seelischen und geistigen Bewegungen. Hinter diesen aber steht Prana als geistiges Prinzip aller Bewegungen, der lebendige Odem, der klingende Rhythmus des ganzen Kosmos, womit nach Rudolf Steiner letzlich auf den Lebensäther gedeutet ist, in dem sich das gestaltende Weltenwort, der Christus selbst, zum Ausdruck bringt. Was in Prana als Bewegung schöpferisch lebt, wird in Akasha in Formen festgehalten. Dadurch wird Akasha zur Grundlage des Weltengedächtnisses, zur Akasha-Chronik, in der die Spuren des Schöpfungsprozesses bewahrt werden. Prana ist in diesem Sinn das formende Prinzip, Akasha ist das, was geformt wird, ähnlich wie es Aristoteles später durch die beiden Prinzipen Stoff und Form angedeutet hat. Akasha ist in der Form manifestiertes Leben:

"Das Erste, woraus alles andere hervorging, ist die unmanifestierte Gottheit. Aus dieser ging dann hervor das Zweite, das Leben oder auch die unmanifestierte schöpferische Substanz. Dieses Leben geht dann hindurch durch die mannigfaltigsten Formen und wird benannt in den Formen Akasha oder Mahat. Dieses Akasha oder Mahat enthält alles, was es an Formen des Lebens in der Welt gibt. Die ganzen Hierarchien der Throne, Cherubim, Seraphim, der Gewalten, Urkräfte, Erzengel und Engel gingen hervor durch das Leben und bilden die Formen, unter denen dies eine Leben erscheint.

Die erste Kraft, die unmanifestierte Gottheit, wird auch der Vater genannt; die zweite Kraft ist der Sohn, der zugleich Leben und schöpferische Substanz ist, und die dritte Kraft ist der Geist. Zusammen erscheinen diese drei Urkräfte also als Vater, Sohn und Geist, als Bewußtsein, Leben und Form. Die Kraft des Lebens steht unter der Leitung Michaels, dessen, der zur Sonne gehört, die Kraft der Form steht unter der Leitung Samaels, der zum Vulkan gehört, wo alles Leben umgesetzt sein wird in lebendige Formen. Die Kraft des Bewußtseins steht unter der Leitung Anaels, der alles umfaßt, was da ist. Die obersten drei sind also:

Unmanifestierte Gottheit
Vater
[Bewußtsein]
Unmanifestierte
schöpferische Substanz
Leben Sohn
GA 89 255.gif Manifestiertes Leben
Akasha. Mahat
Form

(Lit.: GA 89, S. 255)

Akasha kann auch als negative Materie aufgefasst werden:

"Wir wissen, daß jeder Körper aus einem mehr festen in einen mehr immateriellen Zustand übergehen kann: vom festen zum flüssigen und zum gasförmigen Zustand, Die Verfeinerung des materiellen Zustandes kann einen Grad erreichen, der, wenn man ihn überschreitet, bei einer negativen Materie endet; man nennt ihn Akasha. In ihr drücken sich alle Ereignisse in einer endgültigen Weise ab,-und man kann sie alle wiederfinden, selbst diejenigen aus der tiefsten Vergangenheit." (Lit.: GA 94, S. 83)

Ganz besonders hängt Akasha aber auch mit der Sphärenmusik zusammen. Akasha ist der feine Stoff, in dem die Töne der Sphärenharmonie erklingen:

"In der alten pythagoreischen Philosophie wurde, wie Sie wissen, von Sphärenmusik gesprochen. Unter «Sphäre» wird dabei der Weltenraum begriffen, der Raum, in dem die Sterne schweben. Das ist kein erdachtes, ausspintisiertes Bild, kein poetischer Vergleich, sondern das ist eine Wirklichkeit. Wenn der Mensch sich genügend nach den Angaben des Geheimlehrers geübt hat, dann lernt er, innerlich nicht nur einen erhellten, durchleuchteten Raum zu schauen, der der Ausdruck der Weisheit ist, sondern er lernt auch zu hören die Sphärenmusik, die den Weltenraum durchflutet. Und wenn der Raum zu erklingen beginnt, dann sagt man, der Mensch sei in der himmlischen Welt, im Devachan. Richtig ist, daß der Raum erklingt, aber es ist nicht ein physischer Ton, sondern dies sind geistige Töne, die nicht in der Luft leben, sondern in einem viel höheren, feineren Stoffe, im Akasha-Stoff. Fortwährend ist der Raum von solcher Musik erfüllt, und es gibt in dieser Sphärenmusik gewisse Grundtöne." (Lit.: GA 101, S. 150)

"Dasjenige, was hinter dem Physischen steht, aus dem heraus das Physische gemacht und geboren ist, das Chaos - alle haben es gekannt. Ob die Griechen es Chaos genannt haben, ob es uns die Genesis in der Weise, wie wir es gesehen haben, schildert, oder ob die indische Philosophie von dem Achaos, dem Akasha spricht: es ist immer dasselbe, was aus den Geheimschulen heraus uns erinnern soll, wie das, was im Anfang war, fortwirkt durch alle Zeiten.

Nur dadurch, daß sich der Mensch mit seinem wahren Ursprung verbindet, kann ein Fortschritt stattfinden. Dem, der an die Sinneswelt gefesselt ist, erscheint das Chaos wirr und wüst. Dem Wissenden ist es nicht so. Wer es im geistigen Sinne durchdringt, der vernimmt, wie es durchklungen ist von der Sphärenharmonie, von der die Pythagoräer gesprochen haben, und deren Übersetzung in Worte dasjenige ist, was heute in der theosophischen Weltbewegung der Öffentlichkeit übermittelt wird, gerade zur richtigen Zeit." (Lit.: GA 284, S. 87)

Reines, noch umgeformtes Akasha ist der Urstoff der Welt, der in der okkulten Überlieferung als Akashastoff bezeichnet wird; anders ausgedrückt: Prakriti, der Urstoff der Samkhya-Philosophie in ihrem ursprünglichen Zustand, ist Âkâsha[1].

„Âkâsha ist sodann Pradhâna[2] in einer anderen Form und als solches kann er nicht Ether, der immer unsichtbare Agent sein, dem sogar die Naturwissenschaft den Hof macht. Auch ist er nicht das Astrallicht. Er ist, wie gesagt, das Ding an sich der siebenfältigen differenzierten Prakriti[3] - die ewig unbefleckte „Mutter“ des vaterlosen „Sohnes“, welcher auf der niederen geoffenbarten Ebene zum „Vater“ wird. Denn Mahat ist das erste Produkt von Pradhâna oder Âkâsha; und Mahat – universelle Intelligenz, „deren charakteristische Eigenschaft Buddhi ist“ – ist nichts anderes als der Logos, denn es wird Îshvara, Brahmâ, Bhâva u. s. w. genannt. Es ist, kurz gesagt, der „Schöpfer“, oder der göttliche Gedanke in schöpferischer Thätigkeit, „die Ursache von allen Dingen“.“

Blavatsky: Geheimlehre I, S 277

In allen anderen Stoffen, von der gröbsten festen Materie bis hinauf zu den feinsten ätherischen Substanzen, wirken Prana und Akasha in einem ganz spezifischen Kräfteverhältnis zusammen. Und in allen Stoffen, auch in der groben Materie, sind die Spuren des Schöpfungsprozesses und aller daraus folgenden Bewegungen eingeschrieben.

"Nach altindischer Anschauung offenbart sich das Universum in zwei grundlegenden Eigenschaften: als Bewegung und als das, worin diese Bewegung stattfindet, nämlich Raum. Dieser Raum wird als Akasha (Tib.: nam-mkhah) bezeichnet und ist das, wodurch Dinge in Erscheinung treten, d. h. Ausdehnung, Körperlichkeit besitzen. Als das alle Dinge Umfassende entspricht Akasha dem dreidimensionalen Raum unserer Sinneserfahrung und wird als solcher «mahakasha» genannt. Das Wesen des Akdsa erschöpft sich jedoch nicht in dieser Dreidimensionalität; es umfaßt alle Möglichkeiten der Bewegung, nicht nur der körperlichen, sondern auch der geistigen, d. h. unendliche Dimensionen.

Auf der Ebene geistiger Aktivität wird Akasha als «Bewußtseinsraum» oder Dimension des Bewußtseins «cittakasha», bezeichnet, während er auf der höchsten Stufe geistigen Erlebens, auf der die Dualität von Subjekt und Objekt aufgehoben ist, «cidakasha» genannt wird.

Akasha kommt von der Wurzel kash, «leuchten», «strahlen» und hat daher auch die Bedeutung «Äther», der als Medium der Bewegung dient. Das Prinzip der Bewegung aber ist Prana (Tib.: sugs), der lebendige Odem, der allgewaltige Rhythmus des Universums, in dem Weltentstehungen und Weltvergehungen einander folgen wie Einatmung und Ausatmung im menschlichen Körper, und in dem der Lauf der Sonnen und Planeten ebenso beschlossen ist wie der Umlauf des Blutes und die Ströme psychischer Energien. Alle Kräfte des Universums wie des menschlichen Geistes, vom höchsten Bewußtsein bis in die Tiefen des Unterbewußten sind Modifikationen des Prdna. Das Wort »prana» kann daher nicht mit dem körperlichen Atem gleichgesetzt werden, obwohl der Atem {prana im engeren Sinne) eine der vielen Funktionen ist, in denen diese universelle Urkraft sich manifestiert.

Obwohl im höchsten Sinne Akasha und Prana nicht voneinander zu trennen sind, sondern sich wie «oben» und «unten» oder «rechts» und «links» gegenseitig bedingen, ist es möglich, das Vorwiegen des einen oder des anderen Prinzips im Gebiete praktischer Erfahrung zu beobachten und zu unterscheiden.

Alles Geformte, Ausgedehnte, in räumliche Erscheinung Tretende offenbart die Natur des Akasha. Daher werden die vier groben Elemente (mahabhuta; Tib.: hbyun-ba) oder Aggregatzustände des Festen («Erde»), des Flüssigen («Wasser»), des Flammenden oder Hitzenden («Feuer») und des Gasförmigen («Luft») als Modifikationen des Akasha, des Raumäthers aufgefaßt.

Alles Bewegende, Dynamische, Veränderung-Hervorrufende, Verwandelnde offenbart die Natur des Prana. Alle körperlichen und seelischen Vorgänge, alle physischen und psychischen Kräfte, von den Funktionen der Atmung, des Blutkreislaufs und des Nervensystems bis zu denen des Bewußtseins, des Denkens und aller höheren Geistesfunktionen sind Modifikationen des Prana.

Akasha stellt sich in seiner gröbsten Form als Materie dar; in seinen feinsten Formen geht er unmerklich ins Energetische über." (Lit.: Govinda, S 157f)

Siehe auch

Anmerkungen

  1. H.P. Blavatsky: Geheimlehre I, S 275
  2. die erste Ursache, im Sinne der causa materialis
  3. In der Sânkhya Philosophie sind die sieben Prakritis oder „Erzeugenden Erzeugnisse“: Mahat, Ahamkâra, und die fünf Tanmâtras.

Literatur

  1. Helena Petrovna Blavatsky: Die Geheimlehre, Band I, Theosophisches Verlagshaus, Leipzig 1899
  2. Lama Anagarika Govinda: Grundlagen tibetischer Mystik, Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1975 (vergriffen; heute erhältlich im Aquamarin-Verlag, ISBN 978-3-89427-469-6)
  3. Rudolf Steiner: Ursprung und Ziel des Menschen, GA 53 (1981), ISBN 3-7274-0532-5 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  4. Rudolf Steiner: Bewußtsein – Leben – Form , GA 89 (2001), ISBN 3-7274-0890-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  5. Rudolf Steiner: Kosmogonie, GA 94 (2001), ISBN 3-7274-0940-1 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  6. Rudolf Steiner: Mythen und Sagen. Okkulte Zeichen und Symbole, GA 101 (1992), ISBN 3-7274-1010-8 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  7. Rudolf Steiner: Bilder okkulter Siegel und Säulen. Der Münchner Kongreß Pfingsten 1907 und seine Auswirkungen., GA 284 (1993), ISBN 3-7274-2840-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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