Benjamin Libet

Aus AnthroWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Benjamin Libet

Benjamin Libet (* 12. April 1916 in Chicago, Illinois; † 23. Juli 2007 in Davis, Kalifornien) war ein US-amerikanischer Physiologe und arbeitete an der University of California. Er gilt als Wegbereiter der experimentellen Bewusstseinsforschung.

Leben und Forschungstätigkeit

Benjamin Libets Großvater väterlicherseits, Harry Libitsky, ein jüdischer Immigrant, war 1905 aus der Ortschaft Brussyliw in der Ukraine in die Vereinigten Staaten eingewandert[1] und hatte sich in Chicago niedergelassen. Als äußerst geschickter Schneider nähte er Herrenanzüge ausschließlich mit der Hand; von ihm müsse er wohl seine mikrochirugische Fingerfertigkeit geerbt haben, dachte sich Libet später oft. Als Libets Großvater 1909 seine Heimat wieder besuchte, nahm er Libets Vater, der damals 13 oder 14 Jahre alt war, mit nach Amerika. Die restliche Familie folgte erst 1921, was Libets Großmutter ihrem Mann niemals verziehen hat.

Libets Mutter, Anna Charovsky, stammte aus Kiew, wo sie das Gymnasium besucht und Erfahrungen als Lehrerin gesammelt hatte - was für jüdische Mädchen damals noch recht ungewöhnlich war. 1913 kam sie nach Chicago, wo sie 1915 Libets Vater Morris heiratete. Neun Monate später wurde Benjamin Libitsky geboren. Zuhause wurde anfangs nur Jiddisch gesprochen; Englisch lernte Libet zuerst von den Kindern, mit denen er auf der Straße spielte. Aber auch seine Eltern beherrschten die englische Sprache schon bald sehr gut.

Libets Mutter förderte Bens Ausbildung nach besten Kräften. Nach der Grundschule nahm er mit 12 Jahren an einem Summer Camp teil, wo der Betreuer der Biologiegruppe demonstrierte, wie die inneren Organe eines Frosches auch nach Abtötung des Gehirns weiter arbeiteten. Das immer noch schlagende Herz zu sehen, beeindruckte Ben tief.

Diagramm zur Zeitordnung zweier unterschiedlicher Stimuli:
C: Direkte Stimulation des Kortex mit wiederholten Impulsen (60 pps), die aber erst ab etwa 500 ms wahrgenommen wurden. Nach Libets Einschätzung ist diese Zeitspanne nötig, um das Bewusstsein für den Stimulus aufzubauen.
S: Einzelner Impuls auf der Haut nach 200 ms. Erwartet wurde, dass dieser erst nach weiteren 500 ms bewusst wird, also bei etwa 700 ms. Tatsächlich wurde er aber praktisch unmittelbar wahrgenommen. Libet schloss daraus, dass er durch die Gehirntätigkeit zum tatsächlichen Zeitpunkt der Stimulation zurückdatiert wurde.[2]

Mit 16 Jahren schloss Libet die Marshall Metropolitan High School ab und erhielt nach einem glänzenden dreistündigen Examen in Chemie ein halbes Stipendium von der University of Chicago; die andere Hälfte trug seine High School bei. 1936 machte Libet seinen B.Sc.. Danach schloss er sich der Forschungsgruppe des Neurophysiologen Ralph Waldo Gerard (1900-1974) an, der damals schon international für seine Arbeiten zum Nervenmetabolismus bekannt war, und studierte hier die elektrische Aktivität isolierter, in Ringerlösung aufbewahrter Froschgehirne. Gemeinsam mit Gerad fand er heraus, dass der spontan auftretende 6 Hz-Rhythmus durch Variation der ionischen Zusammensetzung Lösung zu einer Vielzahl von Rhythmen umgewandelt werden konnte[3]. Für seine erste wissenschaftliche Veröffentlichung änderte er seinen Namen auf Anraten Gerads wegen der selbst an den Universitäten verbreiteten antisemitischen Haltung von Libitsky zu Libet- was auch ein wenig Französisch anmutete wie Gerads Name: „Das führte später zu peinlichen Momenten, als meine französischen Kollegen annahmen, ich sei tatsächlich Franzose - meine Französischkenntnisse waren aber fast gleich Null.[4] 1939 vollendete er sein Studium mit dem Ph.D. und heiratete im selben Jahr Fannie „Fay“ Evans.

Durch seine Arbeit entwickelte Libet eine heftige Allergie gegen Froschblut, verbunden mit einem starken Bronchialasthma, dem die kalten Winter in Chiacago nicht gut taten. 1949 wechselte Libet daher an die University of California, San Francisco. 1958 übersiedelte die School of Medicine mit vielen führenden Forschern von der University of California, Berkeley nach San Francisco. Dadurch entstand eine langjährige fruchtbare Zusammenarbeit mit dem Neurochirurgen Bertram Feinstein (1914-1978), der es Libet ermöglichte, mit neurologischen Patienten, die damit einverstanden waren, Untersuchungen am offenen Gehirn durchzuführen. Libet reizte die Hirnrinde der wachen Patienten mit winzigen pulsartigen Stromstößen unterschiedlicher Frequenz, um herauszufinden, wann dadurch eine bewusste Empfindung ausgelöst wurde. Stimulierte Libet jenen Teil der Hirnrinde, der Reize aus einem Finger der rechten Hand registriert, verspürten die Versuchspersonen ein unspezifisches Prickeln in diesem Finger. Überraschend war allerdings, dass der Reiz etwa eine halbe Sekunde (500 ms) einwirken musste, ehe er bewusst erlebt wurde. Es kam also zu einer verzögerten Wahrnehmung (eng. delayed awareness). Kürzere Reize drangen überhaupt nicht ins Bewusstsein vor, längere Reize und solche mit höherer Pulsrate wurden intensiver empfunden[5]. Wird anderseits der Finger direkt durch einen einzigen kurzen Impuls gereizt, tritt die viel schärfere Empfindung fast augenblicklich schon nach weniger als 50 ms auf, obwohl auch hier das für die Bewusstwerdung nötig scheinende Hirnrindenpotential erst über einen längeren Zeitraum aufgebaut wird. Libet stellte daraufhin die bis heute umstrittene Hypothese auf, dass das Gehirn den direkten Haut-Reiz entsprechend zurückdatiert[6].

Libet-Experiment

Libets Oszilloskop-Uhr[7]
Analoges Oszilloskop mit Röhrenanzeige aus den 1970er Jahren (Tektronix 465)
Nach verschiedenen Anweisungen ausgelöste Bereitschaftspotentiale (RP) bei zwei verschiedenen Versuchspersonen (S.S. und B.L.), die mittels EEG an verschiedenen Elektroden (Cc", Cc', Cc, Cz, C3) gemessen wurden.[8] Die durchgezogenen vertikalen Linien (A, B, C) zeigen den mittels EMG gemessenen Nullpunkt an.
A: Handbewegung mit Vorplanung
B: spontane Handbewegung
C: elektrische Hautstimulation
Diagramm der Messergebnisse:[9]
RP I: Bereitschaftspotential bei Vorausplanung (-1050 ms)
RP II: spontane Bewegung (-550 ms)
W: bewusster Willensentschluss (-200 ms)
S: Korrekturfaktor aus dem Vorversuch (-50 ms)
EMG: registrierte Muskelaktivität

Bekannt wurde Libet vor allem für sein 1979 durchgeführtes und später nach ihm benanntes „Libet-Experiment“, bei dem er den zeitlichen Zusammenhang willkürlich eingeleiteter Handlungen mit der damit verbundenen neuronalen Aktivität studierte. Er kam dabei zu dem für ihn erstaunlichen Ergebnis, dass das die Handlung einleitende Bereitschaftspotential (eng. readiness potential, kurz RP) bereits deutlich vor der bewusst erlebten Entscheidung zu dieser Handlung aufgebaut wird.

Libet knüpfte an die Arbeiten von Hans Helmut Kornhuber (1928-2009) und Lüder Deecke (* 1938) an, die das Bereitschaftspotential 1964 entdeckt hatten[10]. Kornhubers und Deeckers Versuche zeigten, dass das Bereitschaftspotential schon etwa 0,4 bis 4 Sekunden vor der Bewegung flach anzusteigen beginnt und seinen Höhepunkt meist etwa 50 msec (zwischen 30-90 msec) nach Beginn der Bewegung erreicht. Das widersprach Libets Alltagserfahrung, wonach ihm die subjektiv empfundene Zeit zwischen Handlungsabsicht und -ausführung sehr viel kürzer erschien. Er wollte daher empirisch möglichst exakt feststellen, wann die Versuchsperson eine bewusste Handlungsentscheidung trifft, wann die zugehörige einleitende Aktivität im motorischen Cortex beginnt, und wann die betreffenden Muskeln tatsächlich tätig werden.

Libet errechnete seine Daten aus dem statistischen Mittelwert von jeweils 40 EEG-Aufzeichnungen pro Versuchsperson. Als zeitlichen Referenzpunkt legte er den Beginn der mittels Elektromyografie (EMG) gemessenen Muskelaktivität fest. Um den Zeitpunkt der Willensentscheidung der Versuchpersonen möglichst genau zu erfassen, ließ er sie auf einen mittels eines Oszilloskops realisierten Lichtpunkt blicken, der innerhalb von 2,56 Sekunden einen vollständigen Kreis beschrieb. Die Probanden sollten genau angeben, bei welcher Stellung des Lichtpunkts sie den bewussten „Drang“ („urge“) zur Bewegung verspürt hatten. Um dieses Verfahren zu kalibrieren, wurde zuvor eine Hauptpartie elektrisch stimuliert und der Beginn der Muskelaktivität gemessen. Die Versuchspersonen mussten anhand des kreisenden Lichtpunkts angeben, wann sie die Stimulation bewusst wahrgenommen hatten. Dabei ergab sich, dass der Reiz durchschnittliche 50 ms vor der durch den Reiz ausgelösten Muskelaktivität bewusst erlebt wurde.

Im Hauptversuch wurden die Probanden gebeten, zu einem beliebigen Zeitpunkt die rechte Hand zu bewegen. In einem Teil der Versuche sollte diese Bewegung ganz spontan erfolgen, in einem anderen Teil sollten die Versuchspersonen die Bewegung bewusst vorausplanen und bis zur eigentlichen Ausführung noch bis zu einer Sekunde abwarten.

Relativ zur registrierten Muskelaktivität setzte das Bereitschaftspotential (RP) bei durchschnittlich -1050 ms ein, wenn die Versuchperson berichtete, dass sie die Handlung vorausgeplant hatte. Bei spontanen Bewegungen trat das Bereitschaftspotential hingegen erst bei -550 ms auf. Der Zeitpunkt der willentlichen Entscheidung (W-Urteil), den die Versuchspersonen angaben, lag in beiden Fällen durchschnittlich bei -200 ms, also deutlich nach dem Aufbau des Bereitschaftspotentials (rechnet man noch den im Vorversuch ermittelten Korrekturfaktor ein, kommt man auf -150 ms).

„Es wird gefolgert, dass die zerebrale Initiation eines spontanen, freiwilligen Aktes unbewusst beginnen kann, d.h. bevor es (zumindest abrufbar) ein subjektives Bewusstsein dafür gibt, dass eine "Entscheidung" zum Handeln bereits zerebral eingeleitet wurde. Dies führt zu gewissen Einschränkungen der Möglichkeiten zur bewussten Initiierung und Kontrolle von freiwilligen Handlungen.“

B. Libet et al.: Time of Conscious Intention to Act in Relation to Onset of Cerebral Activity (1983)[11]

Die unbewusste vorbereitende motorische Aktivität scheint also in jedem Fall dem bewussten Willensentschluss ganz klar voranzugehen. Allerdings war die Streuung der Daten bezüglich der Willensentscheidung relativ groß.[12]

„Die einzelnen Versuchspersonen in dem Libet-Experiment unterscheiden sich erheblich darin, zu welchem Zeitpunkt ihnen der Willensakt bewusst wird. Die Datierung des Drangs, sich bewegen zu wollen, schwankte zwischen 422 und 54 Millisekunden vor dem Beginn der eigentlichen Fingerbewegung, in einem Wiederholungsversuch sogar zwischen 984 und 4 Millisekunden. Als Mittelwert aller Versuche ergaben sich für Libet daraus die häufig zitierten 150 bis 200 Millisekunden, bei späteren Wiederholungen der Versuche durch Patrick Haggard tauchte der bewusste Wille dagegen schon 350 Millisekunden vor der Bewegung auf, also deutlich früher.“ (Lit.: Trötscher, S. 16)

Schlussfolgerungen

Libet fasste 2002 seine gesammelten Erkenntnisse wie folgt zusammen:

„1. Die Aktivität der Hirnrinde als Antwort auf einen somatosensorischen Stimulus muss etwa 500 ms andauern, um eine bewusste Empfindung zu erzeugen (Libet et al., 1964, 1967, 1991, 1992a).
2. Eine kürzere Aktivierung gleicher Stärke kann zu einer unbewussten Registrierung des Stimulus führen. Eine Verlängerung der Einwirkungsdauer des Stimulus auf den sensorischen Kortex um zusätzliche 400 ms wandelt die unbewusste Registrierung zu einer bewussten Erfahrung um (Libet et al., 1991). Das ist die Grundlage von Libets „time-on“-Theorie für den Übergang von unbewussten zu bewussten mentalen Funktionen.
3. Ungeachtet der Verzögerung, mit der das kortikale Bewusstsein für einen sensorischen Stimulus erwacht, schlug Libet die Hypothese vor, dass der subjektiv empfundene Zeitpunkt der Stimulation rückdatiert wird, um mit der primär durch den Reiz ausgelösten Reaktion des sensorischen Kortex übereinzustimmen. Daraus entsteht die subjektive Erfahrung, durch die der Stimulus ohne Verzögerung wahrgenommen wird. Ein direkter experimenteller Test bestätigte diese Hypothese (Libet et al., 1979).
4. Einem freien Willensakt geht für etwa 550 ms ein Bereitschaftspotential voran. Die Versuchspersonen berichteten aber, dass ihnen die Intention bzw. der Wunsch zu handeln erst ungefähr 200 ms (± 20 ms) vor der Ausführung bewusst wurde (Libet et al., 1983; Libet, 1985). Das bedeutet, dass das Gehirn den Willensakt unbewusst schon etwa 350 ms früher einleitete, ehe er von der Versuchsperson bewusst gewollt wurde.“ (Lit.: Libet 2002, S. 291[13])

Libets Erkenntnisse führten in den Neurowissenschaften und der Philosophie des Geistes zu heftigen Debatten über die Willensfreiheit des Menschen. Viele Forscher sehen seitdem die Freiheit des menschlichen Willens als bloße Illusion an; in Wahrheit sei der Mensch durch seine neurale Strukturen determiniert. So behauptet etwa der Neurophysiologe Wolf Singer: „Verschaltungen legen uns fest: Wir sollten aufhören, von Freiheit zu sprechen[14] und fordert entsprechende ethische und juristische Konsequenzen bezüglich der Schuldfähigkeit des Menschen.

Libet selbst blieb in dieser Frage etwas vorsichtiger. Zwar ging auch er davon aus, dass die von ihm untersuchten Bewegungen schon vor der bewussten Entscheidung unbewusst neuronal angebahnt werden, doch gestand er - allerdings ohne empirische Grundlage - dem Bewusstsein ein freies, nicht unbewusst eingeleitetes „Veto-Recht“ zu, durch das die angebahnte Handlung innerhalb eines kleinen Zeitfensters noch abgebrochen werden kann, ehe sie tatsächlich zur Ausführung kommen würde.

„Die Rolle des bewußten freien Willens wäre also nicht, eine Willenshandlung einzuleiten, sondern vielmehr zu kontrollieren, ob die Handlung stattfindet. Wir können die unbewußten Initiativen zu Willenshandlungen als ein «Hochsprudeln», im Gehirn verstehen. Der bewußte Wille entscheidet dann, welche dieser Initiativen sich in einer Handlung niederschlagen soll oder welche verhindert und abgebrochen werden sollen, ohne daß es zur Handlung kommt.
Diese Art von Rolle für den freien Willen stimmt tatsächlich mit religiösen und ethischen Mahnungen überein. Diese befürworten gewöhnlich, daß man «sich selbst unter Kontrolle hat». Die meisten der zehn Gebote geben die Anweisung, daß man etwas nicht tun soll.“ (Lit.: Libet 2016, S. 282[15])

Neuere Untersuchungen (2016) von John-Dylan Haynes (* 1971) scheinen das auch experimentell zu bestätigen[16]. Zudem sah Libet den Indeterminismus als Voraussetzung des freien Willens an[17].

„Es bleibt eine tiefere Frage zum freien Willen übrig, die die vorangehenden Betrachtungen nicht berührt haben. Was wir durch unsere Experimente erreicht haben, ist ein Wissen darüber, wie der freie Wille funktionieren könnte. Wir haben jedoch die Frage nicht beantwortet, ob unsere bewußt gewollten Handlungen völlig von Naturgesetzen determiniert sind, die die Aktivitäten von Nervenzellen im Gehirn beherrschen, oder ob Handlungen und die bewußten Entscheidungen, sie zu vollziehen, bis zu einem bestimmten Grad unabhängig vom Determinismus der Natur vonstatten gehen können. Die erste dieser Optionen würde die Willensfreiheit zu einer Illusion machen. Das bewußte Gefühl, daß man seinen Willen ausübt, würde man dann als ein Epiphänomen ansehen, als ein bloßes Nebenprodukt der Aktivitäten des Gehirns, aber ohne eigene kausale Kräfte.

Erstens kann man darauf hinweisen, daß freie Entscheidungen oder Handlungen nicht vorhersagbar sind, selbst wenn sie vollständig determiniert sein sollten. Das Heisenbergsche «Unschärfeprinzip» schließt aus, daß wir ein vollständiges Wissen über die zugrundeliegenden molekularen Aktivitäten haben. Die Quantenmechanik zwingt uns dazu, mit Wahrscheinlichkeiten anstatt mit Gewißheiten von Ereignissen umzugehen. Und nach der Chaostheorie kann ein zufälliges Ereignis das Verhalten eines ganzen Systems auf nicht vorhersagbare Weise verändern. Auch wenn die Ereignisse praktisch nicht vorhersagbar sind, könnten sie dennoch in Übereinstimmung mit Naturgesetzen stehen und deshalb determiniert sein.

Wir wollen unsere Grundfrage folgendermaßen formulieren: Müssen wir den Determinismus akzeptieren? Ist der Indeterminismus eine lebensfähige Option? Wir sollten erkennen, daß beide dieser alternativen Ansichten (der Determinismus der Naturgesetze gegenüber dem Indeterminismus) unbewiesene Theorien sind, d. h. unbewiesen in bezug auf die Existenz von Willensfreiheit. Der Determinismus war im großen Ganzen für die physikalische beobachtbare Welt erfolgreich. Diese Tatsache hat viele Wissenschaftler und Philosophen dazu geführt, jede Abweichung vom Determinismus als absurd und albern und einer weiteren Betrachtung nicht wert anzusehen. Es gab jedoch keine Belege oder gar den Vorschlag eines experimentellen Versuchsplans, der endgültig und überzeugend die Gültigkeit des Determinismus der Naturgesetze als Vermittler oder Werkzeug der Willensfreiheit beweist.

Es gibt eine unerklärte Lücke zwischen der Kategorie der physischen Phänomene und der Kategorie der subjektiven Phänomene. Schon bei Leibniz wurde darauf hingewiesen, daß, wenn man in das Gehirn mit einem vollständigen Wissen seines physischen Aufbaus und der Aktivitäten von Nervenzellen schauen würde, man nichts sehen würde, was subjektive Erfahrung beschreibt. Die ganze Grundlage unserer eigenen experimentellen Untersuchungen der Physiologie bewußter Erfahrung (die in den späten 5oer Jahren begannen) bestand darin, daß die von außen beobachtbaren und manipulierbaren Gehirnprozesse und die damit verbundenen subjektiven introspektiven Erlebnisse gleichzeitig als unabhängige Kategorien untersucht werden müssen, um ihre Beziehung zu verstehen. Die Annahme, daß die deterministische Natur der physikalisch beobachtbaren Welt (in dem Maß, in dem sie zutrifft) subjektive bewußte Funktionen und Ereignisse erklären kann, ist ein spekulativer Glaube und keine wissenschaftlich bewiesene Aussage.

Der Indeterminismus, die Ansicht, daß der bewußte Wille manchmal Wirkungen ausüben kann, die nicht mit bekannten physikalischen Gesetzen übereinstimmen, ist natürlich ebenfalls ein nicht bewiesener, spekulativer Glaube. Die Ansicht, daß der bewußte Wille die Funktion des Gehirns unter Verletzung bekannter physikalischer Gesetze beeinflussen kann, erscheint in zwei Formen. Nach der einen wird behauptet, daß die Verletzungen nicht meßbar sind, da die Handlungen des Geistes auf einer Ebene liegen, die sich unterhalb der Ebene der Unschärfe befindet, die von der Quantenmechanik zugelassen wird. (Ob letzterer Vorbehalt aufrechterhalten werden kann, muß noch geklärt werden.) Diese Position würde also einen indeterministischen freien Willen ohne eine wahrnehmbare Verletzung der Gesetze der Physik zulassen. Nach einer zweiten Ansicht wird behauptet, daß die Verletzungen bekannter physikalischer Gesetze groß genug sind, um entdeckt zu werden, zumindest im Prinzip. Man kann aber dafür argumentieren, daß die Meßbarkeit in der wirklichen Praxis unmöglich ist. Diese Schwierigkeit der Messung wäre vor allem dann der Fall, wenn der bewußte Wille in der Lage ist, seinen Einfluß durch minimale Aktionen an relativ wenigen neuronalen Elementen auszuüben; diese Aktionen könnten als Auslöser von verstärkten Mustern neuronaler Aktivität im Gehirn dienen.Jedenfalls haben wir keine wissenschaftliche Antwort auf die Frage, welche Theorie (Determinismus oder Indeterminismus) die Natur des freien Willens beschreibt.

Wir müssen jedoch anerkennen, daß die nahezu universale Erfahrung, daß wir aus freier, unabhängiger Entscheidung handeln können, eine Art von prima facie-Beleg darstellt, daß bewußte mentale Prozesse bestimmte Gehirnprozesse kausal steuern können.[18] Als Experimentalwissenschaftler bin ich der Meinung, daß diese Tatsache eine größere Schwierigkeit für eine deterministische als für eine indeterministische Option darstellt...

Bei einer Frage, die von so grundlegender Bedeutung ist für unser Selbstverständnis, sollte die Behauptung der illusorischen Natur von Willensfreiheit auf recht direkte Belege gegründet werden. Solche Belege gibt es aber nicht; und die Deterministen schlagen auch keinen Entwurf eines Experiments vor, um die Theorie zu prüfen. Tatsächlich habe ich selbst einen Versuchsplan vorgeschlagen, der die Frage prüfen könnte, ob der bewußte Wille die Aktivitäten von Nervenzellen im Gehirn beeinflussen kann, und zwar über ein angenommenes ‚bewußtes mentales Feld‘ das ohne jegliche neuronale Verbindungen als Vermittler wirken könnte.[18] Dieses schwierige, aber durchführbare Experiment ist leider immer noch nicht durchgeführt worden. Wenn seine Ergebnisse die Vorhersage jener Feldtheorie bestätigen würden, hätte das einen radikalen Wandel unserer Ansichten bezüglich der Geist-Gehirn-Interaktion zur Folge.

Meine Schlußfolgerung zur Willensfreiheit, die wirklich frei im Sinne der Nicht-Determiniertheit ist, besteht dann darin, daß die Existenz eines freien Willens zumindest eine genauso gute, wenn nicht bessere wissenschaftliche Option ist als ihre Leugnung durch die deterministische Theorie.“ (Lit.: Libet 2016, S. 284ff.)

Experiment von Haggard und Eimer

Der Neurophysiologe Patrick Haggard und der Psychologe Martin Eimer (* 1959) kritisierten, dass bei Libets Versuchen keine wirklich freie Entscheidung möglich sei, da die auszuführende Bewegung schon vor Versuchsbeginn festgelegt sei. Sie führten daher 1999 Experimente mit modifizierten Versuchsbedingungen durch, bei denen sie Handlungsalternativen zuliessen. Die Versuchspersonen konnten frei entscheiden, ob sie den rechten oder linken Zeigefinger bewegen wollten. Gemessen das entsprechende kontralaterale Breitschaftspotential der linken bzw. rechten Gehirnhälfte. Auch bei diesen Versuchen baute sich das Bereitschaftspotential bereits vor der bewusst empfundenen Entscheidung auf. Ähnlich wie bei Libets Experimenten gab es auch hier eine starke Streuung bezüglich des berichteten Zeitpunkts der Willensentscheidung. Bei zwei von acht Personen lag die Entscheidung sogar vor dem lateralisierten Bereitschaftspotential (LRP).[19]

„Unsere zweite Analyse zeigte, dass das W-Urteil mit dem Beginn der lateralisierten Bereitschaftspotential (LRP) kovariierte, aber nicht mit dem Einsetzen des Bereitschaftspotentials (RP). Nach der Logik von Mill (1843), schließt dieser Befund das RP als unbewusste Ursache des bewussten Zustands aus, von dem das W-Urteil abhängt, aber es ist im Einklang damit, dass das LRP diese Rolle hat. Dieses Ergebnis hat mehrere Auswirkungen. Erstens zeigt es, dass W-Urteile Ereignisse im Zusammenhang mit der Umsetzung einer bestimmten Bewegung widerspiegeln, anders als abstraktere Repräsentationen der Aktion in Verarbeitungsschritten, die vor der Auswahl einer bestimmten Bewegung auftreten. Anders gesagt, mögen die Leute bewussten Zugang zu prämotorischen Prozessen haben, die nach der Bewegungsauswahl auftreten, aber nicht zu denen davor. Zweitens trägt die zeitliche Diskrepanz, die Libet (Libet et al. 1983) zwischen RP-Anfang und W-Urteil beobachtet hat, tatsächlich nichts zur Aufklärung der intentionalen Prozesse und des freien Willens bei, denn bezüglich dieser zeitlichen Diskrepanz besteht kein kausaler Zusammenhang. Hingegen kann zwischen dem LRP und dem W-Urteil eine kausale Verbindung bestehen, doch ist das LRP ein relativ spätes Ereignis in der physiologischen Kette, die zum Handeln führt. In unserer Terminologie stellt der LRP-Beginn die Bühne bereit, auf der die Repräsentation der abstrakten Handlung in die Repräsentation der spezifischen Bewegung übersetzt wird. Somit ist der LRP-Beginn nicht der Ausgangspunkt der psychologischen Prozesse, die in der freiwillige Bewegung gipfeln, kann aber möglicherweise der Ausgangspunkt für die Bewusstwerdung der motorischen Aktion sein.“ (Lit.: Haggard/Eimer 1999, S. 132[20])

Theorie des bewussten mentalen Feldes

1994[21] schlug Libet eine Theorie des bewussten mentalen Feldes (kurz BMF; eng. Conscious mental field theory, kurz CMF) vor, um zu erklären, wie das Mentale aus dem physischen Gehirn entsteht. Ausführlich berichtete er darüber in seinem 2004 veröffentlichten Buch Mind Time: The Temporal Factor in Consciousness[22]. Die beiden Hauptgründe für seinen Vorschlag waren erstens das Phänomen der Einheit der subjektiven bewussten Erfahrung und zweitens das Phänomen, dass die bewusste mentale Funktion die Aktivität der Nervenzellen zu beeinflussen scheint. Durch seine experimentelle Erfahrung geht Libet davon aus, dass die beiden Phänomene - das Mentale und das Physische - nicht aufeinander reduziert werden können[23].

In Bezug auf die Einheit der bewussten Erfahrung wurde für Libet immer deutlicher, dass viele Funktionen des Cortex lokalisiert sind, sogar bis auf eine mikroskopische Ebene in einer Region des Gehirns, und doch sind die mit diesen Bereichen verbundenen bewussten Erfahrungen integriert und vereint. Wir erleben keine unendliche Vielzahl von Einzelereignissen, sondern ein einheitliches integriertes Bewusstsein, zum Beispiel ohne Lücken in räumlichen und farbigen Bildern. Für Libet vermittelt ein vereinheitlichender Prozess wahrscheinlich die Transformation von lokalisierten, spezifizierten neuronalen Darstellungen in unsere vereinheitlichte bewusste Erfahrung. Für diesen Prozess postulierte er eine mentalen Sphäre, eben das bewusste mentale Feld, das aus den neuronalen Ereignissen hervorzugehen scheint.

„Trotz der enorm komplexen Vielfalt an lokalisierten Funktionen und Repräsentationen sind die bewussten Erfahrungen, die mit diesen neuronalen Funktionen in Verbindung stehen oder durch diese hervorgerufen werden, haben sie eine integrierte und einheitliche Natur. Was auch immer das Bewusstsein erreicht, wird nicht als ein unendlich detailliertes Angebot unterschiedlichster Einzelereignisse erfahren. Es kann argumentiert werden, dass diese erstaunliche Diskrepanz zwischen spezifizierten neuronalen Repräsentationen und einheitlich integrierten bewussten Erfahrungen einfach als Teil eines generellen Fehlens von Isomorphismus zwischen mentalen und neuronalen Ereignissen akzeptiert werden sollte. Aber das schliesst die Möglichkeit nicht aus, dass ein vereinheitlichender Prozess die fragliche tiefgreifende Transformation vermitteln kann...

Eine wesentliche Eigenschaft des bewussten mentalen Feldes (CMF) wäre die einer einheitlichen oder vereinheitlichten subjektiven Erfahrung. Ein zweites Attribut wäre eine kausale Fähigkeit, die neuronale Funktion zu beeinflussen oder zu verändern. Die zusätzliche Bedeutung oder Aussagekraft der Beschreibung subjektiver Erfahrungen im Sinne eines CMF wird mit der vorgeschlagenen experimentellen Prüfung der Theorie deutlicher werden. Das heißt, mit dem CMF wird mehr als nur ein weiterer Begriff in Bezug auf die "einheitliche subjektive Erfahrung" vorgeschlagen.“ (Lit.: Libet 1994, S. 119-120[24])

Das CMF ist der Vermittler zwischen den körperlichen Aktivitäten der Nervenzellen und der Entstehung subjektiver Erfahrungen. Somit ist das CMF die Einheit, in der eine einheitliche subjektive Erfahrung vorhanden ist und bietet die kausale Fähigkeit, einige neuronale Funktionen zu beeinflussen oder zu verändern. Obwohl dieses Feld immateriell ist, es existiert nicht ohne das Gehirn, sondern geht aus dem entsprechenden System der neuronalen Aktivität hervor. Dieser Vorschlag steht in engem Zusammenhang mit anderen elektromagnetischen Theorien des Bewusstseins.

„Das CMF ist kein cartesisches dualistisches Phänomen; es ist nicht vom Gehirn trennbar. Vielmehr wird es als lokalisierbare Systemeigenschaft vorgeschlagen, die durch geeignete neuronale Systeme erzeugt wird und ohne deren Aktivität nicht existieren kann. Nochmals, es ist kein "Geist" in der Maschine. Aber als ein System, das von Milliarden von Nervenzellaktionen produziert wird, kann es Eigenschaften haben, die nicht direkt vorhersehbar sind. Es ist ein nicht-physisches Phänomen wie die subjektive Erfahrung, die es darstellt. Der Prozess, durch den das CMF aus den daran beteiligten Elementen entsteht, ist nicht beschreibbar. Es muss einfach als ein neues fundamental "gegebenes" Phänomen der Natur betrachtet werden, das sich von anderen fundamentalen "Gegebenheiten", wie Schwerkraft oder Elektromagnetismus, unterscheidet.“ (Lit.: Libet 2006, S. 324[25])

Um die vorgeschlagene kausale Fähigkeit des CMF zu testen, neuronale Funktionen zu beeinflussen oder zu verändern, schlug Libet ein Experiment vor, bei dem eine Scheibe der Großhirnrinde (bei einem Patienten, für den ein solches Verfahren therapeutisch erforderlich war) operativ isoliert würde. Wenn eine elektrische Stimulation der isolierten Rinde einen introspektiven Bericht des Probanden hervorrufen kann, muss das CMF in der Lage sein, geeignete zerebrale Bereiche zu aktivieren, um den mündlichen Bericht zu erstellen. Dieses Ergebnis würde direkt zeigen, dass ein bewusstes Mentalfeld neuronale Funktionen in einer Weise beeinflussen könnte, die die Aktivität des bewussten Willens berücksichtigt.

„Eine Scheibe des sensorischen Kortex (egal welcher Art von Sinnesmodalität) wird neuronal isoliert, aber lebensfähig gehalten, indem alle kortikalen Schnitte subpial durchgeführt werden. Das erlaubt es den Blutgefäßen der Pia, in die isolierte Scheibe einzudringen und und den Blutzufluss durch die arteriellen Zweige zu gewährleisten, die vertikal in den Cortex eintauchen. Die Vorhersage lautet, dass die elektrische Stimulation der sensorischen Scheibe eine subjektive Reaktion hervorrufen wird, von der die Person berichten kann. Das heißt, die Aktivität in der isolierten Scheibe kann dazu beitragen, indem sie ihren eigenen Teil des CMF produziert.“ (Lit.: Libet 2006, S. 324[26])

Kritik

Methodische Probleme

Differenz zwischen bewusst gewordenem Willensimpuls (W) und subjektiv empfundenen Beginn der Muskelbewegung (M) (Tomáš Dominik et al. 2017)

Ein Problem der genannten Versuche besteht darin, dass der Zeitpunkt, zu dem eine Wahrnehmung bewusst erlebt wird, von der Aufmerksamkeit abhängt. Konzentriert man sich auf eine Wahrnehmung, so wird sie deutlich früher erlebt. Darüber hinaus ist eine „gefühlte Willensentscheidung“ auch keine zeitlich klar zu begrenzende Wahrnehmung wie etwa ein Signalton oder ein Lichtblitz. Damit sind aber die Aussagen der Versuchspersonen nur bedingt verlässlich, worauf auch die breite Streuung der Ergebnisse hindeutet. Möglicherweise ist die Bewusstwerdung der Handlungsintention auch ein mehrstufiger Prozess, der zum gemessenen Zeitpunkt kulminiert.[27][28][29]

Untrainierte Versuchspersonen scheinen zudem den bewusst gewordenen Willensimpuls (W) mit dem subjektiv empfundenen Beginn der Muskelbewegung (M) zu verwechseln. Beide Werte wurden mittels der Oszilloskop-Uhr ermittelt. Wurde in einer ersten Versuchsserien W und anschließend in einer zweiten Versuchsserie M ermittelt, lag zwischen beiden Werten kein signifikanter Unterschied. Wurde hingegen zuerst M registiert, lagen die Werte für W zeitlich wesentlich früher. Die Autoren vermuten daher, dass die Differenz von den vorangegangenen Erfahrungen mit den M-Messungen abhängig ist.[30][31]

Erlauben die Versuche Aussagen über die Willensfreiheit?

Grundsätzlich zu hinterfragen ist, ob Libets Versuchsbedingungen (auch die von Haggard und Eimer) überhaupt geeignet sind, Aussagen über die Willensfreiheit zu machen. Einfache Fingerbewegungen, wie sie seinen Experimenten zugrunde liegen, scheinen dazu wenig geeignet, da die in solche elementaren Körperbewegungen involvierte Motorik selbst weitgehend unbewusst abläuft. Aber gerade auch komplexe, mühsam erlernte Bewegungmuster, etwa Radfahren, funktionieren nur dann gut, wenn sie weitestgehend automatisch ablaufen. Wir bestimmen zwar bewusst die Richtung unserer Fahrt, aber der Bewegungsablauf selbst vollzieht sich autonom und fast unbewusst. Dem Neurowissenschaftler Gerhard Roth, der die Willensfreit des Menschen bestreitet, ist insofern zuzustimmen, wenn er schreibt:

„Bewußtsein tritt auf, wenn das Gehirn mit kognitiven oder motorischen Aufgaben konfrontiert ist, für die noch keine „zuständigen“ Nervennetze existieren. Dabei finden synaptische Reorganisationen in spezifischen Nervennetzen statt. Dies kann mit bildgebenden Verfahren sichtbar gemacht werden. Sobald sich diese Netze konsolidieren, werden die kognitiven oder motorischen Leistungen automatisiert, und Bewußtsein, zum Beispiel in Form von Aufmerksamkeit, ist nicht mehr nötig.“

Gerhard Roth: Entstehen und Funktion von Bewußtsein[32]

Wenn ich etwa den Entschluss fasse, spazieren zu gehen, so kann ich hingegen sehr wohl die Frage stellen, ob ich zu diesem Entschluss aus freier bewusster Entscheidung gekommen bin, oder etwa nur rein gewohnheitsmäßig spazierengehe. Die eigentlichen motorischen Bewegungen, durch die ich dann einen Schritt vor den anderen setze, haben mit der vorangegangenen Entscheidung, wie sie auch gefallen sein mag, frei oder unfrei, nicht das Geringste zu tun. Entscheidend ist hier nicht, wie die Bewegung ausgeführt wird, sondern wie der Entschluss zustande kommt, sie auszuführen. Es geht nicht darum wie und wann ich eine bestimmte Handlungsfolge ablaufen lasse, sondern warum. Dass darüber hinaus das Bewusstsein Bewegungsabläufe nicht fördert, sondern ihren Ablauf stört, ist längst bekannt. Am flüssigsten und sichersten laufen gut eingeübte, vollständig „automatisierte“ Bewegungen ab, die dabei auch sehr komplex sein können. Eine bewusste „Steuerung“ würde hier vollkommen versagen.

Dass eine Tat, bei der ich nicht weiß, warum ich sie ausführe, nicht frei ist, versteht sich von selbst. Wie ist es aber um eine Handlung bestellt, deren Gründe ich vollkommen überschauen kann? Ob ein Willensakt wirklich frei ist, werde ich nur beurteilen können, wenn ich klar erkenne, welche Triebfeder und welches Motiv mein Tun leitet. Alle damit zusammenhängenden Fragen hat Rudolf Steiner in seiner 1894 erschienen «Philosophie der Freiheit» ausführlich besprochen.

„Eine Handlung wird als eine freie empfunden, soweit deren Grund aus dem ideellen Teil meines individuellen Wesens hervorgeht; jeder andere Teil einer Handlung, gleichgültig, ob er aus dem Zwange der Natur oder aus der Nötigung einer sittlichen Norm vollzogen wird, wird als unfrei empfunden.

Frei ist nur der Mensch, insofern er in jedem Augenblicke seines Lebens sich selbst zu folgen in der Lage ist. Eine sittliche Tat ist nur meine Tat, wenn sie in dieser Auffassung eine freie genannt werden kann.“ (Lit.:GA 4, S. 164)

Von der „Freiheit des Willens“ zu sprechen, ist daher nach Rudolf Steiner schlechthin unsinnig. Die Freiheit des Menschen liegt darin begründet, dass er die Gesetze seines Handelns erkennen und darauf seine Entscheidungen gründen kann. Ausgangspunkt der Freiheit ist darum niemals der Wille, der unzugänglich tief unter der Schwelle des Bewusstseins waltet, sondern vielmehr die Freiheit der Gedanken, die sich der Mensch im reinen, sinnlichkeitsfreien Denken durch moralische Intuition erringen und dadurch sein Handeln frei gestalten kann. Darüber aber sagen die Experimente von Libet und seinen Nachfolgern rein gar nichts aus.

„Lesen Sie nach in meiner «Philosophie der Freiheit», was für einen großen Wert ich darauf gelegt habe, daß nicht gefragt werde nach der Freiheit des Willens. Der sitzt unten, tief unten im Unbewußten, und es ist ein Unsinn, nach der Freiheit des Willens zu fragen; sondern man kann nur von der Freiheit der Gedanken sprechen. Ich habe das in meiner «Philosophie der Freiheit» wohl auseinandergehalten. Die freien Gedanken müssen dann den Willen impulsieren, dann ist der Mensch frei.“ (Lit.:GA 235, S. 46ff)

Leib-Seele-Problem

Hauptartikel: Leib-Seele-Problem

Der grundlegende Fehler, aus dem sich das mit der bewussten Willensentscheidung zusammenhängende Leib-Seele-Problem überhaupt erst ergibt, liegt darin, dass der rein ideelle Bezug zwischen Subjekt und Objekt fälschlich als äußerlicher Kausalbezug gedeutet wird. Rudolf Steiner hat darauf schon (in etwas anderem Zusammenhang) in seiner «Philosophie der Freiheit» hingewiesen:

„Wir können nicht davon sprechen, daß es außer dem unmittelbar Wahrgenommenen noch anderes gibt, als dasjenige, was durch die ideellen (durch das Denken aufzudeckenden) Zusammenhänge der Wahrnehmungen erkannt wird. Die über das bloß Wahrgenommene hinausgehende Beziehung der Wahrnehmungsobjekte zum Wahrnehmungssubjekte ist also eine bloß ideelle, das heißt nur durch Begriffe ausdrückbare. Nur in dem Falle, wenn ich wahrnehmen könnte, wie das Wahrnehmungsobjekt das Wahrnehmungssubjekt affiziert, oder umgekehrt, wenn ich den Aufbau des Wahrnehmungsgebildes durch das Subjekt beobachten könnte, wäre es möglich, so zu sprechen, wie es die moderne Physiologie und der auf sie gebaute kritische Idealismus tun. Diese Ansicht verwechselt einen ideellen Bezug (des Objekts auf das Subjekt) mit einem Prozeß, von dem nur gesprochen werden könnte, wenn er wahrzunehmen wäre... Alle Bemühungen, zwischen den Wahrnehmungen andere als Gedankenbezüge zu suchen, müssen notwendig scheitern.“ (Lit.:GA 4, S. 97f)

Rudolf Steiner hat auch nachdrücklich darauf hingewiesen, dass nicht bloß das Gehirn, sondern der ganze Leib die physische Grundlage des Seelenlebens ist.

„Der Leib als Ganzes, nicht bloß die in ihm eingeschlossene Nerventätigkeit ist physische Grundlage des Seelenlebens. Und wie das letztere für das gewöhnliche Bewußtsein sich umschreiben läßt durch Vorstellen, Fühlen und Wollen, so das leibliche Leben durch Nerventätigkeit, rhythmisches Geschehen und Stoffwechselvorgänge.“ (Lit.:GA 21, S. 158)

Nur das Denken und Vorstellen stützt sich unmittelbar auf das Nervensystem und insbesondere auf das Gehirn. Das Fühlen hängt eng mit der Tätigkeit des rhythmischen Systems zusammen und das Wollen mit dem Gliedmaßen-Stoffwechsel-System.

Erschwert wird das Problem besonders dadurch, dass sich der in der angelsächsischen Literatur verwendete und vor allem für die Neurowissenschaften heute einzig maßgebliche Ausdruck „Mind“ nur auf das leibbedingte mentale Spiegelbild des Geistes bezieht, das wir in unserem Alltagsbewusstsein erleben, das aber eben gerade nicht mit der eigenständigen leibfreien Wirklichkeit des Geistes verwechselt werden darf. Rudolf Steiner hat wiederholt darauf hingewiesen, dass man sich die „Wechselwirkung“ zwischen Geist und Körper nicht im dualistischen Sinn von Platon oder Descartes als Einwirkung des „immateriellen“ Geistes auf die „geistlose“ Materie vorstellen darf. Es gehört daher laut Steiner zu den gerechtfertigten Aufgaben der Neurowissenschaften, dieses Spiegelbild und seinen Spiegelungsapparat auf rein naturwissenschaftliche Weise ohne Einmischung spritueller Erwägungen zu studieren.

„Und man wird deshalb zu einer besseren Vorstellung über das «Ich» erkenntnistheoretisch gelangen, wenn man es nicht innerhalb der Leibesorganisation befindlich vorstellt, und die Eindrücke ihm «von außen» geben läßt; sondern wenn man das «Ich» in die Gesetzmäßigkeit der Dinge selbst verlegt, und in der Leibesorganisation nur etwas wie einen Spiegel sieht, welcher das außer dem Leibe liegende Weben des Ich im Transzendenten dem Ich durch die organische Leibestätigkeit zurückspiegelt. Hat man sich einmal für das mathematische Denken mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß das «Ich» nicht im Leibe ist, sondern außerhalb desselben und die organische Leibestätigkeit nur den lebendigen Spiegel vorstellt, aus dem das im Transzendenten liegende Leben des «Ich» gespiegelt wird, so kann man diesen Gedanken auch erkenntnistheoretisch begreiflich finden für alles, was im Bewußtseinshorizonte auftritt. - Und man könnte dann nicht mehr sagen, das «Ich» müsse sich selbst überspringen, wenn es in das Transzendente gelangen wollte; sondern man müßte einsehen, daß sich der gewöhnliche empirische Bewußtseinsinhalt zu dem vom menschlichen Wesenskern wahrhaft innerlich durchlebten, wie das Spiegelbild sich zu dem Wesen dessen verhält, der sich in dem Spiegel beschaut. - Durch eine solche erkenntnistheoretische Vorstellung würde nun der Streit zwischen der zum Materialismus neigenden Naturwissenschaft und einer das Spirituelle voraussetzenden Geistesforschung in eindeutiger Art wirklich beigelegt werden können. Denn für die Naturforschung wäre freie Bahn geschaffen, indem sie die Gesetze der Leibesorganisation unbeeinflußt von einem Dazwischenreden einer spirituellen Denkart erforschen könnte. Will man erkennen, nach welchen Gesetzen das Spiegelbild entsteht, so ist man an die Gesetze des Spiegels gewiesen. Von diesem hängt es ab, wie der Beschauer sich spiegelt. Es geschieht in verschiedener Art, ob man einen Planspiegel, einen konvexen oder einen konkaven Spiegel hat. Das Wesen dessen, der sich spiegelt, liegt aber außerhalb des Spiegels. So könnte man sehen in den Gesetzen, welche die Naturforschung ergibt, die Gründe für die Gestaltung des empirischen Bewußtseins; und in diese Gesetze wäre nichts einzumischen von dem, was die Geisteswissenschaft über das innere Leben des menschlichen Wesenskernes zu sagen hat. Innerhalb der Naturforschung wird man mit Recht sich immer wehren gegen ein Einmischen rein spiritueller Gesichtspunkte. Und auf dem Felde dieser Forschung ist es nur naturgemäß, daß man mehr sympathisiert mit Erklärungen, die mechanisch gehalten sind, als mit spirituellen Gesetzen. Eine Vorstellung wie die folgende muß dem in klaren naturwissenschaftlichen Vorstellungen Lebenden sympathisch sein: «Die Tatsache des Bewußtseins durch Gehirnzellen-Erregung ist nicht wesentlich anderer Ordnung als die Tatsache der an den Stoff gebundenen Schwerkraft» (Moritz Benedikt). Jedenfalls ist mit einer solchen Erklärung exakt methodologisch das naturwissenschaftlich Denkbare gegeben. Sie ist naturwissenschaftlich haltbar, während die Hypothesen von einem Regeln der organischen Vorgänge unmittelbar durch psychische Einflüsse naturwissenschaftlich unhaltbar sind.“ (Lit.:GA 35, S. 139ff)

Im Licht dieser Aussage Rudolf Steiners trifft auch Thomas Meyer den entscheidenden Punkt vermutlich nicht ganz richtig, da auch er von einer dualistischen Wechselwirkung von Geist und Gehirn zu sprechen scheint:

„Das Experiment beweist für Libet und manchen seiner Nachfolger, dass es den freien Willen nicht gibt. Doch hier stellt sich für ein unbefangenes Denken die Frage: Mit welchem Recht wird behauptet, dass es das Gehirn sei, das für den Menschen unbewusst, den Prozess einleite, dass es, mit anderen Worten, dessen Ursache sei? Aus der Tatsache, dass der Gehirnprozess innerhalb der untersuchten dreiteiligen Ereignisreihe (BP, vorgestellter Willensentschluss, Handlung) zeitlich an erster Stelle auftritt, kann nicht einfach abgeleitet werden, dass dieser Gehirnprozess die erste «Ursache» des Gesamtgeschehens sei. Es muss zumindest erwogen oder durch Versuche ausgeschlossen werden, dass auch der Gehirnprozess verursacht, das heißt von etwas anderem bewirkt worden ist. Libet selbst akzeptiert die Immaterialität von Vorstellungen (Handlungsabsicht). Mithin wird von ihm vorausgesetzt, dass Materielles (Gehirnprozess) Immaterielles (Vorstellung der Handlung) hervorrufen könne und dies dann zur tatsächlichen Handlung führe. Dasselbe müsste Libet aber auch für den Gehirnprozess in Betracht ziehen und sich fragen: Ist der Gehirnprozess möglicherweise durch einen immateriellen Prozess in Gang gesetzt worden? Gibt es einen solchen Prozess, und worin würde er bestehen?“ (Lit.: Thomas Meyer, S. 3f. [1])

Meyer schlägt folgende Erweiterung des Zeitschemas des Libet-Experiments vor:

„Nimmt man Steiners grundsätzliche Charakteristik von Gehirn und Nervensystem als Spiegelungsapparate unbefangen ernst, dann erscheint Libets Experiment geradezu als Bestätigung von Steiners Aussagen. Nur muss es um eine Phase vervollständigt werden.

Was Libet und andere als Ursache betrachten, das «Bereitschaftspotential», ist im Lichte der Steinerschen Aussagen ein Ergebnis der an sich immateriellen, sich aber auf das Gehirn richtenden und dieses bearbeitenden denkerischen Tätigkeit. Es ergibt sich folgende schematische Darstellung:

Das erweiterte Zeitschema des Libet-Experiments

Das Erste ist die Vorstellung, in diesem Falle die Vorstellung, eine bestimmte Bewegung auszuführen. Dieser von der Seele ergriffene Vorstellungsinhalt kann aber erst bewusst werden, nachdem der Spiegelungsapparat Gehirn entsprechend präpariert worden war. Diese Präparationsarbeit kommt – zumindest auch – in der BP getauften Gehirnaktivität zum Ausdruck.

Erst nach Abschluss dieser Vorbereitungstätigkeit, kann die Vorstellung bewusst werden. Wir haben es also in Wirklichkeit mit vier Phasen zu tun und nicht nur mit dreien (BP I u. II werden hier als eine Phase gezählt). Die dritte (bei Libet die zweite) Phase ist nicht, wie unreflektiert vorausgesetzt, die Erzeugung oder Produktion eines Vorstellungsinhaltes, sondern dessen Bewusstwerdung. Warum ihr die «BP-Phase» vorausgehen muss, ist aus Steiners Ausführungen unmittelbar einsichtig. Es ist klar, dass die erste Phase nur der geisteswissenschaftlichen Forschung zugänglich ist, nicht der naturwissenschaftlichen. Letztere könnte aber bei unbefangenem Denken ihr eigenes Forschungsresultat im Lichte der geisteswissenschaftlichen Forschung betrachten und damit einen Ausweg aus den interpretatorischen Sackgassen und Absurditäten finden.“ (Lit.: Thomas Meyer, S. 5f. [2])

Nicht ganz klar ist hier, was Meyer unter der „vorbewussten Vorstellungsbildung“, dem «Wunsch», versteht. Laut Rudolf Steiners «Philosophie der Freiheit» ist die Vorstellung ein auf eine bestimmte Wahrnehmung bezogener und dadurch individualisierter Begriff, der im gespiegelten Bewusstsein erscheint und als solcher, da es sich ja nur um eine Spiegelung handelt, nicht auf das Gehirn einwirken kann. Darüber hinaus ist auch eine „vorbewusste Vorstellung“ ein Widerspruch in sich selbst. Ihr Charakteristikum ist ja gerade, dass sie ins Bewusstsein gespiegelt wird. Eine reale Wirkung auf den Organismus kann nur geschehen, wenn der Wille unmittelbar auf magische Weise in das Stoffwechselsystem eingreift (siehe unten Wille und Stoffwechselsystem).

Wille und Bewusstsein

Damit ein Willensimpuls überhaupt klar bewusst werden kann, muss er durch das Gehirn als Gedanke bzw. Vorstellung gespiegelt werden, denn das Bewusstsein schläft bezüglich der eigentlichen Willenstätigkeit. Um diese ins Bewusstsein zu heben, bedarf es des Gehirns als Spiegelungsorgan. Vollbewusst sind nur die Vorstellungen, die das Wollen begleiten und traumbewusst die Gefühle, die dabei mitschwingen. Die realen Hintergründe des Wollens sind nur dem schauenden Bewusstsein zugänglich.

„Und wenn wir dann eintreten in jenes Gebiet, das man als den Willen bezeichnet, so entzieht sich das ja sehr dem, was der Mensch in seinem gewöhnlichen Bewußtsein hat. Was weiß der Mensch selbst über das, was in ihm vorgeht, wenn der Gedanke: Ich will etwas haben - sich zu einer Handbewegung gestaltet? Der eigentliche Willensvorgang schläft im Menschen. Mit Bezug auf die Gefühle und Affekte konnte man wenigstens sagen, der Mensch träumt im Menschen. Deshalb ist die Frage über die Freiheit eine so schwierige, weil der Wille schlafend ist dem gewöhnlichen Bewußtsein gegenüber. Über das, was in dem Willen vorgeht, kommt man nur zu einer Erkenntnis, indem man im schauenden Bewußtsein bis zum wirklichen intuitiven Bewußtsein gelangt, nicht dem verschwommenen alltäglichen, intuitiv genannten Bewußtsein, zu dem, was ich in meinen Schriften die drei Stufen: imaginatives, inspiriertes und intuitives Erkennen genannt habe. Da kommt man hinein in das Willensgebiet, in dasjenige, was in uns wirken, leben soll. Das muß erst aus den unterseelischen Tiefen heraufgeholt werden.“ (Lit.:GA 178, S. 30f)

Erscheinen des Bewusstseins durch Zurückdrängung der Leibesorganisation

Das Erscheinen des Denkens im Bewusstsein muss aber dadurch vorbereitet werden, das zuvor die Leibesorganisation zurückgedrängt wird. Dadurch treten namentlich bestimmte, durch das Denken bewirkte Gehirnprozesse auf, bevor uns ein Gedanke bzw. eine Vorstellung bewusst werden kann. Dem entspricht auch die Tatsache, dass ein Gedanke zuerst tätig hervorgebracht werden muss, ehe er beobachtet werden kann - wie es bei jeder schöpferischen Tätigkeit der Fall ist. Das betrifft insbesondere auch die Bewusstwerdung der eigenen Willensentscheidung. Der Geist wirkt über den Willen und stirbt zuletzt hinein in den Gedanken. Das bedeutet keineswegs, dass die Gehirnprozesse die Ursache der gebildeten Gedanken sind und deren Inhalt bestimmen, wie vielfach in den Neurowissenschaften fälschlich angenommen wird. Das gilt erst recht für die Willensentscheidung, die primär nichts mit dem Nervensystem zu tun hat (siehe unten).

„Dem Wesenhaften, das im Denken wirkt, obliegt ein Doppeltes: Erstens drängt es die menschliche Organisation in deren eigener Tätigkeit zurück, und zweitens setzt es sich selbst an deren Stelle. Denn auch das erste, die Zurückdrängung der Leibesorganisation, ist Folge der Denktätigkeit. Und zwar desjenigen Teiles derselben, der das Erscheinen des Denkens vorbereitet. Man ersieht aus diesem, in welchem Sinne das Denken in der Leibesorganisation sein Gegenbild findet. Und wenn man dieses ersieht, wird man nicht mehr die Bedeutung dieses Gegenbildes für das Denken selbst verkennen können. Wer über einen erweichten Boden geht, dessen Fußspuren graben sich in dem Boden ein. Man wird nicht versucht sein, zu sagen, die Fußspurenformen seien von Kräften des Bodens, von unten herauf, getrieben worden. Man wird diesen Kräften keinen Anteil an dem Zustandekommen der Spurenformen zuschreiben. Ebensowenig wird, wer die Wesenheit des Denkens unbefangen beobachtet, den Spuren im Leibesorganismus an dieser Wesenheit einen Anteil zuschreiben, die dadurch entstehen, daß das Denken sein Erscheinen durch den Leib vorbereitet[33].“ (Lit.:GA 4, S. 148)

Das Gehirn als Spiegelungsapparat für das Denken

Das Gehirn bringt die Gedanken nicht hervor, aber es dient als Spiegelungsapparat für unser Denken, um uns dieses in Form abstrakter Gedanken bewusst zu machen:

„Gerade dieselbe Bedeutung hat die Arbeit des Gehirns zu dem, was eigentlich vorgeht in unserer Seele, wenn wir vorstellen, denken, wie der Spiegel für den Menschen, der sich darin sieht. Wenn Sie mit Ihrer Persönlichkeit durch den Raum gehen, da sehen Sie sich nicht zunächst. Wenn Sie einem Spiegel entgegengehen, da sehen Sie das, was Sie sind, wie Sie aussehen. Derjenige, der nun behaupten wollte, das Gehirn denke, es ginge die Vorstellungsarbeit im Gehirn vor sich, der redet gerade so gescheit wie der, der einem Spiegel entgegengeht und sagt: Ich, ich bin nicht da, wo ich gehe; das bin nicht ich; ich muß einmal da hereingreifen - in den Spiegel -, da drinnen stecke ich. - Da würde er sich bald davon überzeugen, daß er im Spiegel gar nicht darin steckt, daß der Spiegel allerdings der Veranlasser ist, daß das, was außerhalb des Spiegels ist, sich sieht. Und so ist es überhaupt mit aller physischen Leibesorganisation. Das was da durch die Arbeit des Gehirns erscheint, das ist innere übersinnliche Tätigkeit der drei höheren Glieder der menschlichen Organisation. Daß diese für den Menschen selber erscheinen kann, dazu ist der Spiegel des Gehirns notwendig, so daß wir das, was wir übersinnlich sind, wahrnehmen durch den Spiegel des Gehirns. Und es ist lediglich eine Folge der gegenwärtigen menschlichen Organisation, daß das so sein muß. Der Mensch würde seine Gedanken zwar denken, aber er könnte nichts wissen von ihnen als gegenwärtiger Erdenmensch, wenn er nicht den spiegelnden Leibesorganismus, zunächst das Gehirn hätte. Aber alles das, was die modernen Physiologen und zum Teil die Psychologen tun, um das Denken zu erkennen, ist eben gerade so gescheit, als wenn ein Mensch im Spiegel darin seiner Wirklichkeit nach sich suchen würde. Das alles, was ich Ihnen hier mit ein paar Worten gesagt habe, das kann man heute auch schon vollständig erkenntnistheoretisch begründen, kann es streng wissenschaftlich aufbauen. Eine andere Frage ist diejenige, ob man natürlich mit einer solchen Sache irgendwie verstanden werden kann. Die Erfahrungen sprechen heute noch dagegen. Man kann diese Dinge heute in einer noch so strengen Weise auch Philosophen auseinandersetzen, sie werden kein Sterbenswörtchen davon verstehen, weil sie auf diese Dinge eben nicht eingehen wollen, ich sage ausdrücklich wollen. Denn es ist heute noch in der äußeren exoterischen Welt gar kein Wille vorhanden, auf die ernsthaftesten Fragen des menschlichen Erkenntnisvermögens wirklich einzugehen.

Das Gehirn als Spiegelungsapparat für das Denken

Wollen wir in einer richtigen Weise uns ein schematisches Bild von dem menschlichen Erkenntnisprozesse machen, so müssen wir sagen — nehmen wir das als das Schema der äußeren physischen menschlichen Leibesorganisation —: In alledem, was äußere physische Leibesorganisation ist, geht gar nichts vor von dem, was Denken, was Erkennen ist, sondern das geht in dem anschließenden Ätherleib, Astralleib und so weiter vor. Da drinnen sitzen die Gedanken, die ich hier schematisch mit diesen Kreisen anzeichne. Und diese Gedanken gehen nicht etwa in das Gehirn hinein — das zu denken wäre ein völliger Unsinn —, sondern sie werden gespiegelt durch die Tätigkeit des Gehirns und wiederum zurückgeworfen in den Ätherleib, Astralleib und das Ich, und die Spiegelbilder, die wir selbst erst erzeugen und die uns sichtbar werden durch das Gehirn, die sehen wir, wenn wir als Erdenmenschen gewahr werden, was wir eigentlich treiben in unserem Seelenleben. Da drinnen im Gehirn ist gar nichts von einem Gedanken. So wenig ist im Gehirn etwas von einem Gedanken, wie hinter dem Spiegel etwas von Ihnen ist, wenn Sie sich darin sehen. Aber das Gehirn ist ein sehr komplizierter Spiegel. Der Spiegel, in dem wir uns da draußen sehen, ist einfach, das Gehirn aber ist ein ungeheuer komplizierter Spiegel, und es muß eine komplizierte Tätigkeit stattfinden, damit das Gehirn das Werkzeug werden kann, um nicht unsere Gedanken zu erzeugen, sondern sie zurückzuspiegeln. Mit anderen Worten, bevor überhaupt von einem Erdenmenschen ein Gedanke zustande kommen konnte, mußte eine Vorbereitung geschehen. Und wir wissen, daß dies geschehen ist durch die alte Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit (→ Planetarische Weltentwicklungsstufen) und daß schließlich der heutige physische Leib, also auch das Gehirn, ein Ergebnis der Arbeit vieler geistigen Hierarchien ist. So daß wir sagen können: Mit dem Beginne der Erdenentwickelung war der Mensch auf der Erde so gestaltet, daß er sein physisches Gehirn ausbilden konnte, daß es werden konnte der spiegelnde Apparat für das, was der Mensch eigentlich ist und was erst in der Umgebung dieser physischen Leibesorganisation vorhanden ist.“ (Lit.:GA 129, S. 140ff)

Wille und Stoffwechselsystem

Primär hängt der Wille nicht mit dem Nervensystem, sondern mit dem Stoffwechselsystem zusammen. Rudolf Steiner hat darum vielfach darauf hingewiesen, dass kein prinzipieller Unterschied zwischen den sog. motorischen und sensorischen Nerven bestehe; alle Nerven seien in Wahrheit sensorisch.

„Ich habe gestern gesagt, daß unsere physiologische Wissenschaft in einem furchtbaren Irrtum befangen ist, in dem Irrtum nämlich, daß es zweierlei Nerven gebe, motorische und sensitive, während in Wahrheit alles sensitive sind und kein Unterschied besteht zwischen motorischen und sensitiven Nerven. Die sogenannten motorischen Nerven sind nur dazu da, daß wir innerlich unsere Bewegungen wahrnehmen, das heißt, daß wir sensitiv sind mit Bezug auf das, was wir selbst als Men­schen tun. Geradeso wie der Mensch mit dem sensitiven Augennerv die Farbe sich vermittelt, so vermittelt er sich die eigene Beinbewegung durch die «motorischen» Nerven, die nicht da sind, um das Bein in Bewegung zu setzen, sondern um wahrzunehmen, daß die Bewegung des Beines ausgeführt werde.“ (Lit.:GA 192, S. 172)

Eigentlich sei die menschliche Bewegung eine magische Wirkung, bei der das Geistige unmittelbar in den Bewegungsapparat eingreife. Der Wille werde dadurch angeregt, dass im unteren Menschen eine beständige Tendenz zur Bildung von Blausäure (von Steiner im heute veralteten Sinn als Zyansäure bezeichnet) vorliege, der die Willenstätigkeit entgegenwirke.

„Nun müssen wir die Frage auf werfen: Was bewegt denn eigentlich die Gliedmaßen? Was ist das Tätige, wenn zum Beispiel der Mensch geht, oder wenn der Mensch mit seinen Armen irgend etwas verrichtet? Was ist das Tätige dabei? Nicht wahr, die materialistische Anschauung wird einfach sagen: Der Mensch selbst ist das - und wird dabei denken an das im Menschen, woran eben die materialistische Anschauung denken kann. Dieses Stück Kosmos aus Blut, Knochen und so weiter, das man als den Menschen beschreibt, das bewegt die Glieder! Das ist der eigentliche Akteur! Aber das hat im Grunde genommen gar keinen Sinn; denn das ist das Objekt der Bewegung, das ist dasjenige, was bewegt wird. Und wenn wir fragen: Wer ist das eigentliche Subjekt dabei, wer bewegt das Bein, den Arm? -, dann kommen wir nicht auf Materielles, dann kommen wir gerade auf Geistiges. Dann kommen wir dazu, uns zu sagen: Es muß das Geistige selbst physische Kräfte, Kräfte, die wir sonst als physische Kräfte bezeichnen, in Aktion bringen. Es muß unser Bein geradeso durch ein Geistiges bewegt werden können, wie durch uns, sagen wir ein Stück Holz, das wir von einem Ort zum anderen legen, bewegt wird.

Aber da kommen wir auf etwas ganz Merkwürdiges, das eigentlich gewöhnlich nicht bedacht wird, weil darüber eine große Illusion herrscht. Unsere menschliche Bewegung ist eigentlich eine magische Wirkung, die darin besteht, daß durch den Geist etwas in Bewegung gesetzt wird. Tatsächlich ist unsere Bewegung als Mensch eine magische Wirkung, und wir sehen den Menschen ganz und gar nicht richtig an, wenn wir ihn als bewegten Menschen nicht auf magische Art bewegt denken. Es muß der Wille, ein rein Geistiges, eingreifen in die physische Aktivität. Das sind magische Wirkungen. Wenn Sie gehen, wirkt der innere Magier, der ist etwas ganz Wesentliches. Wie kommt das zustande? Dadurch, daß wir physische Menschen sind aus Knochen, Blut und so weiter, sind wir noch kein bewegter Mensch, dadurch könnten wir höchstens ein ruhender, ein ewig im Bette liegender Mensch sein; aber wir könnten kein bewegter Mensch sein. Denn da muß der Wille unmittelbar tätig sein. Die materialistische Wissenschaft macht es sich leicht, wenn sie die Theorie aufstellt: das sind die motorischen Nerven und so weiter. Das ist Unsinn. In Wirklichkeit liegt hier in der menschlichen Bewegung eine magische Wirkung vor, ein unmittelbares Eingreifen des Geistes in die körperlichen Bewegungen. Wie ist das möglich? Das wird auf folgende Weise herbeigeführt.

Ich habe schon heute Nachmittag angedeutet: Wenn der Mensch lebt vom rhythmischen System hin zum Gliedmaßen-Stoffwechselsystem, dann erweist dasjenige, was aus dem Kohlenstoff wird, seine Verwandtschaft mit dem, was aus dem Stickstoff wird, und es entsteht fortwährend die Tendenz, in der menschlichen Wesenheit nach unten hin Verbindungen zu schaffen von Kohlenstoff und Stickstoff. Diese Tendenz besteht. Man wird früher auch den Verdauungsprozeß selbst und namentlich den Ausscheidungsprozeß nicht durchsichtig bekommen, wenn man nicht die Tendenz der Verbindung des Kohlenstoffes mit dem Stickstoff ins Auge faßt. Diese Tendenz zur Verbindung von Kohlenstoff und Stickstoff führt zuletzt zur Bildung von Zyansäure, und tatsächlich besteht im Menschen nach unten fortwährend die Tendenz, Zyansäure zu erzeugen oder zyansaure Salze zu erzeugen. Wir haben nicht einmal einen ordentlichen Ausdruck für das, was da entsteht. - Was da entsteht, wird nur so weit getrieben, daß es gerade bis zu dem Punkt kommt, anzufangen zu entstehen, dann wird es, durch die Absonderungen der Galle namentlich, sofort aufgehoben. So daß wir nach unten gehend im Menschen eine Tendenz haben, Zyanverbindungen zu schaffen, die im Status nascendi aufgehoben werden durch die Gallenabsonderungen. Nun bedeutet aber Zyanverbindungen im Menschen schaffen, den Menschen zerstören. Es ist die schnellste Methode, wodurch man die Menschengestalt zerstören kann, wenn man sie mit Zyan durchdringt. Diese Tendenz besteht namentlich nach dem Gliedmaßen-Stoffwechselsystem hin. Fortwährend will der menschliche Organismus Zyanverbindungen schaffen, die gleich wieder zerstört werden. Aber in diesem Moment zwischen dem Entstehen und dem sogleich Aufgelöstwerden der Zyansäureverbindungen ergreift der Wille das Muskelsystem. - Im Paralysieren dieses Prozesses liegt die Möglichkeit für den Willen, einzugreifen, so daß der Mensch sich bewegen kann. Es liegt fortwährend im Menschen nach unten gehend die Tendenz, die organische Substanz zu zerstören durch eine Vergiftung. Sie ist fortwährend im Anfang und wir könnten uns nicht bewegen, wir könnten nicht zum Freiwerden des Willens gelangen, wenn wir nicht fortwährend die Tendenz hätten, uns zu zerstören. So daß wir, wenn wir es grotesk ausdrücken wollen, nach unten hin fortwährend die Tendenz haben, uns zum Gespenst zu machen und uns dadurch auf magische Weise bewegen. Wir dürfen nicht auf den physischen Körper schauen beim Herumgehen des Menschen, sondern auf seinen Willen, auf das Hervorrufen von räumlichen Bewegungen auf rein magische Weise.

So sehen Sie, daß wir eigentlich jedesmal, wenn wir den Menschen in Bewegung bringen, vor der Verantwortung stehen, in die Prozesse einzugreifen, die eigentlich Todes-, Erkrankungsprozesse sind. Wir haben daher die Aufgabe, auf der anderen Seite auch wieder zu wissen, daß diesem Erkrankungsprozeß gegenübersteht der Gesundungsprozeß, und der liegt in dem, was ich schon heute nachmittag erwähnt habe: Es muß jederzeit einem Vorgang im unteren Menschen ein entsprechender Prozeß im oberen gegenüberstehen. Hat der Kohlenstoff die Tendenz, nach unten Stickstoffverbindungen zu bilden, so hat er nach oben die Tendenz, Sauerstoffverbindungen zu bilden. Die früheren Alchimisten nannten ihn den «Stein der Weisen», das ist nichts anderes als der voll verstandene Kohlenstoff. Er hat nach oben die Tendenz, Sauerstoffverbindungen zu erzeugen, Sauerstoff säuren oder Sauerstoff saure Salze. Die aber regen den Gedanken an, und jedesmal wenn wir bildhaft lebendig das Kind beschäftigen, regen wir die Kohlensäurebildung und damit das Denken an. Jedesmal, wenn wir das Kind anleiten, gleichzeitig während des Denkens etwas zu tun, rufen wir einen Gleichgewichtszustand herbei zwischen der Kohlensäurebildung und der Zyanerzeugung; und darauf kommt im menschlichen Leben eigentlich alles an, daß diese zwei Dinge im Gleichmaß erzeugt werden.“ (Lit.:GA 302a, S. 135ff)

Damit wird auch der international angesehene Anatom Johannes W. Rohen den Aussagen Rudolf Steiners nicht gerecht, wenn er schreibt:

„Die efferenten Nerven (Motoneurone), die über die motorischen Endplatten direkt mit der Muskelmembran verbunden sind, können durch Überträgerstoffe (Acetylcholin usw.) den Natrium-Einstrom und damit die intrazelluläre «Überschwemmung» mit Ca-Ionen und nachfolgend die Kontraktion auslösen, sind damit aber nicht die Ursache der Bewegung. Diese ist vielmehr eine von den Stoffwechselvorgängen innerhalb der Muskelzellen abhängige, eigenständige Leistung, die vom Nervensystem geregelt und mit den Aktivitäten des gesamten Bewegungssystems harmonisierend in Einklang gebracht werden muss. Wenn z.B. eine Muskelgruppe sich kontrahiert, muss eine andere dilatiert werden, wenn es nicht zu Verkrampfungen oder Bewegungsstörungen kommen soll. Das Nervensystem hat in diesem Zusammenhang die Aufgabe, den Fluss der Bewegungsenergien zu steuern und zu harmonisieren, gewissermaßen Ordnung in das System zu bringen, ähnlich wie beim Straßenverkehr die Signallampen die Bewegungen der Verkehrsteilnehmer auslösen, aber natürlich nicht verursachen. Die Ursache der Bewegungen ist der Wille der Verkehrsteilnehmer, ein bestimmtes Ziel zu erreichen; die Verkehrsregeln und Signale dienen lediglich der Ordnung und Strukturierung des Gesamtgeschehens.

Entsprechend ... muss man daher den der Bewegung zugrunde liegenden Stoffwechselprozess als den eigentlichen Willensprozess, den von den «motorischen» (efferenten) Motoneuronen ausgelösten Vorgang jedoch als einen originär nervösen, d.h. informativen Prozess, ansehen. Mithilfe der efferenten, direkt mit der Muskulatur verbundenen Nerven können wir unsere Bewegungsvorstellungen in relativ großem Umfang willkürlich verwirklichen, nicht jedoch die Bewegung selbst ausführen. Natürlich ist der Muskel gelähmt, wenn der Nerv durchtrennt oder geschädigt wird, aber Bewegungsstörungen oder Lähmungen können auch auftreten, wenn die Stoffwechselprozesse innerhalb der Muskelzellen Funktionsstörungen aufweisen.

Zwischen der «Willensseite» und der nervalen oder «Vorstellungsseite» des Bewegungsgeschehens ist als drittes, harmonisierendes und ausgleichendes Element das Gefäßsystem, d.h. das rhythmische System (Atmung und Kreislauf) eingeschaltet, wodurch seelisch das Fühlen mit ins Spiel kommt. Jede Bewegung enthält daher nicht nur eine informative oder Vorstellungskomponente (Bewegungsbild) und ein Willenselement (Kraft- und Energieeinsatz), sondern auch eine Gefühlskomponente, durch die die Bewegung erst im eigentlichen Sinne menschlich wird.“ (Lit.: Rohen 2016, S. 245f.)

Auch hier klingt eine „Steuerung“ der Muskelbewegungen durch die Nervenaktivität an, die von Steiner vehement zurückgewiesen wird.

Der Wille ergreift den Leib von außen

Der Wille wird nicht durch Impulse des Nervensystems ausgelöst, sondern ergreift den Leib von außen und wirkt dann wie oben beschrieben primär im Stoffwechselsystem.

„Im Schlafe ist ja das Ich aus dem physischen Leibe heraus. Im Wollen ist das Ich aus gewissen Orten unseres Organismus heraus. Das ist dadurch der Fall, daß an diesem Orte sich in gewissen Zeitaugenblicken eben nichts mineralisiert, sondern daß da alles lebt. Aus denjenigen Stellen unseres Organismus, in denen alles lebt, in denen in dem entsprechenden Augenblicke nichts Mineralisiertes sich ablöst, abscheidet, da entfalten sich die Willensimpulse. Da wird aber das Ich ausgestoßen. In das Mineralische wird das Ich hineingezogen. Mit dem Mineralischen kann es hantieren; mit demjenigen, was lebendig ist, kann es nicht hantieren. Aus dem wird es herausgetrieben, wie in der Nacht, wenn wir schlafen, dieses Ich aus dem ganzen physischen Leibe herausgetrieben wird. Nun ist aber dann das Ich außerhalb des Leibes. Durch das Mineralisieren wird das Ich in den Leib hineingetrieben. Durch das Vitalisieren wird das Ich aus Teilen des Leibes herausgetrieben. Es ist dann gerade so außerhalb dieser Teile, wie es im Schlafe ganz außerhalb des physischen Leibes ist. Und wir können daher sagen: bei einer Willensbetätigung sind immer Teile des Ich außerhalb derjenigen Orte des physischen Leibes, denen sie eigentlich zugeteilt sind. Und wo sind dann diese Teile des Ich, die außerhalb der ihnen entsprechenden Teile des physischen Leibes sind? Nun, sie sind eben außerhalb, im übrigen Raume. Sie sind eingegliedert in die Kräfte, welche diesen Raum durchweben. Wir sind, indem wir unseren Willen betätigen, mit einem Teil unseres Ich außerhalb unser. Wir gliedern uns Kräfte ein, die durch die Welt gelegt sind. Wenn ich einen Arm bewege, so bewege ich ihn nicht durch etwas, was im Inneren des Organismus entspringt, sondern durch eine Kraft, die außerhalb meines Armes ist, und in die das Ich hineinkommt dadurch, daß es aus gewissen Orten meines Armes herausgetrieben wird. Im Wollen komme ich außerhalb meines Leibes, und durch Kräfte, die außerhalb meiner liegen, bewege ich mich. Man hebt das Bein nicht durch Kräfte, die im Inneren sind, sondern man hebt das Bein durch Kräfte, die tatsächlich von außerhalb wirken; ebenso den Arm. Während man also im Denken nach innen getrieben wird durch das Verhältnis des Ich zu dem mineralisierten Teil des menschlichen Organismus, wird man im Wollen geradeso wie im Schlafe nach außen getrieben. Und niemand versteht das Wollen, der nicht den Menschen als kosmisches Wesen auffaßt, der nicht hinausgeht aus den Grenzen des menschlichen Leibes, der nicht weiß, daß der Mensch im Wollen sich außerhalb seines Leibes liegende Kräfte eingliedert. Wir versenken uns in die Welt, wir geben uns an die Welt hin, indem wir wollen. So daß wir sagen können: Die materielle Begleiterscheinung des Denkens ist ein mineralischer Prozeß in uns, ein Zeichnen des Ich in mineralisierte Teile des menschlichen Organismus. Das Wollen in uns stellt dar ein Vitalisieren, ein Herausbreiten des Ich, ein Eingliedern des Ich in die geistige Außenwelt, und ein Wirken auf den Leib vom Ich aus, aus der geistigen Außenwelt herein.“ (Lit.:GA 209, S. 131)

Publikationen (Auswahl)

  • Libet, B., Alberts, W. W., Wright, E. W., Jr., Delattre, L. D., Levin, G., & Feinstein, B.: Production of threshold levels of conscious sensation by electrical stimulation of human somatosensory cortex, in: Journal of Neurophysiology, 27 (1964), pp. 546–578, doi:10.1152/jn.1964.27.4.546
  • Benjamin Libet: Cortical activation in conscious and unconscious experience, in: Perspectives in Biology and Medicine, 9 (1965), 77-86
  • Benjamin Libet: Brain stimulation and the threshold of conscious experience, in: Brain and Conscious Experience. Edited by J. C. Eccles. Berlin: Springer-Verlag (1966), pp. 165-181
  • Libet B, Alberts W. W., Wright E. W., Feinstein B.: Responses of human somatosensory cortex to stimuli below threshold for conscious sensation, Science 158 (1967), pp. 1597-1600.
  • Benjamin Libet: Electrical stimulation of cortex in human subjects, and conscious sensory aspects, in: Handbook of Sensory Physiology. Edited by A. Iggo. Heidelberg: Springer-Verlag (1973), Volume 2, pp. 743-790
  • Libet B., Wright E. W. JR, Feinstein B., Pearl D. K.: Subjective referral of the timing for a conscious sensory experience. A functional role for the somatosensory specific projection system, in: man. Brain, 102 (1979), 193-224 pdf
  • Benjamin Libet: The experimental evidence for subjective referral of a sensory experience backwards in time: reply to P. S. Churchland, Philosophy of Science, 48 (1981a), 182-197 pdf
  • Benjamin Libet: ERPs and conscious awareness; neurons and glia as generators, in: Electrophysiological Approaches to Human Cognitive Processing, NRP Bulletin, Volume 20. Edited by R. Galambos and S. A. Hillyard. Cambridge, Mass. The MIT Press Journals (1981b), pp. 171-175,226-227
  • Libet B., Wright E. W. Jr, Gleason CA.: Readiness-potentials preceding unrestricted 'spontaneous' vs. pre-planned voluntary acts, in: Electroencephalogr Clin Neurophysiol. 1982 Sep;54(3), pp. 322-35, doi:10.1016/0013-4694(82)90181-X
  • Libet, Benjamin; Gleason, Curtis A.; Wright, Elwood W.; Pearl, Dennis K.: Time of Conscious Intention to Act in Relation to Onset of Cerebral Activity (Readiness-Potential) - The Unconscious Initiation of a Freely Voluntary Act, in: Brain 106 (1983), S. 623–642, doi:10.1093/brain/106.3.623 pdf
  • Libet, Benjamin: Unconscious Cerebral Initiative and the Role of Conscious Will in Voluntary Action, in: The Behavioral and Brain Sciences 8 (1985), S. 529–566, doi:10.1017/s0140525x00044903 pdf
  • Libet, B., Pearl, D. K., Morledge, D. A., Gleason, C. A., Hosobuchi, Y., & Barbaro, N. M.: Control of the transition from sensory detection to sensory awareness in man by the duration of a thalamic stimulus: the cerebral ‘time-on’ factor, in: Brain, 114 (1991), pp. 1731–1757, doi:10.1093/brain/114.4.1731
  • Libet B., Wright E. W., Feinstein B., Pearl D. K.: Retroactive enhancement of a skin sensation by a delayed cortical stimulus in man: evidence for delay of a conscious sensory experience, Consc. Cognition 1 (1992), pp. 367-375
  • Libet B.: The neural time-factor in perception, volition, and free will, in: Rev. de Metaphysique et de Morale 97 (1992a), pp. 255-272 doi:10.1007/978-1-4612-0355-1_22
  • Benjamin Libet: A testable field theory of mind-brain interaction, in: Journal of Consciousness Studies, 1, No.1, Summer 1994, pp. 119-126 pdf
  • Benjamin Libet: Neural time factors in conscious and unconscious mental functions, in: S. R. Hameroff, A. W. Kaszniak, & A. C. Scott (Eds.): Complex adaptive systems. Toward a science of consciousness: The first Tucson discussions and debates, Cambridge, MA, US: The MIT Press 1996, pp. 336-347, doi:10.1002/9780470514412.ch7
  • Benjamin Libet: How does conscious experience arise? The neural time factor. in: Brain Research Bulletin, Vol. 50, Nos. 5/6 (1999), pp. 339-340
  • Howard Shevrin, Jess H. Ghannam, Benjamin Libet: A Neural Correlate of Consciousness Related to Repression, in: Consciousness and Cognition 11 (2002), 334–341, doi:10.1006/ccog.2002.0553 pdf
  • Benjamin Libet: The Timing of Mental Events: Libet’s Experimental Findings and Their Implications, in: Consciousness and Cognition 11 (2002), 291–299, doi:10.1006/ccog.2002.0568 pdf
  • Benjamin Libet: Do We Have Free Will?, in: Journal of Consciousness Studies, 6, No. 8–9, 1999, pp. 47–57
    • deutsch: Benjamin Libet: Haben wir einen freien Willen? In: Christian Geyer (Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur Deutung der neuesten Experimente., 9. Auflage, Suhrkamp, 2016, ISBN 3-518-12387-4
  • Benjamin Libet: Mind Time: The Temporal Factor in Consciousness, Harvard University Press, Cambridge/Mass. 2004, ISBN 978-0674018464
    • deutsch: Benjamin Libet, Jürgen Schröder (Übers.): Mind Time: Wie das Gehirn Bewusstsein produziert, Suhrkamp Verlag 2005, ISBN 978-3518584279
  • Benjamin Libet: Reflections on the interaction of the mind and brain, in: Progress in Neurobiology 78 (2006), pp. 322–326 doi:10.1016/j.pneurobio.2006.02.003 pdf

Literatur

Steiner big.jpg
Literaturangaben zum Werk Rudolf Steiners folgen, wenn nicht anders angegeben, der Rudolf Steiner Gesamtausgabe (GA), Rudolf Steiner Verlag, Dornach/Schweiz
Email: verlag@steinerverlag.com URL: www.steinerverlag.com. Freie Werkausgaben gibt es auf fvn-rs.net, archive.org und im Rudolf Steiner Online Archiv.
Eine textkritische Ausgabe grundlegender Schriften Rudolf Steiners bietet die Kritische Ausgabe (SKA) (Hrsg. Christian Clement): steinerkritischeausgabe.com
Die Rudolf Steiner Ausgaben basieren auf Klartextnachschriften, die dem gesprochenen Wort Rudolf Steiners so nah wie möglich kommen.
Hilfreiche Werkzeuge zur Orientierung in Steiners Gesamtwerk sind Christian Karls kostenlos online verfügbares Handbuch zum Werk Rudolf Steiners und
Urs Schwendeners Nachschlagewerk Anthroposophie unter weitestgehender Verwendung des Originalwortlautes Rudolf Steiners.
Ausführliche bibliografische Informationen mit Volltextsuche in allen derzeit verfügbaren Online-Ausgaben bietet die Steinerdatenbank.de.

Einzelnachweise

  1. Larry R. Squire (Hrsg.): The History of Neuroscience in Autobiography, Volume 1, Society for Neuroscience 1996, S. 414ff, ISBN 0-916110-51-6 pdf
  2. Libet (1979), Fig. 1
  3. Libet B., Gerard R. W.: Control of the potential rhythm of the isolated frog brain, J. Neurophysiol. 1939;2, pp. 153-169, doi:10.1152/jn.1939.2.2.153
  4. „That got me into embarrassing moments later when my French colleagues assumed I was indeed French - my ability to speak French was almost zero.“ (Squire, S. 424)
  5. Libet et al. (1964)
  6. Libet et al. (1979)
  7. Libet 1999, p. 50
  8. Libet et al. (1982), p. 327
  9. Libet 1999, p. 51
  10. Hans H. Kornhuber, Lüder Deecke: Hirnpotentialänderungen bei Willkürbewegungen und passiven Bewegungen des Menschen: Bereitschaftspotential und reafferente Potentiale. In: Pflügers Arch 284, 1965, S. 1–17; doi:10.1007/BF00412364 online
  11. „It is concluded that cerebral initiation of a spontaneous, freely voluntary act can begin unconsciously, that is, before there is any (at least recallable) subjective awareness that a ‘decision’ to act has already been initiated cerebrally. This introduces certain constraints on the potentiality for conscious initiation and control of voluntary acts.“ (Libet et al. 1983)
  12. Libet et al. (1983)
  13. „1. Cerebral cortical activities, in response to a somatosensory stimulus, must proceed for about 500 ms in order to elicit the conscious sensation (Libet et al., 1964, 1967, 1991, 1992a).
    2. Activations of shorter durations at the same intensities can produce unconscious detection of that input. Increasing the duration of repetitive ascending inputs to the sensory cortex by an additional 400 ms converts an unconscious correct detection to a conscious sensory experience (Libet et al., 1991). This is the basis of Libet’s „time-on“ theory for the transition between unconscious and conscious mental functions.
    3. Despite the delay for cortical achievement of awareness, for a sensory input, Libet proposed the hypothesis that the subjective timing of the stimulus is referred backward in time to coincide with the initial primary evoked response of the sensory cortex to the stimulus. This response appears with a latency of up to about 30 ms depending on the bodily location of the stimulus. This subjective „antedating“ results in our experiencing a stimulus with no delay after its delivery. A direct experimental test of such referral in time confirmed the hypothesis (Libet et al., 1979).
    4. A freely voluntary act was found to be preceded, by about 550 ms, by the readiness potential (a slow surface negative electrical charge that is maximal at the vertex). But subjects reported becoming first aware of the wish or intention to act only about 200 ms (SE ± 20 ms) before the act (Libet et al., 1983; Libet, 1985). This meant that the brain was initiating the volitional process unconsciously, at least 350 ms before the person was aware of wanting to act.“ (Libet 2002, S. 291)
  14. Wolf Singer in: Christian Geyer (Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit, 2004, S. 30ff.
  15. „The role of conscious free will would be, then, not to initiate a voluntary act, but rather to control whether the act takes place. We may view the unconscious initiatives for voluntary actions as ‘bubbling up’ in the brain. The conscious-will then selects which of these initiatives may go forward to an action or which ones to veto and abort, with no act appearing.
    This kind of role for free will is actually in accord with religious and ethical stric tures. These commonly advocate that you ‘control yourself’. Most of the Ten Com mandments are ‘do not’ orders.“ (Libet 1999, p. 54}
  16. Matthias Schultze-Kraft, Daniel Birman, Marco Rusconi, Carsten Allefeld, Kai Görgen, Sven Dähne, Benjamin Blankertz, John-Dylan Haynes: The point of no return in vetoing self-initiated movements, Proceedings of the National Academy of Sciences January 2016, 113 (4) 1080-1085; doi:10.1073/pnas.1513569112
  17. Libet 2016, S. 268 ff.
  18. 18,0 18,1 Libet (1994)
  19. „We investigated the relation between neural events and the perceived time of voluntary actions or the perceived time of initiating those actions using the method of Libet. No differences were found in either movement-related potentials or perceived time of motor events between a fixed movement condition, where subjects made voluntary movements of a single finger in each block, and a free movement condition, in which subjects chose whether to respond with the left or the right index finger on each trial. We next calculated both the readiness potential (RP) and lateralised readiness potential (LRP) for trials with early and late times of awareness. The RP tended to occur later on trials with early awareness of movement initiation than on trials with late awareness, ruling out the RP as a cause of our awareness of movement intiation. However, the LRP occurred significantly earlier on trials with early awareness than on trials with late awareness, suggesting that the processes underlying the LRP may cause our awareness of movement initiation.“
    Patrick Haggard, Martin Eimer: On the Relation between Brain Potentials and the Awareness of Voluntary Movements, in: Experimental Brain Research 126 (1999), pp. 128–133, doi:10.1007/s002210050722
  20. „Our second analysis showed that the W judgement covaried with the onset of the lateralised readiness potential (LRP) but not with the onset of the readiness potential (RP). By the logic of Mill (1843), this finding rules out the RP as the unconscious cause of the conscious state upon which W judgement depends, but it is consistent with LRP having that role. This result has several implications. First, it shows that W judgements reflect events pertaining to the implementation of a specific movement, rather than more abstract representations of action occurring at processing stages prior to selection of a specific movement. Put another way, people may have conscious access to premotor processes occurring after the stage of movement selection, but not to those occurring before. Second, we suggest that the temporal discrepancy Libet (Libet et al. 1983) observed between RP onset and W judgement does not, in fact, clarify the processes of intention and free will, since this temporal discrepancy does not amount to a causal relation. While the LRP may bear a causal relation to W judgement, the LRP is a relatively late event in the physiological chain leading to action. In our terminology, LRP onset represents the stage at which representation of abstract action is translated into representation of specific movement. Thus, the LRP onset is not the starting point of the psychological processes that culminate in voluntary movement, but it may be the starting point of conscious awareness of our motor performance.“
    Haggard/Eimer (1999), p. 132
  21. Libet 1994, pp. 119-126
  22. Libet 2004, p. 157ff
  23. „My own experimental work since the late 1950s is based on the irreducibility of the two categories of phenomena, the mental and the physical, to each other.“ (Libet 2004, p. 160)
  24. „A chief quality or attribute of the conscious mental field (CMF) would be that of a unified or unitary subjective experience. A second attribute would be a causal ability to affect or alter neuronal function. The additional meaning or explanatory power of describing subjective experience in terms of a CMF will become more evident with the proposed experimental testing of the theory. That is, the CMF is proposed as more than just another term for referring to ëunified subjective experienceí.“ (Libet 1994, pp. 119-120.)
  25. „The CMF is not a Cartesian dualistic phenomenon; it is not separable from the brain. Rather, it is proposed to be a localizable system property produced by appropriate neuronal activities, and it cannot exist without them. Again, it is not a "ghost" in the machine. But, as a system produced by billions of nerve cell actions, it can have properties not directly predictable from these neuronal activities. It is a non-physical phenomenon, like the subjective experience that it represents. The process by which the CMF arises from its contributing elements is not describable. It must simply be regarded as a new fundamental "given" phenomenon in nature, which is different from other fundamental "givens", like gravity or electromagnetism.“ (Libet 2006, p. 324)
  26. „A small slab of sensory cortex (subserving any modality) is neuronally isolated but kept viable by making all the cortical cuts subpially. This allows the blood vessels in the pia to project into the isolated slab and provide blood flow from the arterial branches that dip vertically into the cortex. The prediction is that electrical stimulation of the sensory slab will produce a subjective response reportable by the subject. That is, activity in the isolated slab can contribute by producing its own portion of the CMF.“ (Libet 2006, p. 324)
  27. „However, this instantaneous appearance of consciousintentions might be an artifact of the method used for assessing the contents of consciousness. Studies using alternatives to the Libet clock have suggested that intention consciousness is a multistage process just as the neural mechanisms of motor decisions. The time of conscious intentions reported by the participants therefore might be only the culmination of preceding conscious deliberations, not a unique and instantaneous event. If this is true, the delay between the onset of neural predictors of motor decisions and conscious intentions reported with the Libet clock is not due to unconscious neural processes but due to conscious evaluations which are not final yet. The data currently available does not allow drawing definitive conclusions and other interpretations are equally possible.“
    Adrian G. Guggisberg, Anaïs Mottaz: Timing and awareness of movement decisions: does consciousness really come too late?, in: Frontiers in Human Neuroscience, July 2013 doi:10.3389/fnhum.2013.00385
  28. Matsuhashi, M.,Hallett, M.: The timing of the conscious intention to move, in: Eur. J. Neurosci. 28 (2008), 2344–2351, doi:10.1111/j.1460-9568.2008.06525.x
  29. Fahle, M. W., Stemmler, T., Spang, K.M.: How much of the “unconscious” is just pre-threshold? Front. Hum. Neurosci. 5 (2011), 120 doi:10.3389/fnhum.2011.00120
  30. Tomáš Dominik, Daniel Dostál, Martin Zielina, Jan Šmahaj, Zuzana Sedláčková, Roman Procházka: Libet’s experiment: Questioning the validity of measuring the urge to move, in: Consciousness and Cognition, Volume 49, March 2017, pp. 255-263, doi:10.1016/j.concog.2017.01.017
  31. Tomáš Dominik, Daniel Dostál, Martin Zielina, Jan Šmahaj, Zuzana Sedláčková, Roman Procházka: Libet’s experiment: A complex replication, in: Consciousness and Cognition, Volume 65, October 2018, pp. 1-26 doi:10.1016/j.concog.2018.07.004
  32. Gerhard Roth: Entstehen und Funktion von Bewußtsein, in: Deutsches Ärzteblatt 1999; 96: A-1957–1961 [Heft 30]
  33. Wie innerhalb der Psychologie, der Physiologie usw. sich die obige Anschauung geltend macht, hat der Verfasser in Schriften, die auf dieses Buch gefolgt sind, nach verschiedenen Richtungen dargestellt. Hier sollte nur das gekennzeichnet werden, was die unbefangene Beobachtung des Denkens selbst ergibt.
Dieser Artikel basiert (teilweise) auf dem Artikel Benjamin Libet aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU Lizenz für freie Dokumentation und der Creative Commons Attribution/Share Alike. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.