Zoe

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Zoe (griech. ζωή) steht im antiken Griechenland für das Leben schlechthin, das allen Lebewesen gemeinsam ist, also Pflanzen, Tieren, Menschen und Göttern. Zoe umfasst damit zunächst das irdisch-vergängliche biologische Leben (griech. βίος bios), darüber hinaus aber auch die eigentliche, höhere und unvergängliche Form des Lebens.

Nach Platon ist es die Seele, die das Leben mit sich bringt, das untrennbar mit ihr verbunden ist: „Die Seele also, wessen sie sich bemächtigt, zu dem kommt sie und bringt immer Leben mit“[1]. Das Gegenteil des Lebens ist der Tod. So aber wie das Gerade niemals die Eigenschaft seines Gegenteils, des Ungeraden, annehmen kann, so kann auch die Seele niemals des Todes teilhaftig werden. Sie ist daher notwendig unsterblich.

Gnosis

Zoe zählt bei manchen Gnostikern zu den Uräonen, die unmittelbar aus der unfassbaren, unbeschreiblichen höchsten Gottheit emanierten. So kennen etwa die Valentinianer eine «Achtheit» höchster Äonen, die nach dem Zeugnis des Irenäus von Lyon (Contra Haereses I 1,1 [1]) aus 4 männlich-weiblichen Paaren (Syzygien) besteht:

„Es lehren die Valentinianer, in unsichtbaren und unnennbaren Höhen sei ein vollkommener Äon gewesen, der vor allem war. Diesen nennen sie auch Uranfang, Urvater und Tiefe[2]. Er ist aber unsichtbar, und kein Ding kann ihn fassen. Da er unfaßbar, unsichtbar, ewig und unerzeugt ist, so ist er unermeßliche Zeiten in tiefster Ruhe gewesen. Mit ihm hat zugleich angefangen die Ennoia, die sie auch Charis und Sige nennen. Nun ist jener einmal auf den Gedanken gekommen, von sich diesen Bythos als Anfang aller Dinge auszusenden und diesen Sprößling, den er auszusenden im Sinne gehabt hatte, wie ein Sperma gleichsam in den Mutterschoß der bei ihm befindlichen Sige einzusenken. Nachdem diese ihn empfangen hatte und schwanger geworden war, hat sie den Nous geboren, der dem Erzeuger ähnlich und gleich war und allein die Größe des Vaters erfaßte. Diesen Nous nennen sie auch den Eingebornen, Vater und Anfang aller Dinge. Mit Ihm zusammen ist auch die Wahrheit geboren und dies ist die erste und ursprüngliche Pythagoräische Vierheit, die sie auch die Wurzel aller Dinge heißen. Sie besteht nämlich aus dem Bythos und der Sige, dann aus dem Nous und der Wahrheit[3].

Indem er nun merkte, wozu er hervorgebracht war, hat der Eingeborne[4] nun seinerseits den Logos und die Zoe hervorgebracht, den Vater aller Dinge, die nach ihm kommen sollten, und die Mutter und Gestaltungskraft des gesamten Weltalls. Aus ihrer ehelichen Verbindung sind hervorgegangen der Mensch und die Kirche Das ist die ursprüngliche Achtheit, die Wurzel und Substanz aller Dinge, die nur mit vier Namen bei ihnen belegt ist: Bythos und Nous, Logos und Anthropos[5], weil in dem männlichen Prinzip jedesmal auch das weibliche enthalten ist, indem sich der erste Urvater[6] paarweise mit seiner Ennoia, der Eingeborne[7] mit der Aletheia, der Logos mit der Zoe, der Mensch mit der Kirche vereinigte.“

Irenäus von Lyon: Contra Haereses I 1,1 [2]
männlich weiblich
Bythos (griech. βυθός, „Tiefe“) Ennoia (griech. έννοια), der „erste Gedanke“ oder die „erste Denkkraft“ Gottes)
bzw. Sige (das „Schweigen“) oder Charis (die „Gnade“)
Nous (griech. νοῦς, Vernunft) Aletheia (griech. ἀλήθεια, Wahrheit)
Logos (griech. λόγος, Wort) Zoe
Anthropos (griech. ἄνθρωπος, Mensch) Ecclesia (griech. ἐκκλησία, Kirche)

Gemeint ist hier nicht der äußere irdische Mensch, sondern der kosmische Urmensch, vergleichbar dem Adam Kadmon der Kabbala. Und die Kirche ist ebenso wenig die äußere irdische Kirche, sondern ihr höchstes himmliches Urbild.

Neues Testament

Im Neuen Testament bedeutet Zoe das von Gott in seiner Gnade durch die Verbindung mit dem Christus geschenkte, unzerstörbare Ewige Leben, das sich dadurch vom vergänglichen irdischen Leben, dem bios (griech. βίος), unterscheidet. So heißt es etwa im 1. Brief des Johannes:

„11 Und das ist das Zeugnis, dass uns Gott das ewige Leben gegeben hat, und dieses Leben ist in seinem Sohn. 12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht. 13 Das habe ich euch geschrieben, damit ihr wisst, dass ihr das ewige Leben habt, die ihr glaubt an den Namen des Sohnes Gottes.“

Erster Brief des Johannes: 1 Joh 5,11-13 LUT

Und ähnlich im Johannesevangelium:

„24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.“

Johannesevangelium: Joh 5,24 LUT

Dieses ewige Leben bezieht sich nicht nur auf die Unsterblichkeit der Seele, sondern wird im vollem Umfang durch die Auferstehung des Leibes geschenkt.

Anmerkungen

  1. Phaidon 105d
  2. Bythos
  3. Aletheia
  4. d. i. der Nous
  5. Mensch
  6. Bythos
  7. d. i. der Nous