Azoth

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Azoth-Abb. in Basilius Valentinus Werk Azoth ou le moyen de faire l’Or caché des Philosophes, Paris 1659

Azoth oder Azot ist eine in der Alchemie mit weitem Bedeutungsspektrum gebrauchte Bezeichnung. So gilt Azoth u.a. als ein allgemeines schöpferisches Lebensprinzip[1], als prima materia im Sinne eines stofflichen Urprinzips oder als Vorstufe zum sagenhaften Stein der Weisen, beziehungsweise als die von der Materie gelöste rein geistige Substanz, aus der man den Stein der Weisen auskristallisieren will. In diesem Sinn handelt es sich dabei um das sogenannte Mercurialwasser oder Lebenswasser, in dem der Mercurius, der Quecksilberprozess wirkt.

Auch die Etymologie des Wortes Azoth in seiner ursprünglichen alchemistischen Bedeutung ist unsicher; zumeist wird es abgeleitet von arab. زئبق az-zāʾūq „der Merkur“ oder von persisch ژیوک žīwak bzw. persisch جیوه ǧīwahlebendig“ im Sinne von „lebendiges Silber“. Beide Bezeichnungen verweisen auf die bewegliche merkuriale seelische Natur des Quecksilbers. Nach der Lehre der Tria Principia ist der Mercurius das flüchtig-flüssige Prinzip, das zwischen dem feurigen Sulfur und dem formgebenden Salzprozess vermittelt.

In der Chemie wurde Azote (franz., von griech. ά á „nicht“ und ζωτ zot „lebendig“) später auch die von Antoine Lavoisier (1743-1794) eingeführte französische Bezeichnung für den Stickstoff. Geisteswissenschaftlich betrachtet ist der Stickstoff in der äußeren Natur und im Menschen der physische Träger der astralen Kräfte und bildet damit für die auf Erden verkörperten Lebewesen die stoffliche Grundlage der seelischen Empfindungsfähigkeit. Der Astralleib hängt daher stark mit dem Stickstoff und seinen Verbindungen zusammen.

„Sie werden sehen, daß in ebensolcher Weise, wie die physische Organisation mit dem Kohlenstoff, die ätherische Organisation mit dem Sauerstoff, die astralische Organisation mit dem Stickstoff, so die Ich-Organisation mit dem Wasserstoff zusammenhängt.“ (Lit.:GA 312, S. 114)

Im wachen Tagesbewusstsein wirkt der Astralleib abbauend auf den Organismus, im Schlaf jedoch aufbauend und hemmt und fördert dadurch im Tagesrhythmus den Ätherleib.

Der französische Okkultist Éliphas Lévi nannte die Weltseele „Azoth“, wobei er sie sich in Art einer Äthersubstanz vorstellte. Azoth soll seiner Meinung nach polar sein und trennte sie in Od und Ob, ein positives und ein negatives Licht (wobei die Begriffe Azoth, Licht und Gott bei Lévi oft gleichwertig sind), welches man durch entsprechende magische Akte beeinflussen können soll. In seinen Studien über den Tarot und die Kabbala ordnete Lévi Azoth der Tarotkarte die Welt und dem hebräischen Buchstaben Taw zu und bezeichnete Azoth als Namen des verwirklichten Gottes.

Literatur

  • Gustav Wilhelm Gessmann: Die Geheimsymbole der Alchymie, Arzneikunde und Astrologie des Mittelalters: eine Zusammenstellung der von den Mystikern und Alchymisten gebrauchten geheimen Zeichenschrift, nebst einem kurzgefaßten geheimwissenschaftlichen Lexikon, Verlag von Karl Siegismund, Berlin 1922 Digitalisat
  • Waltharius: Das große Magisterium. Adepten, Rosenkreuzer, Alchemisten und die Schöpfung des "Steins der Weisen", Hermann Bauer Verlag, Freiburg i. Br. 1956
  • Éliphas Lévi: Transzendentale Magie. Dogma und Ritual, Ludwig Verlag, München, 2000, ISBN 3-7787-7171-X
  • Rudolf Steiner: Geisteswissenschaft und Medizin, GA 312 (1999), ISBN 3-7274-3120-2 pdf pdf(2) html mobi epub archive.org rsarchive.org
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Weblinks

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  1. Gessmann, S. 37