Weltanschauung (Anthroposophie)

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Zwölf Weltanschauungen und sieben Seelenstimmungen.

Weltanschauung betrifft hier das anthroposophische Verständnis, wo sich ein genaues Dutzend Weltanschauungen finden. Wie die Philosophie den Begriff versteht, und was die Geschichte des Begriffs beinhaltet, findet man unter Weltanschauung (Philosophie).

Die Weltanschauung bezeichnet die geistige Grundhaltung, von der aus die erlebte Wirklichkeit betrachtet wird. Rudolf Steiner hat zwölf grundlegende Weltanschauungen unterschieden, die in ihrer Totalität für die menschliche Seele ein geistiges Abbild des Tierkreises bilden. Jede dieser zwölf Weltanschauungen kann dabei wieder durch 7 Weltanschauungsstimmungen nuanciert werden, die kosmisch dem Planetensystem entsprechen. Weiter finden sich drei Seelentöne, welche auch wieder aufteilen, wie sich Erkenntnis formen kann. Und zuletzt findet sich der Anthropomorphismus, welcher an der Erkenntnis entweder teilhat, und diese nach dem Wesen des Menschen formt, oder nicht teilhat, wodurch sich die Erkenntnis nach demjenigen formen kann, das nicht direkt mit dem Menschen verbunden ist.

Der menschliche Gedanke

Was ein Gedanke ist, kann schwerlich in gleichermassen angemessener Weise aus allen Weltanschauungen beschrieben werden, aber doch aus einigen. Aus dem Spiritualismus z.B. ist der menschliche Gedanke etwas, das mit dem Kosmos zusammen hängt. So kann der Spiritualismus die Wirkungen der Tierkreiszeichen im Gehirn des Menschen wiederfinden. Steiner unterscheidet hierbei das physische Gehirn von einem ätherischen Gehirn. Die Weltanschauungen, die dem oberen, dem Tagesteil des Tierkreises entsprechen (von Rationalismus bis Phänomenalismus, mit dem Materialismus an der obersten Spitze) korrespondieren mit dem physischen Gehirn; die „unteren“, „nächtlichen“ Weltanschauungen (vom Dynamismus über den Spiritualismus bis zum Psychismus) entsprechen dem Äthergehirn. In den Vorträgen in "Der menschliche und der kosmische Gedanke" beschreibt Steiner dies so:

"Geht man hinaus über das, was der Mensch ist, so wie man zur Erklärung der Erscheinung der Erde hinausgehen muß zu Sonne und Mond - was die gegenwärtige Wissenschaft nicht tut -, so kommt man dazu, dreierlei als nebeneinander berechtigt anerkennen zu müssen: Theismus, Intuitismus und Naturalismus. Denn nicht, daß man auf einem dieser Töne besteht, sondern daß man sie zusammenklingen läßt, entspricht dem, was die Wahrheit ist. Und wie unsere engere Körperlichkeit mit Sonne, Mond und Erde wieder hineingestellt ist in die sieben Planeten, so ist hineingestellt Anthropomorphismus als die trivialste Weltanschauung in das, was zusammenklingen kann aus Theismus, Intuitismus und Naturalismus, und dieses zusammen wieder in das, was zusammenklingen kann aus den sieben Seelenstimmungen. Und diese sieben Seelenstimmungen nuancieren sich nach den zwölf Zeichen des Tierkreises.

Sie sehen schon, dem Namen nach, und zwar nur dem Namen nach, ist nicht eine Weltanschauung wahr, sondern es sind 12 + 7 = 19+ 3 = 22+ 1 = 23 Weltanschauungen berechtigt. Dreiundzwanzig berechtigte Namen für Weltanschauungen haben wir. Aber alles andere kann noch dadurch entstehen, daß die entsprechenden Planeten in den zwölf Geistes-Tierkreisbildern herumlaufen.

Und nun versuchen Sie, aus dem, was jetzt auseinandergesetzt worden ist, sich ein Empfinden anzueignen für die Aufgabe, welche die Geisteswissenschaft für das Friedenstiften innerhalb der verschiedenen Weltanschauungen hat, für das Friedenstiften aus der Erkenntnis heraus, daß die Weltanschauungen miteinander, in ihrem gegenseitigen Aufeinanderwirken, in gewisser Beziehung erklärlich sind, daß sie aber alle nicht ins Innere der Wahrheit führen können, wenn sie einseitig bleiben, sondern daß man gleichsam den Wahrheitswert der verschiedenen Weltanschauungen innerlich in sich erfahren muß, um wirklich - wir dürfen so sagen - mit der Wahrheit zurechtzukommen. So wie Sie sich denken können den physischen Kosmos: den Tierkreis, das Planetensystem, Sonne, Mond und Erde zusammen, die Erde für sich, so können Sie sich ein geistiges Weltenall denken: Anthropomorphismus; Theismus, Intuitismus, Naturalismus; Gnosis, Logismus, Voluntarismus, Empirismus, Mystik, Transzendentalismus, Okkultismus; und das alles verlaufend in den zwölf Geistes-Tierkreisbildern. Das ist vorhanden; nur ist es geistig vorhanden. So wahr als der physische Kosmos physisch vorhanden ist, so wahr ist das geistig vorhanden.

In diejenige Hirnhälfte, die der Anatom findet, von der man ja sagen kann, daß sie die halbkugelförmige ist, in sie wirken herein vorzugsweise diejenigen Wirkungen des Geisteskosmos, die von den oberen Nuancen ausgehen. Dagegen gibt es einen unsichtbaren Teil des Gehirns, der nur, wenn man den Ätherleib betrachtet, sichtbar ist; der ist vorzugsweise von dem unteren Teil des Geisteskosmos beeinflußt (siehe Zeichnung). Aber wie ist diese Beeinflussung? Sagen wir, bei jemandem ist es so, daß er mit seinem Logismus eingestellt ist in den Sensualismus, daß er eingestellt ist mit seinem Empirismus in den Mathematizismus. Dann gibt das, was auf diese Weise zustande kommt, Kräfte, die in sein Gehirn hereinwirken, und jener obere Teil seines Gehirns ist dann besonders regsam und übertönt die anderen. Unzählige Nuancen von Gehirntätigkeiten kommen dadurch zustande, daß das Gehirn gleichsam im geistigen Kosmos schwimmt und die Kräfte auf diese Weise ins Gehirn hereinwirken, wie wir das jetzt haben darstellen können. So mannigfaltig sind wirklich die menschlichen Gehirne, als sie mannigfaltig sein können nach den Kombinationen, die sich aus diesem geistigen Kosmos ergeben. Was in jenem unteren Teile des geistigen Kosmos ist, das wirkt gar nicht einmal auf das physische Gehirn, sondern auf das Äthergehirn.

Zeichnung aus GA 151, S. 65

Wenn man von alledem spricht, dann ist wohl der beste Eindruck, den man davon erhalten kann, der, daß man sagt: Es eröffnet einem das die Empfindung für das Unendliche der Welt, für das qualitativ Großartige der Welt, für die Möglichkeit, daß man als Mensch in unendlicher Mannigfaltigkeit in dieser Welt existieren kann. Wahrhaftig, wenn wir nur dieses betrachten können, dann können wir uns schon sagen: Es fehlt wahrlich nicht an Möglichkeiten, daß wir verschieden sein können in unseren verschiedenen Inkarnationen, die wir auf der Erde durchzumachen haben. Und überzeugt kann man auch sein, daß der, welcher die Welt so betrachtet, gerade durch eine solche Weltbetrachtung dazu kommt, daß er sagen muß: Ach, wie reich, wie grandios ist die Welt! Welches Glück, an ihr immer weiter, immer mehr, immer mannigfaltiger teilzunehmen, an ihrem Sein, ihren Wirkungen, ihrem Streben!" (Lit.: GA 151, S. 63ff)

Opposition, Neutralität und Nachbarschaft

Die zwölf Weltanschauungen

Die Weltanschauungen, als eine Zwölfheit, sind ein System, das alles umfasst, was für einen Menschen objektiv wahr sein kann. Die zwölf Weltanschauungen sind ein harmonisches System, obwohl sich für jede Weltanschauungen eine Umkehrung findet, so zum Beispiel stehen sich der Realismus und der Idealismus schematisch gegenüber. Auch wenn man damit Gegenteile in einem System zusammen führt, führt dies nicht notwendigerweise zu Widersprüchen. Erst wenn eine Weltanschauung sich für ein Gebiet äussert, zum dem sie nicht gehört, treten Widersprüche auf. Wie der Realismus in der Welt der Begriffe, der Vorstellungen und dem Absoluten nicht so recht Platz hat, hat der Idealismus in die Welt der Beobachtungen, Betrachtungen und dem Wirklichkeitsgetreuen nicht so recht Platz. Möchte der Idealismus beschreiben, wie die Realität ist, wie sie aussieht, so wird er kaum davon unterscheiden können, wie sie nach seinen Vorstellungen sein sollte. Und möchte auf der anderen Seite der Realismus beschreiben, wie sich Ideen und Ideale zusammen setzen, so wird er ähnlich wenig Wahres über jenes sagen können. Man hat mit dem Realismus und dem Idealismus zwei Oppositionen einander gegenüber. Äussert sich eine Weltanschauung dort, wo eine andere wahr ist, hat man etwas, das Steiner als 'Einseitigkeit' bezeichnet.

"Die Menschen sind im Allgemeinen nicht geneigt, wenn sie eines begriffen haben, auch noch das andere zu begreifen. Wenn einer einmal auf einem Gebiete begriffen hat: Allgemeine Begriffe haben keine Existenz -, so verallgemeinert er das, was er erkannt hat, auf die ganze Welt und ihre Einrichtung. Dieser Satz: Allgemeine Begriffe haben keine Existenz - ist nicht falsch; denn er ist für das Gebiet, das der Betreffende angeschaut hat, richtig. Falsch ist nur die Verallgemeinerung. Es ist so wesentlich, wenn man überhaupt über das Denken sich eine Vorstellung machen will, daß man sich darüber klar wird, daß die Wahrheit eines Gedankens auf seinem Gebiete noch nichts aussagt über die allgemeine Gültigkeit eines Gedankens. Ein Gedanke kann durchaus auf seinem Gebiete richtig sein; aber nichts wird dadurch ausgemacht über die allgemeine Gültigkeit des Gedankens. Beweist man mir daher dieses oder jenes, und beweist man es mir noch so richtig, unmöglich kann es sein, dieses also Bewiesene auf ein Gebiet anzuwenden, auf das es nicht hingehört. Es ist daher notwendig, daß sich der, welcher sich ernsthaft mit den Wegen beschäftigen will, die zu einer Weltanschauung fuhren, vor allen Dingen damit bekannt macht, daß Einseitigkeit der größte Feind aller Weltanschauungen ist und daß es vor allen Dingen nötig ist, die Einseitigkeit zu meiden. Einseitigkeit müssen wir meiden. Das ist das, worauf ich insbesondere heute hindeuten will, wie wir nötig haben, Einseitigkeiten zu meiden." (Lit.: GA 151, S. 34ff)

Einseitigkeit ist also nicht etwa dann verhanden, wenn man für ein Gebiet scheinbar zu wenige Weltanschauungen anwendet. Es ist nicht ganz richtig, zu glauben, eine Weltanschauung könne nicht alleine absolute Gültigkeit für ein bestimmtes Gebiet haben, und man müsse stattdessen versuchen, immer alle Weltanschauungen beizuziehen. Denn eine bestimmte Weltanschauung kann durchaus das letzte Wort für ein bestimmtes Gebiet haben, während alle anderen Weltanschauungen auf diesem Gebiet kein Recht haben, sich einzumischen.

Ähnlich verhält es sich mit dem gegensätzlichen Paar Materialismus und Spiritualismus, die auf ihrem jeweiligen Gebiet viel Wahres sagen können, aber auf dem Gebiet ihres Gegenteils nicht wirklich ein Recht haben, sich zu äussern. Und so verhält es sich auch für alle anderen Weltanschauungen, welche sich gegenüber liegen.

Nun fragt sich, wie eine Weltanschauung sich zu jenen verhält, zwischen denen sie liegt. Wie verhält sich also der Realismus zum Materialismus und zum Spiritualismus? Dem Realismus oder dem Realisten ist die Welt weder materialistisch noch spiritualistisch - oder dann beides gleichermassen. Der Realismus ist damit neutral zum Materialismus und zum Spiritualismus. Dazu meint Steiner:

"Es kann Menschen geben, die sagen: Ja, ob es nun in der Welt der Wahrheit nur Materie oder nur Geist gibt, darüber kann ich nichts Besonderes wissen; darauf kann sich das menschliche Erkenntnisvermögen überhaupt nicht beziehen. Klar ist nur das eine, daß eine Welt um uns ist, die sich ausbreitet. Ob ihr das zugrunde liegt, was die Chemiker, die Physiker, wenn sie Materialisten werden, die Atome der Materie nennen, das weiß ich nicht. Ich erkenne aber die Welt an, die um mich herum ausgebreitet ist; die sehe ich, über die kann ich denken. Ob ihr noch ein Geist zugrunde liegt oder nicht, darüber etwas anzunehmen, habe ich keine besondere Veranlassung. Ich halte mich an das, was um mich herum ausgebreitet ist. - Solche Menschen kann man mit etwas anderer Wortbedeutung, als ich das Wort vorher brauchte, Realisten nennen und ihre Weltanschauung Realismus." (Lit.: GA 151, S. 36)

Der Realismus unterscheidet sich darin vom Materialismus, dass es aus der Sicht des Materialismus in der Materie keinen Platz für Geist hat, während der Realismus sich gleichermassen aus Materie und Geist zusammen setzt, wie auch all seinen anderen 'Nachbarn'. So findet sich zwischen dem Materialismus und dem Realismus der Phänomenalismus und der Sensualismus, und zwischen dem Spiritualismus und dem Realismus finden sich der Dynamismus und der Monadismus. All diese Weltanschauungen geben dem Realismus die Form, die er hat.

Zuletzt stellt sich die Frage, wie sich eine Weltanschauung zu jenen Weltanschauungen verhält, welche direkt neben ihr liegen. Direkt neben dem Realismus liegen der Phänomenalismus und der Dynamismus. Die zwei sind die Nachbarn des Realismus. Unter allen Weltanschauungen sind dem Realismus diese zwei die ähnlichsten. Auch hier gilt, dass dies auch für alle anderen Weltanschauungen gilt: dass eine jede der zwölf Weltanschauungen zwei Nachbarn hat, denen sie am meisten ähnelt.

Die einzelnen zwölf Weltanschauungen

Weil sich die Weltanschauungen, welche nebeneinander liegen, ähneln, kann man der Reihe nach von der einen zur nächsten gehen.

Mathematizismus, Zwillinge

Der Mathematizismus hat die Aufgabe, das Allgemeine in den Dingen zu finden, und diese Dinge in ihren Grössen und in ihren räumlichen und zeitlichen Verhältnissen zu anderen Dingen exakt beschreiben zu können.

"Man wird, wenn man die Welt nur mathematisch erklären will, zwar die einfachste Empfindung nicht erklären können; will man aber bei der mathematischen Erklärung nicht stehenbleiben, so wird man unwissenschaftlich. - Der grobe Materialist würde sagen: Nein, ich rechne auch nicht; denn das setzt schon einen Aberglauben voraus, den Aberglauben, daß ich annehme, daß die Dinge nach Maß und Zahl geordnet sind. Und wer nun über diesen groben Materialismus sich erhebt, wird ein mathematischer Kopf und läßt nur das als wirklich gelten, was eben in Rechenformeln gebracht werden kann. Das ergibt eine Weltanschauung, die eigentlich nichts gelten läßt als die mathematische Formel. Man kann sie Mathematizismus nennen." (Lit.: GA 151, S. 38ff)

Rationalismus, Stier

Der Rationalismus versucht die Dinge so weit zu vereinfachen, bis in diesen nur noch die äussersten Eigenschaften übrig bleiben. Er sucht das wenige Wichtigste in komplexen Dingen, bis man nur noch zwischen statischen Extremen, wie z.B. 'gut' oder 'böse', oder 'nützlich' oder 'unnütz' unterscheiden muss. Was der Verstand erreichen kann, das lässt der Rationalismus gelten.

"Es kann sich aber einer nun überlegen und dann, nachdem er Mathematizist gewesen ist, sich sagen: Das kann kein Aberglaube sein, daß die blaue Farbe soundso viele Schwingungen hat. Mathematisch ist nun einmal doch die Welt angeordnet. Warum sollten, wenn mathematische Ideen in der Welt verwirklicht sind, nicht auch andere Ideen in der Welt verwirklicht sein? Ein solcher nimmt an: Es leben doch Ideen in der Welt. Aber er läßt nur diejenigen Ideen gelten, die er findet, nicht solche Ideen, die er von innen heraus etwa durch irgendeine Intuition oder Inspiration erfassen würde, sondern nur die, welche er von den äußerlich sinnlich-realen Dingen abliest. Ein solcher Mensch wird Rationalist, und seine Weltanschauung ist Rationalismus." (Lit.: GA 151, S. 39)

Idealismus, Widder

Im Idealismus stehen Gedanken, welche sich darum drehen, wie die Dinge sein könnten, und was davon sein sollte. Man untersucht, was an Ideen zwischen den Dingen war, und was davon mehr Beachtung verdient hat.

"Läßt man zu den Ideen, die man findet, auch noch diejenigen gelten, die man aus dem Moralischen, aus dem Intellektuellen heraus gewinnt, dann ist man schon Idealist. So geht ein Weg von dem grobklotzigen Materialismus über den Mathematismus und Rationalismus zum Idealismus." (Lit.: GA 151, S. 39)

Psychismus, Fische

Der Psychismus ist sehr interessiert an all jenem, das Vorstellungen, Ideen und Begriffe aus sich schaffen kann, und wie sich solches Schaffen zeigt.

"Der Idealismus kann aber nun gesteigert werden. In unserer Zeit finden sich einige Menschen, welche den Idealismus zu steigern versuchen. Sie finden ja Ideen in der Welt. Wenn man Ideen findet, dann muß auch solche Wesensart in der Welt vorhanden sein, in der Ideen leben könnten. In irgendeinem äußeren Dinge könnten doch nicht so ohne weiteres Ideen leben. Ideen können auch nicht gleichsam in der Luft hängen. Es hat zwar im 19. Jahrhundert den Glauben gegeben, daß Ideen die Geschichte beherrschen. Es war dies aber nur eine Unklarheit; denn Ideen als solche haben keine Kraft zum Wirken. Daher kann man von Ideen in der Geschichte nicht sprechen. Wer da einsieht, daß Ideen, wenn sie überhaupt da sein sollen, an ein Wesen gebunden sind, das Ideen eben haben kann, der wird nicht mehr bloßer Idealist sein, sondern er schreitet vor zu der Annahme, daß die Ideen an Wesen gebunden sind. Er wird Psychist, und seine Weltanschauung ist Psychismus." (Lit.: GA 151, S. 39ff)

Pneumatismus, Wassermann

Während wohl jeder Mensch durch den Psychismus eine Art kleine, eigene Welt erzeugt, und durch jene die grosse Aussenwelt betrachtet, hat man beim Pneumatismus etwas, das der Mensch nicht mehr in gleicher, direkter Weise aus sich selbst schaffen kann. Mit dem Pneumatismus hat man jenes Geistige vor sich, das sich über einfachen Vorstellungen, über jenen menschengemachten Bildern, befindet.

"Wenn jemand Psychist ist und geneigt, weil er Erkenntnismensch ist, die Welt kontemplativ zu betrachten, so kommt er dazu, sich zu sagen, er muß in der Welt Psychisches voraussetzen. In dem Augenblicke aber, wo er nicht nur Erkenntnismensch ist, sondern wo er in ebensolcher Weise eine Sympathie für das Aktive, für das Tätige, für das Willensartige in der Menschennatur hat, da sagt er sich: Es genügt nicht, daß Wesen da sind, die nur Ideen haben können; diese Wesen müssen auch etwas Aktives haben, müssen auch handeln können. Das ist aber nicht zu denken, ohne daß diese Wesen individuelle Wesen sind. Das heißt, ein solcher steigt auf von der Annähme der Beseeltheit der Welt zu der Annahme des Geistes oder der Geister in der Welt. Es ist sich noch nicht klar, ob er einen oder mehrere Geistwesen annehmen soll, aber er steigt auf vom Psychismus zum Pneumatismus, zur Geistlehre." (Lit.: GA 151, S. 40ff)

Spiritualismus, Steinbock

Dem Spiritualismus ist die geistige Welt der Ursprung aller Wirkungen. Alles ist hier beseelt und mit allem anderen im Austausch.

"Alles, was ich auf die Tafel geschrieben habe, sind Weltanschauungen, die für ihre Gebiete ihre Berechtigung haben. Denn es gibt Gebiete, für die der Psychismus erklärend wirkt, es gibt Gebiete, für die der Pneumatismus erklärend wirkt. Will man allerdings so gründlich mit der Welterklärung zu Rate gehen, wie wir es versucht haben, dann muß man zum Spiritualismus kommen, zu der Annahme der Geister der Hierarchien. Dann kann man nicht beim Pneumatismus stehenbleiben; denn beim Pneumatismus stehenbleiben würde in diesem Falle das Folgende heißen. Wenn wir Spiritualisten sind, kann es uns begegnen, daß die Menschen sagen: Warum da so viele Geister? Warum da die Zahl anwenden? Es gibt einen einheitlichen Allgeist! - Wer sich tiefer auf die Sache einläßt, der weiß, daß es mit diesem Einwände ebenso ist, wie wenn jemand sagt: Da sagst du mir, dort waren zweihundert Mücken. Ich sehe aber keine zweihundert Mücken, ich sehe nur einen einzigen Mückenschwarm. - Genau so würde sich der Anhänger des Pneumatismus, des Pantheismus und so weiter gegenüber dem Spiritualisten verhalten. Der Spiritualist sieht die Welt erfüllt mit den Geistern der Hierarchien; der Pantheist sieht nur den einen Schwärm, sieht nur den einheitlichen Allgeist. Aber das beruht nur auf einer Ungenauigkeit des Anschauens." (Lit.: GA 151, S. 41)

Monadismus, Schütze

Der Monadismus versucht nicht das Räumliche der Dinge zu verstehen, wie es der Mathematizismus tut, er versucht im Gegenteil den Kern des Wesens der Dinge zu verstehen. Dem Monadismus ist eine jede Sache, so klein sie auch sein mag, etwas einzigartig Individuelles, Geistiges.

"Nun gibt es noch eine andere Möglichkeit: die, daß jemand nicht auf den Wegen, die wir zu gehen versucht haben, zu dem Wirken geistiger Wesenheiten kommt, daß er aber doch zu der Annahme gewisser geistiger Grundwesen der Welt kommt. Ein solcher Mensch war zum Beispiel Leibniz, der berühmte deutsche Philosoph. Leibniz war hinaus über das Vorurteil, daß irgend etwas bloß materiell in der Welt existieren könne. Er fand das Reale, suchte das Reale. Das Genauere habe ich in meinem Buche «Die Rätsel der Philosophie» dargestellt. Er war der Anschauung, daß es ein Wesen gibt, das in sich die Existenz erbilden kann, wie zum Beispiel die Menschenseele. Aber er machte sich nicht weitere Begriffe darüber. Er sagte sich nur, daß es ein solches Wesen gibt, das in sich die Existenz erbilden kann, das Vorstellungen aus sich heraustreibt. Das ist für Leibniz eine Monade. Und er sagte sich: Es muß viele Monaden geben und Monaden von der verschiedensten Klarheit. Wenn ich hier eine Glocke habe, so sind dort viele Monaden drinnen - wie in einem Mückenschwarm -, aber Monaden, die nicht einmal bis zum Schlafbewußtsein kommen, Monaden, die fast unbewußt sind, die aber doch dunkelste Vorstellungen in sich entwickeln. Es gibt Monaden, die träumen, es gibt Monaden, die wache Vorstellungen in sich entwickeln, kurz, Monaden der verschiedensten Grade. - Ein solcher. Mensch kommt nicht dazu, sich das Konkrete der einzelnen geistigen Wesenheiten so vorzustellen wie der Spiritualist; aber er reflektiert in der Welt auf das Geistige, das er nur unbestimmt sein läßt. Er nennt es Monade, das heißt, er kümmert sich nur um den Vorstellungscharakter, als wenn man sagen würde: Ja, Geist, Geister sind in der Welt; aber ich beschreibe sie nur so, daß ich sage, sie sind verschiedenartig vorstellende Wesen. Eine abstrakte Eigenschaft nehme ich aus ihnen heraus. Da bilde ich mir diese einseitige Weltanschauung aus, für die vor allem so viel vorgebracht werden kann, als der geistvolle Leibniz für sie vorgebracht hat. So bilde ich den Monadismus aus. - Der Monadismus ist ein abstrakter Spiritualismus." (Lit.: GA 151, S. 42ff)

Dynamismus, Skorpion

Wo Kräfte wirken, und wo dadurch Bewegung ist, da findet man den Dynamismus. Dem Dynamismus ist alles immerzu in Veränderung, auch wenn diese Veränderungen lange Zeit gebrauchen. Ihm kann nichts jemals wirklich still stehen.

"Es kann aber Menschen geben, die sich nicht bis zur Monade erheben, die nicht zugeben können, daß dasjenige, was existiert, Wesen sind von verschiedenem Grade des Vorstellungsvermögens, die aber auch nicht etwa damit zufrieden sind, daß sie nur zugeben, was sich in der äußeren Realität ausbreitet, sondern sie lassen das, was sich in der äußeren Realität ausbreitet, überall von Kräften beherrscht sein. Wenn zum Beispiel ein Stein zur Erde fällt, so sagen sie: Da ist die Schwerkraft. Wenn ein Magnet Eisenspäne anzieht, so sagen sie: Da ist die magnetische Kraft. Sie begnügen sich nicht bloß damit zu sagen: Da ist der Magnet - sondern sie sagen: Der Magnet setzt voraus, daß übersinnlich, unsichtbar die magnetische Kraft vorhanden ist, die sich überall ausbreitet. Man kann eine solche Weltanschauung bilden, die überall die Kräfte zu dem sucht, was in der Welt vorgeht, und kann sie Dynamismus nennen." (Lit.: GA 151, S. 43)

Realismus, Waage

Wo die Dinge in der Welt des Menschen zusammen kommen an Materiellem und Geistigem, wo sich also der Schnittpunkt jener Gegensätze, welche Form annehmen können, findet, da hat man den Realismus. Der Realismus ist, was einen Ausgleich darstellt zwischen der physischen und der geistigen Welt, und er setzt sich aus beiden zusammen. Und er ist die Weltanschauung, welche sich mit dem Wirklichen beschäftigt, wie es keine andere tut.

"Dann kann man auch sagen: Nein, an Kräfte zu glauben, das ist Aberglaube! Ein Beispiel dafür, wie einer ausführlicher darstellt, wie an Kräfte zu glauben Aberglaube ist, haben Sie in Fritz Mauthners «Kritik der Sprache». In diesem Falle bleibt man bei dem stehen, was sich real um uns herum ausbreitet. Wir kommen also auf diesem Wege vom Spiritualismus über den Monadismus und Dynamismus wiederum zum Realismus." (Lit.: GA 151, S. 43)

Phänomenalismus, Jungfrau

Wenn sich eine Erfahrung über eine Erscheinung bildet, wenn sich der Mensch und die Welt offenbaren, da zeigt der Phänomenalismus sein Wesen.

"Nun kann man aber auch noch etwas anderes machen. Man kann sagen: Gewiß, ich halte mich an die Welt, die mich ringsherum umgibt. Aber ich behaupte nicht, daß ich ein Recht habe zu sagen, diese Welt sei die wirkliche. Ich weiß nur von ihr zu sagen, daß sie mir erscheint. Und zu mehr habe ich überhaupt nicht Recht, als zu sagen: Diese Welt erscheint mir. Ich habe kein Recht, von ihr mehr zu sagen. - Das ist also ein Unterschied. Man kann von dieser Welt, die sich um uns herum ausbreitet, sagen, sie ist die reale Welt. Aber man kann auch sagen: Von einer anderen Welt kann ich nicht reden; aber ich bin mir klar, daß es die Welt ist, die mir erscheint. Ich rede nicht davon, daß diese Welt von Farben und Tönen, die doch nur dadurch entsteht, daß sich in meinem Auge gewisse Prozesse abspielen, die sich mir als Farben zeigen, daß sich in meinem Ohr Prozesse abspielen, die sich mir als Töne zeigen und so weiter, daß diese Welt die wahre ist. Sie ist die Welt der Phänomene. - Phänomenalismus ist die Weltanschauung, um die es sich hier handeln würde." (Lit.: GA 151, S. 43ff)

Sensualismus, Löwe

Was durch die Sinne des Körpers wahrgenommen wird, oder wo mit Feingefühl etwas verstanden werden muss, hat man bald einmal den Sensualismus.

"Man kann aber weiter gehen und kann sagen: Die Welt der Phänomene haben wir zwar um uns herum. Aber alles, was wir in diesen Phänomenen zu haben glauben so, daß wir es selber hinzugegeben haben, daß wir es selber hinzugedacht haben - das haben wir eben hinzugedacht zu den Phänomenen. Berechtigt ist aber nur das, was uns die Sinne sagen. - Merken Sie wohl, ein solcher Mensch, der dieses sagt, ist nicht ein Anhänger des Phänomenalismus, sondern er schält von dem Phänomen das los, wovon er glaubt, daß es nur aus dem Verstande und aus der Vernunft kommt, und er läßt gelten, als irgendwie von der Realität angekündigt, was die Sinne als Eindrücke geben. Diese Weltanschauung kann man Sensualismus nennen." (Lit.: GA 151, S. 44)

Materialismus, Krebs

Und wo das Physische ist, was zählt, da hat man den Materialismus.

"Greift man dazu, zu sagen: Mögt ihr nachdenken darüber, daß das die Sinne sagen, und mögt ihr noch so scharfsinnige Gründe dafür anführen - man kann scharfsinnige Gründe dafür anfuhren -, ich stelle mich auf den Standpunkt, es gibt nur das, was so aussieht wie das, was die Sinne sagen; das lasse ich als Materielles gelten – wie etwa der Atomist, der da sagt: Ich nehme an, es existieren nur Atome, und wenn sie noch so klein sind, sie haben die Eigenschaften, die man in der physischen Welt kennt -, dann ist man wieder Materialist." (Lit.: GA 151, S. 45)

Weltanschauungen durch die Epochen

Durch die grossen Entwicklungsepochen, und die kleineren Kulturepochen der Menschheit, hat es stets bestimmte Weltanschauungen gegeben, welche hervor gestanden haben. In unserer nachatlantischen Entwicklungsepoche wechseln sich, vereinfacht gesagt, zuvorderst die Weltanschauungen Spiritualismus und Materialismus ab. Für die gegenwärtige germanisch-angelsächsische Kulturepoche ist dies am wenigsten der Fall, aber es war für die vergangenen der Fall, und wird für die kommenden wohl der Fall sein. So tendierten die Urinder zu einem Spiritualismus, was danach abgelöst wurde von zum Materialismus, zu den physischen Wissenschaften tendierenden Urpersern. In der darauf folgenden chaldäisch-ägyptischen (ganz ausgeschrieben: assyrisch-babylonisch-chaldäisch-ägyptisch-jüdischen) Kulturepoche fand ein Hin- und Her zwischen jenen zwei Weltanschauungen statt. Daraufhin, in der griechisch-römischen Kulturepoche fanden die zum Geistigen und zum Physischen strebenden Weltanschauungen eine Art Höhepunkt. In der Zukunft wird die slawische Kulturepoche eine Bedeutung haben für den Spiritualismus, und darum herum liegende Weltanschauungen. Und darauf folgend wird die amerikanische Kulturepoche ein für diese Entwicklungsepoche letztes Mal den Materialismus und dazugehörige Weltanschauungen austesten, und die grosse Entwicklungsepoche damit abschliessen.

Weltanschauungsstimmungen, Seelentöne, Anthropomorphismus

Eng verknüpft mit dem System der zwölf Weltanschauungen sind die drei Kategorien, welche sich rund um die Weltanschauungen bewegen, die sieben Weltanschauungsstimmungen, die drei Seelentöne und der Anthropomorphismus.

Sieben Weltanschauungsstimmungen

Zusätzlich zu den 12 grundlegenden Weltanschauungen unterscheidet Rudolf Steiner sieben Seelenstimmungen, durch die jede dieser 12 Weltanschauungen erlebt werden können. Diese sieben Weltanschauungsstimmungen entsprechen den sieben Planeten (geordnet nach der okkulten Reihenfolge der Planeten).

Gnosis Saturn
Logismus Jupiter
Voluntarismus Mars
Empirismus Sonne
Mystik Venus
Transzendentalismus Merkur
Okkultismus Mond

Drei Seelentöne

Alle Weltanschauungen können nach Rudolf Steiner auch noch dadurch modifiziert werden, dass sie einen bestimmten Seelenton erhalten. Steiner unterscheidet drei solcher Töne, denen kosmisch Sonne, Mond und Erde entsprechen. Diese drei Töne sind:

Theismus Sonne
Intuitismus Mond
Naturalismus Erde

"Es kommt allerdings noch eines dazu. Das ist, daß diese Weltanschauungen - es sind ihrer schon sehr viele Nuancen, wenn Sie sich alle Kombinationen suchen - noch dadurch modifiziert werden, daß sie alle einen ganz bestimmten Ton erhalten können. Aber auf diesem Gebiete des Tones haben wir nur dreierlei zu unterscheiden. Alle Weltanschauungen, alle Kombinationen, die auf diese Weise entstehen, können wieder in dreifacher Weise auftreten. Sie können erstens sein theistisch, so daß ich das, was in der Seele als Ton auftritt, zu benennen habe mit Theismus. Sie können so sein, daß wir im Gegensatz zum Theismus den betreffenden Seelenton zu nennen haben Intuitismus. Theismus entsteht, wenn der Mensch sich an alles Äußere hält, um seinen Gott zu finden, wenn er seinen Gott im Äußeren sucht. Der althebräische Monotheismus war vorzugsweise eine theistische Weltanschauung. Intuitismus entsteht, wenn der Mensch seine Weltanschauung vorzugsweise durch das sucht, was intuitiv in seinem Inneren aufleuchtet. Es gibt zu diesen beiden noch einen dritten Ton; das ist der Naturalismus.

Diese drei Seelentöne haben auch ein Abbild in der äußeren Welt des Kosmos, und zwar verhalten sie sich nun in der menschlichen Seele genauso wie Sonne, Mond und Erde, so daß der Theismus der Sonne entspricht - jetzt Sonne als Fixstern, nicht als Planet aufgefaßt -, daß der Intuitismus dem Mond entspricht und der Naturalismus der Erde. Derjenige - übersetzen Sie sich das einzelne, was hier als Sonne, Mond und Erde bezeichnet ist, ins Geistige - , welcher über die Erscheinungen der Welt hinausgeht und sagt: Wenn ich hinausschaue, so offenbart sich mir in alledem der Gott, der die Welt erfüllt, - der Erdenmensch, der sich aufrichtet, wenn er in die Sonnenstrahlen kommt, ist der Theist. Der Mensch, der nicht über die Naturvorgänge hinausgeht, sondern bei den einzelnen Erscheinungen stehenbleibt, so wie der, welcher nie seinen Blick zur Sonne hinaufrichtet, sondern nur auf das sieht, was ihm die Sonne hervorbringt auf der Erde, der ist Naturalist. Der, welcher das Beste, was er in der Seele haben kann, aufsucht dadurch, daß er es in seinen Intuitionen aufgehen läßt, der ist wie der den Mond besingende und vom silbernen, milden Mondenglanz in seiner Seele angeregte intuitistische Dichter und läßt sich mit ihm vergleichen. Wie man mit der Phantasie das Mondenlicht in Zusammenhang bringen kann, so muß man okkult den Intuitisten, wie er hier gemeint ist, mit dem Monde in Beziehung bringen." (Lit.: GA 151, S. 61ff)

Anthropomorphismus

"Endlich gibt es noch ein Viertes; das ist allerdings nur in einem einzigen Element vorhanden. Wenn der Mensch sich gewissermaßen in bezug auf alle Weltanschauung ganz nur an das hält, was er an oder um oder in sich selbst erfahren kann:, das ist Anthropomorphismus.

Anthropomorphismus

Er entspricht der Erde, wenn man diese als solche betrachtet, abgesehen davon, ob sie von der Sonne, vom Mond oder anderem umgeben ist. Wie wir die Erde für sich allein betrachten können, so können wir auch in bezug auf Weltanschauungen auf nichts Rücksicht nehmen als auf das, was wir als Menschen in uns finden können. Dann wird der in der Welt so verbreitete Anthropomorphismus entstehen." (Lit.: GA 151, S. 63)

Kritk und Problematik

..

Siehe auch

Weltanschauung

Weltanschauung (Philosophie)

Literatur

Weblinks

 Wiktionary: Weltanschauung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise