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Giordano Bruno

Aus AnthroWiki
(Weitergeleitet von Filippo Bruno)
Giordano Bruno-Denkmal auf dem Campo de’ Fiori von Ettore Ferrari

Giordano Bruno (* Januar 1548 in Nola; † 17. Februar 1600 in Rom; eigentlich Filippo Bruno) war ein italienischer Priester, Philosoph, Astronom und Dichter. Er lehnte das auf die Lehren des Aristoteles gegründete und damals noch vorherrschende, in Sphären gegliederte geozentrische Weltbild ab. Ähnliche Ideen, die Bruno vermutlich auch bekannt waren, hatte kurz zuvor schon der englische Astronom und Mathematiker Thomas Digges (1546-1595), ein früher Verfechter des kopernikanischen Weltbildes, geäußert. Auch Platon, Epikur, Lukrez, Thomas von Aquin, Johannes Scotus Eriugena, Nikolaus von Kues und Ramon Llull beeinflussten Brunos Denken.

Leben und Werk

Giordano Bruno wurde 1548 als Filippo Bruno in Nola bei Neapel geboren; daher bezeichnete er sich später häufig als il Nolano, „der Nolaner“. Um 1562 trat er in den Dominikanerorden von San Domenico Maggiore in Neapel ein, nahm den Ordensnamen Giordano an und erhielt eine gründliche Ausbildung in aristotelischer Philosophie, Theologie, Logik und Rhetorik. 1572 empfing er die Priesterweihe.

Schon während der Ordenszeit fiel Bruno durch seine intellektuelle Unabhängigkeit auf. Er wandte sich gegen Heiligenbilder in seiner Zelle, las verbotene oder verdächtige Texte und stellte Fragen, die mit der kirchlich fixierten Lehre nur schwer vereinbar waren. 1576 entzog er sich einem drohenden Verfahren wegen Häresie durch Flucht. Damit begann ein fast sechzehnjähriges Wanderleben durch Europa.

Bruno hielt sich nacheinander unter anderem in Genf, Toulouse, Paris, London, Wittenberg, Prag, Helmstedt, Frankfurt und Zürich auf. Er war kein stiller Gelehrter im modernen Sinn, sondern ein streitbarer öffentlicher Intellektueller: Er hielt Vorlesungen, suchte die Nähe von Höfen und Universitäten, nahm an Disputationen teil und veröffentlichte in rascher Folge lateinische sowie italienische Schriften.

Seine Karriere war jedoch von Konflikten geprägt. Katholische, lutherische und calvinistische Autoritäten standen ihm gleichermaßen reserviert oder feindlich gegenüber. Bruno wollte sich keiner Konfession und keinem akademischen Dogmatismus unterordnen. Seine Polemik gegen Aristoteliker, Schulphilosophen und etablierte Theologen verschärfte seine Isolation.

Die fruchtbarste Zeit seines schriftstellerischen Schaffens war sein Aufenthalt in England, besonders in London, zwischen 1583 und 1585. Dort entstanden mehrere seiner bedeutendsten italienischen Dialoge.

Bruno war ein Wegbereiter des Pantheismus und sprach von der Unendlichkeit und ewigen Dauer des Kosmos. Besonders angekreidet wurde ihm, dass die von ihm postulierte unendliche materielle Welt keinen Raum für das Jenseits ließ und aufgrund ihres anfangs- und endlosen ewigen Bestandes sowohl den Schöpfungsgedanken als auch das Jüngste Gericht ausschloss. Die letzten, unteilbaren Ureinheiten der Welt waren ihm die belebten und beseelten Monaden. Mit seiner Lehre nahm er bereits Gedanken von Baruch de Spinoza und Leibniz vorweg. Nachdem ihn die Inquisition wegen seiner Ansichten der Ketzerei und Magie schuldig gesprochen hatte, wurde er in Rom auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Im Jahr 2000 wurde durch Papst Johannes Paul II. zwar seine Hinrichtung als unrechtmäßig im Sinne des Kirchenrechts deklariert, seine Anschauungen gelten aber nach wie vor als nicht vereinbar mit der kirchlichen Lehre.

Den Grundzug von Brunos Denken charakterisierte Rudolf Steiner so:

„Dem Aufblühen der Naturwissenschaft in der neueren Zeit liegt dasselbe Suchen wie J. Böhmes Mystik zugrunde. Es zeigt sich dies an einem Denker, welcher unmittelbar aus der Geistesströmung herausgewachsen ist, die in Kopernikus (1473—1543), Kepler (1571—1630), Galilei (1564—1642) und anderen zu den ersten großen naturwissenschaftlichen Errungenschaften der neueren Zeit führte. Es ist Giordano Bruno (1548—1600). Wenn man betrachtet, wie er die Welt aus unendlich vielen kleinen belebten und sich seelisch erlebenden Urwesen bestehen läßt, den Monaden, die unentstanden und unvergänglich sind, und die in ihrem Zusammenwirken die Naturerscheinungen ergeben, so könnte man versucht sein, Giordano Bruno mit Anaxagoras zusammenzustellen, dem die Welt aus den Homoiomerien besteht. Und doch ist zwischen beiden ein bedeutsamer Unterschied. Dem Anaxagoras entfaltet sich der Gedanke der Homoiomerien, indem er sich der Welt betrachtend hingibt; die Welt gibt ihm diesen Gedanken ein. Giordano Bruno fühlt: Was hinter den Naturerscheinungen liegt, muß als Weltbild so gedacht werden, daß das Wesen des Ich in dem Weltbilde möglich ist. Das Ich muß eine Monade sein, sonst könnte es nicht wirklich sein. So wird die Annahme der Monaden notwendig. Und weil nur die Monade wirklich sein kann, sind die wahrhaft wirklichen Wesen Monaden mit verschiedenen inneren Eigenschaften. Es geht in den Tiefen der Seele einer Persönlichkeit wie Giordano Bruno etwas vor, was nicht voll zum Bewußtsein derselben kommt; die Wirkung dieses inneren Vorganges ist dann die Fassung des Weltbildes. Was in den Tiefen vorgeht, ist ein unbewußter Seelenprozeß: Das Ich fühlt, es muß sich selbst so vorstellen, daß ihm die Wirklichkeit verbürgt ist; und es muß die Welt so vorstellen, daß es in dieser Welt wirklich sein kann. Giordano Bruno muß sich die Vorstellung der Monade bilden, damit beides möglich ist. In Giordano Bruno kämpft im Weltanschauungsleben der neueren Zeit das Ich um sein Dasein in der Welt. Und der Ausdruck dieses Kampfes ist die Anschauung: Ich bin eine Monade; eine solche ist unentstanden und unvergänglich.

Man vergleiche, wie verschieden Aristoteles und Giordano Bruno zur Gottesvorstellung kommen. Aristoteles betrachtet die Welt; er sieht das Sinnvolle der Naturvorgänge; er gibt sich diesem Sinnvollen hin; auch an den Naturvorgängen offenbart sich ihm der Gedanke des «ersten Bewegers» dieser Vorgänge. Giordano Bruno kämpft sich in seinem Seelenleben zur Vorstellung der Monaden durch; die Naturvorgänge sind gleichsam ausgelöscht in dem Bilde, in dem unzählige Monaden aufeinanderwirkend auftreten; und Gott wird die hinter allen Vorgängen der wahrnehmbaren Welt wirkende, in allen Monaden lebende Kraftwesenheit. In der leidenschaftlichen Gegnerschaft Giordano Brunos gegen Aristoteles drückt sich der Gegensatz aus zwischen dem Denker Griechenlands und dem der neueren Zeit.“ (Lit.: GA 18, S. 101f)

Werke

Einzelwerke

Ein erheblicher Teil der Werke Brunos ist erst postum erschienen. In diesem Fall erscheint das Jahr des Abfassens einer Schrift in Klammern, gefolgt von Ort und Jahr der Erstpublikation.

  • Candelaio. Paris 1582.
    • Deutsch: Der Kerzenzieher. Hrsg. von Sergius Kodera (= Philosophische Bibliothek. Band 544). Meiner, Hamburg 2003, ISBN 3-7873-1795-3. Weitere Ausgabe: Candelaio – Kerzen, Gold und Sprachgelichter. Komödie in fünf Akten. Aus dem Italienischen übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Johannes Gerber (= Materialien des ITW Bern. Nr. 4). Editions Theaterkultur, Basel 1995.
  • Cantus Circaeus. Paris 1582.
  • De compendiosa architectura et complemento artis Lullii. Paris 1582
  • De umbris idearum. Ars memoriae. Paris 1582
  • Ars reminiscendi. Triginta sigilli. England 1583.
  • Triginta sigillorum explicatio. England 1583.
  • Sigillus sigillorum. England 1583.
  • Spaccio della bestia trionfante. London 1584.
    • Deutsch: Die Vertreibung der triumphierenden Bestie. Übersetzt von Paul Seliger. Magazin-Verlag Jacques Hegner, Berlin/Leipzig 1904, Volltext Projekt Gutenberg
  • La cena de le ceneri. London 1584.
  • De la causa, principio et uno. London 1584.
    • Deutsch: Von der Ursache, dem Princip und dem Einen. Übersetzung von Adolf Lasson. Heimann, Berlin 1872, 3. Auflage 1902. In: Zeno.org.. Erste deutsche Übersetzung in: Thaddä Anselm Rixner, Thaddäus Siber: Leben und Lehrmeinungen berühmter Physiker am Ende des XVI. und am Anfange des XVII. Jahrhunderts. Heft 5: Jordanus Brunus. Seidel, Sulzbach 1824.
  • De l'infinito universo et Mondi. London 1584.
    • Deutsch: Über das Unendliche, das Universum und die Welten. Reclam, Ditzingen 1994, ISBN 3-15-005114-2.
  • Cabala del cavallo pegaseo. London 1585.
  • De gli eroici furori. London 1585.
    • Deutsch: Von den heroischen Leidenschaften (= Philosophische Bibliothek. Band 398). Übers. und hrsg. von Christiane Bacmeister Meiner, Hamburg 2018, ISBN 978-3-7873-1807-0. Die heroische Leidenschaft, übersetzt von Erika Rojas, BOD, ISBN 978-3-7534-5411-5.
  • De la causa, principio e uno. 1584.
  • Centum et viginti articuli de natura et mundo adversus peripateticos. Paris 1586.
  • Figuratio Aristotelici physici auditus. Paris 1586.
  • Dialogi duo de Fabricii Mordentis Salernitani prope divina adinventione. Paris 1586.
  • Idiota triumphans - De somnii interpretatione. Paris 1586.
  • Mordentius - De Mordentii circino. Paris 1586.
  • De magia / De vinculis in genere. 1586–1591.
    • Deutsch: Die Magie / Die verschiedenen Arten des Bannens und Bezauberns. Peißenberg 1999. Erstmals 1891 in Florenz erschienen, ISBN 978-3-7431-7569-3
  • De lampade combinatoria lulliana. Wittenberg 1587.
  • Lampas triginta statuarum (1587), Neapel 1891.
  • Animadversiones circa lampadem lullianam. (1587), Augsburg 1891.
  • Artificium perorandi (1587), Frankfurt 1612.
  • De progressu et lampade venatoria logicorum. Wittenberg 1588.
  • Camoeracensis Acrotismus seu rationes articulorum physicorum adversus peripateticos. Wittenberg 1588 (Neufassung von Centum et viginti articuli).
  • Oratio valedictoria. Wittenberg 1588.
  • Libri physicorum Aristotelis explanati (1588), Neapel 1891.
  • De specierum scrutinio et lampade combinatoria Raymundi Lullii. Prag 1588.
  • Articuli centum et sexaginta adversus huius tempestatis mathematicos atque philosophos. Prag 1588.
  • Oratio consolatoria. Helmstedt 1589.
  • De magia (1590), Florenz 1891.
  • De magia mathematica (1590), Florenz 1891.
  • De rerum principiis et elementis et causis (1590), Florenz 1891.
  • Medicina lulliana (1590), Florenz 1891.
  • Theses de magia (1590), Florenz 1891.
  • De imaginum, signorum et idearum compositione. Frankfurt 1591.
  • De monade, numero et figura. Frankfurt 1591.
    • Deutsch: Über die Monas, die Zahl und die Figur als Elemente einer sehr geheimen Physik, Mathematik und Metaphysik. Hrsg. von Elisabeth von Samsonow (= Philosophische Bibliothek. Band 436). Meiner, Hamburg 1991, ISBN 3-7873-1008-8. Weitere Ausgabe: Giordano Bruno, Das Buch über die Monade, die Zahl und die Figur. Einleitung, Übersetzung, Kommentar, hrsg. von Wolfgang Neuser, Michael Spang, Erhard Wicke. Bautz, Nordhausen 2010, ISBN 978-3-88309-558-5.
  • De triplici minimo et la mensura ad trium speculativarum scientiarum et multarum activarum artium principia. Frankfurt 1591.
  • De innumerabilibus, immenso et infigurabili. Frankfurt 1591.
  • De vinculis in genere (1591), Florenz 1891.
  • Summa terminorum metaphysicorum (1591), Zürich 1595.
  • Summa terminorum metaphysicorum. Accessit eiusdem Praxis descensus seu applicatio entis (1591), Marburg 1609.

Werkausgaben

  • Werke. Hrsg. von Thomas Leinkauf u. a. Meiner, Hamburg 2007 ff. (7 Bände, Italienisch-Deutsch mit ausführlicher Einleitung, Kommentar, Bibliographie, Namen- und Sachregister sowie Glossar).
    • Bd. 1: Der Kerzenzieher / Candelaio. 2013.
    • Bd. 2: Das Aschermittwochsmahl / La cena de le ceneri. 2018.
    • Bd. 3: Über die Ursache, das Prinzip und das Eine / De la causa, principio et uno. 2007.
    • Bd. 4: Über das Unendliche, das Universum und die Welten / De l’infinito, universo et mondi. 2007.
    • Bd. 5: Austreibung des triumphierenden Tieres / Spaccio della bestia trionfante. 2009.
    • Bd. 6: Die Kabbala des pegaseischen Pferdes / Cabala del cavallo pegaseo. 2008.
    • Bd. 7: Von den heroischen Leidenschaften / De gl’heroici furori. 2019.
  • Gesammelte Werke. 6 Bde. Hrsg. und übersetzt von Ludwig Kuhlenbeck. Diederichs, Leipzig 1904–1909.
    • Bd. 1: Das Aschermittwochsmahl. 1904.
    • Bd. 2: Die Vertreibung der triumphierenden Bestie. 1904.
    • Bd. 3: Zwiegespräche vom unendlichen All und den Welten. 1904.
    • Bd. 4: Von der Ursache, dem Anfangsgrund und dem Einen. 1906.
    • Bd. 5: Eroici furori: (Zwiegespräche vom Helden und Schwärmen). 1907.
    • Bd. 6: Kabbala, Kyllenischer Esel, Reden, Inquisitionsakten. 1909.
  • Dialoghi italiani. Dialoghi metafisici e dialoghi morali. Nuovamente ristampati con note da G. Gentile. 3. Aufl. Hrsg. von Giovanni Aquilecchia. Sansoni, Florenz 1958.
  • Jordani Bruni Nolani opera latine conscripta publicis sumptibus edita [Lateinische Schriften]. Hrsg. von Francesco Fiorentino und Felice Tocco. 3 Bände in 8 Teilen. Moreno, Neapel & Florenz 1879–1891. Nachdruck: Frommann-Holzboog, Stuttgart-Bad Cannstatt 1962, DNB 450656519.
    • Bd. 1.1: Oratio valedictoria / Oratio consolatoria / Acrotismus Camoeracensis / De Immenso et Innumerabilibus (Lib. 1–3). Digitalisat
    • Bd. 1.2: De Immenso et Innumerabilibus (Lib. 4–8) / De Monade, Numero et Figura. Digitalisat
    • Bd. 1.3: Articuli adversus Mathematicos / De triplici minimo et mensura. Digitalisat
    • Bd. 1.4: Summa terminorum metaphysicorum / Figuratio physici auditus Aristotelis / Mordentius et de Mordentii circino. Digitalisat
    • Bd. 2.1: De Umbris Idearum / Ars Memoriae / Cantus Circaeus. Digitalisat
    • Bd. 2.2: De Architectura Lulliana / Ars reminiscendi, Triginta sigilli etc, Sigillus Sigillorum / Centum et viginti Articuli de natura et mundo / De Lampade combinatoria et De specierum Scrutinio / Animadversiones in Lampadem Lullianam ex codice Augustano nunc primum editae. Digitalisat
    • Bd. 2.3: De lampade venatoria / De imaginum compositione / Artificium perorandi. Digitalisat
    • Bd. 3: Lampas triginta statuarum / Libri physicorum Aristotelis explanati / De magia et Theses de magia / De magia mathematica / De principiis rerum, elementis et causis / Medicina Lulliana / De vinculis in genere. Digitalisat
  • Opere italiane. Hrsg.: Giovanni Aquilecchia. UTET, Torino 2002/2004 (italienisch)

Literatur

Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com.
Freie Werkausgaben gibt es auf steiner.wiki, bdn-steiner.ru, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.

Weblinks

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