Kabbala

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"Portae Lucis" (Die Pforten des Lichts) von Joseph ben Abraham Gikatilla (1248-1305) Mann der einen Baum mit den 10 Sephirot hält.

Die Kabbala (hebr. ‏קבלה‎), Empfang, Übernahme, Überlieferung, Weiterleitung) ist die mystische Tradition im Judentum. Die ursprünglichen Wurzeln der Kabbala finden sich in der Tora, der Heiligen Schrift des Judentums. In jahrhundertelanger mündlicher Weitergabe wurden daneben verschiedene weitere Einflüsse aufgenommen, darunter gnostische, neuplatonische und christliche Elemente. Seit Pico della Mirandola wird sie auch in nichtjüdischen Kreisen fortgeführt.

Geschichte des Wortes

Die Bezeichnung Kabbala (hebr. ‏קבלה‎) geht auf den hebräischen Wortstamm q-b-l (‏קבל‎) zurück und bedeutet etwas „zu empfangen“ und davon abgeleitet „Überlieferung, Übernahme und Weiterleitung“. Die Träger dieser Überlieferung werden Baʕaleh Haqabalāבעלה הקבלה‎ oder Məqūballīmמקובלים‎ genannt, wobei in letzter Form wegen des Passivs die Bedeutung des „von Gott aufgenommenen“ mitschwingt. Ursprünglich konnte das Wort Kabbala allgemein jegliche Überlieferung bezeichnen, insbesondere aber die Offenbarung der Tora an Mose am Sinai. So beginnen die „Sprüche der Väter“ aus der Mischna: „Mose empfing (q-b-l) die Tora am Sinai und überlieferte sie …“ Ältere Kabbalisten trugen unspezifische und blumige Namen wie Kenner der Gnadenschönheit (‏יודעי חןyōdəʕēy ḥēn) oder einfach Wissende (‏יודעיםyōdəʕīm), eine Bezeichnung, die auf Nachmanides zurückgeht, Vernunftbegabte (‏משכליםmiśkālīm) und Weise des Herzens (‏חכמי הלבḥāchmēy halēv) und das Objekt selbst war (‏חכמה ניסתרהḥåchmā nīstarā) die verborgene Weisheit. Im Hauptteil des Zohar wird das Wort „Kabbala“ nicht verwendet, erscheint aber in späteren Teilen wie Ra'aya Meheimna und dem Sefer ha-Tiqunim. Seit Beginn des 14. Jahrhunderts hat die Bezeichnung Kabbala sämtliche Synonyme fast vollständig ersetzt.[1]

Überblick

Die Basis kabbalistischer Traditionen ist die Suche nach der Erfahrung einer unmittelbaren Beziehung zu Gott. Nach kabbalistischer Ansicht hat Gott alles, was er im Universum geschaffen hat, auch am Menschen geschaffen. Hieraus ergibt sich das Weltbild der wechselseitigen Entsprechungen von Oben und Unten. In diesen Spekulationsformen wird der kabbalistische Grundgedanke von Mikro- und Makrokosmos deutlich. Die ganze „untere“ Welt wurde demnach nach dem Vorbild der „oberen“ gemacht und jeder Mensch an sich ist ein Universum im Kleinen. Der körperlichen Gestalt des Menschen kommt hierbei eine universelle Bedeutung zu, denn Gott selbst wird in der Tradition der jüdischen Mystik mit letzter Konsequenz anthropomorph gedacht.

Die Vollkommenheit des göttlichen Makrokosmos personifiziert sich hierbei im Menschen, welcher als Mikrokosmos zwar unvollkommen, aber dennoch ein Abbild des himmlischen Urmenschen Adam Qadmon darstellt. Gott als das Grenzenlose und Ewige benötigt das von ihm geschaffene Mittlerwesen des Menschen, um durch die zehn geistigen Kräfte seine göttliche Allmacht wirken zu lassen. Diese zehn Sefirot sind die göttlichen Urpotenzen, welche in der Form des kabbalistischen Weltenbaumes alle Ebenen des Seins durchragen. Dieser Weltenbaum mit dem darin verbundenen Menschen stellt den verkörperten Organismus des Universums dar. Diese elementare Verflechtung des Menschen in ein göttliches Universalsystem verdeutlicht nach kabbalistischer Ansicht auch das gegenseitige Beeinflussungspotential der göttlichen und der menschlichen Ebene. – Der Mensch steht unter dem ganzheitlichen Einfluss universaler Kräfte, kann diese aber seinerseits beeinflussen. (Beispielhaft hierfür ist die kabbalistische Wortmagie, in welcher das Aussprechen von Worten eine unmittelbare Einflussnahme auf das damit Bezeichnete nach sich ziehen soll.)

Wie häufiger in der Mystik geht es dabei um den bewussten und selbst gesteuerten Übergang in eine Ekstase, also einen Weg des Ich aus dem Körper. Dazu gibt es verschiedene Techniken, die sich als Geheimlehren, die studiert und erfahren werden, überliefern. Diese initiatische Erfahrung vermittelte sich anfänglich in einer zunächst rein mündlichen, später schriftlichen Überlieferung. Deshalb wird in der Kabbala auch heute die Beziehung zwischen Lehrer und Schüler als wesentlich herausgestellt.

Kabbalistische Erfahrung soll die Grenze zwischen Subjekt und Objekt aufheben können. Ein Kabbalist durchbricht demnach die Mauer „härter als ein Diamant“ und erfährt die All-Einheit. Es gibt verschiedene kabbalistische Schriften und Schulen, aber keine Dogmatik oder abprüfbaren Lehrinhalt, also keine allgemeingültige kabbalistische Lehre. Aber es gibt kabbalistische Techniken. Dementsprechend ist alle schriftliche Hinterlassenschaft der Kabbalisten stark symbolisch.

Nach jüdischer Tradition gelangten nur vier Weise zu Lebzeiten ins Paradies und von diesen kehrte allein Rabbi Akiba unversehrt zurück. Den meisten gelingen nur ein paar Tritte auf der Himmelsleiter oder das Öffnen einiger weniger Tore. Jedoch behalten alle ihre besonderen erlangten Fähigkeiten und sollen sie nach außerbiblischer Tradition sogar vererben (deuterokanonisches Buch Jesus Sirach 4,16). So soll der Segen – Bərachaברכה‎ entstehen. Um Missbrauch dieser Kräfte zu verhindern, werden Schüler vor ihrer Aufnahme geprüft. Um „Würdige“ von „Unwürdigen“ zu trennen, hat man die Kabbala in eine theoretische (‏קבלה עיוניתqabālā ʕīyūnit) und eine praktische (‏קבלה מעשיתqabālā maʕăśīt) unterteilt, wobei erstere das System darstellt, und letztere magische und mantische Praktiken umschreibt wie Amulettwesen, Loswerfen etc.

Jüdische Kabbala

Die ersten Träger kabbalistischer Tradition stammen aus dem rabbinischen Judentum, insbesondere aus dem Schülerkreis des Rabbi Jochanan ben Sakkai und des Rabbi Akiba ben Josef in Palästina. Die beherrschenden Themen waren dabei Spekulationen über die biblische Schöpfungserzählung und die Visionen des Propheten Ezechiel vom göttlichen Thronwagen. Danach wird diese Strömung auch als Merkaba-Mystik bezeichnet (hebr. ‏מרכבה‎, „Wagen“).

Erst später erschienen dann auch schriftliche Dokumente. Als wesentliches Zeugnis aus dem 1. Jahrtausend gilt das Buch Jezira, das zwischen dem 3. und dem 6. Jahrhundert entstand. Es enthält die Darstellung der 10 Sefirot und der 22 Buchstaben des hebräischen Alphabets als den Urzahlen und Verhältnissen, auf denen die Welt beruht. Diese kommen in der Darstellung des kabbalistischen Weltenbaumes zum Ausdruck.

Im hohen Mittelalter waren die Zentren kabbalistischer Bewegungen der deutsche Chassidismus im Rheinland (Mitte des 12. bis Mitte des 13. Jahrhunderts) und vor allem die so genannte "prophetische Kabbala" in Spanien, deren bedeutendste Vertreter Abulafia und Gikatilla waren. Aus der Tradition des spanischen Judentums entstand gegen Ende des 13. Jahrhunderts die bedeutendste kabbalistische Schrift überhaupt: der Sohar (Sefer ha Sohar, hebr. "Das Buch des Glanzes"). Als sein Autor gilt der spanische Kabbalist Mosche de Leon († 1305), jedoch ist damit zu rechnen, dass fremdes und älteres Material in das Werk aufgenommen worden ist.

Der Sohar enthält in verschiedenen, teils sehr umfangreichen Abhandlungen Auslegungen der Tora, Erzählungen zu mystischen Gestalten des Judentums, insbesondere zu Rabbi Schimon ben Jochai und seinen Schülern, sowie Spekulationen zu Zahlen und Buchstaben als den Fundamenten der Welt. Der Sohar gilt wohl neben dem Tanach, der jüdischen heiligen Schrift, und dem Talmud als wichtigste Einzelschrift des Judentums.

Lurianische Kabbala

Nach der Verfolgung und Vertreibung der Juden aus Spanien im Jahr 1492 wurde das Örtchen Safed in Galiläa zum Zentrum kabbalistischer Lehre. Hier wirkte vor allem Isaak Luria (1534-1572), der wesentliche Beiträge zur Auffassung von der Schöpfung der Welt entwickelte. Dazu gehören Vorstellungen von einem "Sich-Zurückziehen" Gottes, um der entstehenden Welt Platz zu schaffen (Zimzum), dem "Zerbrechen der Gefäße" bei der Schöpfung und dem Freiwerden der göttlichen Lichtfunken (Schebirath ha Kelim), Spekulationen über das Unendliche (En Sof) und eine Lehre über die Seelenwanderung (Gilgul). Ziel aller Bemühungen des Menschen ist es, in einem Prozess der Vervollkommnung (Tikkun) den ursprünglichen heilen Zustand der Welt aus göttlicher Existenz wieder herzustellen.

Diese Lehren werden in sehr ausführlichen Beschreibungen und äußerst detaillierten, höchst komplizierten Bildern dargelegt. Die lurianische Kabbala versteht sich dabei als eine Wissenschaft von Gott, Welt und Mensch als mystische Deutung eines menschlichen Exils und seiner Erlösung in kosmologischem Horizont.

Die in Safed entstandene Kabbala des Isaak Luria hat im Judentum erheblichen Einfluss gewonnen. Viele Elemente dieser Lehre wurden auch im osteuropäischen Chassidismus des 17. und 18. Jahrhunderts wirksam. Unter behutsamer Einbeziehung messianischer Elemente und einer gewissen Vereinfachung des ursprünglich sehr differenzierten Lehrgebäudes konnte die Kabbala große populäre Bedeutung in den chassidischen Zentren des Ostjudentums entfalten.

Kabbalistische Tradition wird auch in der Gegenwart gepflegt und weiter entwickelt, vor allem in den chassidischen Gemeinden der USA und in Israel. Als einer der bedeutenden Kabbalisten des 20. Jahrhunderts gilt Yehuda Ashlag.

Siehe auch: PaRDeS

Christliche Kabbala

Die 72 Namen Gottes, aus Athanasius Kircher, Oedipus Aegyptiacus, 1652–1655.
Hauptartikel: Christliche Kabbala

Athanasius Kircher (1602-1680) prägte den Begriff „christliche Kabbala“. Die Frage, ob es eine eigentliche christliche Kabbala im Sinn einer originären kabbalistischen Mystik mit christlichen Elementen jemals gegeben habe, kann nicht mit letzter Gewissheit beantwortet werden. Kreative kabbalistische Denker vom Zuschnitt eines Isaak Luria, der mit seiner Vision eines Adam Kadmon einen ganz eigenen vitalen gnostisch-kabbalistischen Schöpfungsmythos schuf, fehlen der christlichen Kabbala. Dagegen deutlich erkennbar ist eine ungemein fruchtbare Rezeption kabbalistischen Schriftgutes im Frühhumanismus. Allen voran ging Giovanni Pico della Mirandola (1463-1494) in Conclusiones philosophicae, kabbalisticae et theologicae sive theses CM („Philosophische, kabbalistische und theologische Schlussfolgerungen“, 1496) und mit seinem 1496 posthum herausgegebenen Werk Oratio de hominis dignitate („Über die Würde des Menschen“, 1486). Johannes Reuchlin (1455-1522) verband christliche Theologie, pythagoräische und neuplatonische Philosophie sowie jüdische Mystik zu einer Synthese (De verbo mirifico, 1494; De arte cabalistica, 1517). Mit De Occulta Philosophia – Von der verborgenen Philosophie, Antwerpen, Paris und Köln, 1530–1533 gelang Agrippa von Nettesheim (1486-1535) auf Anhieb ein frühhumanistischer „Bestseller“. Darin stellte er die kabbalistische Esoterik in den Dienst christlicher Dogmatik. Heinrich Khunraths (1560-1605) Amphitheatrum Sapientiae Aeternae Solius Verae („Amphitheater der einzigen wahren und ewigen Weisheit“, Hamburg 1495) ist eine Mischung aus christlicher Magie, Alchemie und Kabbala.

Die Cabbala denudata (2 Bände, 1677–1684; „Offenbarte Kabbala“) des Geistlichen Christian Knorr von Rosenroth (1636-1689) stellt die erste größere Sohar-Übersetzung ins Lateinische dar. Wie weit die Interessen dieses Theologen, Dichters und Hermetikers gehen, zeigt die von ihm kommentierte Übersetzung von G. della Portas Magia Naturalis (1680), aber besonders die enge Zusammenarbeit mit dem Arzt und Alchemisten Franciscus Mercurius van Helmont, dem Sohn des paracelsistischen Iatrochemikers Johan Baptista van Helmont (1580-1644).

Hermetische Kabbala

Hauptartikel: Hermetische Kabbala

Die Anfänge der hermetischen Kabbala können bei John Dee und Robert Fludd gesehen werden. Hermetiker waren empfänglich für die Kabbala, da diese Analogien zu platonischen Ideen aufwies[2]. Die hermetische Kabbala hat Wurzeln in der Gnosis[3], dem Neuplatonismus[3], der Hermetik[3] und der christlichen Kabbala[4].

Die Grenzen zwischen spekulativer Kabbala (theoretische Kabbala) und Magie (praktische Kabbala) sind auch in der abendländischen Hermetik fließend. Wo Gershom Scholem noch in "Alchemie und Kabbala" Verbindungen zwischen jüdischen Kabbalisten, christlichen Kabbalisten und Alchemisten dokumentiert, verschwimmen bei den Hermetikern des 19. Jh.'s sämtliche Trennlinien. Die Hermetiker integrieren nahezu vollkommen Alchemie und Kabbala. Kabbala als Mittel der Initiation besteht auch bei ihnen. Die mündliche Weitergabe von Torakenntnissen und mystische Toradeutung (Sefer Jezirah, Sefer Bahir, Sohar) bleibt den Hermetikern weitestgehend auf der Strecke.

Rudolf Steiner über die Kabbala

Der Sephirothbaum in der Darstellung Rudolf Steiners.

Rudolf Steiner hat nur selten ausführlicher und zusammenhängend über die jüdische Geheimlehre gesprochen. Zu nennen sind insbesonders ein Vortrag in Berlin am 18. März 1904 (siehe unten) und in Dornach ein Vortrag über den Sephirothbaum für die Arbeiter am Goetheanum vom 10. Mai 1924. Verstreut über das Gesamtwerk Steiners finden sich aber auch immer wieder einzelne Hinweise zur Kabbala.

"Die Kabbala ist heute selbst unter den Juden etwas, was man seiner tiefen Weisheit nach sehr wenig kennt. Bei denjenigen kommt es manchmal noch zutage, wo man es am wenigsten vermuten würde. Wenn Sie einen gelehrten Juden träfen, der aus dem fernsten Galizien kommt, der äußerlich recht wenig auf sich gibt und für die zivilisierte Menschheit abstoßend wirken kann, dann könnten Sie die Erfahrung machen, daß derselbe Reste der kabbalistischen Weisheit noch kennt. In Osterreich nennt man diese Leute «Wunder-Rabbi», weil sie gewisse äußere magische Künste kennen, zum Beispiel können sie viel besser als unsere modernen Ärzte Suggestion ausüben. Bis zu einem gewissen Grade sind sie sogar eingeweiht.

Etwas werde ich sagen über das, was in der Kabbala steht. In meinem Buche «Theosophie» werden Sie finden, daß jene Geheimlehren zusammenstimmen mit dem, was wir in der Theosophie lernen.

Die Kabbala unterscheidet innerhalb der Welt zwölf Glieder, wovon das erste und das letzte geheim bleiben, weil sie überhaupt nicht in Worte zu bringen sind. Nur die zehn übrigen werden in Worte gebracht. Diese zehn übrigen werden in drei Gruppen eingeteilt: erstens die sogenannte Geistwelt, die Welt der reinen geistigen Wesenheiten, zweitens die Welt des Seelischen, drittens die Welt der Körperlichkeit.

Nun sagt der Kabbaiist jedem seiner Schüler sofort: Niemals kannst du mit Augen eine dieser drei Welten sehen, sondern jederzeit kannst du nur das «Reich» sehen. - Das «Reich» ist das, was unsere Welt ist, die uns umgibt. Ich sehe einen Menschen, sagt der Kabbalaschüler, aber was ich sehe, ist im «Reiche». In Wahrheit ist dieser Mensch in der dreigliedrigen Welt. Er hat Körper, Seele und Geist. Durch den Körper atmet er, ernährt sich; durch die Seele fühlt er und durch den Geist denkt er. Das alles tritt uns entgegen als ein Ganzes, als das «Reich». Das ist das zehnte der Glieder. Dieses zehnte Glied ist der Zusammenfluß der übrigen neun in der verschiedensten Art und Weise.

Erstens: die Welt des Körperlichen: Das Körperliche hat wieder drei Glieder. Jeder Körper ist in sich. Wäre er nicht in sich, so wäre er überhaupt nicht da. Stößt du auf ihn, so nimmst du seine Festigkeit wahr. Stößt er auf dich, so nimmst du seinen Schein wahr. Deshalb unterscheidet man: Fundament, Festigkeit, Schein. Das sind die drei Sephiroth der Körperlichkeit. Damit haben wir vier Sephiroth:

Reich 10

Festigkeit 9

Fundament 8

Schein 7

Zweitens: Seelenwelt. Wiederum drei Sephiroth. Das erste ist dasjenige, was wir jetzt, in der Theosophie, die Sympathie nennen und was die Kabbala Liebe nennt. Liebe ist dasjenige, was der Seelenkörper ausgibt, wenn er an einen anderen herankommt. So wie die Festigkeit mir von einem Körper entgegentritt, so ist die Liebe das, was ich ausgebe. 6

Das zweite Sephiroth ist die Gnade, die eigentlich nicht mehr bloß ausgebend ist wie die Liebe, die schon mehr in sich geschlossen ist; die nicht sich so ausgibt wie die Liebe, sondern die von innen heraus austeilt. 5

Das dritte Sephiroth ist die Gerechtigkeit, die lediglich ausgleichend ist. 4

Das sind die drei Seelen-Sephiroth.

Nun zu den Sephiroth der Geistwelt. Sie sind das eigentlich Tätige.

Das erste nennt die Kabbala den Weltverstand. 3

Das zweite den Weltgedanken: der Verstand, der den Gedanken hat. 2

Das dritte ist das Grundsephiroth, das nennt der Kabbalist die Höhe oder die Krone, die Vereinigung von Verstand und Gedanke (Kether - die Höhe). 1

Das sind die zehn Sephiroth. Nun sagt der Kabbaiist zum Schüler: Du hast von jeder dieser Welten ein Glied in dir. Du hast aus der Körperwelt deine vegetative Seele (nephesch), Pflanzenseele, ätherischer Doppelkörper. Du hast aus der Seelenwelt die Leidenschaftsseele, die empfindende Seele (ruach), und du hast aus dem Geisterlande die denkende Seele (neschamah).

Das war das Gerippe der jüdischen Geheimlehre." (Lit.: GA 089, S. 273ff)

Kabbala-Popkultur

Sogar Pop-Stars wie Madonna und Britney Spears propagieren kabbalistisch-esoterische Botschaften (siehe Kabbalah Centre).

Von heutigen jüdischen Kabbalisten wird diese Pop-Kabbala als Verfälschung kritisiert - dies umso mehr, als die jüdische Tradition empfiehlt, das Studium der Kabbala nicht vor dem 40. Lebensjahr zu beginnen.

Anmerkungen

  1. Encyclopedia Judaica, Art. Kabbalah, Bd. 10, S. 495.
  2. Michael T. Walton: Hermetic Cabala in the Monas Hieroglyphica and the Mosaicall Philosophy. Grey Lodge. Archiviert vom Original am 2010-08-07. Abgerufen am 2012-05-20. (englisch)
  3. 3,0 3,1 3,2  Walter Martin, Jill Martin Rische, Kurt van Gorden: The Kingdom of the Occult. Thomas Nelson, Nashville, Tennessee 2008, ISBN 9-781-4185-1644-4, S. 144-147 (eingeschränkte Vorschau in der Google Buchsuche, abgerufen am 20. Mai 2012).
  4.  Israel Regardie: A Garden of Pomegranates: Skrying on the Tree of Life. Edited and Annotated with New Material by Chich Cicero and Sandra Tabatha Cicero. 3 Auflage. Llewellyn Publications, St. Paul, MN 2004, ISBN 1-56718-141-4, S. XIII.

Literatur

Jüdische Kabbala
  • Michael Laitman: Quantum Kabbala: Neue Physik und kabbalistische Spiritualität; Berlin: Allegria (Ulstein), 2007; ISBN 978-3793421054
  • Michael Laitman: Leben aus der Kabbala: Das Handbuch für den spirituellen Weg; Berlin: Allegria (Ulstein), 2007; ISBN 978-3548743738
  • Michael Laitman: Kabbala – Ein erster Einblick in die verborgene Weisheit; Egling an der Paar: Roman Kovar, 2002; ISBN 978-3925845925
  • Des Juden Abraham von Worms Buch der wahren Praktik in der uralten göttlichen Magie und in erstaunlichen Dingen, wie sie durch die heilige Kabbala und durch Elohym mitgeteilt worden samt der Geister- und Wunderherrschaft, welche Moses in der Wüste aus dem feurigen Busch erlernet, alle Verborgenheit der Kabbala umfassend. / Aus der hebräischen Pergament-Handschrift von 1387 im XVII. Jahrhundert verdeutscht und wortgetreu herausgegeben; Köln am Rhein: Peter Hammer, 1725.
  • G. Busi, S. M. Bondoni, S. Campanini (Hg.): The Great Parchment: Flavius Mithridates’ Latin Translation, the Hebrew Text, and an English Version; Biblioteca cabbalistica di G. P. della Mirandola, 1; Turin: Nino Aragno, 2004; ISBN 88-8419-189-0.
  • S. Campanini (Hg.): The Book of Bahir. Flavius Mithridates’ Latin Translation, the Hebrew Text, and an English Version, with a Foreword by G. Busi; Lateinische Übersetzung von Flavius Mithridates und hebräischer Text; Biblioteca cabbalistica di G. P. della Mirandola, 2; Turin: Nino Aragno, 2005.
  • Karl Erich Grözinger: Jüdisches Denken, Band 2: Von der mittelalterlichen Kabbala zum Hasidismus; Frankfurt am Main: Campus, 2005; ISBN 3-593-37513-3
  • M.D. Georg Langer: Die Erotik der Kabbala; München: Eugen Diederichs, 1989 (= 19231; Langer verbindet die aufkommende Psychoanalyse und Sexualtheorien, besonders die Hans Blühers, mit kabbalistischen Metaphern des Eros).
  • Gershom Scholem: Von der mystischen Gestalt der Gottheit. Studien zu Grundbegriffen der Kabbala; Zürich: Rhein-Verlag, 1962.
  • Gershom Scholem: Jewish Gnosticism, Merkabah Mysticism and Talmudic Tradition; New York: The Jewish Theological Seminary of America, 1965.
  • Gershom Scholem: Zur Kabbala und ihrer Symbolik; Frankfurt (Main): Suhrkamp, 1973; ISBN 3-518-27613-1
  • Gershom Scholem: Die jüdische Mystik in ihren Hauptströmungen; Frankfurt (Main): Suhrkamp, 1980; ISBN 3-518-07930-1 (Bedeutendste Gesamtdarstellung jüdischer Kabbala).
  • Gershom Scholem (Hg.): Das Buch Bahir; Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 19894 (G. Scholems Dissertation. Scholem nutzte dabei Pico della Mirandolas Ausgabe von 1486).
  • Z’ev ben Shimon Halevi: Lebensbaum und Kabbala; München: Heyne, 1997; ISBN 3-453-11836-7. Originaltitel Adam and the Kabbalistic tree, Gateway books. Sehr gelungene, formal strenge Einleitung.
  • John W. McGinley; „The Written“ as the Vocation of Conceiving Jewishly; To Excel/Kaleidoscope Sof, 2006; ISBN 0-595-40488-X.
  • Johann Maier: Die Kabbalah. Einführung – Klassische Texte – Erläuterungen; München: Beck, 20042; ISBN 3-406-39659-3.
  • Chajim Bloch: Kabbalistische Sagen; Leipzig: Reprint-Verlag, 1995. Reprint der Ausgabe Asia Major, Leipzig 1925. Sagen um Isaak Luria.
  • Encyclopedia Judaica: Art. Kabbalah, Bd. 10, S. 489–653.
  • Moshe Idel: Kabbalah and eros, New Haven [u.a.] : Yale Univ. Press, 2005, dt. Kabbala und Eros, Frankfurt am Main ; Leipzig : Verlag der Weltreligionen, 2009
Christliche Kabbala
  • Giovanni Pico della Mirandola: Conclusiones philosophicae, kabblisticae et theologicae sive theses DCCCC, 1486 – Philosophische, kabbalistische und theologische Schlussfolgerungen
    • Oratio de hominis dignitate, 1486 – Über die Würde des Menschen.
  • Giulio Busi, Simonetta M. Bondoni, Saverio Campanini (Hg.): The Great Parchment. Flavius Mithidates’ Latin Translation, The Hebrew Text, and an English Version; Turin: Nino Aragno, 2004
  • Saverio Campanini (Hg.): The Book of Bahir. Flavius Mithridates’ Latin Translation, the Hebrew Text, and an English Version; Turin: Nino Aragno, 2005.
  • Johann Reuchlin: De arte cabalistica; Mailand: ARCHÈ/EDIDIT, 1995; ISBN 88-7252-174-2. Latein-Französisch, Originalversion von 1517.
  • Wikipedia:Johannes Pistorius der Jüngere: Artis cabalisticae: hoc est, reconditae Theologiae et Philosophiae scriptorum, Tomus I; Basel 1587.
  • Christian Knorr von Rosenroth: Kabbala Denudata, 2 Bände; Hildesheim: Olms Verlag 1999; Deutsche Version.
  • Wilhelm Schmidt-Biggemann (Hrsg.): Christliche Kabbala; Ostfildern: Thorbecke, 2003.
  • Saverio Campanini: Francesco Giorgio’s Criticism of the Vulgata: „Hebraica Veritas“ or „Mendosa Traductio“? In: G. Busi (Hg.): Hebrew to Latin, Latin to Hebrew. The Mirroring of Two Cultures in the Age of Humanism; Berlin Studies in Judaism 1; Turin: Nino Aragno Editore, 2006; S. 206–231.
  • Saverio Campanini: Ein unbekannter Kommentar zum „Hohelied“ aus der kabbalistischen Schule von Francesco Zorzi; in: G. Frank, A. Hallacker, S. Lalla (Hg.): Erzählende Vernunft; Berlin: Akademie Verlag, 2006; S. 265–281.
  • Otto Betz, Isolde Betz: Licht vom unerschaffnen Lichte. Die kabbalistische Lehrtafel der Prinzessin Antonia in Bad Teinach; Metzingen/Württ.: Sternberg, 20002; ISBN 3-87785-022-7.
  • Friedrich Christoph Oetinger: Die Lehrtafel der Prinzessin Antonia; Hrsg. von Reinhard Breymayer und Friedrich Häußermann, 2 Teile; Texte zur Geschichte des Pietismus, Abt. 7, Bd. 1, Teil 1.2; Berlin, New York: Walter de Gruyter, 1977; ISBN 3-11-004130-8.
  • Theodor Zechinger: Die christliche Kabbala aus katholischer Sicht – Exegese und Transzendenz; in: Res Theologicae 11 (1986); Hamburg: Münzinger, 1986; S. 68–81.
Kabbalistische Sammlungen mit Textauszügen im Überblick
  • Daniel C. Matt (Hg.): Das Herz der Kabbala – Jüdische Mystik aus zwei Jahrtausenden; Berlin: O. W. Barth, 1996. Thematischer Auswahlband; besonders gute Übersetzungen.
  • Helmut Werner: Kabbala; Frechen: Komet, 2002; ISBN 3-89836-349-X. Eine Textauswahl mit Einleitung, Bibliografie und Lexikon; besonders daran die Einteilung theoretischer und praktischer Kabbala.
Kabbalistische Einführungen
  • Perle Besserman: Der versteckte Garten. Die Kabbala als Quelle spiritueller Unterweisung; Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag, 1996; ISBN 3-596-13013-1. Jüdische Einführung.
  • Joseph Dan: Kabbalah. A very short introduction; New York: Oxford University Press, 2006.
  • Will Parfitt: Die Kabbala; Braunschweig: Aurum-Verlag, 1993; ISBN 3-591-08339-9. Einführung in die praktische Kabbala mit Bezügen zu verschiedenen Kabbalisten der letzten 100 Jahre.
Rudolf Steiner

Kritische Literatur

  • Michael Laitman: Das Licht der Kabbala: Die Einführung in das Wesen der Kabbala; Berlin: Allegria (Ulstein), 2007, ISBN 978-3548743745

Weblinks

Kritische Weblinks

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