Phosphor

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Hennig Brand entdeckte 1669 den weißen Phosphor, als er Urin bis zur Trockene eindampfte (Illustration von Joseph Wright of Derby, 1771)
Strukturformel von Adenosintriphosphat
Roter Phosphor
Weißer Phosphor, der durch kleine Beimengungen von rotem Phosphor gelblich gefärbt ist.
Roter (links) und violetter (rechts) Phosphor
Schwarzer Phosphor

Phosphor (von griech. φως-φορος phosphoros „lichttragend“) mit dem Symbol P ist ein chemisches Element, das aufgrund seiner hohen Reaktivität in der Natur nicht gediegen, sondern nur in chemischen Verbindungen vorkommt. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Phosphate, die Salze der Phosphorsäure (auch: Orthophosphorsäure, H3PO4) sind.

Von großer biochemischer Bedeutung sind Diphosphate (auch: Pyrophosphate) und Triphosphate. Sie sind Kondensationsprodukte der Orthophosphate. Polyphosphate bestehen aus bis zu einigen tausend Phosphat-Einheiten. Ringförmig gebaute Metaphosphate wie z.B. Trimetaphosphate wurden früher häufig Waschmitteln zur Wasserenthärtung zugesetzt. Durch Reaktion der Phosphorsäuren mit verschiedenen Alkoholen entstehen Phosphorsäureester (organische Phosphate).

Elementarer Phosphor wird aus verschiedenen mineralischen Phosphaten gewonnen, die in einem elektrischen Schmelz-Reduktionsofen zusammen mit Quarzkies auf etwa 1500 °C erhitzt werden. Der in den Elektroden enthaltene Kohlenstoff dient dabei als Reduktionsmittel:

LaTeX: \mathrm{ 2 \ Ca_3(PO_4)_2 + 6 \ SiO_2 + 10 \ C \longrightarrow 6 \ CaSiO_3+ 10 \ CO + \ P_4 }

Elementarer Phosphor kann in vier allotropen Modifikationen auftreten, nämlich als weißer, roter, schwarzer und violetter Phosphor, die sich durch ihre Kristallstruktur, ihre physikalischen Eigenschaften und ihre Reaktivität stark voneinander unterscheiden. Weißer Phorsphor ist ebenso wie Phosphordampf aus P4-Molekülen aufgebaut, hochgiftig und so reaktiv, dass er sich bei Zimmertemperatur an der Luft selbst entzündet. Durch kleine Verunreinigungen mit dem reaktionsträgeren roten Phosphor erscheint er oft als gelblich gefärbter gelber Phosphor. Roter Phosphor entsteht durch mehrstündiges mildes Erhitzen von weißem Phosphor bei etwa 260 °C unter Luftabschluss. Durch ein- bis zweiwöchiges Eritzen von weißem Phosphor bei rund 550 °C wird violetter Phosphor gebildet, der nach seinem Entdecker, Johann Wilhelm Hittorf (1824-1914), auch als Hittorfscher Phosphor bezeichnet wird. Wie der rote Phosphor ist auch er nicht giftig. Schwarzer Phosphor ist die bei Zimmertemperatur stabilste Modifikation. Sie kann unter hohem Druck (12.000 Bar) und erhöhter Temperatur (200 °C) aus weißem Phosphor hergestellt werden.

Am Aufbau der Erdkruste ist Phosphor zu etwa 0,09 % beteiligt[1]. Die wesentlichsten Phosphat-Mineralien sind die Apatite Ca5(PO4)3(F,Cl,OH). Der Fluorapatit, der auch im Zahnschmelz vorkommt, und der mit Calciumcarbonat durchsetzte Phosphorit werden in großen Mengen abgebaut. Weitere phosphorhaltige Mineralien sind der Wavellit Al3(PO4)(F,OH) · 5 H2O, der Vivianit Fe3(PO4)2 · 8 H2O und der Türkis CuAl6[(PO4)(OH2)]4 · 4 H2O. Die Verbindungen der verschiedenen Phosphorsäuren

Die geistigen und seelischen Wirkungen des Phosphors

Der Phosphor befeuert die Willenstätigkeit und ist in Form des Adenosintriphosphats (ATP) der universelle Energieträger im tierischen und menschlichen Organismus. Täglich werden im menschlichen Körper durchschnittlich 40 kg ATP produziert[2] - und ebenso schnell auch wieder verbraucht. Im Willen wirkt das Ich und der Phosphor ist der Ich-Träger, der diese Willenstätigkeit vermittelt. Allerdings, durch überschüssigen Phosphor „fängt der Wille an zu zappeln.“

„Und wenn wir einfach zu viel Phosphor in uns haben, das heißt, zu feurige Speisen essen, dann werden wir ein furchtbarer Zappelfritz, der alles angreifen will, der immer wollen will. Dadurch, daß wir den Phosphor haben, ist der Wille da. Und wenn wir zu viel Phosphor haben, dann fängt dieser Wille an zu zappeln. Und wenn dann der Organismus so ist, daß er überhaupt durch seine ganze Zusammensetzung zu viel Phosphor in den Kopf hinaufschickt, dann fängt der Mensch nicht nur an zu zappeln, und wie man sagt, nervös - das hat nichts mit den Nerven, sondern mit dem Phosphor zu tun - herumzuzappeln in der Welt, sondern er fängt an zu toben und wird ein Verrückter, wird tobsüchtig. Wir müssen ein klein wenig Phosphor in uns haben, damit wir überhaupt wollen können. Aber wenn wir zu viel Phosphor machen in uns selber, dann werden wir verrückt.“ (Lit.:GA 347, S. 114)

Durch den Phosphor werden die organischen Verbrennungsprozesse im menschlichen Organismus, die von sich aus eine praktisch unbegrenzte Intensität haben, in rechter Weise reguliert. Werden die Verbrennungsprozesse nicht ausreichend gehemmt, wird der Nährboden für Bazillen geschaffen, wie es etwa bei den verschiedenen Formen der Tuberkulose der Fall ist. Der Phosphor kann hier als Heilmittel eingesetzt werden, zusammen mit anderen Stoffen, die seine Wirkung genauer spezifizieren.

„So kann man zum Beispiel finden, wie derjenige Prozeß, der im Phosphor enthalten ist, in der äußeren Natur ein Prozeß ist, der, wenn man ihn in den menschlichen Organismus hinüberführt, unterstützend auf eine gewisse Art inneren Unvermögens des menschlichen Organismus wirkt: dann nämlich, wenn der menschliche Organismus in bezug auf gewisse Kräfte, die in seinem Inneren, wenn er gesund ist, immer wirken sollen, unfähig wird, diese Kräfte in der richtigen Weise wirken zu lassen, wenn er zu wenig Kraft hat, um gewisse Kräfte in sich wirken zu lassen, die eigentlich eine Art organischen Verbrennungsprozesses sind, der immer da ist bei der Umbildung der Stoffe im menschlichen Organismus. Bei jeder Bewegung, bei allem, was der Mensch tut, auch bei demjenigen, was innerlich ausgeführt wird, geschehen ja organische Verbrennungsprozesse. Nun kann der menschliche Organismus zu schwach werden, um diese organischen Verbrennungsprozesse in der richtigen Weise zu regeln. Sie müssen nämlich in einer gewissen Weise gehemmt werden. Werden sie zu wenig gehemmt, dann entwickeln sie sich in vehementer Art. Die organischen Verbrennungsprozesse haben eigentlich durch sich selbst immer eine unermeßliche, unbegrenzte Intensität, sonst würde sogleich da oder dort eine zu große Ermüdung eintreten, oder man würde überhaupt nicht weiterkönnen, als sich bewegender Mensch. Diese organischen Verbrennungsprozesse haben eigentlich eine, ich will sagen, unbegrenzte Intensität, und der Organismus muß fortwährend die Möglichkeit haben, sie zu hemmen.

Wenn nun entweder in einem Organsystem oder im ganzen Organismus diese hemmenden Kräfte nicht da sind, wenn der Organismus zu schwach geworden ist, um seine organischen Verbrennungsprozesse in der richtigen Weise zu hemmen, dann entsteht dasjenige, was in den verschiedensten Formen die Tuberkulose ist. Es wird nur durch die organische Ohnmacht, möchte ich sagen, durch das Nichthemmenkönnen der Verbrennungsprozesse der geeignete Nährboden für die Bazillen geschaffen; diese können sich dann auf diesem Nährboden finden.

Es soll gar nichts hier gegen die Bazillentheorie gesagt werden. Die Bazillentheorie ist sehr nützlich. Aus der verschiedenen Art, wie die Bazillen da oder dort auftreten, erkennt man natürlich verschiedenes; für die Diagnose erkennt man daraus überhaupt außerordentlich viel. Es soll von mir selbst aus überhaupt nicht gegen die offizielle Medizin aufgetreten werden, sondern sie soll eigentlich nur da fortgesetzt werden, wo sie an gewisse Grenzen kommt. Und so fortgesetzt kann sie werden, indem eben gerade die Gesichtspunkte der Anthroposophie auf sie angewendet werden.

Führt man dem Organismus nun Phosphor zu, dann unterstützt man diese Fähigkeiten, die organischen Verbrennungsprozesse zu hemmen. Aber da muß man Rücksicht darauf nehmen, daß diese Hemmung von den verschiedensten Organsystemen ausgehen kann. Geht sie zum Beispiel, sagen wir von dem System, das in den Knochen vorzugsweise arbeitet, aus, dann muß man die Phosphorwirkung im menschlichen Organismus dadurch unterstützen, daß man sie gewissermaßen gerade nach der Knochenseite hin spezialisiert. Das geschieht, indem man das Heilmittel des Phosphors verbindet in irgendeiner Weise, die sich eben dann durch das genauere Studium der Sache ergibt, mit Kalzium oder Kalziumsalz. Hat man es mit einer Dünndarmtuberkulose zu tun, so wird man irgendwelche Kupferverbindungen in der richtigen Dosierung dem Phosphor beimischen. Hat man es mit einer Lungentuberkulose zu tun, so wird man zum Beispiel Eisen zu dem Phosphor hinzugeben. Aber es kommen dann, da die Lungentuberkulose eine äußerst komplizierte Erkrankung ist, unter Umständen noch andere Beimischungen in Betracht. So sehen Sie also, daß die Möglichkeit einer wirklichen Therapie darauf beruht, wie die chemischen und physikalischen Prozesse im menschlichen Organismus sich fortsetzen, wie sie da drinnen weiterwirken.“ (Lit.:GA 319, S. 23ff)

Der Phosphor befreit den Astralleib und das Ich von den Fesseln des physischen Leibs und fördert dadurch den Schlaf. Das geschieht aber erst, nachdem er zuvor die bewusste Tätigkeit des Menschen angeregt hat. Der Phosphor hat nämlich im menschlichen Organismus, im Gegensatz zum Schwefel, eine starke Neigung zur Salzbildung als Phosphat. Die Salze bilden aber die Grundlage für das kristallklare Denken, auf das sich das Selbstbewusstsein gründet. Der Schlaf tritt hier gewissermaßen als gesunde Folge der Ermüdung ein, die aus der bewussten Tätigkeit resultiert. Der Schwefel, der im Organismus nur wenig zur Salzbildung neigt, dämpft hingegen das Bewusstsein, indem er die ätherische Tätigkeit anregt. Dadurch fördert er zwar auch den Schlaf, aber ohne zuvor das Bewusstsein zu befeuern.

Der unmittelbare Gegenspieler des Phosphors ist der Kalk. Den zentrifugalen Kräften des Kalks tritt der Phosphor mit seiner zentripedalen Tendenz entgegen. Im Stoffwechsel-Gliedmaßenmenschen wirkt der Kalk austreibend auf die Flüssigkeiten, im Rhythmischen System auf die Luft, d.h. er ist die treibende Kraft der Ausatmung, und im Nerven-Sinnessystem wirkt er austreibend auf die Wärme, er bewirkt gleichsam eine Art Abkühlung der Nerven-Sinnesorganisation. Im Unterleib ist auch das Silber ein Gegenspieler des Phosphors. Das Silber unterstützt durch seine zentrifugale Tendenz ähnlich dem Kalk die Ausscheidungsprozesse und wirkt namentlich formbildend und -differenzierend in der Embryonalentwicklung. Dem tritt der Phosphor vom Uterus und dem Chorion (Fruchthülle) aus formauslöschend durch seine zentripedalen Kräfte entgegen (Lit.: GA 319, S. 113ff).

Der Phosphor wirkt hingegen im Stoffwechsel-Gliedmassensystem anziehend auf die Flüssigkeiten bzw. besser auf das Feste in aufgelöster Form, im Rhythmischen System bewirkt er die Einatmung und er bringt das Luftige so in den Organismus, dass es die Nerven-Sinnesorganisation durchwärmt.

Sehr wesentlich ist der Phosphor an der Bildung des Innenskeletts beteiligt. Die Knochen des Körperskeletts bestehen zu etwa 50 % aus Hydroxylapatit (Ca5(PO4)3(OH)), das Zahnbein zu etwa 70% und der Zahnschmelz sogar zu etwa 97%. In den Röhrenknochen der Gliedmaßen tritt sehr deutlich die lichtverwandte strahlige Formbildungstendenz des Phosphors hervor, während der Schädel, der ja im Grunde ein Außenskelett ist, die rundende Formkraft des Kalks offenbart. Dafür sind die fettartigen erstarrten Phospholipoide (vor allem die Kephaline – von gr. kephalos = Kopf), an denen die fast tote weiße Gehirnsubstanz sehr reich ist, eine wesentliche Grundlage für die Bewusstwerdung des Denkens. Diese salzartigen Substanzen sind durchlässig für das Geistige und offenbaren es in Form kristallklarer Gedanken. Vermittelt durch den Phosphor leuchtet hier das geistige Licht in Gedankenform auf. Die Gedanken sind dabei als das in definierten Formen erstarrte tote Endprodukt des lebendigen Denkens zu verstehen. Der eigentliche lebendige Denkprozess spielt sich hingegen in dem im Atemrhythmus auf- und abschwingenden Gehirnwasser ab und greift von hier aus auf die reichlich durchblutete und daher noch verhältnismäßig lebendige graue Gehirnrinde über.

Literatur

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Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
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Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
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Einzelnachweise

  1. Holleman, Wiberg:Lehrbuch der Anorganischen Chemie, 91.–100. Auflage,de Gruyter, Berlin, 1985. ISBN 3-11-007511-3 (S.928–931)
  2. Der tägliche ATP-Umsatz entspricht etwa der halben Körpermasse; bei schwerer körperlicher Arbeit kann der ATP-Umsatz auf bis zu 0,5 kg pro Minute ansteigen.