Willensfreiheit

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Für den Begriff freier Wille oder Willensfreiheit gibt es keine allgemein anerkannte Definition, und ob es die Freiheit des Willens überhaupt gibt oder nicht, ist umstritten. Umgangssprachlich versteht man etwas anderes unter dem freien Willen als im juristischen oder psychologischen Sprachgebrauch. In der Philosophie wird der Begriff nicht einheitlich definiert. In einem fachübergreifenden Sinne gehört zur Willensfreiheit die subjektiv empfundene menschliche Fähigkeit, bei verschiedenen Wahlmöglichkeiten eine bewusste Entscheidung treffen zu können.

Rudolf Steiners Ansichten zur Freiheit des Willens

Von der Freiheit des Willens zu sprechen, ist nach Rudolf Steiner schlechthin unsinnig. Die Freiheit des Menschen liegt vielmehr darin begründet, dass er die Gesetze seines Handelns erkennen und darauf seine Entscheidungen gründen kann. Ausgangspunkt der Freiheit ist daher niemals der Wille, der tief unter der Schwelle des Bewusstseins waltet, sondern vielmehr die Freiheit der Gedanken, die sich der Mensch im reinen, sinnlichkeitsfreien Denken durch moralische Intuition erringen und dadurch sein Handeln frei gestalten kann. Mit gutem Recht sagt daher Marquis von Posa in SchillersDon Karlos“ zu König Philipp II.: „Geben Sie Gedankenfreiheit!“ - und nicht: „Geben Sie Willensfreiheit!“

„Lesen Sie nach in meiner «Philosophie der Freiheit», was für einen großen Wert ich darauf gelegt habe, daß nicht gefragt werde nach der Freiheit des Willens. Der sitzt unten, tief unten im Unbewußten, und es ist ein Unsinn, nach der Freiheit des Willens zu fragen; sondern man kann nur von der Freiheit der Gedanken sprechen. Ich habe das in meiner «Philosophie der Freiheit» wohl auseinandergehalten. Die freien Gedanken müssen dann den Willen impulsieren, dann ist der Mensch frei.“ (Lit.:GA 235, S. 46ff)

Freiheit als Gedankenfreiheit - Rudolf Steiners «Philosophie der Freiheit»

Rudolf Steiner hat sich mit der Frage nach der Freiheit des Menschen insbesondere in seinem grundlegenden philosophischen Werk «Die Philosophie der Freiheit» auseinandergesetzt.

Das Buch besteht aus zwei Hauptteilen, die sich jeweils in sieben Kapitel untergliedern. „Die Wissenschaft der Freiheit“, der erste Hauptteil, stellt die Kernfrage: "Ist der Mensch in seinem Denken und Handeln ein geistig freies Wesen oder steht er unter dem Zwange einer rein naturgesetzlichen ehernen Notwendigkeit?" Diese Frage ist zu Beginn des 21. Jahrhunderts aktueller denn je. Die Gehirnforschung, die in den letzten Jahrzehnten einen großen Aufschwung genommen hat, erklärt – gestützt auf eine Fülle empirischer Belege - nicht nur die menschliche Freiheit, sondern auch das menschlich „Ich“ zu einer bloßen Illusion, die wie eine Blase aus weitestgehend unbewussten Gehirnprozessen aufsteigt, die sich im Zuge der natürlichen Evolution allmählich herausgebildet haben. Dass eine Handlung, deren wahre Gründe wir nicht durchschauen, nicht frei sein kann, ist evident. „Wie verhält es sich aber mit einer solchen, von deren Gründen gewusst wird?“ Das wirft die Frage nach dem Wesen und Wert des Denkens auf, denn ohne dieses ist keine Erkenntnis möglich, auch nicht die von den Gründen, die unser Handeln bestimmen.

Beobachtung und Denken sind die beiden Ausgangspunkte für alles bewusste menschliche Erkenntnisstreben. Ich mag ein Pferd noch so lange beobachten, der Begriff des Pferdes wird daraus nie von selbst hervorspringen, ehe ich ihn durch das Denken selbst gebildet habe. Das Bewusstsein ist der Schauplatz, wo Begriff und Beobachtung einander begegnen. Erst in ihrer Vereinigung erfasse ich die volle Wirklichkeit.

Nun liegt es in der eigentümlichen Natur des Denkens, dass wir es zwar ausführen, dieses selbst aber üblicherweise nicht beobachten, weil wir ganz an den Gegenstand hingegeben sind, über den wir nachdenken. Wir müssen gleichsam einen Ausnahmezustand herstellen, wenn wir unser eigenes Denken beobachten wollen. Jeder Mensch kann das und es ist die wichtigste Beobachtung, die er machen kann, denn nun ist das Bewusstsein in durchgängiger Klarheit ausschließlich auf die eigene geistige Tätigkeit gerichtet. Er erfasst sich als geistiges Wesen und erwacht zum eigentlichen „Bewusstsein seines Menschentums“ – das ist die wahre Bedeutung des Wortes „Anthroposophie“, mit dem Rudolf Steiner die von ihm Jahre später begründete Geisteswissenschaft bezeichnet hat.

Entgegen der landläufigen Meinung ist das Denken nicht abstrakt und inhaltsleer, sondern produziert seinen eigenen Inhalt, in dem sich aber das Wesentliche der Dinge enthüllt, die ich beobachte. Natürlich können wir dabei viele Fehler machen und Irrtümern unterliegen, ehe wir die richtigen Begriffe den Dingen entgegenhalten. Zuletzt spricht sich aber darin ihre Gesetzmäßigkeit aus. So ist das Denken zugleich ein aktiv tätiges geistiges Wahrnehmungsorgan. Dass ein geworfener Stein einer annähernd parabelförmigen Bahn folgt, erkenne ich nur, wenn ich mir den Begriff der Parabel durch das Denken gebildet haben. Durch äußere Beobachtung kann ich ihn nie gewinnen. Er ist mir durch Intuition gegenwärtig, durch ein rein geistiges Erleben eines rein geistigen Inhalts. Zurecht sagte daher der Physiker Walter Heitler: „Demnach wäre das Naturgesetz ein Urbild, eine «Idee» - im Sinne des griechischen Wortes Eidea - dem die Natur folgt und die der Mensch wahrnehmen kann. Das ist es dann, was man den Einfall nennt. Durch dieses Urbild ist der Mensch mit der Natur verbunden.[1]

„Die Wirklichkeit der Freiheit“ wird im zweiten Hauptteil der „Philosophie der Freiheit“ behandelt, in dem Rudolf Steiner die Grundlagen eines künftigen ethischen Individualismus entwirft. Wer sich in seinem Tun nur von seinen Trieben, von Gewohnheiten oder von außen gegebenen Geboten leitet lässt, handelt nicht frei. Frei und selbstbestimmt handelt nur, wer die Gründe seines Tuns aus dem reinen Denken schöpft. Er handelt dann aus moralischer Intuition, durch die er die Gesetzmäßigkeit seines Tuns selbst bestimmt, durch moralische Phantasie der gegebenen Lebenssituation anpasst und durch eine entsprechende moralische Technik konkret umsetzt. Nichts zwingt ihn, er handelt aus Einsicht und Liebe zu dem, was er tut. Ein Missverstehen ist zwischen sittlich freien Menschen ausgeschlossen, da sie ihre individuellen sittlichen Ideale aus der allen gemeinsamen Ideenwelt schöpfen.

Daraus ergibt sich die vielzitierte Grundmaxime der freien Menschen:

„Leben in der Liebe zum Handeln und Lebenlassen im Verständnisse des fremden Wollens ist die Grundmaxime der freien Menschen.“ (Lit.:GA 4, S. 130)

Der Wille im Denken als Grundlage der Freiheit

„Denken Sie sich einmal, Sie lebten im Sinne der gewöhnlichen Wissenschaften für eine Weile rein nachdenklich, Sie regten sich gar nicht, Sie sähen ganz ab von allem Handeln, Sie lebten eben ein Vorstellungsleben. Sie müssen sich aber klar sein, daß dann in diesem Vorstellungsleben Wille tätig ist, Wille, der allerdings dann in Ihrem Inneren sich betätigt, der im Bereiche des Vorstellens seine Kräfte ausbreitet. Gerade wenn wir so den denkenden Menschen betrachten, wie er fortwährend den Willen hineinstrahlt in seine Gedanken, dann muß uns eigentlich eines gegenüber dem wirklichen Leben auffallen. Die Gedanken, die wir also fassen, wenn wir sie alle durchgehen - wir werden immer finden, daß sie an irgend etwas anknüpfen, was in unserer Umgebung, was unter unseren Erlebnissen ist. Wir haben zwischen Geburt und Tod gewissermaßen keine anderen Gedanken als diejenigen, die uns das Leben bringt. Ist unsere Erfahrung reich, so haben wir auch einen reichen Gedankeninhalt; ist unsere Erfahrung arm, so haben wir einen armen Gedankeninhalt. Der Gedankeninhalt ist gewissermaßen unser innerliches Schicksal. Aber innerhalb dieses Denk-Erlebens ist eines ganz uns eigen: Die Art und Weise, wie wir die Gedanken verknüpfen und voneinander lösen, die Art und Weise, wie wir innerlich die Gedanken verarbeiten, wie wir urteilen, wie wir Schlüsse ziehen, wie wir uns überhaupt im Gedankenleben orientieren, das ist unser, ist uns eigen. Der Wille in unserem Gedankenleben ist unser eigener.

Wenn wir auf dieses Gedankenleben hinblicken, so müssen wir uns gerade bei einer sorgfältigen Selbstprüfung sagen, und Sie werden schon sehen, daß das so bei einer sorgfältigen Selbstprüfung ist: Die Gedanken kommen uns von außen ihrem Inhalte nach, die Bearbeitung der Gedanken, die geht von uns aus. - Wir sind daher im Grunde genommen in bezug auf unsere Gedankenwelt ganz abhängig von dem, was wir erleben können durch die Geburt, in die wir schicksalsmäßig versetzt sind, durch die Erlebnisse, die uns werden können. Aber in dasjenige, was uns da von der Außenwelt kommt, tragen wir hinein gerade durch den Willen, der aus der Seelentiefe ausstrahlt, unser Eigenes. Es ist für die Erfüllung dessen, was Selbsterkenntnis von uns Menschen will, im hohen Grade bedeutsam, wenn wir auseinanderhalten, wie auf der einen Seite uns von der Umwelt der Gedankeninhalt kommt, wie auf der anderen Seite aus unserem Inneren in die Gedankenwelt einstrahlt die Kraft des Willens, die von innen kommt.

Wie wird man eigentlich innerlich immer geistiger und geistiger? Man wird nicht dadurch geistiger, daß man möglichst viele Gedanken aus der Umwelt aufnimmt, denn diese Gedanken geben ja doch nur, ich möchte sagen, die Außenwelt, die eine sinnlich-physische ist, in Bildern wieder. Dadurch, daß man möglichst den Sensationen des Lebens nachläuft, dadurch wird man nicht geistiger. Geistiger wird man durch die innere willensgemäße Arbeit innerhalb der Gedanken. Daher besteht auch Meditieren darinnen, daß man sich nicht einem beliebigen Gedankenspiel hingibt, sondern daß man wenige, leicht überschaubare, leicht prüfbare Gedanken in den Mittelpunkt seines Bewußtseins rückt, aber mit einem starken Willen diese Gedanken in den Mittelpunkt seines Bewußtseins rückt. Und je stärker, je intensiver dieses innere Willensstrahlen wird in dem Elemente, wo eben die Gedanken sind, desto geistiger werden wir. Wenn wir Gedanken von der äußeren physisch-sinnlichen Welt aufnehmen - und wir können ja nur solche aufnehmen zwischen Geburt und Tod - , dann werden wir dadurch, wie Sie leicht einsehen können, unfrei, denn wir werden hingegeben an die Zusammenhänge der äußeren Welt; wir müssen dann so denken, wie es uns die äußere Welt vorschreibt, insofern wir nur den Gedankeninhalt ins Auge fassen; erst in der inneren Verarbeitung werden wir frei.

Nun gibt es eine Möglichkeit, ganz frei zu werden, frei zu werden in seinem inneren Leben, wenn man den Gedankeninhalt, insofern er von außen kommt, möglichst ausschließt, immer mehr und mehr ausschließt, und das Willenselement, das im Urteilen, im Schlüsseziehen unsere Gedanken durchstrahlt, in besondere Regsamkeit versetzt. Dadurch aber wird unser Denken in denjenigen Zustand versetzt, den ich in meiner «Philosophie der Freiheit» genannt habe das reine Denken. Wir denken, aber im Denken lebt nur Wille. Ich habe das besonders scharf betont in der Neuauflage der «Philosophie der Freiheit» 1918. Dasjenige, was da in uns lebt, lebt in der Sphäre des Denkens. Aber wenn es reines Denken geworden ist, ist es eigentlich ebensogut als reiner Wille anzusprechen. So daß wir aufsteigen dazu, uns vom Denken zum Willen zu erheben, wenn wir innerlich frei werden, daß wir gewissermaßen unser Denken so reif machen, daß es ganz und gar durchstrahlt wird vom Willen, nicht mehr von außen aufnimmt, sondern eben im Willen lebt. Gerade dadurch aber, daß wir immer mehr und mehr den Willen im Denken stärken, bereiten wir uns vor für das, was ich in der «Philosophie der Freiheit» die moralische Phantasie genannt habe, was aber aufsteigt zu den moralischen Intuitionen, die dann unseren gedankegewordenen Willen oder willegewordenen Gedanken durchstrahlen, durchsetzen. Auf diese Weise heben wir uns heraus aus der physisch-sinnlichen Notwendigkeit, durchstrahlen uns mit dem, was uns eigen ist und bereiten uns vor für die moralische Intuition. Und auf solchen moralischen Intuitionen beruht doch alles das, was den Menschen von der geistigen Welt aus zunächst erfüllen kann. Es lebt also auf dasjenige, was Freiheit ist, dann, wenn wir gerade in unserem Denken immer mächtiger und mächtiger werden lassen den Willen.“ (Lit.:GA 202, S. 200ff)

Das Problem der sogenannten motorischen Nerven

Ein fundamentales Problem in der Debatte um die Willensfreiheit des Menschen wurzelt in der Unterscheidung der sog. sensorischen und motorischen Nerven, die Rudolf Steiner weder für anatomisch noch funktionell gerechtfertigt hält. In Wahrheit gäbe es nur sensorische Nerven. Aus der laut Steiner falschen Annahme motorischer Nerven leitet sich das grundlegende Dogma der Neurowissenschaften ab, dass der Wille bzw. die Bewegungen des Menschen zentral vom Gehirn aus gesteuert würde. Dem widerspricht Steiner entschieden. Vielmehr entstünden die Willensbewegungen durch den unmittelbaren Eingriff des Astralleibs von außen. Die Nerven würden nur der Wahrnehmung der dadurch bewirkten Bewegungen und in ausschließlich diesem Sinn deren Kontrolle dienen.

„Man muß aufräumen mit einem wissenschaftlichen Vorurteil, das heute ein gewisses wissenschaftliches Gebiet ganz beherrscht, und von da aus auch in das populäre Bewußtsein hinübergezogen ist. Diese wissenschaftliche Anschauung - ich möchte das aus dem Grunde erwähnen, weil uns das, um was es sich jetzt handelt, von hier ausgehend vielleicht am ersten verständlich werden kann -, dasjenige, was man heute aus der materialistischen wissenschaftlichen Anschauung heraus glaubt, das ist, daß der Mensch zweierlei Nerven habe, die sogenannten sensitiven und die motorischen Nerven. Die sensitiven Nerven gehen von unseren Sinnesorganen, so glaubt man, oder von der Hautoberfläche nach dem Nervenzentrum, und wie Telegraphendrähte bringen sie dorthin dasjenige, was sinnlich wahrgenommen wird. Und dann wiederum gehen von dem Nervenzentrum aus die sogenannten motorischen Nerven, die Willensnerven. Es wird gewissermaßen durch eine dämonische Wesenheit, die aber natürlich die heutige Wissenschaft nicht wahrhaben will, und die im Zentralnervensystem sitzt, dasjenige, was durch die Telegraphendraht-Nerven von den Sinnen nach dem Zentralsystem hingedrahtet wird, umgesetzt im Willen durch die motorischen, durch die Willensnerven. Man hat sehr schöne Theorien ersonnen, die sogar außerordentlich geistreich sind, namentlich diejenige, die hergenommen ist von der furchtbaren Erkrankung der Tabes[2] diese Theorie von den zweierlei Nerven zu erklären. Aber dennoch ist diese Theorie von den zweierlei Nerven nichts anderes als ein Ausfluß der Unkenntnis über den übersinnlichen Menschen. Es gibt- das kann ich hier, weil es zu weit führen würde, nicht ausführen, aber gerade die Tabeserkrankung beweist es, wenn man es richtig betrachtet-, es gibt keinen Unterschied zwischen sensitiven und motorischen Nerven. Die sogenannten motorischen Nerven sind nur dazu da, um so, wie die sogenannten sensitiven Nerven die äußeren Wahrnehmungen vermitteln, ebenso die inneren Wahrnehmungen zu vermitteln, wenn wir gehen oder wenn wir den Arm bewegen. Die motorischen Nerven sind auch sensitive Nerven; sie sind dazu da, unsere Bewegungen selber zu empfinden. Und daß man glaubt, die motorischen Nerven seien die Willensträger, das kommt nur davon her, daß man in Unkenntnis ist über den eigentlichen Willensträger. Ihn lernt man erst erkennen, wenn man diese Selbstzucht des Willens wirklich übt, von der ich gesprochen habe. Wenn einem das auch zur Aktivität wird, sich selbst zu erziehen. Wenn man in dieser Erziehung unabhängig wird von dem, was gewissermaßen der Leib selber mit einem macht. Dann lernt man erkennen, daß es nicht die motorischen Nerven sind, die den Willen erzeugen, sie nehmen nur die Bewegungen durch den Willen wahr, sondern daß es ein drittes Glied der menschlichen Wesenheit ist, ein übersinnliches Glied, dasjenige, was man die eigentliche Seelenwesenheit nennen könnte. Ich habe es in meinen Schriften, wenn auch der Ausdruck der Gegenwart noch nicht gefällt, den Astralleib genannt. Man lernt dieses übersinnliche Glied der menschlichen Wesenheit kennen wiederum durch eine unmittelbare Schauung, die man sich anerzieht durch diese Selbstzucht des Willens, man lernt diesen Seelenleib, wenn ich es so nennen darf, kennen als dasjenige, was geistig-seelisch allen Willensbewegungen, allen Bewegungen des Leibes zugrunde liegt. Nerven sind nur dazu da, die Wahrnehmung der Bewegung zu vermitteln.“ (Lit.:GA 330, S. 363ff)

Wenn ich etwa den Entschluss fasse, spazieren zu gehen, kann ich sehr wohl die Frage stellen, ob ich zu diesem Entschluss aus freier bewusster Entscheidung gekommen bin, oder etwa nur rein gewohnheitsmäßig spazierengehe. Die eigentlichen motorischen Bewegungen, durch die ich dann einen Schritt vor den anderen setze, haben mit der vorangegangenen Entscheidung, wie sie auch gefallen sein mag, frei oder unfrei, nicht das Geringste zu tun. Entscheidend ist hier nicht, wie die Bewegung ausgeführt wird, sondern wie der Entschluss zustande kommt, sie auszuführen. Es geht nicht darum wie und wann ich eine bestimmte Handlungsfolge ablaufen lasse, sondern warum. Dass darüber hinaus das Bewusstsein Bewegungsabläufe nicht fördert, sondern ihren Ablauf stört, ist längst bekannt. Am flüssigsten und sichersten laufen gut eingeübte, vollständig „automatisierte“ Bewegungen ab, die dabei auch sehr komplex sein können. Eine bewusste „Steuerung“ würde hier vollkommen versagen.

Abbauprozesse im Nervensystem als Grundlage der Freiheit

Rudolf Steiner hat wiederholt gezeigt, dass wir uns der an das Sinnliche gebundenen Gedanken nur dadurch bewusst werden, dass sich das Denken am Nervensystem spiegelt. Die sinnlichen Gedanken sind daher reine Spiegelbilder ohne eigenständige Wirklichkeit und folglich auch ohne kausale Wirkmächtigkeit. Dadurch, weil sie als bloße Spiegelbilder nicht der Naturnotwendigkeit unterliegen, bilden sie die Voraussetzung der Freiheit. Dazu kommen von der anderen Seite die aus der moralischen Phantasie im sinnlichkeitsfreien reinen Denken gefassten Tatgedanken. Sie haben keinen Vorstellungscharakter, sondern sind willenshafter Natur. Sie spiegeln sich nicht am Nervensystem, bewirken daher auch keine Abbauprozesse und verblassen nicht zu Spiegelbildern, sondern wirken vielmehr als reale lebendige Aufbaukräfte. Indem diese auf die Abbauprozesse einwirken, entsteht die freie Handlung.

„Bedenken Sie, daß ich schon in öffentlichen Vorträgen und auch hier wiederum in den verschiedensten Zusammenhängen mit einer gewissen Intensität immer wieder und wieder hervorgehoben habe, daß wir das, was wir Vorstellungen nennen, nur dann richtig begreifen können, wenn wir sie so in Beziehung bringen zu unserm leiblichen Organismus, daß wir den Vorstellungen im Leibe nicht etwas Wachsendes, Gedeihendes zugrunde liegend sehen, sondern gerade umgekehrt, etwas Absterbendes, etwas partiell im Leibe Absterbendes. Ich habe das so ausgesprochen in einem öffentlichen Vortrage, daß ich gesagt habe: Der Mensch stirbt eigentlich immer in sein Nervensystem hinein ab. - Der Nervenprozeß ist ein solcher, daß er sich auf das Nervensystem beschränken muß. Denn würde er sich ausdehnen über den ganzen Organismus, würde dasselbe vorgehen im ganzen Organismus, was in den Nerven vorgeht, so würde dies den Tod des Menschen in jedem Augenblick bedeuten. Man kann sagen: Vorstellungen entstehen da, wo der Organismus sich selber abbaut, wir sterben in unser Nervensystem fortwährend hinein. - Dadurch ist Geisteswissenschaft in die Notwendigkeit versetzt, nicht nur diejenigen Prozesse zu verfolgen, welche die heutige Naturwissenschaft als die einzig maßgebenden betrachtet: die aufsteigenden Prozesse. Diese aufsteigenden Prozesse, sie sind Wachstumsprozesse, sie gipfeln noch im Unbewußten. Erst wenn der Organismus mit den absteigenden Prozessen beginnt, tritt im Organismus jene Tätigkeit der Seele auf, die man als Vorstellungs-, ja auch als sinnliche Wahrnehmungstätigkeit bezeichnen kann. Dieser Abbauprozeß, dieser Ersterbeprozeß, der muß da sein, wenn überhaupt vorgestellt werden soll.

Nun habe ich gezeigt, daß das freie Handeln des Menschen geradezu darauf beruht, daß der Mensch in die Lage kommt, aus reinen Gedanken heraus die Impulse für sein Handeln zu suchen. Diese reinen Gedanken werden am meisten von Einfluß sein auf die Abbauprozesse im menschlichen Organismus. Was geschieht denn eigentlich, wenn der Mensch so recht eine freie Handlung vollzieht? Machen wir uns das einmal klar, was da beim gewöhnlichen physischen Menschen geschieht, wenn der Mensch aus moralischer Phantasie heraus - Sie wissen jetzt, was ich damit meine —, aus moralischer Phantasie heraus, das heißt aus einem Denken, das von sinnlichen Impulsen, sinnlichen Trieben und Affekten nicht beherrscht ist, handelt, was geschieht da mit dem Menschen eigentlich? Dann geschieht das, daß er sich reinen Gedanken hingibt; die bilden seine Impulse. Sie können ihn nicht impulsieren durch sich selbst; er muß sich impulsieren, denn sie sind bloße Spiegelbilder, das haben wir ja betont. Sie gehören der Maja an. Spiegelbilder können nicht zwingen, der Mensch muß sich selber zwingen unter dem Einfluß der reinen Vorstellungen.

Worauf wirken reine Vorstellungen? Am stärksten wirken sie auf den Abbauprozeß im menschlichen Organismus. Auf der einen Seite kommt aus dem Organismus heraus der Abbauprozeß, und auf der ändern Seite kommt aus dem geistigen Leben diesem Abbauprozeß entgegen der reine Tatgedanke. Ich meine damit den Gedanken, welcher der Tat zugrunde liegt. Durch die Vereinigung von beiden, durch das Aufeinanderwirken des Abbauprozesses und des Tatgedankens entsteht die freie Handlung.

Ich sagte, der Abbauprozeß wird nicht durch das reine Denken bewirkt; der ist sowieso da, er ist also eigentlich immer da. Wenn der Mensch diesem Abbauprozeß, gerade den bedeutsamsten Abbauprozessen in ihm, nichts aus dem reinen Denken heraus entgegenstellt, dann bleibt er Abbauprozeß, dann wird der Abbauprozeß nicht umgewandelt in einen Aufbauprozeß, dann bleibt ein ersterbender Teil im Menschen. Denken Sie das einmal durch, dann ersehen Sie daraus, daß die Möglichkeit besteht, daß der Mensch gerade durch Unterlassung von freien Handlungen einen Todesprozeß in sich nicht aufhebt. Darin liegt einer der subtilsten Gedanken, die der Mensch nötig hat, in sich aufzunehmen. Wer diesen Gedanken versteht, kann im Leben nicht mehr zweifeln an dem Vorhandensein der menschlichen Freiheit. Denn eine Handlung, die aus Freiheit geschieht, geschieht nicht durch etwas, was im Organismus verursacht wird, sondern wo die Ursachen aufhören, nämlich aus einem Abbauprozeß heraus. Dem Organismus muß etwas zugrunde liegen, wo die Ursachen aufhören, dann kann überhaupt erst die reine Vorstellung als Motiv des Handelns eingreifen. Aber solche Abbauprozesse sind immer da, sie bleiben nur gewissermaßen ungenützt, wenn der Mensch nicht freie Handlungen vollführt.

Was hier zugrunde liegt, bezeugt aber auch, wie es mit einem Zeitalter aussehen muß, welches sich nicht darauf einlassen will, die Idee der Freiheit im vollsten Umfange zu verstehen. Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts, das 20. Jahrhundert bis in unsere Zeit, diese Epoche hat es sich geradezu zur Aufgabe gesetzt, auf allen Gebieten des Lebens die Idee der Freiheit immer mehr und mehr für die Erkenntnis zu trüben, für das praktische Leben in Wirklichkeit auszuschalten. Freiheit wollte man nicht verstehen, Freiheit wollte man nicht haben. Die Philosophen haben sich bemüht, zu beweisen, daß alles mit einer gewissen Notwendigkeit aus der menschlichen Natur hervorgeht. Gewiß, der menschlichen Natur liegt eine Notwendigkeit zugrunde, aber diese Notwendigkeit hört auf, indem Abbauprozesse beginnen, in welchen der Zusammenhang der Ursachen sein Ende findet. Wenn Freiheit da eingegriffen hat, wo die Notwendigkeit im Organismus aufhört, dann kann man nicht sagen, daß die Handlungen der Menschen aus der inneren Notwendigkeit hervorgehen; sie gehen dann erst aus ihm hervor, wenn diese Notwendigkeit aufhört. Der ganze Fehler bestand darinnen, daß man sich nicht eingelassen hat darauf, im menschlichen Organismus nicht nur zu verstehen die aufbauenden Prozesse, sondern auch zu verstehen die abbauenden Prozesse.“ (Lit.:GA 179, S. 122ff)

Philosophische Positionen

Die Begriffe von der „Subjekt“-Stellung des Menschen und von dessen „Autonomie“ oder auch dessen „Moralität“ beruhen auf der Annahme von Entscheidungsfreiheit. Auch die politischen Ideen der „Freiheit“ und der „Demokratie“ setzen diese Annahme voraus.

Doch bereits im griechischen Altertum, aber besonders seit Beginn der Aufklärung, sah sich die Vorstellung eines freien Willens zahlreichen Anzweiflungen ausgesetzt (siehe auch: Geschichte des Freien Willens).

Bedingte und unbedingte Willensfreiheit

Bedingte Willensfreiheit

Nach dem Konzept der bedingten Willensfreiheit ist ein Wille frei, wenn eine Person ihren Willen nach ihren persönlichen Motiven und Neigungen bildet und tun kann, was sie will (Handlungsfreiheit). Welcher der konkurrierenden Wünsche eines Menschen sich als Wille herausbildet, hängt nach dieser Vorstellung von seiner Persönlichkeit und von Umwelteinflüssen ab.

Aufgrund der Komplexität der Umstände, die zur Willensbildung führen, sind die Ursachen einer Entscheidung nur teilweise einsehbar. Dennoch wird hier von Freiheit gesprochen, weil die getroffene Wahl den Neigungen und Motiven der Person entspricht und somit deren eigenen Willen darstellt und nicht einen aufgezwungenen.

Es bestehen allerdings Zweifel, ob der Ausdruck Freiheit hier angebracht sei, da die kausalen Ursachen einer Entscheidung für den Entscheider selbst nur zu einem Teil erkennbar seien. Schopenhauers Ausspruch, der Mensch könne tun, was er will, aber er könne nicht wollen, was er will, fasst diese Auffassung pointiert zusammen.

Unbedingte Willensfreiheit

Nach dem Konzept der unbedingten Willensfreiheit bestehe keine Beschränkung der Freiheit. Gedacht werden könne eine solche Freiheit nur dann, wenn ein Wille durch nichts bedingt sei. Das Problem bei dieser Freiheit ist, dass der Wille, wenn er durch nichts bedingt sei, als zufällig und unmotiviert gelten müsse. Es unterliege dann also dem reinen Zufall, was sich zum Willen herausbilde. Er stehe nicht mehr im Einklang mit der Natur und den Neigungen der handelnden Person. Er sei von ihr losgelöst und ihr auch nicht mehr zurechenbar.

Vereinbarkeit von Determinismus und Willensfreiheit

Determinismus

Dem Konzept des Determinismus liegt die Annahme zugrunde, dass alle Ereignisse, die geschehen, sowohl kausale Folge vorangegangener Ereignisse seien als auch von diesen eindeutig bestimmt würden.

Kompatibilismus

Die Position, dass der Determinismus mit dem freien Willen verträglich sei, bezeichnet man als Kompatibilismus. Kompatibilisten wie Thomas Hobbes definieren Willensfreiheit so, dass eine Person dann frei handelt, wenn sie eine Handlung will und auch anders handeln könnte, wenn sie anders handeln wollte. Innerhalb kompatibilistischer Positionen gibt es unterschiedliche Auffassungen darüber, ob Determinismus und Willensfreiheit lediglich miteinander verträglich seien oder ob der Determinismus sogar eine Voraussetzung für Willensfreiheit darstelle. Erstere bezeichnet man als weichen, letztere als harten Kompatibilismus.

Die Auffassung, dass es keine Rolle spielt, ob die Entscheidungen deterministisch bedingt sind, bezeichnet man als weichen Kompatibilismus. Nach dieser Auffassung ist der Wille frei, da die handelnde Person die determinierenden Faktoren nicht vollständig kenne. Für Vertreter dieser Position bedeutet die Freiheit des Willens letztlich also, nach Gründen zu handeln, die dem Handelnden nicht vollständig bewusst sind. Die erlebte Freiheit bei der Entscheidung ist also nur eine scheinbare Freiheit.

Die Auffassung, dass Willensfreiheit nur dann möglich ist, wenn eine Entscheidung durch in der Vergangenheit liegende Ereignisse bedingt ist, bezeichnet man als harten Kompatibilismus. Frei sei ein Wille demnach dann, wenn er durch Gründe motiviert ist, die im Einklang mit den Werten und Überzeugungen der wollenden und handelnden Person stehen. Die erlebte Freiheit bei der Entscheidung sei die tatsächliche Freiheit. Ein unfreier Wille wäre nach diesem Verständnis ein handlungsleitender Wille, der als auferlegt erlebt würde, etwa aufgrund von Zwangsgedanken oder Beeinflussung durch andere Personen.

Moderne Vertreter des Kompatibilismus sind u. a. Harry Frankfurt, Daniel C. Dennett, Michael Pauen und Peter Bieri.

Inkompatibilismus

Einige Philosophen sehen die Konzepte von Willensfreiheit und Determinismus als unvereinbar an. Wenn der Wille wie alles andere in der Welt bedingt sei, so könne er und alle von ihm ausgehenden Entscheidungen und Handlungen nicht frei sein. Diese philosophische Auffassung bezeichnet man als Inkompatibilismus.

Inkompatibilisten gehen davon aus, dass eine Person genau dann einen freien Willen besitze, wenn sie der einzige verursachende Grund (Erstauslöser) für die Handlung sei und sie in einer Entscheidungssituation verschiedene Entscheidungen treffen könne. Diese Definition entspricht der unbedingten Willensfreiheit. Determinismus wird von Inkompatibilisten nicht zwangsläufig als unzutreffend abgelehnt, doch wenn er zuträfe, wäre jede Wahl, die wir treffen, bereits durch frühere Ereignisse bedingt.

Inkompatibilisten lassen sich also in zwei entgegengesetzte Positionen einteilen:

  1. „Harte Deterministen“ wie Baron d'Holbach oder Derk Pereboom, die den Determinismus für zutreffend halten und bestreiten, dass es so etwas wie einen freien Willen gibt.
  2. Libertarianer wie Peter van Inwagen, Robert Kane oder Geert Keil, die den Determinismus ablehnen und die Existenz eines freien Willens bejahen.

Indeterminismus und Willensfreiheit

Als Indeterminismus bezeichnet man die dem Determinismus gegensätzliche Auffassung, dass es (zumindest einige) Ereignisse gibt, die nicht durch vorangegangene Ereignisse bedingt sind.

Libertarianer sind der Meinung, dass undeterminierte Handlungen nicht rein zufällig sind, sondern einem substantiellen Willen entspringen, dessen Entscheidungen undeterminiert sind. Dieser Ansatz wird weithin als nicht zufriedenstellend angesehen, da er das Problem nur einen Schritt weiter zurück verlagert (zu dem substantiellen Willen) und nicht erklären kann, was dieser substantielle Wille ist und welchen Gesetzen er im Unterschied zu herkömmlichen Konzepten des Geistes unterworfen ist.

Kausalität und Willensfreiheit

Schon vor dem neueren probabilistischen Verständnis der Lebensvorgänge sah bereits Arthur Schopenhauer in der Verletzung des Kausalitätsprinzips, einer Grundfeste des menschlichen Denkens, ein Argument gegen die Willensfreiheit. Der freie Wille sei eine Illusion, in Wahrheit sei der Wille durch chaotische (also äußerst komplexe) Einflüsse außerhalb und innerhalb des Subjekts gesteuert.

Verbreitung der Positionen

In einer 2009 durchgeführten Erhebung wurde der Verbreitungsgrad der dargelegten Positionen unter Philosophen ermittelt. In der Erhebung wurden Mitglieder von insgesamt 99 philosophischen Fakultäten befragt, die vom Philosophical Gourmet Report als hochrangig eingestuft wurden, davon 90 in englischsprachigen Ländern. Von den 931 teilnehmenden Philosophen wurden zur Frage "Freier Wille" die Wahlmöglichkeiten (Optionen) "Ich akzeptiere" oder "Ich neige zu" wie folgt auf vier vorgegebene Kategorien verteilt: "Kompatibilismus" 59,1 %, "Libertarismus" 13,7 %, "Kein freier Wille" 12,2 %, "Anderes" 14,9 %.[3]

Naturwissenschaftliche Modelle und Befunde

Im Verlauf der Geschichte der Naturwissenschaften wurden zahlreiche Versuche unternommen, die vorherrschenden Auffassungen von Willensfreiheit anhand empirisch-naturwissenschaftlicher Modelle und Befunde zu untermauern oder zu hinterfragen. Je nach der zu Grunde gelegten Auffassung von Willensfreiheit können aus den Beiträgen der empirischen Wissenschaften dabei unterschiedliche Schlüsse gezogen werden (siehe dazu Kompatibilismus und Inkompatibilismus).

Physik

Das Weltbild der klassischen Mechanik sieht die Welt als deterministisch an. Es enthält die Auffassung, dass bei genügend genauer Information die Zukunft beliebig genau vorhergesagt werden kann. Dagegen ist es in der Quantenmechanik nicht mehr möglich, den Ablauf eines Vorgangs hinsichtlich aller messbarer Größen vorherzusagen, selbst wenn alle prinzipiell zugänglichen Informationen über seinen Anfangszustand bekannt sind (siehe das Gedankenmodell Schrödingers Katze). Nach gängiger (aber nicht unumstrittener) Interpretation ist damit das Naturgeschehen nicht vollständig determiniert, sondern unterliegt in einem fundamentalen Sinne partiell dem Zufall. Der Mathematiker John Conway und der Physiker Simon Kochen haben versucht, über ihr Free Will Theorem einen Zusammenhang zwischen menschlicher Entscheidungsfreiheit und quantenmechanischer Unschärfe (Indeterminiertheit) herzustellen.[4]

Genetik

Auch Biologen haben versucht, die Problematik des freien Willens zu erhellen. Eine kontrovers geführte Debatte der Biologie ist die Frage, ob das Verhalten des Menschen eher aufgrund seiner Evolutionsgeschichte (Phylogenese) oder eher aufgrund seiner persönlichen (ontogenetischen) Prägung bestimmt ist. Also: Wie wichtig sind Humangenetik und biologische Grundlagen für das menschliche Verhalten im Gegensatz zur Prägung durch Kultur und Umgebung? Genetische Studien haben viele spezifische genetische Faktoren identifiziert, die die Persönlichkeit eines Individuums beeinflussen, von offensichtlichen Fällen wie dem Down-Syndrom bis hin zu eher subtilen Effekten wie der statistischen Disposition für Schizophrenie. In letzteren und vielen anderen Fällen handelt es sich um ein Wechselspiel zwischen Disposition und Umwelt. Im biologischen Sinne wird also auch der Wille eines Menschen bestimmt durch Erbanlagen und Umwelteinflüsse.

Hirnforschung

Durch den Einsatz moderner bildgebender Methoden, vor allem PET und fMRT, ist es möglich geworden, grobe neuronale Vorgänge zu beobachten, die dem Prozess der Entscheidungsbildung zugeordnet werden können. Dabei deuten die bisherigen Ergebnisse darauf hin, dass manche Entscheidungen im Gehirn bereits getroffen werden, bevor die Person sich ihrer bewusst wird. Allerdings handelt es sich bei den Entscheidungen in diesen Experimenten bis dato um „folgenlose“ Spontanentscheidungen, z. B. welche Hand zum Greifen benutzt wird. Kritiker wenden deshalb ein, dass eine empfundene Freiheit der Entscheidung insofern doch real sein könnte, als die empfindende Person die Ausführung der Handlung steuern und überwachen könnte und in diesem Prozess die Möglichkeit hätte, die Aktion noch zu unterbrechen oder zu modifizieren. Dies wurde in dem Vorschlag ausgedrückt, die bewusst empfindende Person hätte möglicherweise eine Art „Vetorecht“. Spätere Experimente deuteten jedoch darauf hin, dass auch Veto-Entscheidungen unbewusst getroffen werden und erst nachträglich als freie Entscheidungen empfunden werden.[5]

Nach dem gegenwärtigen Erklärungsmodell der Hirnforschung über die Steuerung der Willkürmotorik haben viele, vor allem grundlegende, Antriebe für das Verhalten des Menschen einen subkortikalen Ursprung – sie entstehen im limbischen Bewertungs- und Gedächtnissystem. Dieses aktiviert die Basalganglien und das Kleinhirn, die wiederum die kortikalen Prozesse in Gang setzen. Dann erst setzt die Empfindung ein, etwas zu wollen. Damit stimmt überein, dass bei Willkürhandlungen zuerst in den Basalganglien und im Kleinhirn neuronale Aktivität auftritt und erst danach in der Großhirnrinde.

Experimente zur Willensfreiheit

Ein viel diskutiertes Experiment (Libet-Experiment) auf diesem Gebiet wurde 1979 von Benjamin Libet durchgeführt. Die Probanden wurden gebeten, in einem beliebigen Moment ihren Finger zu heben, während sie eine Art Uhrzeiger verfolgten. Gleichzeitig wurde eine bestimmte, mit der Fingerbewegung zeitlich gekoppelte, Gehirnaktivität aufgezeichnet. Nach Libets Deutung zeigte das Experiment, dass die Gehirnaktivität, die dazu führte, dass eine Person ihren Finger bewegte, etwa 550 ms vor dem Moment einsetzte, in dem diese Person der Auffassung war, sich bewusst dafür zu entscheiden. Diese vorausgehende und unbewusst bleibende Gehirnaktivität wurde schon 1964 von William Grey Walter und 1965 von Hans Helmut Kornhuber und Lüder Deecke beschrieben,[6][7] und das messbare Korrelat wird unter anderem als Bereitschaftspotential oder auch Vorbereitungspotential[8] bezeichnet. Libet selbst schlussfolgerte daraus, dass die Annahme, der Mensch verfüge über keinen freien Willen, falsch sein müsse: Innerhalb des nachgewiesenen Zeitfensters zwischen Bereitschaftspotential und bewusst empfundener Handlungsentscheidung sei ein „Veto“ möglich. In einer Studie von 2016 wurde Libets Veto mittels eines Brain-Computer-Interface genauer untersucht. Hier zeigte sich, dass beabsichtigte, willkürliche motorische Handlungen bis etwa 200 ms vor der eigentlichen Durchführung unterbunden werden können, und selbst noch nach dem Einsetzen von Muskelaktivität verändert oder abgebrochen werden können.[9]

Ein Nachfolgeexperiment von Haggard und Eimer aus dem Jahr 1999 erweiterte den ursprünglichen Ansatz, indem die Probanden hier nicht nur entscheiden konnten, wann sie ihre Hand bewegten, sondern zusätzlich auch, welche Hand. Damit begegneten die Forscher einem häufig vorgebrachten Einwand gegen das Libet-Experiment, wonach die Probanden keine wirkliche Entscheidung im Sinne einer Wahl unter verschiedenen Optionen treffen konnten und die Resultate deshalb nicht für die menschliche Praxis typisch seien. Die Ergebnisse von Haggard und Eimer bestätigten Libets Daten, wonach das Bereitschaftspotential der bewusst empfundenen Entscheidung vorausgeht.[10]

Bezüglich der von Libet vorgeschlagenen Möglichkeit eines "Vetos" innerhalb eines bestimmten Zeitfensters (s. o.) deuten Experimente von 2009 zur Bewusstheit willentlicher Entscheidungen von Kühn und Brass darauf hin, dass auch Veto-Entscheidungen unbewusst getroffen werden und erst nachträglich als freie Entscheidungen empfunden werden.[11]

In der Nachfolge der Libet-Experimente führte eine Gruppe um Alvaro Pascual-Leone 1992 ein Experiment durch, bei dem die Probanden gebeten wurden, zufällig die rechte oder die linke Hand zu bewegen. Er fand heraus, dass durch die Stimulation der verschiedenen Hirnhälften mittels magnetischer Felder die Wahl der Person stark beeinflusst werden konnte. Normalerweise wählen Rechtshänder die rechte Hand in ca. 60 % aller Fälle. Wurde jedoch die rechte Hirnhälfte stimuliert, wurde die linke Hand in 80 % aller Fälle ausgewählt. (Die rechte Hemisphäre des Hirns ist im Wesentlichen für die linke Körperhälfte zuständig und umgekehrt). Trotz dieses nachweislichen Einflusses von außen berichteten die Probanden weiterhin, dass sie der Überzeugung waren, die Wahl frei getroffen zu haben.[12]

fMRT-Aufnahmen des Gehirns

2013 wurde von einer Forschergruppe um John-Dylan Haynes am Berlin Center for Advanced Neuroimaging (BCAN) nachgewiesen, dass nicht nur Entscheidungen für eine Handbewegung, sondern auch Entscheidungen bei der Auswahl einer abstrakten Denkaufgabe (Rechenaufgabe) spezifische, zeitlich vorausgehende Gehirnaktivität aufweisen. Statistische Analysen abgebildeter Gehirnaktivitäten zeigten, dass mit überzufälliger Häufigkeit bestimmte Aktivitätsmuster ca. vier Sekunden vor dem Moment auftraten, in dem die Versuchspersonen selbst sich über ihre Entscheidung bewusst sein konnten. Die Eigenschaften der Aktivitätsmuster waren jeweils typisch für die Art der nachfolgenden Entscheidung.[13] Nach Erscheinen der Studie wies Haynes im Deutschlandfunk darauf hin, dass die Ergebnisse zeigten, "wie stark unsere Entscheidungen von unbewussten Hintergrundprozessen beeinflusst werden. Das ist das eigentlich Interessante, dass wir das Gefühl haben, ich entscheide mich jetzt, aber dass irgendetwas im Gehirn schon unbewusst passiert ist, davor."

Der genaue Zusammenhang zwischen den unbewussten Hirnprozessen und der Sekunden später bewusst getroffenen Entscheidung sei jedoch noch unklar. Was jetzt gebraucht werde, seien "20 Jahre Forschung zum Thema Gehirnmechanismen des freien Willens".[14]

Neueste (Stand 2015) experimentelle Forschungsergebnisse u. a. von Haynes weisen aber darauf hin, dass solche Gehirnaktivitäten - nachdem sie unwillkürlich gestartet wurden - willentlich gestoppt werden können: "Die Probanden sind den frühen Hirnwellen nicht unkontrollierbar unterworfen. Sie waren dazu in der Lage, aktiv in den Ablauf der Entscheidung einzugreifen und eine Bewegung abzubrechen", so Haynes. "Dies bedeutet, dass die Freiheit menschlicher Willensentscheidungen wesentlich weniger eingeschränkt ist, als bisher gedacht. Dennoch gibt es einen Punkt im zeitlichen Ablauf von Entscheidungsprozessen, ab dem eine Umkehr nicht mehr möglich ist, den ‚point of no return’."[15][16]

Freier Wille und Selbstkontrolle

Eine spezielle Erscheinungsform des freien Willens ist die Selbstkontrolle einer handelnden Person. Sie hat große Bedeutung in allen sozialen Bereichen. Erforscht wird sie in der empirischen Grundlagenforschung der Psychologie.

So konnten zum Beispiel mehrere - in neuerer Zeit auch sehr umfangreiche - Erhebungen zeigen, dass das Ausmaß der Selbstkontrolle während der Kindheit einen starken Einfluss hat auf spätere Erfolge im Leben, so in den Bereichen Gesundheit, materieller Wohlstand und Zufriedenheit, und zwar unabhängig von Intelligenz und sozialem Status. Gleichzeitig führte ein höheres Ausmaß an Selbstkontrolle während der Kindheit im späteren Leben zu geringeren sozialen Kosten durch medizinische Behandlung, Sozialleistungen und Strafverfolgung.[17][18][19]

Das Empfinden eines freien Willens wird in all diesen Studien als selbstverständlich vorausgesetzt, und es wird für die Untersuchungsergebnisse als unerheblich angesehen, ob die erfassten Personen Ansichten darüber haben, ob die Freiheit ihres Willens real oder vorgestellt sei.

Geisteswissenschaftliche Sichtweisen

Psychologie

Selbstbestimmungstheorie

In der von Richard M. Ryan und Edward L. Deci seit 2000 vertretenen Selbstbestimmungstheorie (SDT)[20][21] ist der Begriff Autonomie von zentraler Bedeutung. Er wurde hier definiert als ein Gefühl völliger Freiwilligkeit (urge to be causal agent of one's own life), also als subjektiv wahrgenommener eigener freier Wille. Dabei gehört Autonomie aus Sicht dieser Theorie zusammen mit Kompetenz und sozialer Eingebundenheit zu den drei universalen psychologischen Grundbedürfnissen, die für die Qualität von Verhalten sowie damit verbundenem Wohlbefinden von Bedeutung seien. Diese Grundbedürfnisse hätten sich im Laufe der Evolutionsgeschichte der Menschheit als diejenigen Mechanismen herausgebildet, mit denen der Einzelne sich am besten an die Anforderungen seines sozialen und physikalischen Umfeldes anpassen könne. Das Bedürfnis nach Autonomie beschreibe dabei eine tief im Organismus verwurzelte Tendenz zur Selbstregulation der eigenen Handlungen und Kohärenz seiner Verhaltensziele.

Zur Beschreibung von Verhalten dient in der Selbstbestimmungstheorie ein Motivationsbegriff, der als Kenngrößen nicht nur die Motivationsstärke, sondern daneben auch den, ebenfalls als Kontinuum verstandenen, Autonomiegrad besitzt. Dieser erstreckt sich von fremd reguliertem Verhalten, beispielsweise durch äußere Belohnungen oder Zwang, über nur eingeschränkt internalisierte Regulierung (Vermeidung von Schuldgefühlen oder Angst), bis hin zu autonomer Motivation, bei der das Verhalten vollständig in das Selbstgefühl integriert ist. Im Vergleich zu einem fremd regulierten Verhalten gleicher Motivationsstärke sei autonom reguliertes Verhalten durch größere Effizienz, insbesondere in Bezug auf Problemlösungsverhalten und Durchhaltevermögen, sowie durch größeres Wohlbefinden gekennzeichnet.

Linksextreme Kritik

Vertreter der extremen Linken ziehen die Diskussion um den freien Willen dazu heran, der gängigen Psychologie eine politische Entmündigung des Bürgers zu unterstellen. Von der Psychoanalyse Freuds bis zur Verhaltenspsychologie Skinners sei die Psychologie reaktionär, weil sie auf das Unterbewusste abhebe, politische Faktoren ignoriere und dem Individuum den freien Willen abspreche, also auch die Fähigkeit, bewusst politisch zu handeln:

„[...] eine von falschem Bewußtsein bestimmte Praxis des durchaus freien Willens ist eben nichts anderes als eine Reihe von Veranstaltungen, in denen sich die Individualität den Geboten des Kapitals und seines Staates fügt. Es bedarf keineswegs einer Leugnung der Freiheit, und schon gar nicht der mühsam zusammenkonstruierten Macht des Un-Bewußten, um das Gelingen von Herrschaft und Ausbeutung auf dem Globus verständlich zu machen.“[22]

Theologie

Das Wort Freiheit findet in theologischen Diskussionen nicht immer genau dieselbe Verwendung wie in philosophischen, sondern schließt auch bestimmte Aspekte ein, die von einem religiös begründeten Verständnis abhängen. Ein allgemein verbreiteter Konsens bezüglich der Details des Freiheitsbegriffs besteht ebenso wenig wie in der Philosophie.

Von Kritikern bestimmter religionsphilosophischer und theologischer Freiheitsinterpretationen wird häufig ein Problem für die Annahme angeführt, dass die menschliche Freiheit vor dem Hintergrund göttlicher Allwissenheit (Omniszienz) widerspruchsfrei bestehen könne: Wenn Gott allwissend ist, wie kann dann der Mensch frei in seinen Entscheidungen sein? Denn wenn Gott alle Fakten kennt, weiß er auch, welche Entscheidung ein Mensch zu einem bestimmten Zeitpunkt treffen wird. Es bestünden also aufgrund des göttlichen Vorwissens keine alternativen Handlungsmöglichkeiten. Diese zeichnen jedoch gerade eine in Freiheit gefällte Entscheidung aus. Noch verschärft wird dieses Dilemma dann, wenn man – wie in vielen Religionen der Fall – Gott als einem übermächtigen Wesen über das bloß beobachtende Vorherwissen hinaus auch eine die Geschicke der Welt oder das Schicksal des individuellen Menschen lenkende oder fügende Funktion zuweist (Vorsehungsglaube) oder sogar annimmt, die sittlich-religiöse Letztbestimmung beziehungsweise das Seelenheil eines Menschen werde durch göttlichen Ratschluss im Voraus unabwendbar festgelegt (Prädestinationsglaube).

Auch die Gegenthese, göttliche Allwissenheit und menschliche Entscheidungsfreiheit würden einander keineswegs widersprechen, z. B. wenn Gott (als der Raumzeit entzogener Beobachter) nur die Entscheidung vorhersieht, nicht aber beeinflusst,[23] wurde und wird in Theologie und Philosophie vertreten.[24][25] Verschiedene spätscholastische Positionen hierzu werden unter dem Schlagwort Voluntarismus zusammengefasst.

Diesen Ansichten gegenüber steht das theologische Konzept eines Wirklichkeitsganzen, welches sich sowohl aus der natürlichen (Diesseits) als auch aus der transzendenten Wirklichkeit (Jenseits) zusammensetze. Beide Wirklichkeiten existierten auch im Menschen, weshalb die Prozesse der Handlungsfindung sowohl biologisch als auch göttlich motiviert seien. Es brächten also jeweils zwei Grundmotivationen Optionen für einen möglichen Wahlentscheid hervor, womit der Mensch zumindest zwischen diesen beiden Grundmotivationen bei Handlungen frei entscheiden könne.

Eine klassische Behandlung des Problems findet sich bereits in der Theodizee von Gottfried Wilhelm Leibniz, der die Frage behandelt, inwiefern Gott für das malum morale, also für die Entscheidungen der Menschen für das Böse, verantwortlich gemacht werden kann.

Christentum

Im Christentum hat die Frage nach der Willensfreiheit im engeren Sinne eine wichtige Stellung, weil damit das Problem angesprochen wird, inwiefern der Mensch aus eigener Kraft vor Gott gerecht werden und sich dem Heil zuwenden kann. Im christlichen Kontext behandelt die Frage nach der Willensfreiheit demnach das Verhältnis von Freiheit und Gnade Gottes.

Die Bibel enthält sowohl Verse, welche die Freiheit des Menschen, selbst zu entscheiden, unterstreichen, als auch solche, die diese Freiheit einschränken oder aufheben. Besonders zu erwähnen sind hierzu Paulus’ Ausführungen zur souveränen Bestimmung des Menschen zu Heil oder Unheil durch Gott (Röm 9,20–23 EU). Augustinus vertrat unter anderem im Streit mit dem Pelagianismus die Position, dass es keine absolute Willensfreiheit gebe. Diese Fähigkeit habe der Mensch durch den Sündenfall verloren. In De Civitate Dei (De Civ. XII, 6–9) und in De libero arbitrio (De lib. arb. I, 12. III, 3) argumentiert Augustinus jedoch dafür, dass der Mensch durch die Gnade Gottes sich entscheiden kann, weil sein Wissen unvollkommen ist. Willensentscheidungen sind nicht kausal verursacht. Dies gilt, obwohl Gott allwissend ist und aufgrund dessen die menschlichen Entscheidungen vorhersehen kann.[26] „Der Wille, der jedwede Handlung auslöst, wird einzig und allein durch eine Vorstellung gewonnen. Was der Mensch für sich wählt, was er von sich weist, liegt in seiner Macht. Es muss zugegeben werden, dass der Geist sowohl von höheren als auch von niederen Vorstellungen berührt wird, und das vernünftige Wesen aus beiden die Auswahl trifft, die es will, und dass sich aus dem Verdienst dieser Wahl sowohl Elend als auch Glückseligkeit ergeben.“ (lib.arb, III, 74)

Martin Luther betonte in seiner Schrift De servo arbitrio die Unfreiheit des menschlichen Willens hinsichtlich des Heils und auch grundsätzlich die Unmöglichkeit eines freien Willens. Diese Position führte in der Zeit der Reformation zum öffentlichen Bruch zwischen Martin Luther und Erasmus von Rotterdam. Johannes Calvin ging weiter als Luther und vertrat die Lehre einer doppelten Prädestination, gegen die sich später u. a. der reformierte Theologe Jacobus Arminius wandte. Anders die radikal-reformatorischen Unitarier, die sich in dem 1605 erstmals erschienenen Rakauer Katechismus für den freien Willen und gegen die Erbsünde aussprachen.[27] Auch im 1864 von József Ferencz für die ungarischen und siebenbürgischen Unitarier verfassten Katechismus wird der Freie Wille betont [28].

Innerhalb des breiten Spektrums christlicher Kirchen neigen Theologen mancher Konfessionen heute stärker dazu, den freien Willen zu betonen als andere. So heben römisch-katholische Theologen den freien Willen des Menschen hervor: Es liege an jedem Einzelnen, die göttliche Liebe als Motivation bei Handlungen zu bevorzugen bzw. die Gnadengaben Gottes anzunehmen und er könne sich auch in Freiheit dazu entscheiden, sie abzulehnen (dies betont etwa Karl Rahner). Auch die meisten Freikirchen, die nicht aus dem Pietismus entstanden sind, sehen einen freien Willen des Menschen als gegeben an. Lutherische und calvinistische Kirchen stehen dem tendenziell entgegen.

Die meisten Kirchen erkennen die Einschränkung des freien Willens etwa durch psychische Zwänge an. Die katholische Kirche geht davon aus, dass im Falle einer Besessenheit durch Dämonen bzw. Geister der freie Wille des Besessenen ebenfalls eingeschränkt oder aufgehoben ist.

Andere Religionen

Im Islam sind Prädestinationslehren weit verbreitet, doch haben Qadariten und Muʿtaziliten die Willensfreiheit des Menschen gelehrt. Auch im Hinduismus gehen einige Strömungen von Prädestination aus, andere betonen die Freiheit des Menschen. Der Buddhismus verneint sowohl die absolute Willensfreiheit als auch den absoluten Determinismus, während die Idee der Willensfreiheit im Judentum ein zentrales Dogma darstellt (siehe Dtn 11,26 EU).

Rechtslage in Deutschland

Die verfassungsrechtliche Leitidee der Menschenwürde (Art. 1 I Grundgesetz, auch Art. 1 der Grundrechtecharta der Europäischen Union) beruht nach Ansicht des Bundesverfassungsgerichts auf der Entscheidungsfreiheit: „Dem Schutz der Menschenwürde liegt die Vorstellung vom Menschen als einem geistig–sittlichen Wesen zugrunde, das darauf angelegt ist, sich in Freiheit selbst zu bestimmen und zu entfalten.“ Aus diesem Ansatz leitet das Bundesverfassungsgericht dann auch den Verfassungsrang des, jedenfalls für das deutsche Strafrecht maßgeblichen, Schuldprinzips ab.[29]

Auch der deutsche (Bundes-) Gesetzgeber setzt die Fähigkeit der freien Entscheidung des erwachsenen Menschen voraus:

So bestimmt § 104 Nr. 2 BGB die Geschäftsunfähigkeit als einen „die freie Willensbildung ausschließenden Zustand“ und setzt damit die Willensfreiheit des Individuums als eine nur im Ausnahmefall wegfallende Grundeigenschaft voraus.[30] Ohne diese Prämisse wäre vor allem das Prinzip der Privatautonomie, auf dem das deutsche Privatrecht wesentlich beruht, erheblich in Zweifel gezogen.[31]

Ebenso geht das Strafgesetzbuch von der Voraussetzung der freien Entscheidung aus: Nur „wer bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefgreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln“, handelt gemäß § 20 StGB „ohne Schuld“.

Aus einem Beschluss des Bayerischen Obersten Landesgerichts:[32] „Die Bestellung eines Betreuers von Amts wegen, also ohne Antrag des Volljährigen und, wie hier, gegen seinen Willen, setzt aber voraus, dass der Betreute aufgrund einer psychischen Erkrankung seinen Willen nicht frei bestimmen kann. Dies sagt das Gesetz zwar nicht ausdrücklich, ergibt sich aber aus einer verfassungskonformen Auslegung des Gesetzes. Denn der Staat hat wegen entsprechender Verfassungsbestimmungen nicht das Recht, seine erwachsenen und zur freien Willensbestimmung fähigen Bürger zu bessern oder zu hindern, sich selbst zu schädigen“.[33] Siehe auch die Neufassung von § 1896 Abs. 1a BGB (seit 1. Juli 2005). Im Grundsatz muss jede Entscheidung des Betreuers im Sinn des freien Willens des Betreuten getroffen werden. Das gebietet das in Vorlage:Art. Abs. 1 GG verankerte Grundrecht auf Selbstbestimmung.

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Ethische Bedeutung

Philosophische Positionen

Harte Deterministen verwerfen das Konzept der moralischen Verantwortlichkeit. Wie kann man jemanden moralisch verantwortlich machen, wenn er in jeder Situation immer nur eine Möglichkeit zu handeln hat? Dass die Entscheidungen nicht unter Einschränkung der Handlungsfreiheit entstehen, ändere nichts an der Tatsache, dass der Determinismus den Handelnden von moralischer Verantwortlichkeit entbinde. Die Gegenposition besagt, dass trotz des bestehenden Determinismus ein Individuum die moralische Verantwortung für seine Handlungen tragen müsse und insofern ggf. gesellschaftliche und juristische Konsequenzen gerechtfertigt seien.

Kompatibilisten argumentieren dagegen, dass der Determinismus gerade eine Vorbedingung für moralische Verantwortlichkeit sei. Man könne niemanden für etwas verantwortlich machen, es sei denn, seine Handlungen wurden durch seinen Charakter, seine Motive und Werte bestimmt.

Libertarianer halten an der Idee des freien Willens und somit auch an moralischer Verantwortlichkeit fest.

Moralische Verantwortlichkeit

Befürworter moralischer Verantwortlichkeit unterstellen Entscheidungsfreiheit oder sind der Meinung, unsere Gesellschaftsordnung würde auseinanderbrechen, wenn sich niemand mehr für seine Taten moralisch verantwortlich fühlte.

Weiterhin wird argumentiert, dass der juristische Grundsatz „Keine Strafe ohne Schuld“ nicht mehr anwendbar wäre, wenn man Entscheidungsfreiheit und somit auch persönliche Schuld verwerfen würde.

Es gibt jedoch auch Meinungen,[34] die einem Menschen auch im Determinismus moralische Verantwortung zuschreiben. Im Wesentlichen geht es dabei um die Frage der Urheberschaft. Wer behauptet, nicht er sei der Urheber seiner Handlung, sondern seine Neuronen und die in seinem Körper ablaufenden physischen Prozesse hätten die Tat herbeigeführt, verkennt, dass Neuronen und physische Prozesse ein Teil von ihm sind, und begibt sich damit in einen Widerspruch. Der Begriff der Verantwortung als individuelle Zuschreibbarkeit des Verhaltens verliert also in einer deterministisch bestimmten Welt keineswegs seinen Sinn. Der Determinismus liefert demzufolge auch keine Begründung dafür, dass unser Rechtssystem geändert werden müsste und einige Deterministen argumentieren seit geraumer Zeit für ein deterministisches Strafrecht.[35]

Wolfgang Prinz ist der Ansicht, dass es im Bereich des sozialen Miteinanders sowie in Moral und Recht nicht von Bedeutung sei, ob die Menschen faktisch einen freien Willen besitzen. Vielmehr sei es von Belang, dass die Menschen über eine Freiheitsintuition verfügen, die in ihrer Wahrnehmung ebenso real sei wie die tatsächliche Existenz des freien Willens. Diese Freiheitsintuition führe dazu, dass Menschen bereit sind, für ihre Handlungen Verantwortung zu übernehmen und anderen Menschen für deren Handlungen Verantwortung zuzuschreiben.[36]

Zitate

Baltasar Gracián y Morales S. J. (1601 bei Calatayud - 1658 Tarazona, Aragonien): spanischer Schriftsteller, Hochschullehrer und Jesuit.

„Die Daumenschraube eines jeden finden: Dies ist die Kunst, den Willen Anderer in Bewegung zu setzen. Es gehört mehr Geschick als Festigkeit dazu. Man muss wissen, wo einem Jeden beizukommen sei. Es gibt keinen Willen, der nicht einen eigentümlichen Hang hätte, welcher, nach der Mannigfaltigkeit des Geschmacks, verschieden ist. Alle sind Götzendiener, Einige der Ehre, Andere des Interesses, die meisten des Vergnügens. Der Kunstgriff besteht darin, dass man diesen Götzen eines Jeden kenne, um mittels desselben ihn zu bestimmen. Weiß man, welches für jeden der wirksame Anstoß sei, so ist es, als hätte man den Schlüssel zu seinem Willen. Man muß nun auf die allererste Springfeder oder das primum mobile in ihm zurückgehen, welches aber nicht etwa das Höchste seiner Natur, sondern meistens das Niedrigste ist: denn es gibt mehr schlecht- als wohlgeordnete Gemüter in dieser Welt. Jetzt muss man zuvörderst sein Gemüt bearbeiten, denn ihm durch ein Wort den Anstoß geben, endlich mit seiner Lieblingsneigung den Hauptangriff machen; so wird unfehlbar sein freier Wille schachmatt.“

Baltasar Gracián: Handorakel und Kunst der Weltklugheit, 1647, Übersetzung: Arthur Schopenhauer

„Eben so muß der entschlossenste Fatalist, der es ist, so lange er sich der bloßen Speculation ergiebt, dennoch, so bald es ihm um Weisheit und Pflicht zu thun ist, jederzeit so handeln, als ob er frei wäre, und diese Idee bringt auch wirklich die damit einstimmige That hervor und kann sie auch allein hervorbringen. Es ist schwer, den Menschen ganz abzulegen“

Immanuel Kant: Recension von Schulz's Versuch einer Anleitung zur Sittenlehre…, 1783, AA VIII S.13

„Das Verlangen nach ‚Freiheit des Willens‘, in jenem metaphysischen Superlativ-Verstande, wie er leider noch immer in den Köpfen der Halb-Unterrichteten herrscht, das Verlangen, die ganze und letzte Verantwortlichkeit für seine Handlungen selbst zu tragen und Gott, Welt, Vorfahren, Zufall, Gesellschaft davon zu entlasten, ist nämlich nichts Geringeres, als eben jene causa sui zu sein und, mit einer mehr als Münchhausen’schen Verwegenheit, sich selbst aus dem Sumpf des Nichts an den Haaren in’s Dasein zu ziehn.“

Friedrich Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse, erstes Hauptstück: von den Vorurtheilen der Philosophen

„Ich lache eures freien Willens und auch eures unfreien: Wahn ist mir das, was ihr Willen heißt, es giebt keinen Willen.“

Friedrich Nietzsche: Nachlass, Sommer 1883, 13 [1-36], Zarathustras heilige Gelächter

„Ich weiß ehrlich nicht, was die Leute meinen, wenn sie von der Freiheit des menschlichen Willens sprechen. Ich habe zum Beispiel das Gefühl, dass ich irgend etwas will; aber was das mit Freiheit zu tun hat, kann ich überhaupt nicht verstehen. Ich spüre, dass ich meine Pfeife anzünden will und tue das auch; aber wie kann ich das mit der Idee der Freiheit verbinden? Was liegt hinter dem Willensakt, dass ich meine Pfeife anzünden will? Ein anderer Willensakt? Schopenhauer hat einmal gesagt: ‚Der Mensch kann tun was er will; er kann aber nicht wollen was er will.‘“

Albert Einstein: Ich vertraue auf Intuition. Der andere Albert Einstein. Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg, Berlin, Oxford, S. 176.

„Nehmen wir an, Sie hätten einen unbedingt freien Willen. Es wäre ein Wille, der von nichts abhinge: ein vollständig losgelöster, von allen ursächlichen Zusammenhängen freier Wille. Ein solcher Wille wäre ein aberwitziger, abstruser Wille. Seine Losgelöstheit nämlich würde bedeuten, dass er unabhängig wäre von Ihrem Körper, Ihrem Charakter, Ihren Gedanken und Empfindungen, Ihren Phantasien und Erinnerungen. Es wäre, mit anderen Worten, ein Wille ohne Zusammenhang mit all dem, was Sie zu einer bestimmten Person macht. In einem substantiellen Sinn des Wortes wäre er deshalb gar nicht Ihr Wille.“

Peter Bieri: „Unbedingte Freiheit: eine Fata Morgana“ (in „Das Handwerk der Freiheit“)[37]

Siehe auch

Literatur

Klassiker

  • Augustinus: Der freie Wille. Übersetzt von Carl Johann Perl. 4. Auflage. unveränd. Nachdruck. Paderborn 1986, ISBN 3-506-70462-1.
  • Arnold Gehlen: Theorie der Willensfreiheit und frühe philosophische Schriften. 1965.
  • Arthur Schopenhauer: Die Welt als Wille und Vorstellung. I: 1818, I+II: 1844, ISBN 3-458-33573-0 + Über die Freiheit des menschlichen Willens. In: Die beiden Grundprobleme der Ethik. Kleinere Schriften II. Diogenes, Zürich 1977, ISBN 3-257-20426-4.

Systematische Darstellungen

Allgemeines
  • Hannah Arendt: Vom Leben des Geistes. Bd. 2 Das Wollen. Piper, München 1979, ISBN 3-492-22555-1.
  • Peter Bieri: Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens. Hanser, München 2001, ISBN 3-596-15647-5. (Lizenzausgabe als „Fischer TB 15647“ Fischer, Frankfurt 2003, ISBN 3-596-15647-5)
  • Daniel Dennett: Elbow Room: The Varieties of Free Will Worth Having. MIT Press, Cambridge, MA 1984, ISBN 0-262-54042-8.
  • Edith Düsing, Klaus Düsing, Hans-Dieter Klein (Hrsg.): Geist und Willensfreiheit. Klassische Theorien von der Antike bis zur Moderne. Königshausen & Neumann, Würzburg 2006, ISBN 3-8260-3507-0.
  • Dirk Hartmann: Willensfreiheit und die Autonomie der Kulturwissenschaften. In: Handlung Kultur Interpretation. (PDF; 2,1 MB) 9, 2000, S. 66–103. (repr. In: e-Journal Philosophie der Psychologie. (PDF; 178 kB) 1, 2005.)
  • Uwe an der Heiden, Helmut Schneider: Hat der Mensch einen freien Willen? Die Antworten der großen Philosophen. Reclam jun., Stuttgart 2007, ISBN 978-3-15-018521-6.
  • Geert Keil: Willensfreiheit. De Gruyter, Berlin 2007, ISBN 978-3-11-019561-3.
  • Andreas Klein: Willensfreiheit auf dem Prüfstand. Ein anthropologischer Grundbegriff in Philosophie, Neurobiologie und Theologie. Neukirchener Verlag, Neukirchen-Vluyn 2009, ISBN 978-3-7887-2357-6.
  • Michael McKenna, Derk Pereboom: Free Will: A Contemporary Introduction. Routledge, New York 2016, ISBN 978-0-415-99687-7.
  • Michael Pauen, Gerhard Roth: Freiheit, Schuld und Verantwortung. Grundzüge einer naturalistischen Theorie der Willensfreiheit. Suhrkamp, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-518-26012-8.
  • Franz M. Wuketits: Die Illusion des freien Willens – Essay. In: APuZ. 44-45/2008, S. 3–5.
Freiheit und Determinismus
  • Brigitte Falkenburg: Mythos Determinismus. Wieviel erklärt uns die Hirnforschung? Springer, Heidelberg 2012, ISBN 978-3-642-25097-2.
  • Jürgen Habermas: Freiheit und Determinismus. In: DZPhil. 2004: 52/6, S. 871–890. (ern. In: Zwischen Naturalismus und Religion. Philosophische Aufsätze. Suhrkamp, Frankfurt 2005, ISBN 3-518-58447-2, S. 155–186)
  • Ted Honderich: Wie frei sind wir? Das Determinismus-Problem. Reclam, Stuttgart 1995, ISBN 3-15-009356-2.
  • Geert Keil: Willensfreiheit, 3. Auflage, De Gruyter, Berlin 2017, ISBN 978-3110533453, ASIN B015N8BAAW
  • Geert Keil: Willensfreiheit und Determinismus, zweite, überarb. Auflage, Reclam, Stuttgart 2018, ISBN 978-3150203293
Psychologische Aspekte
  • Martin Heinze, Thomas Fuchs, Friedel M. Reischies (Hrsg.): Willensfreiheit – eine Illusion? Naturalismus und Psychiatrie. Pabst/Parodos, Lengerich/ Berlin 2006, ISBN 3-89967-337-9.
  • Josef Lukas (Hrsg.): Themenheft: Wie frei ist unser Wille? In: Psychologische Rundschau. 55/4, 2004, ISSN 0033-3042, S. 161–206. (Kommentare dazu in: Psychol. Rdsch. 56/3, 2005, S. 220–239)
  • Wolfgang Prinz: Open Minds: The Social Making of Agency and Intentionality, MIT Press 2012, 358 S. ISBN 026230094X - Deutsche Übersetzung von Jürgen Schröder: Selbst im Spiegel. Die soziale Konstruktion von Subjektivität. Suhrkamp, Berlin 2013, ISBN 978-3-518-58594-8, 502 S.
Aspekte aus der Hirnforschung
  • Peter Bieri: Untergräbt die Regie des Gehirns die Freiheit des Willens? In: Martin Heinze u. a.: Willensfreiheit – eine Illusion? 2006, ISBN 3-89967-337-9.
  • Christian Geyer (Hrsg.): Hirnforschung und Willensfreiheit. Zur Deutung der neuesten Experimente. Suhrkamp, Frankfurt 2004, ISBN 3-518-12387-4. (es 2387)
  • Thomas Goschke: Der bedingte Wille. Willensfreiheit und Selbststeuerung aus der Sicht der kognitiven Neurowissenschaft. In: Gerhard Roth, Klaus-Jürgen Grün (Hrsg.): Das Gehirn und seine Freiheit. Beiträge zur neurowissenschaftlichen Grundlegung der Philosophie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-49085-2, S. 107–156.
  • Ingo-Wolf Kittel: Hirnforschung und Willensfreiheit. In: bvvp-Magazin 3, 2005, S. 12–14.
  • Michael Pauen: Illusion Freiheit? Mögliche und unmögliche Konsequenzen der Hirnforschung. Fischer, Frankfurt 2004, ISBN 3-10-061910-2.
  • Reinhard Werth: Die Natur des Bewusstseins – Wie Wahrnehmung und freier Wille im Gehirn entstehen. C. H. Beck, München 2010, ISBN 978-3-406-60594-9.
Handlungsfreiheit, Schuldfähigkeit und juristische Aspekte
  • Christof Gestrich, Thomas Wabel (Hrsg.): Freier oder unfreier Wille? Handlungsfreiheit und Schuldfähigkeit im Dialog der Wissenschaften. Beiheft 2005 zur Berliner Theologischen Zeitschrift.
  • Martin Hochhuth: Die Bedeutung der neuen Willensfreiheitsdebatte für das Recht. In: Juristenzeitung. (JZ) 2005, ISSN 0022-6882, S. 745–753.
  • Thomas Stompe, Hans Schanda (Hrsg.): Der freie Wille und die Schuldfähigkeit in Recht, Psychiatrie und Neurowissenschaften. Medizinisch Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Berlin 2010, ISBN 978-3-941468-23-8.
  • Rolf Dietrich Herzberg: Willensunfreiheit und Schuldvorwurf, Mohr-Siebeck, Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150635-2.
  • Thomas Hillenkamp: "Freie Willensbestimmung" und Gesetz, In: Juristenzeitung. (JZ) 2015, ISSN 0022-6882, S. 391–401.

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Einzelnachweise

  1. Walter Heitler: Naturwissenschaft ist Geisteswissenschaft, Die Waage, Zürich 1972, S. 14
  2. gemeint ist die Tabes dorsalis („Rückenmarksschwindsucht“), die als Folge von Neurolues („Neurosyphilis“) auftritt und zu einem fortschreitenden Abbau von Nervengewebe im Rückenmark und im Gehirn führt.
  3. David Bourget und David J. Chalmers. What do philosophers believe?. In: Philosophical Studies. 2013: S. 15.
  4. John H. Conway und Simon B. Kochen: The Strong Free Will Theorem, in Notices of the AMS. Band 56, Ausgabe 2, Februar 2009.
  5. Simone Kühn, Marcel Brass: Retrospective construction of the judgement of free choice. Consciousness and Cognition 18 (1), 2009, S. 12–21. PMID 18952468
  6. Manfred Stöhr, J. Dichgans, Ulrich W. Buettner, C. W. Hess, Eckart Altenmüller: Evozierte Potentiale. SEP-VEP-AEP-EKP-MEP. 3. Auflage, Springer-Verlag, Berlin 1996, ISBN 3662071460, S. 567.
  7. C. H. M. Brunia, G. J. M. van Boxtel, K. B. E. Böcker: Negative Slow Waves as Indices of Anticipation: The Bereitschaftspotential, the Contingent Negative Variation, and the Stimulus-Preceding Negativity. In: Steven J. Luck, Emily S. Kappenman (Hrsg.): The Oxford Handbook of Event-Related Potential Components. Oxford University Press, USA 2012, S. 189–207, ISBN 0-19-537414-2, S. 189 ff.
  8. Michael Trimmel: Angewandte und Experimentelle Neuropsychophysiologie, Band 35 von Lehr- und Forschungstexte Psychologie, Springer-Verlag 2013, ISBN 3-642-75892-4, S. 216–230.
  9. M. Schultze-Kraft, D. Birman, M. Rusconi, C. Allefeld, K. Görgen, S. Dähne, B. Blankertz, J. D. Haynes: The point of no return in vetoing self-initiated movements. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 113, Nummer 4, Januar 2016, S. 1080–1085, doi:10.1073/pnas.1513569112, PMID 26668390, PMC 4743787 (freier Volltext).
  10. P. Haggard, M. Eimer: On the relation between brain potentials and the awareness of voluntary movements. In: Experimental Brain Research. 1999, PMID 10333013, S. 126, 128–133.
  11. Kühn, Simone, und Brass, Marcel: "Retrospective construction of the judgement of free choice". Consciousness and Cognition 18 (1), 2009, S. 12–21. PMID 18952468
  12. J. P. Brasil-Neto, A. Pascual-Leone, J. Valls-Solé, L. G. Cohen, M. Hallett: Focal transcranial magnetic stimulation and response bias in a forced-choice task. In: Journal of Neurology, Neurosurgery and Psychiatry. 1992, 55, PMID 1431962, S. 964–966.
  13. C. S. Soon, A. H. He S. Bode, John-Dylan Haynes: Predicting free choices for abstract intentions. Proc Natl Acad Sci U S A 110 (15), 2013: S. 6217–6222, Free Full Text, PMID 23509300
  14. Volkart Wildermuth: Kopfrechnen vorhergesagt: Die Gehirnmuster bei mathematischen Entscheidungen, Deutschlandfunk Forschung aktuell, Beitrag vom 20. März 2013.
  15. Berliner Wissenschaftler prüfen Grundmuster von Entscheidungen, Pressemitteilung der Charité vom 17.12.2015
  16. M. Schultze-Kraft, D. Birman, M. Rusconi, C. Allefeld, K. Görgen, S. Dähne, B. Blankertz, J. D. Haynes: The point of no return in vetoing self-initiated movements. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America. Band 113, Nummer 4, Januar 2016, S. 1080–1085, doi:10.1073/pnas.1513569112, PMID 26668390, PMC 4743787 (freier Volltext).
  17. Terrie E. Moffitt, L. Arseneault, D. Belsky, N. Dickson, R. J. Hancox, H. Harrington, R. Houts, R. Poulton, B. W. Roberts, S. Ross, M. R. Sears, W. M. Thomson, A. Caspi: A gradient of childhood self-control predicts health, wealth, and public safety. Proc Natl Acad Sci U S A 108(7), 2011: 2693–2698, PMID 21262822
  18. Terrie E. Moffitt, Avshalom Caspi, Richie Poulton: Ein besseres Leben dank früher Selbstbeherrschung. Spektrum der Wissenschaft 12-2014, S. 40–47, Online
  19. Überblicksartikel auf der Website der Dunedin Studie: Children with more self-control turn into healthier and wealthier adults. 25. Januar 2011 (Memento vom 13. Januar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft (bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis)
  20. Edward L. Deci, Richard M. Ryan: The „What“ and „Why“ of Goal Pursuits: Human Needs and the Self-Determination of Behavior. In: Psychological Inquiry 11(4), 2000, S. 227–268.
  21. Edward L. Deci, Richard M. Ryan: Self-Determination Theory: A Macrotheory of Human Motivation, Development, and Health. In: Canadian Psychology 49, 2008, S. 182–185.
  22. Karl Held (Hrsg.): Die Psychologie des bürgerlichen Individuums; Resultate Verlag München 1981. ISBN 3-929211-04-1 (Vortrag basierend auf dem Buch (PDF; 423 kB), Tondokument (MP3; 28,8 MB), München Juli 1980.)
  23. Donald H. Wacome: Divine Omniscience and Human Freedom
  24. Lazarus Adler: Thalmudische Welt- und Lebensweisheit oder Pirke Aboth (Sprüche der Väter). Fürth 1851, S. 522.
  25. Dominik Perler: Prädestination, Zeit und Kontingenz: Philosophisch-historische Untersuchungen zu Wilhelm Ockhams Tractatus de praedestinatione et de praescientia Dei. In: Bochumer Studien Zur Philosophie. Ser. 12, Gruner 2000, S. 92.
  26. Ausführlich Friedemann Drews: Menschliche Willensfreiheit und göttliche Vorsehung bei Augustinus, Proklos, Apuleius und John Milton: Band 1: Augustinus und Proklos. de Gruyter, Berlin 2009, S. 98, 191 ff., 223 ff.
  27.  Stefan Fleischmann: Szymon Budny – Ein theologisches Portrait des polnisch-weißrussischen Humanisten und Unitariers (ca. 1530–1593). Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006, ISBN 978-3-412-04306-3, S. 17.
  28. József Ferencz: Unitarischer Katechismus. (pdf)
  29. Lissabon–Entscheidung des BVerfG, 2 BvE 2/08 vom 30. Juni 2009, Absatz–Nr. (1–421), Absatz–Nr. 364; vgl. auch: BVerfGE 45, 187 ff., 227.
  30.  Manfred Wolf, Jörg Neuner: Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts. 11 Auflage. C.H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69698-5, S. 96.
  31.  Manfred Wolf, Jörg Neuner: Allgemeiner Teil des Bürgerlichen Rechts. 11 Auflage. C.H. Beck, München 2016, ISBN 978-3-406-69698-5, S. 96.
  32. BayObLG, Beschluss vom 13. Dezember 2000@1@2Vorlage:Toter Link/www.skm-bistum-trier.de (Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven), Az. 3Z BR 353/00, Leitsatz
  33. Mit Verweis auf BVerfG, Urteil vom 18. Juli 1967, Az. 2 BvF 3, 4, 5, 6, 7, 8/62, u. a.; Vorlage:BVerfGE, 219 f.; BayObLG, Urteil vom 25. Juli 1994, Az. 3Z BR 97/94, BayObLGZ 1994, 209, 211.
  34. Eugen Muchowski: Die Einheit der Person Zur Frage der Begründbarkeit von Verantwortung im Determinismus. (PDF; 190 kB) In: Widerspruch. Münchner Zeitschrift für Philosophie Nr. 47/ 2008.
  35. Eduard Dreher: Die Willensfreiheit. Ein zentrales Problem mit vielen Seiten. C. H. Beck, München 1987, ISBN 3-406-32360-X, S. 11 ff.
  36. Wolfgang Prinz: Kritik des freien Willens: Bemerkungen über eine soziale Institution. Psychologische Rundschau 55(4), 2004, S. 198–206, online PDF
  37. Peter Bieri: Das Handwerk der Freiheit. Über die Entdeckung des eigenen Willens. Hanser, München 2001, ISBN 3-596-15647-5. (Lizenzausgabe als „Fischer TB 15647“ Fischer, Frankfurt 2003, ISBN 3-596-15647-5, Kap. 7, S. 230).
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