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Streit am Himmel

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Als Streit am Himmel wird der Kampf zwischen regelrecht fortgeschrittenen und zurückgebliebenen geistigen Mächten bezeichnet, der zu Beginn der dritten planetarischen Weltentwicklungsstufe (→ Alter Mond) stattgefunden hat und in dem das Urgeheimnis des Bösen begründet liegt.

In der Übergangszeit von der alten Sonne zum alten Mond wurden Wesenheiten aus der Hierarchie der Dynameis (Geister der Bewegung) gleichsam "abkommandiert", um als Widersacher die fortschreitende Entwicklung zu hemmen, aber gerade dadurch einen neuen wesentlichen Evolutionssprung zu bewirken. Diese Mächte waren an sich noch nicht böse und hätten auch nicht aus eigenem Willen zu hemmenden Kräften werden können. Aber indem sie Sturm liefen gegen die normale Entwicklung und der Evolution dadurch neue Wege eröffneten, wurde sie letzlich auch zu Erzeugern des Bösen.

"In der Zwischenzeit zwischen der Jupiter- und Marsentwickelung[1] wurde, wenn ich mich trivial ausdrücken darf, eine Anzahl von Wesenheiten aus der Sphäre der Mächte abkommandiert; sie wurden so in den Entwickelungsgang hineingestellt, daß sie, statt die Entwickelung vorwärts zu führen, ihr Hemmnisse in den Weg rückten. Das ist es, was wir als den Streit am Himmel kennengelernt haben. Also es wurden hineingeworfen in die Entwickelung die Taten von, wenn wir so sagen dürfen, abkommandierten Mächten, denn es mußten sich die regierenden Weltenmächte der Hierarchien sagen: Niemals würde dasjenige entstehen können, was entstehen soll, wenn der Weg gerade fortginge. Es muß Größeres entstehen.

Denken Sie einmal, Sie haben einen Karren zu schieben. Dadurch, daß Sie ihn vorwärts schieben, entwickeln sich Ihre Kräfte in gewisser Weise. Wenn man den Karren nun belädt mit einem schweren Ballast, dann müssen Sie schwerer schieben, aber dafür entwickeln sich Ihre Kräfte stärker. Denken Sie sich, die Gottheit hätte die Weltenevolution gelassen, wie sie war, bis über den Jupiter hinaus: gewiß, die Menschen hätten sich gut entwickeln können; aber noch stärker konnte die Menschheit werden, wenn man ihr Entwickelungshemmnisse in den Weg legte. Zum Wohle der Menschheit mußte man gewisse Mächte abkommandieren. Diese Mächte wurden zunächst nicht böse, man braucht sie nicht als böse Mächte aufzufassen, sondern man kann sogar sagen, daß sie sich geopfert haben, indem sie sich der Entwickelung hemmend in den Weg stellten. Diese Mächte kann man daher nennen die Götter der Hindernisse, im umfassendsten Sinne des Wortes. Sie sind die Götter der Hemmnisse, der Hindernisse, die der Entwickelungsbahn in den Weg gelegt worden sind; und von jetzt ab war die Möglichkeit gegeben zu all dem, was in der Zukunft sich vollzog. Diese Mächte, die abkommandiert waren, waren an sich noch nicht böse, waren im Gegenteil die großen Förderer der Entwickelung, indem sie Sturm liefen gegen die normale Entwickelung. Aber sie waren die Erzeuger des Bösen; denn dadurch, daß sie Sturm liefen, dadurch entstand nach und nach das Böse." (Lit.: GA 110, S. 162ff)

Schematische Darstellung des Asteroidengürtels

Die Folgen des Streits am Himmel sind heute noch am Himmel sichtbar in Form des Trümmerfeldes des Asteroidengürtels, der sich heute zwischen Jupiter und Mars ausbreitet.

"Während der Wiederholung des Saturnzustandes lösen sich von der Erde ab Uranus, Vulkan und Saturn. Während der Wiederholung des Sonnenzustandes lösen sich ab Jupiter und Mars. Nachdem die Sonne sich von der Erde getrennt hat, spaltete sie von sich ab Merkur und Venus, nach der Sonnentrennung spaltete die Erde ab den Mond. Das Auseinanderzerren des alten Mondes geschah durch die Kräfte der fortgeschrittenen Mächte, welche den Sonnenkörper herauszogen, während die normalen und zurückgebliebenen den ihn umkreisenden Mond bildeten. In allen Mysterien nennt man dies den Streit am Himmel. Die versprengten Planetoiden sind die Trümmer jenes Schlachtfeldes, in welchem auch das Urgeheimnis über die Entstehung des Bösen gesucht werden muß." (Lit.: GA 109, S. 232f)

"Jetzt sind wir an demjenigen Punkt angelangt, wo wir uns erinnern wollen, daß, als aus Saturn und Sonne der alte Mond entstand, etwas ganz Neues geschah. Es wurde jetzt ein Teil der dichten Substanz hinausgeworfen, und es entstanden zwei Körper. Der eine Körper nahm die feinsten Substanzen und Wesenheiten und wurde eine feinere Sonne, der zweite Körper wurde ein um so dichterer Mond. Es entwickelt sich dieser dritte Zustand unseres Planetensystems also so, daß er nur eine Zeitlang ein einheitlicher Planet ist; dann aber wirft er einen Planeten aus sich heraus, der nun neben ihm ist. Zuerst reicht also der Mond, solange er ein einheitlicher Körper ist, bis zum Mars. Dann aber zieht sich die Sonne zusammen, und sie wird umkreist von einem Körper, und zwar ungefähr da, wo der heutige Mars sie umkreist, das heißt ungefähr in der Peripherie des ursprünglichen einheitlichen Körpers.

Wodurch ist nun überhaupt diese Abspaltung zustandegekommen? Wodurch ist ein Weltenkörper zu zweien geworden? Es ist das geschehen zur Zeit der Herrschaft der Mächte, Dynamis. Für diejenigen, die mancherlei auf diesem Gebiet mit mir schon verfolgt haben, ist es nicht unbekannt, daß im ganzen Weltenall etwas Ähnliches geschieht wie im gewöhnlichen Menschenleben. Wo sich Wesen entwickeln, da gibt es solche, die vorschreiten, und andere, die zurückbleiben. Wie mancher Vater hat es zu beklagen, daß sein Sohn sitzenbleibt im Gymnasium, während andere rasch vorschreiten. Also wir haben es mit einem verschiedenen Tempo der Entwickelung zu tun. So ist es auch im ganzen Kosmos. Und insbesondere tritt durch gewisse Gründe, die wir noch kennenlernen werden, jetzt, wo die Mächte ihre Mission, ihre Funktion angetreten hatten, etwas ein, was man in der ganzen Esoterik, in allen Mysterien nennt den Streit am Himmel. Und diese Lehre vom Streit am Himmel bildet einen wesentlichen, einen integrierenden Teil in allen Mysterien; sie enthält auch das Urgeheimnis über die Entstehung des Bösen. Die Virtutes, die Mächte, waren nämlich in einem bestimmten Zeitpunkt der Mondenentwickelung von sehr verschiedenen Reifegraden. Die einen sehnten sich danach, so hoch wie möglich geistig zu steigen, andere wieder waren zurückgeblieben oder wenigstens in normaler Weise in ihrer Entwickelung weitergeschritten. Also es gab Mächte, welche ihren Genossen auf dem alten Monde weit vorangeschritten waren. Die Folge davon war, daß sich diese zwei Klassen von Mächten oder Virtutes trennten. Die Fortgeschritteneren, die zogen den Sonnenkörper heraus, und die mehr Zurückgebliebenen bildeten den ihn umkreisenden Mond. So also haben wir zunächst skizzenhaft geschildert den Streit am Himmel, das Auseinanderzerren des alten Mondes, so daß der Nebenplanet, der alte Mond, unter die Herrschaft der zurückgebliebenen Virtutes kommt und die alte Sonne unter die Herrschaft der fortgeschritteneren Virtutes.

Etwas von diesem Streit am Himmel klingt hinein in die ersten Sätze der göttlichen Gita, die symbolisch im Kampf am Anfang manches nachklingen läßt von diesem gewaltigen Streit am Himmel. Oh, es war ein mächtiges Kampffeld, das da vorhanden war. Von der Zeit an, wo die Herrschaften oder Dominationes oder Kyriotetes gewirkt haben zur Herstellung der alten Sonne bis hinein in die Zeit der Herstellung des alten Mondes, wo angetreten haben die Mächte oder Dynamis ihre Mission, da war ein mächtiges Kampffeld, ein gewaltiger Streit am Himmel. Zusammengezogen haben unsere gesamte Sonnensystem-Masse die Herrschaften bis zum Markstein des Jupiter, zusammengezogen haben die Virtutes oder Mächte dann das ganze System bis zum Markstein des heutigen Mars. Zwischen diesen beiden planetarischen Marksteinen am Himmel hegt das große Kampffeld des Streites am Himmel mitten drinnen. Sehen Sie sich an dieses Schlachtfeld am Himmel! Erst das neunzehnte Jahrhundert hat mit physischen Augen sozusagen wiederentdeckt die Verwüstungen, die angerichtet worden sind durch den Streit am Himmel. Zwischen Mars und Jupiter haben Sie das Heer der kleinen Planetoiden hineingesprengt. Das sind die Trümmer des Schlachtfeldes vom Streit am Himmel, der ausgefochten worden ist zwischen den zwei kosmischen Zeitpunkten, da zusammengezogen wurde unser Sonnensystem bis zum Jupiter und später bis zum Mars. Und wenn unsere Astronomen die Fernrohre hinausrichten in den Himmelsraum und noch immer Planetoiden entdecken, so sind das Trümmer jenes großen Schlachtfeldes des Streites zwischen den fortgeschritteneren Virtutes und den weniger fortgeschrittenen Virtutes, die auch das Absprengen des Mondes von seiner Sonne zustande gebracht haben." (Lit.: GA 110, S. 88ff)

Während der alten Mondenentwicklung wurden die zurückgebliebenen Dynameis zu Verführern der damals die Menschheitsstufe durchlaufenden Angeloi (Engel). Ein Teil dieser Engelwesenheiten blieb dadurch in seiner Entwicklung zurück, wodurch sie zu luziferischen Wesenheiten wurden. Während der späteren Erdentwicklung impften diese luziferischen Engel in der lemurischen Zeit die Folgen des Streits am Himmel in den Astralleib des Menschen und gaben diesem dadurch die Möglichkeit zum Bösen, eröffneten ihm aber zugleich den Weg zur Freiheit

Anmerkungen

  1. Wenn Rudolf Steiner hier von der Zwischenzeit zwischen der Jupiter- und Marsentwickelung spricht, meint er den Übergang von der alten Sonne zum alten Mond; die alte Sonne reichte nämlich bis dorthin, wo heute der Jupiter seine Bahn zieht und der alte Mond reichte bis zur heutigen Marsbahn.

Literatur

  1. Rudolf Steiner: Das Prinzip der spirituellen Ökonomie im Zusammenhang mit Wiederverkörperungsfragen, GA 109 (2000), ISBN 3-7274-1090-6 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
  2. Rudolf Steiner: Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt, GA 110 (1981)
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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
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  1. GA 110: Geistige Hierarchien und ihre Widerspiegelung in der physischen Welt - Der gesamte Vortragszyklus online.