Om Mani Padme Hum

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Om Ma-ni Pad-me Hum

Om Mani Padme Hum (Sanskrit: ॐ मणिपद्मे हूँ, oṃ maṇi-padme hūṃ, Tibetische Aussprache: om mani peme hung), bestehend aus vier Worten und sechs Silben, ist das älteste und wichtigste Mantra des tibetischen Buddhismus. In ihm drückt sich die grundlegende buddhistische Tugend des Mitgefühls aus und wird darum auch dem Bodhisattva des Mitgefühls Avalokiteshvara zugeordnet. Vermutlich ist es schon im 5. Jahrhundert durch das Karandavyuha-Sutra nach Tibet gelangt, als dort der legendäre 28. König von Tibet Lha („der Göttliche“) Thothori Nyantsen herrschte.

Rudolf Steiner hat über dieses Mantra keine ausführlichen zusammenhängenden Angaben gemacht; dennoch soll hier eine elementare Deutung aus anthroposophischer Sicht versucht werden.

Ausgangspunkt ist der zweifache Ursprung des Menschen. Während der alten planetarischen Weltentwicklungsstufen Saturn, Sonne und Mond wurden die drei leiblichen Wesensglieder des Menschen, also der physische Leib, der Ätherleib und der Astralleib zubereitet. Zugleich wurden die oberen drei geistigen Wesensglieder Geistesmensch, Lebensgeist und Geistselbst veranlagt, aber so, dass sie zunächst noch ganz im Schoß der geistigen Welt ruhen. Während der Erdentwicklung treffen diese beiden Entwicklungsströme, die bisher unabhängige Wege gegangen sind, zusammen. An diesem Treffpunkt entzündet sich der Funke des menschlichen Ichs. Das Ich wird zum Tor, durch das die obere Dreiheit in die untere einfließt und diese vergeistigt. Zugleich werden dadurch die oberen Wesensglieder individualisiert.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in dem zentralen Mantram des tibetischen Buddhismus wider:

Digitale tibetische Gebetsmühle mit dem Mantra Om Mani Padme Hum.

OM repräsentiert die obere Dreiheit inklusive des sich entzündenden Ich-Funkens und die damit verbundenen Bewusstseinsstufen. Es steht in Zusammenhang mit dem tausendblättrigen Scheitelchakra und dem zweiblättrigen Stirnchakra, dem Ich-Punkt, und wird gemäß des Mandukya Upanishad in die lautlichen Bestandteile A – U – M zerlegt, ist also gleichbedeutend mit dem alten Sonnenlaut AUM. A ist unser irdisches Wachbewusstsein, U das Traumbewusstsein des alten Mondes, M das traumlose Tiefschlafbewusstsein der alten Sonne und alle drei zusammen im OM vereinigt sind das Allbewusstsein (Trancebewusstsein) des alten Saturns. Bewusst wird uns davon heute nur das Wachbewusstsein (Ich-Bewusstsein), das aber zunächst an den physischen Leib gebunden ist. Folgerichtig wird Om daher dem Körper zugeordnet. OM bedeuted zugleich die Aufforderung, die niederen drei Wesensglieder zu läutern und zu vergeistigen um dadurch zu wahrer Buddhaschaft zu kommen, durch die man keiner irdischen Inkarnation mehr für seine weitere geistige Entwicklung bedarf. Das wird sich bereits in der sechsten nachatlantischen Kulturepoche für eine größere Anzahl geistig strebender Menschen verwirklichen.

MANI ist das Juwel des Geistes, also Manas oder Geistselbst. Es wird aber auch als Elixier des Lebens und als Stein der Weisen bezeichnet. Dadurch wird darauf hingewiesen, dass nur durch die vorhergehende Verwandlung des Astralleibes zu Manas, der Ätherleib zum Lebenselixier und der physische Leib zum Stein der Weisen vergeistigt werden kann. MANI hängt zusammen mit dem Kehlkopfchakra, wo sich auch die Sprachkräfte konzentrieren, und wird daher auch der Rede zugeordnet. Diese Kräfte müssen entwickelt werden, um zur Erleuchtung, also zur Imagination (Psychisches Bewusstsein) zu kommen. MANI ist daher zunächst der Pfad zu Tugend und Mitgefühl und dann weiter der Pfad zum Erleuchtungsgeist (bodhicitta).

PADME, der Herzlotos der sich entfaltenden Schauung, weist auf die reinen Ätherkräfte des Herzens und steht in unmittelbarer Verbindung mit dem Herzchakra. Wirkliche Hellsichtigkeit beginnt erst, wenn sich die Erlebnisse des Astralleibes im Ätherleib abdrücken und wenn man zugleich zu einem unmittelbaren Verständnis des Geschauten kommt. Dazu muss die ursprüngliche Imagination ganz aus dem Bewusstsein getilgt werden und ein Zustand vollkommener Leere erzeugt werden, aus der die Inspiration (Überpsychisches Bewusstsein) erklingen kann, verbunden mit der Imagination, die nun auf neuer, höherer Ebene wieder aufleuchtet. Padme steht daher für Erkenntnis der eigentlichen geistigen Wirklichkeit, die sich im buddhistischen Sinn durch die absolute Leerheit offenbart (vergleiche dazu die Worte aus Goethes Faust-Dichtung: "In deinem Nichts hoff' ich das All zu finden."). Weil sich hier die Wahrnehmung des Geistigen konsolidiert, wird PADME unmittelbar auf den Geist bezogen.

Om Mani Padme Hum

HUM, der Weg integrierender Einschmelzung, zugeordnet dem Nabelchakra, verwirklicht OM erst vollkommen im individuellen Dasein und deutet damit auf die vollkommene Leibwerdung des Geistes. Damit beginnt aber zugleich die Vergeistigung des physischen Leibes in individueller Gestalt. Das weist uns wie von ferne auf das Mysterium der Auferstehung. Es wird damit zugleich auf die tiefste und am schwersten zu erringende Bewusstseinsstufe, auf das bewusste Allbewusstsein, verwiesen und entsprechend wird HUM auch als "Tiefes Gewahrsein" bezeichnet.

Die tiefen Geheimnisse, die hinter dem Mantram Om Mani Padme Hum stehen, sind in vollem Einklang mit dem recht verstandenen esoterischen Christentum. Auf dem Weg des Mantras verinnerlicht sich der Sonnengeist, also der Christus, der zuerst im Kosmos wirkte, und wird zum Sonnengeist im Menschen, so dass sich das Paulus-Wort erfüllt: Nicht ich, sondern der Christus in mir!

Weblinks

  1. Zoran Perowanowitsch: Synthese von Christentum und Buddhismus - Den gemeinsamen Namen finden
  2. OmManiPadmeHum.de - Das Heilige Mantra aus buddhistischer Sicht.
  3. Om Mani Padme Hum - The Meaning of the Mantra in Tibetan Buddhism