Ymir

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Auðhumla nährt Ymir und leckt Búri frei; Gemälde von Nicolai Abraham Abildgaard, 1790

Der Riese Ymir (altnord. Ýmir „Zwilling, Zwitter“) ist in der nordischen Mythologie das älteste Lebewesen und entspricht dem Adam Kadmon der hebräischen Überlieferung, dem Pangu der chinesischen Mythologie, dem Gayomart der Persische Mythologie oder dem Purusha der indischen Veden. Sein Name gilt als sehr alt und ist sprachlich mit dem altindischen Todesgott Yama und dem altpersischen Yima verwandt.[1] Ein anderer Riese der nordischen Urzeit namens Aurgelmir (oder Urgelmer beziehungsweise Örgelmir) wird oft mit Ymir gleichgesetzt.

Er war ein zweigeschlechtlicher Urzeitriese mit sechs Köpfen. Er entstand aus der Vermischung des Gletschereises von Niflheim und aus dem Feuer von Muspelheim. Er ernährte sich von der Milch der Urkuh Audhumla.

Als er von der Milch der Urkuh getrunken hatte, schlief er ein. Dabei bemerkte er nicht, dass neben ihm das Schwert des Feuerriesen Surtr einschlug. Da dieses sehr heiß war, entstand aus seinem Schweiß Thrudgelmir. Dies war ein sechsköpfiger Riese.

Die ersten Götter, Odin, Ve und Vili töteten ihn und erbauten aus seinen Körperteilen die Welt: Aus seinem Fleisch wurde die Erde, aus dem Blut das Meer, aus seinen Zähnen Steine und Felsen, aus seinem Haar die Bäume, aus seinen Augenbrauen Midgard, aus seinem Schädel der Himmel und aus seinem Gehirn die Wolken gemacht. Die vier Eckpunkte des Himmels werden dabei von den Zwergen Nordi, Sudri, Austri und Westri gestützt.

„Die alten Priesterweisen sprachen zu dem Volke auf folgende Weise:

Bevor ihr habt hineinsehen können in diese Welt, die erfüllt ist von Pflanzen und Tieren, von all den Gegenständen, die ihr jetzt draußen unterscheiden könnt, war nichts da als ein finsterer, gähnender Raum, wie ein Abgrund. Ihr sähet die Bilder in den Raum hinein. Aber alles das, was jetzt da ist, ging hervor aus diesem Abgrund, aus Ginnungagap, - das ist das alte germanische Chaos. Nun erzählte man weiter: Von Norden her flossen zwölf Ströme, und von Süden her kamen die Feuerfunken. Dadurch, daß die Feuerfunken des Südens sich verbanden mit den zwölf Strömen des Nordens, entstanden zwei Wesen: der Riese Ymir und die Kuh Audhumbla.

Was ist nun der Riese Ymir? Ymir ist der denkende Mensch, der entstanden ist, sich herausgebildet hat aus dem Chaos - aus Ginnungagap; und die Kuh Audhumbla ist das neue Ernährende und das neue Herz. In der menschlichen Gestalt sind vereinigt der Riese Ymir und die Kuh Audhumbla.“ (Lit.:GA 101, S. 22f)

„Im Norden entwickelte sich, ich möchte sagen eine Art von Nebelwelt, und die drei Hauptinitiierten, die wir hier auf dieser Menschheitsinsel zu suchen haben, sie nannte man in der Zeit, die selbst noch hineinragte bis in die Entstehung unseres Christentums: Wotan, Wili und We. Das sind die drei großen nordischen Initiierten. Sie leiteten ihren Ursprung her in ganz regelrechter Weise, in populärer Weise könnte man sagen aus dem Erdenreich, in dem noch ungemischt alles das enthalten war, was jetzt auf die Menschen verteilt ist. In populärer Weise könnte man sagen, es ist aus diesem Erdenreich hervorgegangen ein Geschlecht, das sehr unähnlich war der gegenwärtigen Menschheit. Dieses Geschlecht war beherrscht von einer Allweisheit. Diese Allweisheit nannten die lehrenden Priester «Allvater». Dann wird gesprochen von den zwei Reichen, von dem Nebelheim und dem Muspelheim. Das Nebelheim ist das Nifelheim des Nordens, der dämmernde Nebelzustand der hyperboräischen Wurzelrasse, im Gegensatz zu Muspelheim. Es werden geschildert zwölf Ströme, die sich gestaut haben und dann zu Eis wurden. Daraus entstand ein Menschengeschlecht, dessen Repräsentant der Riese Ymir war, und dann das Tiergeschlecht, die Kuh Audhumbla. Von Ymir stammten die Söhne der Reifriesen. Die Menschen, die schon verstandesbegabte Menschen waren, entstanden, auch im Sinne der «Geheimlehre», später. Und so erzählt auch die deutsche Sage, daß [die Nachkommen von Ymir und Audhumbla], Wotan, Wili und We, am Strande gingen und die Menschen bildeten. Damit sind jene Menschen der «Geheimlehre» gemeint, die erst später entstanden, und die mit Verstand begabt worden sind.“ (Lit.:GA 92, S. 39)

Siehe auch

Literatur

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Einzelnachweise

  1. Ström, S. 66; Näsström, S. 24 f.
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