Der Stern (Tarot)

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Karte XVII: Der Stern

Die Trumpfkarte Der Stern ist die Tarotkarte XVII der Großen Arcana. Sie wird in Spielen und zur Divination verwendet. Sie repräsentiert das Prinzip Hoffnung.

Beschreibung

Der Stern (XVII) des Jean-Dodal-Spiels

Eine nackte Frau kniet mit ihrem linken Knie am Wasser, ihr rechter Fuß befindet sich im Wasser, der andere berührt die Erde. Über ihrem Kopf leuchtet ein großer achtstrahliger Stern, umgeben von sieben kleineren Sternen. In jeder ihrer beiden Hände hält sie einen Krug. Mit der Rechten gießt sie Flüssigkeit aus dem Krug ins Wasser, mit dem Krug der Linken begießt sie das Land. Bei anderen bzw. älteren Spielen, wie beispielsweise dem Visconti-Sforza-Deck, wird eine Frau (manchmal auch ein Mann) dargestellt, die (oder der) zum Stern aufsieht bzw. nach ihm greift.

Deutung

Als Losungsworte werden folgende Begriffe angeführt:

  • HoffnungKlarheitInspirationGroßzügigkeit
  • OptimismusFreudeZuversichtRegenerierung
  • Guter WilleHarmonieKräfteerneuerung
  • Ruheoffene LiebeVertrauen
  • BeschaulichkeitSeelenruhereine Essenz

Generell vermittelt der Stern Demut und Einfachheit sowie eine Religiosität ohne Pathos. Er symbolisiert Offenheit, Klarheit der Gefühle, Bereitschaft zur Aufnahme kosmischer Energien, Erfüllung, Hoffnung sowie eine kleine Erleuchtung.

Bei unbedecktem Nachthimmel werden wir uns der Unendlichkeit des Raums mit seinen Myriaden von Sternen bewusst. Seit jeher haben Sternbilder Seefahrern wertvolle Navigationsdienste geleistet. Die Tarotkarte der Stern ist daher für alle, die vom rechten Weg abgekommen sind, Orientierungshilfe par excellence. Wie der Stern der Weisen aus dem Morgenland weist er auf eine bessere Zukunft. Er öffnet die Tür zu spiritueller Erneuerung und beleuchtet sowohl unsere eigenen Fähigkeiten als auch sich neu eröffnende Möglichkeiten.

Der Stern ist bei vernünftiger Lebensweise eine sehr konstruktive Karte, wir sollten aber dennoch keine Illusionen aufkommen lassen. Für sich allein genommen kann er nicht viel bewirken, er braucht vielmehr eine begleitende Karte, anhand derer sich seine Eigenschaft präzisieren kann. Er ist kein Ziel an sich, sondern eine Passage, die keine Stagnation duldet.

Esoterische Entsprechungen

Eine esoterische Entsprechung des Sterns in der Astrologie ist das zum Element Luft (Element Luft.png) gehörende Tierkreiszeichen Wassermann und im erweiterten Sinne das Luftdreieck Wassermann – WaageZwilling. Im Golden Dawn wird als Äquivalent aus der hebräischen Schrift der Buchstabe Tzade (צ) mit numerischen Wert 90, im Crowley Thoth Tarot dagegen der Buchstabe He (ה). Die numerologische Quersumme 8 (= 1+7) steht in der Kabbala für das Sephira Yesod, dem Boden, Grundstein oder Fundament. Eliphas Lévi befürwortet jedoch den Buchstaben Pe (פ) mit Zahlwert 80 – Symbol der Sprache und der menschlichen Stimme. Das Sephirah ist dann Geburah (Gesetz, Gerechtigkeit, Stärke, Macht und Sieg). Als alchemische Entsprechung fungiert der Lösungsprozess. Die dem Stern zugeordnete Farbe ist Violett. Als christliches Symbol steht er für Maria Magdalena. Dem Stern assoziiert ist die Quelle, deren lebendiges Wasser uns reinigt und uns evolutives und freigiebiges Wissen verleiht – ein Wissen, das rein formellen und beschreibenden Enzyklopädismus transzendiert.

Symbolik im Waite-Tarot

Arthur Edward Waite war eine Schlüsselfigur moderner Tarotauslegungen,[1] jedoch folgen nicht alle Interpretationen seiner Weltanschauung:

  • Der auf dem Baum sitzende Vogel ähnelt einem Ibis, der bei den alten Ägyptern als ein Symbol für ihren Gott Thot angesehen wurde.
  • Insgesamt werden acht Sterne dargestellt, die stellvertretend für die acht Planeten des Sonnensystems inklusive Pluto stehen (zum Zeitpunkt der Erstellung des Spiels war Pluto noch unbekannt und wurde als Planet X bezeichnet. Seine Entdeckung erfolgte erst im Jahr 1930). Der Hauptstern repräsentiert den l'Étoile Flamboyante der Freimaurer.[2]

Dieser Standardentwurf findet sich (mit nur geringfügigen Änderungen) im Waite Tarot, im Tarot de Marseille (Jean-Noblet- und Jean-Dodal-Deck) und im Cary-Sheet.

Moderne Interpretation

Pamela Eakins (1992) gibt in ihrem Tarot-Deck Tarot of the Spirit für die Karte Der Stern folgende divinatorische Interpretation:

Folgen Sie Ihrem Stern. Um ihn aufzufinden meditieren Sie über Ihr ureigenes Wesen. Im Zentrum Ihres Selbst angekommen werden Sie eines großen Geheimnisses gegenwärtig. Dieses Geheimnis ist der Schlüssel zu ihren schöpferischen Kräften. Ihr Wissen davon wird ihre Frage beantworten. Lassen Sie sich inspirieren, indem Sie des Nachts einen Spaziergang machen und dabei kontemplativ Ihr Dasein überdenken.[3]

Divinatorische Bedeutung

Das Element Wasser steht für Unbewusstes oder Universelles. Das Land bezieht sich auf den festen Boden der konkreten, materiellen Welt. Die Frau – stellvertretend für die Naturgöttin – erneuert beide. Die beiden Krüge verweisen auf die Integration polarer Gegensätze in uns.[4] Das Arcanum Der Stern ist eine Karte der Hoffnung auf positive Ereignisse, die beim Auslegen durch die benachbarten Karten angedeutet werden.

Mit dem Stern stellen sich erneut Hoffnung, Inspiration und Entdeckungsfreude ein. Das teuflische Chaos der vorausgegangenen Karte Der Turm ist vorüber, es herrscht Ruhe nach dem Sturm. Das Durchbrechen der zerstörerischen Einflüsse ermöglicht das Erlangen eines höheren Bewusstseinszustandes. Der Stern und die nächsten beiden Karten, der Mond und Die Sonne, bringen mehr und mehr Licht und damit Klarheit in unser Dasein. Ein besserer Lebensweg wird erkennbar. Gut möglich, dass wir jetzt Rätsel lösen, Geheimnisse ergründen oder durch Meditation neue Ideen erhalten.[5]

Die am Himmel abgebildeten Planeten sind die Leiter, auf der wir unserem mystischen Ziel entgegensteigen. Der Stern lässt uns wissen, dass wir auf der Reise des Narren bzw. der Reise des Helden unserem Ziel der Erleuchtung näherkommen.

Andere Bezeichnungen und Entwürfe

Der Stern im Visconti-Sforza-Spiel, Italien, 1450
Der Stern im Vieville-Spiel, Frankreich, 1650
  • Der Stern wird gelegentlich auch als Der Astronom oder als Der Navigator bezeichnet.
  • Das sehr frühe Visconti-Sforza-Spiel aus dem Jahr 1450 zeigt eine auf festem Boden aufrecht stehende Frau, die mit ihrer Linken nach dem achtstrahligen Stern greift, hinter der Frau zwei stilisierte Berge.
  • Bei Vandenborre und im Viéville-Spiel (Tarot de Marseille) ist links ein sitzender Astronom und rechts ein Turm zu sehen. Oberhalb des Astronomen leuchtet ein großer Stern, der von kleineren umgeben wird. Der Astronom beobachtet den Stern mittels eines Zirkels, den er in seiner Linken hält.

Im Viéville Spiel aus dem Jahr 1650 sind interessanterweise nur fünf Sterne abgebildet, d. h. die damals bekannten Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn.

  • Hermann Haindl ändert das Thema dahin ab, dass jetzt eine Frau ihre Haare in einer Quelle auswäscht.
  • Bei Aleister Crowley übergießt sich eine nackte, ätherisch wirkende Frau mit einem der Kelche, den anderen leert sie auf den Boden.
  • Am einfachsten dürfte das Rosenwald-Sheet sein, das sich auf einen achtstrahligen Stern beschränkt.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons-logo.png Commons: Der Stern - Weitere Bilder oder Audiodateien zum Thema

Einzelnachweise

  1.  Juliette Wood: The Celtic Tarot and the Secret Tradition: A Study in Modern Legend Making. In: Folklore. 109, 1998, S. 15–24.
  2.  Arthur E. Waite: The Pictorial Key to the Tarot. 1910.
  3.  Pamela Eakins und Joyce Eakins, U. S. Games Systems, Inc. (Hrsg.): Tarot of the Spirit. Stanford, Connecticut 1992.
  4.  Robert Place: The Tarot. Tarcher-Penguin, 2005, S. 157.
  5.  Paul Foster Case: The Tarot. BOTA, 1947, S. 175.
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Der Stern (Tarot) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.