Opus Dei

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Opus Dei (dt. Werk Gottes) ist eine 1928 von Josemaría Escrivá in Madrid gegründete Laienorganisation der römisch-katholischen Kirche in der Form einer Personalprälatur. Die Organisation wirkt im Bereich der Seelsorge und der geistlichen Bildung von Laien und hat weltweit 87.000 Mitglieder. Der Hauptsitz des Opus Dei ist Rom. Das Opus Dei wird nicht zu Unrecht häufig als Sekte innerhalb der katholischen Kirche beschrieben, die den Jesuiten zunehmend den Rang als Speerspitze der katholischen Bewegung streitig macht.

Geschichte

Der Gründer Josemaría Escrivá stammt aus Spanien. Er suchte nach Möglichkeiten, Studenten und Angestellten den christlichen Glauben näherzubringen. Intellektuelle waren nicht die einzige, aber die chronologisch erste Zielgruppe.

Gegründet wurde das „Werk“ im Jahr 1928, als Escrivá in Madrid Besinnungstage abhielt. Seinen Namen erhielt es aber erst in den 1930er Jahren. Seit 1930 steht es auch Frauen offen, wobei allerdings nach Geschlechtern getrennt wird. Frauen gehören dem Wahlkongress, der den Prälaten wählt, nicht an, dürfen aber vorgängig eine Wahlempfehlung abgeben. Die Frauen, ihre Einrichtungen und Tätigkeiten werden im Opus Dei „Verwaltung“ (lat. administratio) genannt.

Im Jahr 1934 erschien Der Weg, eine Aphorismensammlung von Josemaría Escrivá, welche die Spiritualität des Opus Dei zusammenfasst. Als im Spanischen Bürgerkrieg im republikanischen Teil Kirche und Staat streng getrennt, Kirchen zerstört sowie Priester und Ordensangehörige verfolgt wurden, floh Escrivá 1937 in den von General Franco besetzten Teil Spaniens. Seit den 1950er Jahren wurde das Opus Dei eine wichtige Stütze des politischen Systems des Franquismus, wobei es die nationalistische Falange verdrängte (siehe nächstes Kapitel). In Francos letzten Regierungsjahren gehörten 10 der 19 Kabinettsmitglieder dem Opus Dei an, auch einige im Übergangskabinett nach Francos Tod. Ebenfalls starken Aufwind erfuhr das Opus Dei in Chile unter Augusto Pinochet; der Organisation wird ein großer Einfluss auf den Entwurf der Verfassung von 1980 nachgesagt.

Der Gründer selbst enthielt sich direkter politischer Einflussnahme, ihm wird jedoch vorgeworfen, Bewunderer Francos gewesen zu sein und zeige, so die Kritik, im Werk Der Weg eine Nähe zum Faschismus. Ähnlich der Situation in anderen Staaten Europas, stand der spanische Katholizismus damals autoritären Regierungsformen nicht ablehnend gegenüber. Allerdings forderte Escrivá auch, dass alle Mitglieder nach bestem Wissen und Gewissen im christlichen Sinn frei handeln sollen.

Im Alter von 44 Jahren verließ Escrivá Spanien und ging nach Rom.

Schon 1950 ermöglichte das Opus Dei als erste Einrichtung der katholischen Kirche auch Nichtkatholiken die Mitarbeit, und 1952 wurde die erste Niederlassung in Deutschland eröffnet. Im Jahr 1982 wurde das Opus Dei vom Papst Johannes Paul II. als Personalprälatur errichtet (eine vom Zweiten Vatikanum eingeführte Rechtsform). Nachdem die Entscheidung vorbereitet war, wurden über 2000 Bischöfe konsultiert. Längst nicht alle waren einverstanden. Damit sind die Mitglieder nur mehr an die Vorgaben des Prälaten gebunden, doch darf das „Werk“ wie alle kirchlichen Gemeinschaften seine Arbeit in keiner Diözese ohne die Zustimmung des dortigen Bischofs aufnehmen. Diese Genehmigung wird jedoch meist erteilt.

Organisation

Die Organisationsstruktur ist nach dem Vorbild der Diözesen hierarchisch aufgebaut: An der Spitze steht der Prälat des Opus Dei. Der Prälat wird in seinem Amt vom männlichen Generalrat unterstützt; die Frauen haben einen eigenen Beirat, das Assessorat.

Die Laien des Opus Dei unterstehen in institutioneller Hinsicht – wie auch andere Katholiken – dem regionalen Bischof. An das Opus Dei bindet sie zusätzlich ein Vertrag, der ihr religiöses Leben betrifft und sich auf säkulare Entscheidungen auswirkt: familiär, beruflich, wirtschaftlich und politisch.

Das Opus Dei ist in zwei Abteilungen gegliedert – eine männliche und eine weibliche.

Disziplin („Lebensplan“)

Alle Mitglieder müssen täglich einen sogenannten „Lebensplan“ erfüllen, der üblicherweise mit dem Ausdruck „Normen“ bezeichnet wird. Es handelt sich dabei um bestimmte festgelegte Gebete und Übungen, die den Alltag strukturieren sollen. Anders als bei einer Ordensregel kann die individuelle Normerfüllung nicht äußerlich durch Obere überwacht werden, sondern setzt eine starke persönliche Freiwilligkeit voraus.

Alle Mitglieder sind aufgerufen – auch und gerade in den unscheinbaren Dingen des Alltags – nach Heiligkeit zu streben, also nach der christlichen Verheißung eines Lebens in Fülle (vergleiche Zweites Vatikanisches Konzil, Konstitution über die Kirche Lumen gentium, Kap. IV und V).

Tägliche „Normen“:

  • am Morgen nach dem Aufstehen „Serviam!“ (lat. Ich will dienen) sagen
  • die Preces (das Gemeinschaftsgebet des Opus Dei) auf Latein beten
  • der Rosenkranz
  • Heilige Messe mit täglichem Empfang der Kommunion
  • Betrachtendes Gebet (eine halbe Stunde morgens und eine halbe Stunde abends)
  • Lesung aus dem Neuen Testament (fünf Minuten)
  • Geistliche Lesung (zehn Minuten)
  • der Angelus zur Mittagszeit
  • ein täglicher Besuch beim Tabernakel mit „geistiger Kommunion“, wobei drei Vaterunser, drei Ave Maria und drei Ehre sei dem Vater gebetet werden
  • Gewissenserforschung
  • kurze Stoßgebete über den Tag verteilt, Aufopferung von Arbeit, Pflichten, Sorgen an Gott

Wöchentliche „Normen“:

Dazu kommt der monatliche Besuch eines Einkehrtags und der jährliche Besuch von Besinnungstagen.

Zu diesen Normen kommen noch bestimmte tägliche oder wöchentliche "Gewohnheiten", z. B.:

  • das Memorare an die Jungfrau Maria als Bitte für denjenigen, der es am meisten braucht
  • drei Ave Maria am Abend
  • die Betrachtung des Psalms 2 an Dienstagen im Rahmen des betrachtenden Gebetes
  • Gebet des Adoro te devote an Donnerstagen

Numerarier (Priester und Laien) praktizieren darüber hinaus auch körperliche Bußübungen (siehe unten), wie das tägliche Tragen des Ciliciums für zwei Stunden und eine wöchentliche Selbstkasteiung.

Mitglieder erhalten eine umfassende theologische Bildung, zum Teil individuell, zum Teil in Kleingruppen. Wichtigste Bildungsmittel sind wöchentliche Gruppentreffen zur geistlichen Bildung (Kreis) und ein regelmäßiges (wöchentliches oder zweiwöchentliches) Gespräch mit dem geistlichen Leiter (normalerweise ein Laiennumerarier bei Männern bzw. eine Numerarierin bei Frauen). Die Mitglieder nehmen zudem jährlich an einer mehrtägigen bis mehrwöchigen Bildungsveranstaltung teil (der einwöchigen "Konvivenz" für Supernumerarier und dem zwei- bzw. dreiwöchigen "Jahreskurs" für Numerarier und Assoziierte). Diese verbindet theologische und spirituelle Weiterbildung mit Gemeinschaftsleben und Urlaubsaktivitäten wie etwa Sport oder Besichtigungen.

Die Erfüllung der „Normen“ soll es nach der Grundidee des Opus Dei christlichen Laien ermöglichen, zur Heiligung der Arbeit und des täglichen Lebens zu gelangen, also die Mitglieder im Geist der Freude, des Friedens und der Gotteskindschaft stärken.

Leiter und Prälaten

Zentren

Auf allen Kontinenten existieren Bildungs- und Sozialwerke, die von der Spiritualität des Opus Dei geprägt sind und ihm zuarbeiten: Schulen, Berufsbildungszentren, Universitäten, Hilfswerke, Spitäler usw. Sie arbeiten als zivile, wirtschaftlich eigenständige Privatinitiativen. In einigen von ihnen ist die Prälatur Opus Dei formell verantwortlich für die christliche Orientierung.

Einzelne oder mehrere Mitglieder gemeinsam errichten mit Spenden, die oft unter großem persönlichen Einsatz eingeworben werden, oder mit dem Geld, das die Numerarier von dem Lohn aus ihrer gewöhnlichen Arbeit abführen, eigene Ausbildungszentren – etwa für Landwirtschaft –, Schulen, Studentenheime, Wirtschaftsschulen – zum Beispiel IESE, Barcelona –, Kulturzentren und sogar zwei Universitäten in Pamplona, Spanien und Piura, Peru. Die Opus-Dei-Zentren sind so genannte kooperative Werke und werden auf Veranlassung des Opus Dei von Mitgliedern ins Leben gerufen.

Die religiöse Bildung in den Opus-Dei-Zentren ist dem Opus Dei anvertraut. Hier findet auch die weitere religiöse Bildung der Mitglieder und Interessenten in Form von Einkehrabenden und Exerzitien statt. Außerdem gibt es Stiftungen, über die dem Opus Dei Geld zufließt, deren Verbindung zum Opus Dei aber meist nicht erkennbar ist.

Das Opus Dei in Spanien

Seit dem Ende des Spanischen Bürgerkriegs bemühte sich das Opus Dei um die Rekrutierung junger Intellektueller, zunächst hauptsächlich an den Universitäten Madrids und Barcelonas. Dort erhielt es Zulauf von Studenten aus dem katalanischen Bürgertum, die von der nationalistischen Falange abgestoßen waren. 1952 gründete es eine eigene Universität in Pamplona/Iruña (Navarra), deren Schwerpunkt auf weltzugewandten Fächern wie Medizin und Jura lag, in Barcelona baute es eine an der Harvard Business School orientierte Managementschule auf.

In der Folge gelang es dem Opus Dei, den spanischen Staatsapparat und wichtige gesellschaftliche Institutionen und Unternehmen Spaniens mit Mitgliedern oder Sympathisanten zu durchsetzen.

Die Absolventen der Wirtschaftsschule gelangten über das Nationale Industrie-Institut, eine Staatsholding, die an vielen Unternehmen Beteiligungen hielt, in Führungspositionen der Wirtschaft. 1956 wurde Laureano López Rodó Leiter des neugeschaffenen „Technischen Generalsekretariats im Amt des Regierungschefs“. In diesem Amt setzte er Wirtschaftskommissionen und Planungsinstanzen ein, die er konsequent mit Mitgliedern und Sympathisanten des Opus Dei besetzte. 1957 bildete Franco die Regierung um und wechselte 12 von 18 Ministern aus. Mariano Navarro Rubio und Alberto Ullastres, Mitglieder des Opus Dei, wurden Minister für Handel und Finanzen; Luis Carrero Blanco, dessen wichtigster Förderer, stieg zum Staatssekretär im Amt des Regierungschefs auf. Seit 1962 unterstand das gesamte Bankwesen der „Bank von Spanien“, die von Mariano Navarro Rubio geleitet wurde. Es wurde zu einer Domäne des Opus Dei, persönliche Kredite an seine Mitglieder und Firmen wurden die Regel. Dadurch gelang es ihm, Verlage, Zeitungen, Druckereien, Werbeagenturen, Radiostationen, Versicherungs-, Finanzierungs-, und Investmentgesellschaften, eine Filmgesellschaft, Privatschulen und Studentenheime zu übernehmen. Das Opus Dei wurde zur „einflussreichsten kollaborationistischen Bewegung innerhalb der Kirche“[1]. [2]

Das Opus Dei hatte maßgeblichen Anteil am 1959 verabschiedeten „Wirtschaftsstrukturgesetz“, das als „Stabilisierungsplan“ bekannt wurde und eine kontrollierte wirtschaftliche Öffnung Spaniens unter Beibehaltung der franquistischen Diktatur zum Ziel hatte, und stellte sich geschickt als Urheber des Gesetzes dar[3]. Durch seine Betonung der Pflicht- und Arbeitsethik leistete es einen wichtigen Beitrag zur Überwindung vorkapitalistischer Strukturen und Einstellungen. Nach dem Statut des Opus Dei sind die Mitglieder gehalten, als Bestandteile einer Elite nach führenden Positionen zu streben:

Besondere Mittel des Apostolats der Institution sind die öffentlichen Ämter, insbesondere solche, die eine Führungstätigkeit verlangen.
Um dies zu erreichen, ist es notwendig, dass sich die Unsrigen in ihren Berufen als Autorität hervortun und sich unermüdlich um den Erwerb einer wissenschaftlichen Ausbildung bemühen.[4]

Einer der 999 Sprüche aus El Camino, der programmatischen Schrift Escrivá de Balaguers, lautet:

Du - ein Dutzendmensch werden? Zum grossen Haufen gehören? Du bist zum Führer geboren![5]

Ziel des Opus Dei war eine „konservative Modernisierung“ Spaniens: Notwendige Reformen sollten sich auf den wirtschaftlichen Sektor beschränken, um die politischen Verhältnisse des Franquismus beibehalten zu können[6]. Kritiker bezeichneten es aufgrund seines Einflusses und seiner Diskretion als „heilige Mafia“.[7]Nach 1965 verstärkte das Opus Dei seinen Zugriff auf die Hochschulen, an denen die Unruhe zunahm. Es drängte nun auch auf ein Verbot der CCOO, das 1967 erfolgte[8]. 1969 waren mehrere Mitglieder in einen Finanzskandal um das Unternehmen MATESA, eine Textilmaschinenfabrik in Pamplona/Iruña, verwickelt, das Opus-Dei-Mitglied Juan Vilá Reyes wurde inhaftiert. Bei der folgenden Regierungsumbildung nahm dessen Einfluss jedoch weiter zu; weil elf von 18 Ministern Mitglieder oder Sympathisanten des Opus Dei waren, sprach man von einer „einfarbigen Regierung“[9]. Im Dezember 1973 wurde Carrero Blanco, der inzwischen von Franco zum Regierungschef und Nachfolger ernannt worden war, bei einem Attentat der ETA ermordet. Die anschließende Entlassung des Opus-Dei-Vertreters López Rodó aus dem Kabinett galt als Eingeständnis, dass die Politik der Opus-Dei-Minister, politische Demokratisierung durch wirtschaftliche Reformen zu ersetzen, gescheitert war, und als gutes Vorzeichen für eine politische Lockerung, weil das Opus Dei in den letzten Franco-Jahren die Repression gegen Arbeiter, Studenten und regionale Opposition verstärkte, was aber seinen ursprünglichen Zielen zuwiderlief: Die Repression führte zu mehr Politisierung[10].

Auch in der Ära nach Franco waren Mitglieder des Opus Dei an führender Stelle in der spanischen Politik aktiv. Die Umweltministerin der 1996 gewählten Partido-Popular-Regierung, Isabel Tocino, sowie deren Verteidigungsminister Federico Trillo, aber auch ein Abgeordneter der baskischen Regionalpartei Eusko Alkartasuna im baskischen Parlament sind Mitglieder des Opus Dei[11].

Verbreitung

Opus Dei ist in etwa 60 bis 90 Ländern tätig, mit einem Schwerpunkt im spanischen Sprachraum und in Italien, wo sich der Hauptsitz befindet. Auch in Deutschland und in Österreich ist das Opus Dei schon seit etlichen Jahren auf dem Vormarsch.

Die Mitglieder sind größtenteils Laien (98 %), aber auch Kleriker.

Im Jahr 2005 gehörten der Prälatur rund 85.000 Frauen und Männer an, davon etwa ein Fünftel sogenannte Numerarier – darunter 2.000 Priester –, die ehelos leben und leitende Funktionen haben. Hingegen sind mit 70 % die meisten Mitglieder entweder verheiratet oder dürfen heiraten (Supernumerarier), ferner gibt es ehelose Assoziierte. Hinzu kommen die Mitarbeiter, die nicht Mitglieder des Werkes sind.

Überwiegend leben und arbeiten die Mitglieder in ihren selbstgewählten Lebensumständen und Berufen. Seitens der Prälatur werden den Mitgliedern, die heiraten dürfen, keine Vorgaben gemacht, welcher Beruf beispielsweise ausgeübt werden soll; wohl aber unverheirateten Numerariern – ähnlich den Ordensgemeinschaften mit Gehorsamsgelübde, wo Obere auf die Art der Berufsausübung Einfluss nehmen können. Manche Numerarier werden außerdem gebeten, einen Beruf aufzugeben, um sich ganz der Bildungs- oder Leitungsarbeit des Opus Dei zu widmen, oder auch weil der Beruf zu viel Zeit in Anspruch nehme, um am geistlichen Leben der anderen Numerarier teilnehmen zu können.

Mitgliedschaft

Aufnahme

Die formelle Aufnahme in die Prälatur erfolgt mittels eines beiderseitigen Vertrags, der die gegenseitigen Verpflichtungen zwischen der betreffenden Person und der Prälatur festlegt. Dazu ist ein Brief mit der Bitte um Aufnahme an den jeweiligen Regionalvikar des Opus Dei erforderlich, der anschließend an den Prälaten in Rom weitergeleitet wird. Die Antwort über die Zulassung zum Opus Dei erfolgt nach einer rund halbjährigen Wartezeit. Darauf folgt eine rund anderthalbjährige Vorbereitungszeit, während der die jeweilige Person bereits als Mitglied betrachtet wird. Am Ende dieser Zeit unterzeichnen das Mitglied und der Vertreter des Prälaten einen Vertrag über die gegenseitigen Rechte und Pflichten von Mitgliedern und Prälatur. Das Versprechen der Mitgliedschaft wird jedes Jahr am 19. März, dem Fest des Hl. Josef, vom Mitglied informell erneuert. Nach frühestens fünf Jahren kann man ein formales Treueversprechen ablegen (fidelitas), das das Mitglied dauerhaft an die Personalprälatur bindet.

Arten

Numerarier

Der Begriff Numerarier stammt aus der französischen Universität und bedeutet soviel wie „gezählte“ (ordentliche) Mitglieder.

Die ehelosen Numerarier – darunter etwa 2.000 Priester – leben gewöhnlich in Gemeinschaften, Häusern oder Opus-Dei-Bildungszentren und haben leitende Funktionen.

Als Numerarier werden die Laien der Prälatur Opus Dei bezeichnet, die einem Ruf Gottes zur Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen (Zölibat) gefolgt sind und für die Bildung der Mitglieder hauptverantwortlich sind. Sie können dabei von ausgewählten Assoziierten und Supernumerariern unterstützt werden. Einige werden zum Priester geweiht: sie sind weiterhin Numerarier.

Den Numerariern erlauben es ihre Lebensumstände, sich ganz für die Betreuung der apostolischen Arbeit und die Bildung der anderen Mitglieder zur Verfügung zu halten. Einige stellen sich ganz der Tätigkeit des „Werkes“ zur Verfügung.

Die Numerarier geben ihre Einkünfte an die Leitung der Opus-Dei-Zentren ab und begnügen sich mit einem Taschengeld.

Supernumerarier

Die Supernumerarier („außerordentliche“ Mitglieder) sind die entweder verheirateten oder heiratswilligen Mitglieder des Opus Dei. Sie machen den größten Teil der Mitglieder aus und stellen etwa 70 % der Gläubigen der Prälatur weltweit. Ihre familiäre Verpflichtung soll gemäß den Ratschlägen des Gründers Josemaría Escrivá vorrangiger Bestandteil ihres christlichen Lebens sein.

Assoziierte

Die Assoziierten sind Frauen und Männer, die sich zur Ehelosigkeit verpflichtet haben, jedoch weiterhin in eigenen Häusern bei ihrer Familie leben oder wo auch immer es ihren beruflichen Umständen am besten entspricht. Darin unterscheiden sie sich von den Numerariern.

Auxiliarnumerarierinnen

Die Auxiliarnumerarierinnen sind ehelos in den Opus-Dei-Bildungszentren lebende Frauen, die hauptsächlich die Hauswirtschaft und die Pflege der Opus-Dei-Zentren übernehmen. Assessorenrat nennt sich der Beirat von Opus Dei, in welchem nur Frauen vertreten sind.

Priester

Die Priester der Prälatur gehen aus den ehelos lebenden Laien des Opus Dei hervor, das heißt aus Numerariern und Assoziierten, die aus freien Stücken zum Priestertum bereit sind und vom Prälaten dazu eingeladen werden, nachdem sie der Prälatur bereits viele Jahre lang angehört und die entsprechenden kirchlichen Studien absolviert haben. Sie haben im Regelfall auch weltliche Berufe und Studienabschlüsse. Ihre Aufgabe besteht zur Hauptsache in der seelsorglichen Betreuung der anderen Gläubigen der Prälatur und der von ihnen getragenen apostolischen Initiativen.

Prominente Mitglieder

Sympathisanten

Es gibt viele Sympathisanten des Opus Dei in der katholischen Kurie, darunter die ehemaligen Päpste Benedikt XVI und Johannes Paul II. Weitere bekannte Sympathisanten sind der verstorbene Kölner Kardinal Joachim Meisner und der jetzige Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki.

Kritik

Das Opus Dei ist die wohl bei weitem einflußreichste Geheimorganisation der Katholischen Kirche. Opus Dei ist nicht ohne Grund auch bei vielen Katholiken umstritten, andererseits genießt es hohe Wertschätzung und Unterstützung vor allem aus den konservativen Kreisen des Vatikans und von manchen Bischöfen. Die Wertschätzung beruht u. a. auf der Zielsetzung der Organisation, das Alltagsleben von Christen zu heiligen. Die Kritik am Opus Dei ist sehr vielfältig. Kritiker werfen dem Werk eine starke politische Ausrichtung vor, ferner Geheimniskrämerei und extreme Praktiken der Selbstkasteiung.

Zur politischen Ausrichtung

Antonio Fontán, spanischer Journalist und Mitglied des Opus Dei, der um Pressefreiheit und Demokratie unter Franco kämpfte und durch das Regime wiederholt verfolgt wurde. Fontán wurde später der erste Senatspräsident von Spaniens Demokratie.
Das Opus Dei wird bisweilen als politisch rechtsgerichtet, mit Nähe zum Faschismus und als ultrakonservativ eingestuft. Diese seit Ende der sechziger Jahre verbreitete Einschätzung beruft sich u. a. darauf, dass verschiedene Mitglieder des Opus Dei im Franco-Regime mitarbeiteten. Auch soll das Opus Dei mit dem chilenischen Diktator Pinochet liiert gewesen sein. In Peru unterstützte das Opus Dei den Präsidenten Fujimori[14] sowie die Kandidatin des konservativen Bündnisses Unidad Nacional, Lourdes Flores, bei den Präsidentschaftswahlen 2006; in der Führung des Bündnisses war es auch personell vertreten[15].

Escrivás Buch Der Weg übe direkte Kritik an den Ideen der Aufklärung und predige blinden Gehorsam gegenüber vorgesetzten Leitern. Es führe eine inoffizielle Version des Index der verbotenen Bücher weiter, dessen Abschaffung die zuständige Kongregation 1966 offiziell bestätigte, und übe sogar Zensur von Büchern. Dies widerspreche den Prinzipien moderner westlicher Gesellschaften.

Opus Dei erwidert dazu, dass es unter seinen Mitgliedern wohl solche gegeben habe, die mit der (späteren) Regierung Francos eng zusammenarbeiteten, aber auch solche, die das Regime vehement abgelehnt hätten und deswegen manche Sanktionen erlitten hätten. Auch habe sich der Gründer Escrivá stets dem Ansinnen der organisierten Franco-Anhänger widersetzt, das Opus Dei in ihr Projekt von einer politisch-religiösen Einheitspartei einzuspannen, was ihm eine jahrzehntelange Feindschaft von vielen einflussreichen Faschisten eingetragen habe. Dies soll belegen, dass das Opus Dei seinen Mitgliedern volle politische Freiheit gelassen und sich auf rein geistliche Aufgaben beschränkt habe. Bekannt ist, dass Escrivá, auf Veranlassung des Erzbischofs von Madrid, dem Ehepaar Franco Anfang der 1940er Jahre Exerzitien (religiöse Unterweisung) gab. Vázquez de Prada berichtet in seiner Escrivá-Biographie (siehe Literaturverzeichnis), dass er diese Gelegenheit genutzt habe, um Franco deutlich ins Gewissen zu reden und ihn an das göttliche Gericht zu erinnern. Der Erzbischof von Madrid sei darüber entsetzt gewesen. Auch die Zusammenarbeit mit Pinochet oder Fujimoris Unterstützung stellt das Opus Dei in Abrede; es bestünden seitens des Opus Dei niemals politische Optionen jenseits der Empfehlungen der katholischen Hierarchie.

Selbstgeißelungen und andere Bußübungen

Cilicium - Bußgürtel
Numerarier und Assoziierte tragen - entsprechend einer Anweisung in der internen Schrift „De spiritu et de piis servandis consuetudinibus“ (Nr.125) - täglich außer an Sonn- und Feiertagen zwei Stunden einen schmerzhaften Bußgürtel (Cilicium) und führen wöchentliche Kasteiungen mit einer 5-schwänzigen Handgeißel aus verknoteten Seilen durch. So sollen sie „den Körper züchtigen und disziplinieren“. Von Gegnern wird zum Teil auch mit theologischen Argumenten bestritten, dass die im Opus Dei gepredigte „Verherrlichung von Schmerz“ mit christlichen Ideen zu vereinbaren sei. Dabei wird darauf hingewiesen, dass der Gründer in seinem Hauptwerk Der Weg etwa predige, der Schmerz sei heilig und der Schmerz adle.

Das Opus Dei bestreitet die Existenz körperlicher Buße in der Organisation nicht. Sie führe in milder Form eine Askese weiter, die von Paulus über unzählige Heilige wie zum Beispiel Thomas Morus oder der Hl. Dominikus bis in unsere Zeit wie Papst Paul VI., Hans Urs von Balthasar, Oscar Romero, Pater Pio und Mutter Teresa hineinreiche und auch in den anderen Religionen bekannt sei. Sie wird verstanden als Teilhabe am Erlösungswerk Jesu, als Mittel, um das Gute auch dann tun zu können, wenn es schwer fällt, und als ein Weg der Aufopferung und Abtötung. Wie ehemals und teilweise heute noch in religiösen Orden, betreffen die erwähnten Bußmethoden nur zölibatär Lebende. Für die nicht-zölibatären Supernumerarier sind allein Selbstüberwindungen in kleinen Dingen des Alltags maßgeblich.

Diskretion und Verschwörungstheorien

Das Opus Dei wird - ähnlich wie früher die Jesuiten - öfter im Zusammenhang mit mehr oder weniger abenteuerlichen Verschwörungstheorien genannt. Nach Angaben des Journalisten Peter Hertel benotet das Opus Dei die Glaubenstreue von Führungsnachwuchs-Kandidaten innerhalb der katholischen Kirche (und selbst die von Päpsten), um gezielt Einfluss im kirchlichen Bereich nehmen zu können.[16] Zu dieser Ansicht könnte beitragen, dass wegen der durch das Opus Dei geübten Geheimhaltung gegenüber der Öffentlichkeit nur wenig Konkretes über das Opus bekannt ist und viele Fragen offen bleiben. Escrivás Hauptwerk Der Weg widmet der „Tugend der Diskretion“ ein ganzes Kapitel, jedoch hinsichtlich des zwischenmenschlichen Umgangs.

Aus anthroposophischer Sicht

"Der Gefühlsbereich ist ... das Wirkungsgebiet des luziferischen Jesuitenordens, sowie dessen Weiterentwicklung, das okkult Macht ausübende ahrimanische >opus dei< Werk Gottes. Gefühl und unberechtigter Wille schaffen die Grundlage aller angstmachenden grauen Magie."[17]

Assoziierte Organisationen und Institutionen (Auswahl)

Nach eigenen Angaben von Opus Dei sind unter anderem eng mit dem Opus Dei verbunden:

Weblinks

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Selbstdarstellungen
Kritische Darstellungen
Erwiderung auf Kritik

Literatur

Literatur vom Gründer und von Mitgliedern des Opus Dei
  • Josemaría Escrivá: Der Weg. 12. Auflage, Adamas, Köln, 1982, ISBN 3-920007-67-0
  • Ders.: Gespräche mit Msgr. Escrivá de Balaguer, Interviewband, 4. Auflage, Adamas, Köln, 1991, ISBN 3-925746-00-5
  • Ders.: Christus begegnen. 6. Auflage, Adamas, Köln, 2006, ISBN 3-925746-64-1
  • Ders.: Freunde Gottes. 2. Auflage, Adamas, Köln, 1980, ISBN 3-920007-56-5
  • Peter Berglar: Opus Dei - Leben und Werk des Gründers Josemaria Escriva. 4. Auflage, Adamas, Köln, 2005, ISBN 3-925746-67-6
  • César Ortiz (Hrsg.): Josemaria Escriva - Profile einer Gründergestalt. Adamas, Köln, 2002, ISBN 3-925746-89-7
  • Andrés Vázquez de Prada: Der Gründer des Opus Dei, Band 1 Die frühen Jahre; Band 2 Die mittleren Jahre; Band 3 in Vorbereitung. Adamas, Köln 2001 und 2004, ISBN 3-925746-90-0
  • Dominique Le Tourneau: Das Opus Dei. Christiana-Verlag, Stein am Rhein, 1988, ISBN 3-7171-0900-6, Dominique Le Tourneau ist Priester des Opus Dei
  • Amadeo de Fuenmayor u. a.: Die Prälatur Opus Dei. Zur Rechtsgeschichte eines Charismas. Darstellung, Dokumente, Statuten. Ludgerus Verlag, Essen, 1994, ISBN 3-87497-198-8, Amadeo de Fuenmayor ist Priester des Opus Dei
  • Beat L. Müller: Die Personalprälatur Opus Dei im Überblick. Zürich, 1998, Beat L. Müller ist Medienbeauftragter der Prälatur Opus Dei in der Schweiz
  • Martin Rhonheimer: Verwandlung der Welt. Zur Aktualität des Opus Dei, Adamas Verlag, Köln, 2006, ISBN 3-937626-04-2
Opus-Dei-kritische Literatur
  • Alfred Kirchmayr/Dietmar Scharmitzer: Opus Dei - Das Irrenhaus Gottes? 2. Auflage Edition Va bene, Klosterneuburg und Wien 2008, ISBN 978-3-85167-215-2
  • Véronique Duborgel: In der Hölle des Opus Dei – aus dem Französischen übersetzt von Dietmar Scharmitzer und Sonja Papp. 144 Seiten, Format 12 x 19,5 cm broschiert ISBN 978-3-85167-234-3
  • Joseph J. M. Garvey, Willibald Feinig: Elternführer durch das Opus Dei. In: Javier Ropero: Im Bann des Opus Dei - Familien in der Zerreißprobe. Seiten 265 bis 344. Benziger, Düsseldorf, 1995, ISBN 3-545-21100-2
  • Discepoli di Verita (Hrsg.): „Ihr habt getötet“. Der Machtkampf der Logen im Vatikan. Aufbau, Berlin, 2004, ISBN 3-7466-8122-7
  • Peter Hertel: „Ich verspreche Euch den Himmel.“ Geistlicher Anspruch, gesellschaftliche Ziele und kirchliche Bedeutung des Opus Dei. 4. Auflage. Patmos Verlag, Düsseldorf, 1991, ISBN 3-491-77804-2
  • Peter Hertel: Schleichende Übernahme. Das Opus Dei unter Papst Benedikt XVI.. Publik-Forum, Oberursel, 2007, ISBN 978-3-88095-161-7
  • Peter Hertel: Benedikts Stoßtrupp. Das Opus Dei und der deutsche Papst. Hörbuch-CD. Hoerscheiben, Karlsruhe, 2005
  • Matthias Mettner: Die katholische Mafia., 2. Auflage, München, 1995, Knaur.
  • Maria del Carmen Tapia: Hinter der Schwelle - Ein Leben im Opus Dei. Goldmann, München. ISBN 3-442-12657-6
  • Klaus Steigleder: Das Opus Dei, eine Innenansicht. Zürich 1983, München, 1996, ISBN 3-545-21040-5, pdf (Ausschnitt)
  • Klaus Engels: Destruktive Kulte im Spannungsfeld von Kirche und Gesellschaft., Flensburger Hefte Vlg., Flensburg 1992, ISBN 3-926841-46-X, S. 69 - 110
Vom Opus Dei empfohlene Literatur
  • Basilius Streithofen: Die Divisionen des Papstes. Vom Wertewandel in den Klöstern. Langen Müller (F. A. Herbig), München, 1988, ISBN 3-7844-2189-X.
  • Vittorio Messori: Der „Fall“ Opus Dei. MM-Verlag, Aachen, 1995, ISBN 3-928272-42-X.
  • Pedro Rodriguez; Fernando Ocariz; Jose Luis Illanes: Das Opus Dei in der Kirche. Ekklesiologische Einführung in das Leben und das Apostolat des Opus Dei. Bonifatius-Verlag, Paderborn, 1997, ISBN 3-87088-998-5.
  • John L. Allen: Opus Dei: Mythos und Realität - Ein Blick hinter die Kulissen. Gütersloher Verlagshaus, Gütersloh, 2006, ISBN 3-579-06936-5.

Einzelnachweise

  1. Klaus von Beyme, Vom Faschismus zur Entwicklungsdiktatur – Machtelite und Opposition in Spanien, München 1971
  2. Walther L. Bernecker, Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg, München 1997, ISBN 3-406-42684-0, Seiten 115 bis 118
  3. Bernecker 1997, S. 119-121
  4. Jesús Ynfante, La prodigiosa aventura del Opus Dei. Génesis y desarrollo de la Santa Mafia, Paris 1970, Seite 423, cit. bei: Bernecker 1997, Seite 116
  5. cit. bei Bernecker 1997, ebd.
  6. Bernecker 1997, Seite 122
  7. Ynfante 1970; cit. bei Bernecker 1997, Seite 115 f.
  8. Bernecker 1997, Seite 155, 166
  9. Bernecker 1997, Seite 197
  10. Bernecker 1997, Seite 201
  11. Bernecker 1997, S. 301, Fernando Pastor: Opus Dei SA. Las claves de sus finanzas, in elEconomista.es, 17-5-2006.
  12. Deutschlandfunk, dradio.de, Sonntagspaziergang, 2. Dezember 2011, Wolfgang Martin Hamdorf: Laune der Natur - Das Klima von Lima (3. Dezember 2011)
  13. „Kurienkardinal Pio Laghi wird 80“, ORF, 16. Mai 2002
  14. ZEIT 15/2006, Der dritte Mann, Kap. "Wasser für die Armenviertel..."
  15. Eleonore v. Oertzen, Ulrich Goedeking: Peru. Beck'sche Länderreihe, München, 2006, ISBN 3-406-50457-4, Seite 133 und ZEIT 15/2006, Wahlen in Peru
  16. Peter Hertel: Das Opus Dei will den nächsten Papst bestimmen. In: imprimatur 02/2001, März, 2001
  17. Harald Högler: Der Geisteskampf um den Menschen, Pro Business Vlg., Berlin 2009, S. 141
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